[Workshop] - Umbau einer "batteriefressenden" Taylor 214CE auf "passiv plus Mikro"


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Umbau einer "batteriefressenden" Taylor 214CE auf "passiv plus Mikro"​

Taylor.jpg

Vorgeschichte​

Unsere Gemeinde, das CGS Schwabbach, hat (2014, oder 2015?) beim Räumungsverkauf der Session-Filiale in Schwabbach eine Taylor 214CE gekauft, welche seit dem bei uns im Lobpreis im Einsatz ist.
Leider bekam sie immer mehr Probleme mit ihrer Elektronik und hatte am Ende einen sehr hohen Verschleiß an Batterien, bzw. Akkus.
Ich hatte die Elektronik mehrmals geprüft, die Kontaktierungen kontrolliert, gereinigt usw. aber es blieb dabei: Letzten Endes brauchte man Batterie, bzw. später eine Akkuladung pro Auftritt.

Ausbau der Elektronik - Umbau auf "passiv"​

Irgendwann Ende 2019 war uns diese Unsicherheit einfach zu groß und ich baute testweise die ganze Elektronik aus und schloss den Tonabnehmer provisorisch direkt passiv an die Ausgangsbuchse an.
Natürlich konnte so die Lautstärke und der Klang nur noch direkt am Mischpult geändert werden und man benötigte eine aktive, hochohmige DI-Box, aber die hatten wir sowieso im Einsatz und zu unserer Freude kam genug Pegel aus dem Piezo und der Klang war nicht so viel "schlechter", obwohl sich der Frequenzgang schon etwas geändert hatte. Wenn man die Bässe aber etwas anhob und die Höhen leicht dämpfte, war der Klang "so wie vorher" und wir hatten endlich dieses "Batterieproblem" vom Tisch.
Irgendwann nervt so etwas einfach zu sehr.

Ergänzung um ein Schwanenhalsmikrofon im Korpus​

Nach dem erfolgreichen Einbau meines "Klotzmikros" und dem späteren Umbau auf das "Spinnenmikrofon" in meiner Lowden, schlug ich vor auch in die Taylor testweise ein Mikrofon einzubauen. Der Hauptnutzer der Gitarre war gleich einverstanden, da er durch die Reparatur seiner privaten Westerngitarre von mir mit neuem Abnehmer, neuem "Zargenradio" incl. internem Mikro schon die Möglichkeiten eines internen Mikros kennen- und schätzen lernen durfte (siehe Workshop).
Ich hatte von einem (mechanisch defekten) PC-Headset das Mikrofon inklusive Schwanenhals aufgehoben und es stellte sich heraus, dass die Länge des Schwanenhalses nahezu ideal passte, wenn ich ihn an das (nicht mehr verwendete) Batteriefach schrauben würde.
Da das Mikrofon damals nicht schlecht geklungen hatte und mir eher "bassarm" in Erinnerung geblieben war, hatte ich den Eindruck, dass es für diesen Zweck ganz gut passen könnte.
Also wurde von mir es kurzerhand auf das Batteriefach geschraubt und an "Ring" und Masse der (sowieso schon verbauten) Stereobuchse angelötet.
Das ging schnell und ich positionierte das Mikro dann relativ nah an die Gitarrendecke unterhalb des Steges im Korpus.

Bilder des Umbaus​

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Der erste Einsatz auf der Bühne​

Da am selben Tag eine Probe für den Streaming-Gottesdienst anstanden, schnappte ich mir eines meiner Kombi-Kabel, meinen t.bone Phantomspeiseadapter und die umgebaute Gitarre, schloss sie mit dem Y-Kabel per 6,3mm-Klinke an die aktive DI-Box und mit der festschraubbaren 3,5mm-Miniklinke an den Phantomspeiseadapter an, welchen ich dann in einen symmetrischen XLR-Mikrofoneingang einsteckte.
Nun kamen zwei getrennte Signale am Mischpult an: Der passive Untersteg-Piezo und das im Korpus verbaute Schwanenhalsmikrofon.
Gleichzeitig wurde über die Zwillingsleitung meines Kombikabels das Kopfhörersignal des In-Ear-Verstärkers zur Gitarre geleitet und er konnte seinen Kopfhörer in die (auf dem 6,3mm-Stereo-Stecker huckepack installierte) 3,5mm-Kopfhörerbuchse einstecken.

Der "Stereo-Klang"​

Das Piezo-Signal klang so wie schon vorher - etwas bassärmer, gut brauchbar, aber eben mit dem typischen Piezo-Attack
Das Mikrofon-Signal klang weicher, relativ ausgewogen und brachte auch die höheren Höhen noch transparent in's Pult.
Für sich allein waren beide Signale wirklich schon brauchbar. Aber in der (50% links/rechts verteilten) Kombination war das wirklich richtig gut! Man hörte eine Gitarre links und eine Gitarre rechts, die synchron spielten und hatte somit in der Mitte Platz für die Stimmen, die E-Gitarre usw. Ich war begeistert!

Hörprobe​



Kleiner Tipp am Rande: "Welcher Schlüssel passt für den Halsstab?"​

Als ich den Halsstab der Taylor etwas justieren wollte, stellte ich fest, dass unter der Abdeckung nicht der erwartete Innensechskantschlüssel zum Einsatz kommen darf, sondern ein passender Außensechskantschlüssel, bzw. eine passende Nuss mit geringer Wandstärke benötigt wird.
Hier passt tatsächlich ein handelsüblicher Bithalter:
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Fazit​

Die Taylor hat sich durch den Ausbau der Elektronik vom batteriefressenden, unzuverlässigen Monster zu einer gut einstellbaren Diva gemausert und klang nun deutlich besser, obwohl die Reparatur wirklich simpel und sehr "low-cost" war. Der Einbau des Schwanenhalsmikros brachte eine schöne, natürliche Klangvariante dazu und jede Abnahme wäre für sich schon wirklich gut und ausreichend, zeigt aber erst in Kombination bei etwas Stereo-Verteilung welche klangliche Vielschichtigkeit und Transparenz nun möglich ist!
Natürlich konnte der Instrumentenstecker ab jetzt sogar im Instrument bleiben und die Taylor brachte jederzeit ein gleichbleibendes, gleich lautes Signal zum Pult.
Das war eine super Lösung geworden und ich war Gott dankbar, dass ich all die Inspiration bekam und die dafür benötigten Teile schon bereit und ideal geeignet waren!

- Irgendwann kommt auch noch die passende Inspiration die drei Regler-Bohrungen in der Zarge schön zu verschließen, oder sie wieder sinnvoll zu nutzen.

Ich hoffe euch hat dieser etwas unkonventionelle Workshop gefallen.
Falls ihr mehr von mir lesen wollt, könnt ihr gerne meine Reviews und Workshops durchforsten :coffee:
Da findet ihr auch den Umbau dieser (leider schon absturz-malträtierten) Gitarre auf "Security Locks"
 
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Schöner Bericht. Leider klemmt meine Keksdose gerade, weil ich dich erst bekekst habe.

Mir wäre das Interface zu speziell. Ok, vermutlich könnte man eine 6.3mm Klinke einfach einstecken für das passive Signal.

Bei meinen Basteleien achte ich immer darauf, dass das Interface normgerecht ist, also am Instrument ein normaler Pegel heraus kommt ohne irgendwelche Zusätze. Ich hätte da wohl einen anderen Preamp eingebaut, eventuell auch mit Mikrofon (z.B. von Artec), dann wäre das ein Instrument, das überall mit allen Features funktioniert.
Ein E-Gitarre hatte ich mal auf Fernspeisung und XLR Anschluss umgebaut. Ging eben nur mit meinem Eigenbau-Verstärker oder einem externen Speiseteil. Das habe ich wieder rückgebaut - ohne Preamp und wieder 6,3mm Klinke

Die Idee mit dem Zwillingskabel für In Ear finde ich gut gelöst: Da ist dann wohl am Klinkenstecker eine 3.5mm Klinkenbuchse für den Kopfhörer dran. Das sollte dann ganz schön aufgeräumt sein, vorausgesetzt die Stecker-Buchsen Kombi ist stabil genug. (Gibt's davon eigentlich irgenwo ein Bild?)
Das ist dann zwar ein Spezialkabel/Speziallösung, aber der Rest ist eben jeweisl ein ganz normales Produkt.

So etwas habe ich ja auch mit meinem Multicore gemacht, wo die "Stage Box" gleichzeitig Anschluss für den Amp Modeller ist und sogar noch 3 Fußtaster hat.
Aber auch da sind zumindest 3 Anschlüsse wieder Norm (XLR m, XLR f , Stereoklinke)
 
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Danke für das Lob!
Mir wäre das Interface zu sepziell. Ok, vermutlich könnte man eine 6.3mm Klinke einfach einstekcen für das passive Signal.
Genau so ist es. Wenn man ein ganz normales Gitarrenkabel einsteckt, ist es eine ganz normale passive A-Gitarre.
Der Klinkenmonostecker schließt dann das Mikro kurz und greift ganz normal und normgerecht mit der Spitze das Piezo-Signal ab.
Somit kann man das Mikro nutzen, oder es auch lassen.
Auf diese Weise ist das bei uns mittlerweile auch ein gewisser "Standard" geworden. Die Taylor, meine Lowden, meine zwei A-Geigen und eine weitere Gitarre (über die ich hier bald ebenfalls berichten werde) haben diese Buchsenbelegung für Piezo und internes Mikro.
Ich hätte da wohl einen anderen Preamp eingebaut, eventuell auch mit Mikrofon (z.B. von Artec), dann wäre das ein Instrument, das überall mit allen Features funktioniert.
Das wäre natürlich eine Option, aber irgendwie hatten wir alle bei dieser Gitarre keine Lust mehr auf leere Batterien.
Wenn sie nach dem Gottesdienst auf der Bühne mit eingestecktem Kabel stehen bleibt rennt der Nächste wieder nach Batterien...
Nö.
Passiv, ohne Klangreglung freut sich der Techniker am Mischpult über ein immer gleiches Signal.
Die Idee mit dem Zwillingskabel für In Ear finde ich gut gelöst: Da ist dann wohl am Klinkenstecker eine 3.5mm Klinkenbuchse für den Kopfhörer dran. Das sollte dan ganz schön aufgeräumt sein, vorausgesetzt die Stecker-Buchsen Kombi ist stabil genug. (Gibt's davon eigentlich irgenwo ein Bild?)
Ja, das ist sehr praktisch und stabil genug.
Man könnte aber jederzeit auch ein normales Gitarren und ein normales InEar-Kabel verwenden.
Hier siehst du eines dieser Kabel (noch mit Adapter auf meinen alten Phantomspeiseadapter):
img_20200127_021522-jpg.764692

Man sieht, durch den Neutrik-Winkelstecker und den dicken Schrumpfschlauch, mit dem die Buchse auf diesem oben "huckepack" aufgeschrumpft ist, ist das ganze ziemlich stabil und auch "blind" zu finden um den Kopfhörerstecker einzustecken. Das Bild stammt aus dem oben verlinkten Beitrag meines Workshops (klick).

Hier noch ein Screenshot vom Einsatz auf der Bühne mit der Taylor:
TaylorInEar.jpg
 
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