Wie die optimale Tonart für meine Stimme finden? (bei einem Song)

DrWhodiwho

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Hallo zusammen,

angenommen, ihr spielt einen x-beliebigen Song auf der Gitarre. Wie findet ihr die Tonart, die am besten zu eurer Stimme passt? Natürlich ist manchmal die Wahl der Tonart bereits durch die Akkorde bzw. deren Voicings begrenzt. Aber wenn ich jetzt einen Song geschrieben habe und die Wahl habe zwischen Capo 0-5, wie entscheide ich mich dann für eine Tonart? Jede Tonart hat einen eigenen Charakter und in keiner der Tonarten fällt es mir schwer zu singen...

Bin gespannt, Danke!
 
Dr Dulle

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Hi

Eigene Songs schreibe ich , da ich kein Sänger bin, erstmal in der Tonart die mir auf der Gitarre gefällt.
Also die gut klingt und mir interessante Akkordvoicings ermöglicht.

Bei Covernummer mit einem richtigen Sänger probiert man um die Originaltonart herum aus was geht.
Oder man lässt den Sänger mal ohne Instrumente den Song ansingen. Oft passiert es ,das diese Lage
dem Interpreten dann auch recht gut liegt.
 
HaraldS

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angenommen, ihr spielt einen x-beliebigen Song auf der Gitarre. Wie findet ihr die Tonart, die am besten zu eurer Stimme passt? Natürlich ist manchmal die Wahl der Tonart bereits durch die Akkorde bzw. deren Voicings begrenzt. Aber wenn ich jetzt einen Song geschrieben habe und die Wahl habe zwischen Capo 0-5, wie entscheide ich mich dann für eine Tonart? Jede Tonart hat einen eigenen Charakter und in keiner der Tonarten fällt es mir schwer zu singen...

Finde den Tonumfang (= Abstand vom tiefsten zum höchsten Ton, auch "Ambitus" genannt) des Songs heraus und dazu den Tonumfang deiner Stimme. Das kann man alles klar und rational benennen.

Wenn der Tonumfang des Songs größer ist als der deiner Stimme, kannst du den Song eh nicht singen, egal wie du ihn transponierst. Lösung: durch Üben + Gesangsunterricht den Tonumfang deiner Stimme vergrößern, oder den Song so arrangieren (=inhaltlich ändern), dass dessen Tonumfang kleiner wird.

Wenn der Tonumfang des Songs kleiner ist als der deiner Stimme, kannst du den Song singen. Aber selbst dann wird es nicht so viele Möglichkeiten geben, dass der Song-Tonumfang in deinen Stimm-Tonumfang hineinpasst. Z.B. könnte es dann 5-6 Möglichkeiten geben, von denen aber 3-4 zu komplizierten Akkorden führen. In dem Fall bleiben ~2 Möglichkeiten übrig, die du ausprobieren kannst, wie der Song sich anfühlt beim Performen und wie gut die Akkorde sich greifen lassen.

Jeder Musiker/Sänger macht das so, aber ganz viele lehnen eine rationale Herangehensweise ab, da das erfordert, Töne zu benennen. Die, die die rationale Herangehensweise ablehnen, kommen durch Herumprobieren irgendwann zum gleichen Ziel.
 
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Ich mache das durch ausprobieren.
Oft ist es so, dass ich in einer meiner Lieblingstonarten den Song schreibe. Dann kommt der Gesang dazu.
Wenn es gut singbar ist, bleibt es erstmal so, bis ich eventuell feststelle, dass es eher zu tief ist und ich live nicht genügend Gas geben kann.
Oft schreibe ich für andere und z.B. unsere Sängerinnen haben es gerne tiefer.
Oder der Song wird erstmal tief und später eine Oktav höher gesungen. Dann muss man einen guten Kompromiss finden, da die Range ja nicht unendlich ist und man dann ja schon gut 3 Oktaven braucht, in denen man gut singen kann.
 
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MS-SPO

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wie entscheide ich mich dann für eine Tonart? Jede Tonart hat einen eigenen Charakter und in keiner der Tonarten fällt es mir schwer zu singen...
Hm, dann verstehe ich Deine Frage nicht so richtig. Spricht Dich denn nicht eine der 6 Möglichkeiten musikalisch oder emotional an?

Ansonsten würde ich schauen, in welcher "Mittellage" ich mich am wohlsten fühle. D.h. aus welchem (eher schmalen) Tonbereich heraus ich bequem zu höheren und tieferen Tönen wechseln kann.

Ein weiterer Gesichtspunkt wäre, ob oder wie stark sich Gitarrenklang und Stimmklang zu sehr gleichen: Man sollte beide "Instrumente" als unterschiedliche wahrnehmen. Typisches Gegenbeispiel wären Basstrommel und Bass ... in vielen Songs sind die kaum voneinander zu unterscheiden. Das kann musikalisch so gewollt sein, oder es kann handwerklich ungeschickt gemacht sein, je nachdem.
 
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Filztier

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Das erste ist meistens richtig. So wie dus ursprünglich geschrieben hast. Meine persönliche meinung
 
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Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Antworten!

@HaraldS
Dein Vorschlag eignet sich sehr gut um z.B. Cover-Songs spielen / arrangieren zu können. In meinem Beispiel habe ich allerdings die Wahl zwischen Capo 0-5 (geschrieben mit Capo 2) welche ich alle gut singen kann. Oft beobachte ich, dass Sänger einfach die höchste aller Möglichkeiten wählen, die sie noch sauber singen können. Ich finde allerdings, dass da viel mehr mit reinspielt. Hohe Töne erfordern teilweise mehr Energie, so dass diese den ruhigen Charakter eines Songs zerstören können. Andersherum könnte eine "tiefe" Tonart zu wenig Energie für einen Song mit viel Power haben. Hier habe ich Schwierigkeiten die richtige Tonart auszuwählen.

Meine Frage könnte auch lauten: wählt ihr Tonarten so hoch wie möglich oder bewertet ihr jede mögliche Tonart individuell und achtet auf die Wirkung des Gesamtsongs? Und wenn ihr diese individuell auswählt, was sind eure Kriterien?

bis ich eventuell feststelle, dass es eher zu tief ist und ich live nicht genügend Gas geben kann.
Das geht schon etwa in die Richtung die ich meinte
Spricht Dich denn nicht eine der 6 Möglichkeiten musikalisch oder emotional an?
Eigentlich genau die richtige Frage: wählst du subjektiv die für dich musikalischte / emotionalste Möglichkeit aus, auch wenn du den Song zwei Ganztöne höher singen könntest?
Ein weiterer Gesichtspunkt wäre, ob oder wie stark sich Gitarrenklang und Stimmklang zu sehr gleichen: Man sollte beide "Instrumente" als unterschiedliche wahrnehmen.
Sehr guter Tipp! Darauf habe ich noch nicht geachtet!

Viele Güße!
 
MS-SPO

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Eigentlich genau die richtige Frage: wählst du subjektiv die für dich musikalischte / emotionalste Möglichkeit aus, auch wenn du den Song zwei Ganztöne höher singen könntest?
Im Grunde schon. Ich kenne eine ähnliche Situation am Klavier, Keyboard oder Hammond-Orgel: Obwohl Melodie und Begleitung jeweils um wenigstens eine Oktave verschoben werden könnten, klingen nur manche Lagenkombinationen für mich gut. Und wechsle ich dann das Instrument, passen wieder andere Lagen besser zueinander. Den Haupteinfluss scheint die Klangfarbe zu machen, abhängig von Instrument (Grundcharakter), Melodie und Begleitung (Harmonie + Klangeindruck).

Sehr guter Tipp! Darauf habe ich noch nicht geachtet!
Gerne :)

Also, mein Kriterium ist mein individueller, stimmiger Höreindruck.

Mitunter führt das dazu, Kleinigkeiten zu ändern, z.B.:
  • invertierten Akkord (E-G-C) statt direkten Akkord (C-E-G) nehmen
  • rootless chords verwenden (also nur 3. und 7.)
  • Progression statt nur hoch sowohl hoch als auch tief spielen; hat dann auch eher mit "Bewegung" zu tun
    (Beispiel: I-vi-ii-V geht als C3-a3-d3-G3, oder manchmal angenehmer als C3-a2-d3-G2)
  • sowie: die beim Spielen der immer gleichen Noten abgerufene innere Stimmung (Freudigster Lebenstag! , tiefstdunkelste Trauer, abgearbeitet-wie-Sisyphos ... nicht zu überhören)

Zur Stimmigkeit folgendes Beispiel:
  • ein gospelartiges Stück kann auf der Hammond sehr feierlich und tragend wirken (schööön)
  • mit einer anderen Registrierung der Hammond für Reggae UND Reggae Rhythmus rechts wie links wirken die im Grunde gleichen Noten ganz anders (easy livin' brod'a)
  • auf dem Klavier muss ich dagegen den schönen Klang der Saiten in die Darbietung integrieren (Majes-tro !)
  • auf dem Keyboard mit Elektrobass links und verzerrter E-Gitarre rechts machen die unterschiedlich tonabhängigen starken Verzerrungen die Musik, sprich das stimmige Gefühl (lass rocken, Oppa!)
  • und immer noch alles den Noten nach ... "gleich" ...
Viel Erfolg :cool:
 
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HaraldS

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Dein Vorschlag eignet sich sehr gut um z.B. Cover-Songs spielen / arrangieren zu können. In meinem Beispiel habe ich allerdings die Wahl zwischen Capo 0-5 (geschrieben mit Capo 2) welche ich alle gut singen kann.

Was ich vorschlage, ist eine rationale und benennende Herangehensweise, die funktioniert bei Cover-Songs genauso wie bei eigenen Songs. Wenn du schreibst, du hast die "Wahl zwischen Capo 0-5", dann sind das schon Vorgaben bzw. Einschränkungen, die eigentlich erst das Ergebnis meines Vorschlags sein sollten, aber nicht die Ausgangslage.

Die Ausgangslage sind vielmehr zwei Tonumfänge: der deiner Stimme und der des Songs. Das ist erstmal abstrakt und vollkommen unabhängig von konkreten Instrumenten oder Capo-Positionen. Aus der Kombination dieser zwei Tonumfänge ergibt sich dann eine begrenzte Menge von möglichen Tonarten, und aus diesen dann eine noch begrenztere Auswahl an Tonarten, in denen deine Stimme gut klingt. Und aus dieser noch begrenzteren Auswahl ergibt sich dann evtl. die Notwendigkeit irgendeiner Capo-Position, falls du den Song mit einer Gitarre begleitest.

Oft beobachte ich, dass Sänger einfach die höchste aller Möglichkeiten wählen, die sie noch sauber singen können. Ich finde allerdings, dass da viel mehr mit reinspielt. Hohe Töne erfordern teilweise mehr Energie, so dass diese den ruhigen Charakter eines Songs zerstören können. Andersherum könnte eine "tiefe" Tonart zu wenig Energie für einen Song mit viel Power haben. Hier habe ich Schwierigkeiten die richtige Tonart auszuwählen.

Guter Punkt - bestimmte Stellen in Songs erfordern bestimmte hohe oder niedrige Energien im Gesang. Und da kann ich nur dazu raten, sich die Hoch- und Tiefpunkte einer Melodie mal klar zu machen (also aufzuschreiben und/oder mit Tonhöhenbezeichnungen zu benennen) und den Text aufzuschreiben. Wenn es ein guter Song ist, stehen die Hoch- und Tiefpunkte mit den entscheidenden Worten des Textes in einem beschreibbaren, sinnvollen und emotional mitreißenden Verhältnis. Und nicht nur die höchsten oder tiefsten Töne sind wichtig, sondern hoch oder tief angelegte Phrasen, also sinngebende Zusammenhänge von Tönen. Wenn du das analysierst, kannst du z.B. den Song so transponieren, dass bestimmte Phrasen genau im "Sweet Spot" deiner Stimme liegen.

Meine Frage könnte auch lauten: wählt ihr Tonarten so hoch wie möglich oder bewertet ihr jede mögliche Tonart individuell und achtet auf die Wirkung des Gesamtsongs? Und wenn ihr diese individuell auswählt, was sind eure Kriterien?

"So hoch wie möglich" schreibe/arrangiere/plane ich eigentlich nie, denn das würde maximale Energie beim Sänger fordern. Ich will aber keine maximale Energie als Standard, sondern zielgerichtet eingesetzte Energie. Das ist mein Kriterium.

Man muss aber auch den Stil insgesamt beachten, und auch die kompositorische Absicht eines Songs. Einen Folksong schreibt man mit gutem Grund anders als einen Musicalsong, eine Hardrock-Nummer, einen Kirchenchoral, ein Kunstlied, einen Singer-Songwriter-Song, einen Charthit... die ganzen Ästhetiken, stilistischen Traditionen und musikdramaturgischen Absichten haben Auswirkungen auf die Tonartwahl.


Genau!
 
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MS-SPO

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Sehr gute Anregungen :hat:

Zum Tonumfang und Akkorden hilft vielleicht diese Seite: https://chord.rocks/guitar/identify-scale
  • dort Melodie-Skala eingeben (mitunter muss man einen Ton hinzunehmen oder vorläufig streichen)
  • dazu harmonische Akkorde der sich zeigenden Tabelle entnehmen
 
DrWhodiwho

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Was ich vorschlage, ist eine rationale und benennende Herangehensweise, die funktioniert bei Cover-Songs genauso wie bei eigenen Songs.

Grundsätzlich hast du damit natürlich auch recht und es ist ein super Hilfsmittel. Meinen Tonumfang habe ich bereits vor drei Jahren in diesem Thread hier angefangen zu ermitteln. Ich bin ebenso davon überzeugt wie du!

https://www.musiker-board.de/thread...-basierend-auf-tonumfang.681010/#post-8612486

die eigentlich erst das Ergebnis meines Vorschlags sein sollten, aber nicht die Ausgangslage

Es handelt sich ja auch um das Ergebnis und ich kenne meine Range und weiß, dass ich bis zu 1,5 Ganztöne (Capo 5) nach oben gehen kann. Vielleicht hätte ich diese Erkenntnis vorher nochmal deutlicher machen können, sorry! Nun suche ich natürlich innerhalb dieser Range nach Gründen "für" und "gegen" die weiteren möglichen Tonarten.

Wenn es ein guter Song ist, stehen die Hoch- und Tiefpunkte mit den entscheidenden Worten des Textes in einem beschreibbaren, sinnvollen und emotional mitreißenden Verhältnis. Und nicht nur die höchsten oder tiefsten Töne sind wichtig, sondern hoch oder tief angelegte Phrasen, also sinngebende Zusammenhänge von Tönen. Wenn du das analysierst, kannst du z.B. den Song so transponieren, dass bestimmte Phrasen genau im "Sweet Spot" deiner Stimme liegen.

Sehr hilfreich, vielen Dank!! Ebenso freue ich mich über die zwei Anmerkungen danach, wie auch @MS-SPO schon gelobt hat!

Sehr gute Anregungen :hat:

Ebenso danke für deine ausführlichen Erfahrungen @MS-SPO in Bezug auf Klangfarbe und Instrumentenkombination! Mit euren Beiträge fühle ich mich in meinem Vorhaben bestätigt, nicht einfach die "höchstmögliche" Tonart zu wählen, sondern die Wirkung des Songs sowie das Zusammenspiel aus Stimme und Gitarre sowie Klangfarbe der Tonart mit einzubeziehen. Ziemlich spannend eigentlich, ich glaube damit setzen sich weniger Musiker auseinander... jedenfalls in meinem Bekanntenkreis.

Cheers!
 
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