Wie tiefe Frequenzen behandeln?

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Hallo zusammen, folgende Situation:
  • habe etwas Musik aufgenommen (Zoom)
  • Begleitung linke Hand legte ich unter C3, also unter 260 Hz
  • so weit, so gut.

Hört sich gut an über:
  • Kopfhörer
  • gute Aktivbox
  • d.h. alle Frequenzen sind hörbar, von den tiefsten bis zu den höchsten.

Enttäuschend dagegen, unabhängig vom Wiedergabeprogramm, über beispielsweise:
  • Bildschirmlautsprecher
  • Smartphone
  • weniger gute Aktivbox

  • Frequenzen unter C3 sind ... fast nie zu hören
  • EQ-Anhebung der Bässe bei Wiedergabe, z.B. beim VLC, bringt nichts Wesentliches, geht eher in Richtung Übersteuern
  • das wird für jede andere Aufnahme dann auch zutreffen

Ursache ist klar:
  • begrenzte Frequenzgangwiedergabe der Lautsprecher im Bassbereich.

Frage:
  • wie muss ich ggf. solche Aufnahmen abmischen oder behandeln ...
  • ... damit sie unabhängig vom Wiedergabegerät ...
  • ... gut genug klingen, d.h. auch mit hörbarer tiefrequenten Begleitung ?

  • Bassanhebung beim Mastern?
  • Falls ja: Welche Erfahrungswerte gibt es da?
  • Wie haben das früher Rundfunksender gemacht (MW, LM, KW, UKW)? War ja immer halbwegs gescheit zu vernehmen ... (also, vor HiFi)

Danke + Gruß
 
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Hi :hat:

Bässe anheben bringt da wenig, wenn die Lautsprecher das nicht raus bekommen. Hast du ein Klangbeispiel?
Ich glaub, da sind eher die Obertöne untervertreten.
 
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Wie haben das früher Rundfunksender gemacht (MW, LM, KW, UKW)? War ja immer halbwegs gescheit zu vernehmen ... (also, vor HiFi)
LW, MW und KW haben sich besonders hierzulande nie so recht durch einen besonders tollen Klang ausgezeichnet, was aber vornehmlich an der üblichen Drift der Empfänger lag. Gesendet wurde durchaus in zumindest ordentlicher Qualität, im Rahmen dessen, was Amplituden-Modulation nun mal nur möglich macht(e). UKW mit Frequenzmodulation konnte - und kann - es immer schon besser, zumal in Stereo.

Eine Antwort auf deine Frage könnte vielleicht die "400.000-er Regel" (auch "Goldene Zahl" genannt) sein, die unsere Altvorderen bei der Konstruktion von Verstärkern beachteten, vor allem, als die einfachen Lautsprecher noch sehr stark zu den Höhen hin abfielen.
Damit war gemeint, dass das Produkt aus unterer und oberer Grenzfrequenz (-3dB-Punkte) 400.000 ergeben sollte um ein klanglich ausgewogenes Klangbild zu liefern.
Wenn der Lautsprecher bis 40 Hz runter ging, musste der Verstärker bis 10 kHz linear arbeiten, aber auch nicht höher, ebenso das Lautsprechersystem, um insgesamt ausgewogen zu klingen.
Bei einem Lautsprecher, der nur bis 100 Hz runter ging, musste bzw. sollte die ganze Schaltung dagegen nur bis 4000 Hz linear arbeiten, so wurde der Klang ebenso als ausgewogen empfunden. Hätte man ihn auf Linearität nach oben raus bis 8000 Hz getrimmt, wäre der Klang als zu spitz empfunden worden. Bei einer Begrenzung bei nur 2000 Hz hätte es zu dumpf geklungen.

Im letzteren Fall hätte der Lautsprecher nach unten ab 200 Hz abschneiden müssen, dann hätten 2000 Hz nach oben heraus wieder gepasst.
Geräte mit einem NF-Frequenzumfang von nur 200-2000 Hz waren damals nicht unüblich auf dem Markt, als Billiggeräte.

In Anbetracht der früher, also in der Zeit der allgegenwärtigen Heim-"Röhren-Super" und der frühen "Transistoren" war das die übliche Herangehensweise.*

Vielleicht hilft dir diese "Goldene Zahl" 400.000 bei deiner Frage ja auch weiter. Wahrscheinlich musst du also die Höhen beschneiden, bis die Bandbreite zu dieser Zahl passt. Einfach mal ausprobieren.
Wobei das eine Mischung mit einem speziellen EQ nur für diese Lautsprecher ergeben würde. Auf Lautsprechern mit größerer Bandbreite würde man zwar immer noch den erwähnten "ausgewogenen Klang" hören, aber viel des dort möglichen volleren Klang würde verschenkt.

Wenn die Lautsprecher im Bass schwächeln wie du beschreibst, kitzelt jedenfalls eine Bass-Anhebung da auch nichts (sinnvolles) mehr heraus, wie @Zelo01 auch schon schrieb.


*)
Zitiert aus dem Band 7/8 der Radio-Praktiker-Bücherei "Niederfrequenz-Verstärker mit Röhren und Transistoren", Franzis-Verlag, 1970, Seite 90/91.
 
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Durch die Anhebung bzw. Hinzufügung von entsprechenden Harmonischen den Bass sozusagen virtuell als psychoakustischen Effekt anzufetten, ist natürlich eine deutlich modernere Methode, zumal in den Links PlugIns dazu erwähnt werden.

Schmunzeln musste ich aber, als ich im Text des zweiten Links auf diese Passage stieß:

"Wer wissen möchte, wie sein Mix über ein billiges Küchenradio klingt, sollte das am besten direkt in der Küche ausprobieren. Wer keines zur Hand hat, kann sich mit folgendem Trick behelfen.
Die Stereosumme des Songs wird durch einen Equalizer geschickt, mit einem steilen HighPass-Filter bei 200 Hz und einem ebenso steilen LowPass-Filter bei etwa 2 kHz. Wenn alle wichtigen Elemente Deines Mixes immer noch gut zu hören sind und gut sitzen, dann sollte die Aufnahme auf den meisten Abhören gut klingen."

Das entspricht exakt der 400.000-er Regel aus meinem obigen Beitrag.
 
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Primut

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Vielen Dank für den sehr interessanten Hinweis auf die "400.000-er Regel", kannte ich noch nicht, woher auch.
Sind da auch Quellen aufgeführt über die entsprechenden Untersuchgen bzgl. ausgewogener Klangempfindungen? Irgendwie muss man ja auf die Methode gekommen sein.

Im Idealfall könnte man also beide Methoden kombinieren und müsste halt ausprobieren, welche Methode wie stark umgesetzt wird, um ein optimales Ergebnis zu erreichen, wiewohl das natürlich immer von den Bezugslautsprechern abhängt.
 
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MS-SPO

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Leute, Ihr seid unschlagbar g**l (y):great: Vielen Dank. Das muss ich jetzt erst einmal in Ruhe verarbeiten :giggle:

Vielleicht noch als Ergänzung: Die Idee damals war, so ein paar Impros an meine Bandmitglieder herumzuschicken. Nun kann ich weder wissen, noch vorschreiben, auf welchen Gerätschaften Jede/r sich das anhört. Und wenn dann einmal ein xPhone dabei ist ... hört man nicht viel.

Also Unempfindlichkeit gegen das Abspielgerät, danach trachte ich.

Muss 'mal Eure Vorschläge genau dazu betrachten. Also: Ärmel hoch :D
 
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Ich antworte einmal in der Reihenfolge.

Bässe anheben bringt da wenig, wenn die Lautsprecher das nicht raus bekommen. Hast du ein Klangbeispiel?
Ich glaub, da sind eher die Obertöne untervertreten.
Ok, hier sind sie:
  • Aufgenommen im November, d.h. freie Daddelei mitgeschnitten. Am Hammond Clone (Viscount Legend) mit Kopfhörer gespielt. Dort klang der Bass gut, und tut es immer noch, wenn man die Aufnahmen mit dem richtigen "Speakern" abhört.
  • Die musikalische Anmutung ist hier nicht entscheidend, bin halt Amateur, sondern Hörbarkeit, wie beschrieben.

(Variation von "Also sprach Zarathustra")


(Variation vom obligatorischen "Smoke")

Also, überdenken muss ich auf jeden Fall meine Klanggestaltung, wenn es um verteilbare Aufnahmen geht. An der Hammond ist das lösbar. Bei anderen Instrumenten, wie Epiano etc., ist man da eher eingeschränkt (Grundsatzfrage).

Gut, hab' die Aufnahme schon etwas arg gestresst, denn das Bassmanual war, glaube ich, auf Bass16 (schwarz, links, Subharmonische) eingestellt, sowie auf den Sound der 30-er Jahre Tonwheels (noch tiefer und fetter im Kopfhörer).
Im Carnegie-Hall Diagramm zeigt sich das dann auch; hatte ich damals nicht präsent:
Bob-Katz-chart2.jpg

Der Bass begleitet ganz links, bei 32 Hz, also C0 sozusagen ... Ich denke, erschwerend zu den technischen Grenzen mancher Wiedergabegeräte kommt da noch die Hörkurve hinzu:

isophone-465x290.jpg


Also, einfach drauflosspielen mit "hübschen" Einstellungen mag zu schlecht vorbereitet zu sein ... organisierte Kreativität, nun ja ... :cool: ... muss wohl ...
Beitrag automatisch zusammengefügt:

~~~
Zitiert aus dem Band 7/8 der Radio-Praktiker-Bücherei "Niederfrequenz-Verstärker mit Röhren und Transistoren", Franzis-Verlag, 1970, Seite 90/91.
Danke @LoboMix, dieser Band ist damals an mir vorübergegangen. Tolle Goldene Regel :giggle:

Und wie man am Küchenradio-Zitat sieht ... immer noch aktuell :great:

Wie beschrieben, wohl weil meine Bässe so tief liegen, kann ich sie beispielsweise durch EQ am iPad nicht nennenswert herausholen. Also bereits im Spielen wohl anders oktavieren und klanglich gestalten ... Dann wäre natürlich die Frage, wie man das quasi live kontrollieren kann, also ohne Aufnehmen-Anhören-Schleife .. Klangnuancen sind ja oft wenigstens für einen selbst entschiedend ...

Gesendet wurde durchaus in zumindest ordentlicher Qualität, im Rahmen dessen, was Amplituden-Modulation nun mal nur möglich macht(e)
Ja, das war auch mein Gedanke. Könnte es sein, dass man den Übertragungsweg damals bereits in die Instrumentenauswahl einbezog? Also das Musik zwischen 200 und 2.000 Hz glänzen musste?
Auf Lautsprechern mit größerer Bandbreite würde man zwar immer noch den erwähnten "ausgewogenen Klang" hören, aber viel des dort möglichen volleren Klang würde verschenkt.
Ja. Eine Lösung könnten zwei Aufnahmen sein, mit jeweils veränderter Instrumentierung:
  • die eine für Küchenradio (also heute: Smartphones) // Klangregeln
  • die andere für hervorragend ausgestattete Audiophile // freier Klang
Was meinst Du, was meint Ihr?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

~~~
Ja, Obertöne scheinen dafür tatsächlich sehr relevant zu sein,
den Bass sozusagen virtuell als psychoakustischen Effekt anzufetten, ist natürlich eine deutlich modernere Methode,
Im Idealfall könnte man also beide Methoden kombinieren und müsste halt ausprobieren, welche Methode wie stark umgesetzt wird, um ein optimales Ergebnis zu erreichen, wiewohl das natürlich immer von den Bezugslautsprechern abhängt.
Jupp, das klingt nach notwendiger Arbeit :D , siehe oben.
 
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RayBeeger

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@MS-SPO, wie oben schon erwähnt, fehlen Dir wahrscheinlich harmonische Obertöne für die bessere Durchsetzungsfähigkeit. Heutzutage wird fast überall Saturation oder Distorsion auf die Tracks gegeben, um zwei Effekte zu erzielen. Der Erste ist das was Dich beschäftigt, nämlich die Durchsetzungsfähigkeit in den Mitten und Höhen. Dazu kannst Du einen klassischen Verzerrer (Overdrive) oder auch Amp (John Lord - B3-"Knurren") nutzen oder auch ein entsprechendes Plugin (SansAmp, BOD, Saturation Plugin z.B. von Softube (kostenlos)).
Der "Nebeneffekt" ist, dass Du damit den RMS-Pegel des Tracks auf der Spur anhebst. Mal grob gesprochen: Es klingt dann lauter bei gleichbleibendem Volumen. Das schränkt die Dynamik etwas oder mehr ein, je nachdem wieviel man verwendet...
Falls Du den MV2 (Plugin) von Waves hast, kannst Du versuchen damit auch etwas Kompression hinzuzufügen. Den nehme ich oft für Bass oder tieffrequente Instrumente.

Nach dem Grundsatz: VERSUCH MACHT KLUCH - einfach ein wenig herumprobieren.
 
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Ich habs mir mal angehört. Für mich hört sich das nach einem Sinuston an. Quasi eine einzige Frequenz in ihrer "Urform" ganz ohne Obertöne.
Begleitung linke Hand legte ich unter C3, also unter 260 Hz
hmmm hast unter Umständen noch eine Transponierung aktiv? Mein Analizer zeigt mir hauptsächlich Frequenzen unterhalb 50Hz an. Da beginnt bald jede Anlage zu schwächeln, wenn man kein Subwoofer hat. Hat man aber ein Subwoofer fliegen fast die Fenster raus. Die Bässe gehen bis in den Keller. Im Verhältnis zur Orgel viel zu laut. Ich könnte mir vorstellen, dass sogar dein Kopfhörer diese Frequenzen nicht mehr sauber wiedergeben kann, und du daher einfach instinktiv lauter gemacht hast?

Ich hab zur Bearbeitung mal versucht den Bass von der Orgel zu trennen, und auf zwei separate Spuren zu legen, um Bass einzeln bearbeiten zu können. Das geht recht gut mit einem EQ, da die Frequenzen sich kaum überlagern.
Dem Bass hab ich nun im Bereich um die 200Hz herum mit dem "R-Bass"-Plugin Obertöne hinzu generiert. Diese Frequenzen kann man mit einem EQ nicht anheben, bzw es bringt nichts, weil dort nichts ist, was man anheben könnte. Daher hab ich erstmal diese Obertöne generiert. Danach könnte man mit dem EQ rumspielen, hab ich aber nicht gemacht. Nur unterhalb 50Hz ein moderater Lowcut.
Fazit: Vom Originalbass ist nicht mehr viel da, man hört hauptsächlich die ersten zwei Harmonischen davon.

Besser so auf kleinen Lautsprechern?
 
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Sind da auch Quellen aufgeführt über die entsprechenden Untersuchgen bzgl. ausgewogener Klangempfindungen? Irgendwie muss man ja auf die Methode gekommen sein.
In diesem Büchlein gibt es keinen Verweis auf eine Quelle dazu. Es wird einfach als eine gängige Praxis dargestellt und mit einigen praktischen Beispielen vertieft. Es geht dabei vor allem auch um den Zusammenhang mit den in diesem Buch vorgestellten Verstärker-Schaltungen.
Gehör-physiologische und psychoakustische Untersuchungen datieren aber schon lange zurück und sicher gab es auch Untersuchungen zu diesem Thema. Wahrscheinlich war vieles daran aber auch schlicht gesammeltes Praxis-Wissen. Guten Klang wusste man durchaus schon in der Frühzeit der elektrischen Verstärkung zu produzieren.
Ja, das war auch mein Gedanke. Könnte es sein, dass man den Übertragungsweg damals bereits in die Instrumentenauswahl einbezog? Also das Musik zwischen 200 und 2.000 Hz glänzen musste?
Man muss wahrscheinlich dabei zwischen der musikalischen und der klanglichen Information unterscheiden.
Für die rein musikalische Information reicht der tatsächlich extrem eingeschränkte Frequenzbereich 200-2.000 Hz (nur knapp 10% des vollen üblichen Bereichs 20-20.000 Hz!) in vielen Fällen aus.
Anders wäre es gar nicht möglich, an historischen Aufnahmen Gefallen zu finden. Tatsächlich können schön musizierte (ur)alte Einspielungen sogar sehr faszinierend sein (für mich jedenfalls), trotz ihres eingeschränkten Frequenzumfangs.

Sicher ist das auch und entscheidend vom Genre abhängig. Untere Grenzfrequenzen von 32 Hz und weniger spielen in der "Klassik" und den Genres, die in der Frühzeit der Aufnahmen existierten so gut wie keine Rolle, vielleicht tatsächlich nur bei großen Kirchenorgeln mit 32-Fuß-Registern, deren tiefster Ton sogar bei 16 Hz liegt. Sicher hat damals auch niemand erwartet, dass eine Aufnahme die Klanggestalt des Live-Erlebnisses originalgetreu wiedergibt.
Wie gesagt tat das dem musikalischen Genuss keinen sonderlichen Abbruch, wenn überhaupt. Die Leute waren früher sicher froh, überhaupt ein Radio zu besitzen, oder sogar - Luxus pur! - eine gute "Musiktruhe" mit Schallplattenspieler.

Natürlich muss die Musik dann auch musikalisch substanziell etwas zu bieten haben. Musik, die durch Themen, Melodien und überhaupt satztechnisch-konstruktiven Anteilen glänzen kann, hat da sicher die Nase vorn im Vergleich zu Musik, die mehr auf Klangflächen setzt, oder gar solche, die nur auf Klangeffekte setzt ohne tiefere musikalische Substanz.

Dass solche eingeschränkten Frequenzbereiche überhaupt funktionieren können, auch wenn sowohl die Grundtöne der Instrumente als auch deren höhere Obertonspektren abgeschnitten werden, hat vornehmlich mit dem Phänomen der sog. "Formanten" zu tun [ttps://de.wikipedia.org/wiki/Formant]. Diese charakterisieren bei der Stimme sowohl die Vokale als auch ganz entscheidend die klanglichen Unterschiede zwischen Männer-, Frauen- und Kinderstimmen. Ebenso charakterisieren sie den Klang von (akustischen) Instrumenten.
Bei Stimmen reichen diese Formanten in etwa bis 3 kHz, bei Instrumenten kaum über 8-10 kHz, auch wenn sie Obertöne bis 20 kHz haben sollten, und sind daher auch bei eingeschränkten Frequenzbereichen noch präsent.

Wenn, wie @Zelo01 analysiert hat, nur tieffrequente Sinustöne im Spiel sind, also keine Obertöne und damit auch keine Formanten existieren, dann geht die Information der tiefen Töne bei einem nach unten abgeschnittenen Frequenzumfang natürlich gänzlich verloren. Die tiefen Töne sind damit komplett weg, denn im Rest-Frequenzband haben sie keine Informationen zu bieten.
Bei natürlichen Klangerzeugern, also allen akustischen Instrumenten und Stimmen kann das so nicht passieren, weshalb so gesehen alte Aufnahmen auch heute noch ´funktionieren´.

Der von @Zelo01 vorgeschlagene Weg wird daher auch die einzige Lösung sein: den tiefen Frequenzen Obertöne hinzu fügen, am besten eine charakteristische Formantenstruktur.
Wenn es gelingt, auf diese Weise Informationen der tiefen Töne in den engen Rahmen 200-2.000 Hz zu schieben, sollte der Sound auch insgesamt auf jeder Anlage mindestens ordentlich funktionieren.

Dann brauchst du auch keine gesonderte Mischung für Geräte mit eingeschränktem Frequenzbereich anzufertigen. Selbst die ´ollesten´ Smartphones sollten dieses schmale Frequenzband reproduzieren können, über Kopfhörer auf jeden Fall mehr.
Die Bandbreitenbegrenzung nimmt das Endgerät sowieso ganz von alleine vor.

Dann bräuchte es allenfalls ein Kontroll-EQ-Preset der Sorte "Küchenradio" wie in dem Link weiter oben empfohlen um checken zu können, ob der Sound auf diesen Geräten einigermaßen funktioniert.
Wenn das dann bei dir annehmbar klingt, wird es auch auf diesen ´kastrierten´ Minis annehmbar klingen. Und auf bessern Anlagen wird derselbe Mix dann auch einfach besser klingen.
Denn wie in dem Link erwähnt erlauben es die Obertöne (Formanten) bei den tiefen Frequenzen/Grundtönen Energie raus zu nehmen, was die Wiedergabe auch für gute Anlagen ´entspannter´ machen kann.

In einem anderen Zusammenhang habe ich mich mal näher mit Kirchenglocken beschäftigt. Deren Grundtöne haben immer einen deutlich niedrigeren Pegel als ihre Obertöne. Trotzdem bzw. gerade wegen ihrer besonderen Obertonstruktur klingen (gute) Glocken sehr sonor.
 
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adrachin

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Ich denke mal, das ist ein psychoakustisches Problem. Der Person, die es aufgenommen hat. Wenn ich das vorher eine gewisse Zeit in guter Lautstärke satt auf dem Kopfhörer hatte, klingt das natürlich klein und armselig, wenn man das dann auf Laptop Lautsprechern anhört.

Allerdings relativiert sich das dann sofort, wenn man an den Laptop einen Kopfhörer ansteckt. Da ist dann alles wieder gut.

Ergo, kein Grund, irgendwas zu ändern, oder sich den Kopf zu zerbrechen über Frequenzen und Abhörsysteme. Bass Fans haben sowieso entsprechende Abhören. Oder auch Kopfhörer, die an Laptop oder Smartphone den entsprechenden Bass Druck auf das Ohr bringen.

Ich habe das zuerst auf dem Laptop gehört und dann erst auf der Abhöre. Da gibt es nichts, was man da bemängeln könnte. Ich höre das, was zu erwarten ist.

Natürlich ist ein Synth Bass auch extrem. Sinnvoller weise sollte man da den Sub-Bass Bereich kontrollieren. Der Müll sonst alles zu. Nicht nur bei eher bescheidenen Abhören.

Als Bass Reference für alle Lebenslagen hält bei mir immer Meghan Trainor - All About That Bass her. Der Bass Bereich ist sehr kontrolliert und auf den Punkt abgestimmt. Zusätzlich ist dann noch die Kick über den Grundton des Bass gesetzt, was dem dann wieder Luft gibt. Und die Frequenzen des Bass, welche perkussiv sind, also die Transienten, schön gepflegt eingesetzt. Damit hört man dann auch immer, was der Bass spielt, selbst auf kleinen Quäken.


Wie auch immer, bestenfalls würde ich an dem Bass Preset drehen, um etwas mehr Smack reinzubringen. Aber sonst......
 
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Signalschwarz

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Welche "Probleme" entstehen, wenn selbst Bandmitglieder aka Musiker schon keine gescheiten Boxen oder Kopfhörer mehr besitzen... :thumb_twiddle:
 
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Und wieder viele Antworten mit Substanz: Ihr seid klasse :giggle:
~~~~
Ich habs mir mal angehört. Für mich hört sich das nach einem Sinuston an.
Das stimmt. Jedes Register auf der Hammond macht (nahezu) einen Sinuston. Nicht ganz, aber als Näherung.
Ich hab zur Bearbeitung mal versucht den Bass von der Orgel zu trennen,

Fazit: Vom Originalbass ist nicht mehr viel da, man hört hauptsächlich die ersten zwei Harmonischen davon.

Besser so auf kleinen Lautsprechern?
Danke für Deine Mühe. Nein, leider ist das unverändert am Bildschirmlautsprecher. Ich schätze einmal, das die unter 400 Hz deutlich in die Knie gehen. // Zu Obertönen siehe im weiteren Verlauf.

@LoboMix : Vielen Dank ... toll differenziert dargelegt. // Falls es Jemand überlesen haben sollte: Meine sehr tieffrequente Wahl war, im Lichte dieser Diskussion, unüberlegt und "gefiel" am Kopfhörer. Werde ich zukünftig anders machen.
Der von @Zelo01 vorgeschlagene Weg wird daher auch die einzige Lösung sein: den tiefen Frequenzen Obertöne hinzu fügen, am besten eine charakteristische Formantenstruktur.
Wenn es gelingt, auf diese Weise Informationen der tiefen Töne in den engen Rahmen 200-2.000 Hz zu schieben, sollte der Sound auch insgesamt auf jeder Anlage mindestens ordentlich funktionieren.
Genau, dem werde ich einmal näher nachgehen.
Dann bräuchte es allenfalls ein Kontroll-EQ-Preset der Sorte "Küchenradio"
Das "einfachste" wäre ein schaltbarer Bandpass (ca. 200 - 2k) in der Kopfhörerleitung (Klinke). Prinzipiell scheint es so etwas zu geben, zu basteln wäre auch möglich. Falls Jemand so ein Teil kennt ... gerne :)

Energie / Kirchenglocken
Tolle Hinweise.

Ich denke mal, das ist ein psychoakustisches Problem. Der Person, die es aufgenommen hat. Wenn ich das vorher eine gewisse Zeit in guter Lautstärke satt auf dem Kopfhörer hatte, klingt das natürlich klein und armselig, wenn man das dann auf Laptop Lautsprechern anhört.

Allerdings relativiert sich das dann sofort, wenn man an den Laptop einen Kopfhörer ansteckt. Da ist dann alles wieder gut.
Ja, schon, nur das da erst einmal viele Takte "Stille" kommen. Das ist mindestens unerwartet :D


Meghan Trainor - All About That Bass
Schönes Beispiel zur Illustration :great:

~~~~~~~

Gut, ich werde dann also Folgendes machen:
  • mir grob durch einfache Messungen eine Übersicht verschaffen, welcher "Speaker" wo in die Knie geht
  • mir obiges Carnegie-Hall Chart neben mein Spielgerät platzieren
  • an der Hammond all Eure Vorschläge bzgl. Obertöne/Formanten in die Klanggestaltung einbeziehen
  • d.h. meine Spielweise (Oktaven etc.) ein wenig anpassen
  • etwas in Richtung Küchenradio-EQ (bin ja bedienfaul ;-) )
Noch einmal mein herzliches Dankeschön :heartbeat: an Euch Alle: Bin jetzt wieder einmal klüger geworden :prost:
Bis die Tage.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Welche "Probleme" entstehen, wenn selbst Bandmitglieder aka Musiker schon keine gescheiten Boxen oder Kopfhörer mehr besitzen...
Ja, das stimmt ... gescheite Anlagen haben sie schon. Wie die Faulheit das so will: Da kommt 'ne Email (von mir), oft auf dem Smartphone, flugs einmal in den Dateianhang reingehört ... Was, nix? ... Darum ging's :giggle:
 
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mir grob durch einfache Messungen eine Übersicht verschaffen, welcher "Speaker" wo in die Knie geht
So, kleine Ergänzung:
  • generell: tief nach hoch verläuft von leise zu laut
  • unterhalb welcher Frequenz ist wirklich nichts mehr zu hören?

  • Bildschirm: G2 kaum noch hörbar (< 192 Hz) // also weit unter dem -3 dB-Punkt ;) )
  • iPad: C1 noch rel. gut hörbar (ca. 64 Hz)
  • Android Phone: C1 ahnbar, eher A1 ahnbar ( ca. 96 Hz)

  • d.h. die wahren -3 dB Grenzfrequenzen werden deutlich höher liegen.

Damit habe ich wenigstens Eckpunkte für weitere Gestaltung.
Bis die Tage.
 
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Ja, für eine qualitative Messung war ich so frei :evil:
Denn ganz oft nehme ich meine Ohren ja auch zum hören :giggle:
 
adrachin

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Verifizier das doch mal mit einem Messaufbau. Mal sehen, ob dein Bio-Messgerät anständig kalibriert ist.... (;
 
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Hast ja prinzipiell Recht. Einfachheit war hier ausschlaggebend ... ist für meinen Zweck genau genug ;)
 
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Ah ja. Da ist ja PI mal Daumen eine Hochpräzisionsmessung dagegen. Im Ernst, das kann viele Gründe haben, warum man bei Lautsprecher A viel mehr tiefe Frequenzen hört, als bei Lautsprecher B.

Zumindest grob sollte man das dann schon noch mal mit einem Messaufbau prüfen. Alles andere ist Stochern im Nebel......
 

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