On a visit at Lucy in the psychiatry

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Guten Tag Texter

Hier ein Text in Englisch. Frage mich, ob er verständlich ist (schlimme Fehler drin?)? Was haltet ihr davon?

Freu mich auf Feedbacks!

Greez Soleluna

On a visit at Lucy in the psychiatry

I will
I will take
I will take care of you
Trust me!

I will
I will make
I will make you smile
Please smile!

I will
I will be
I will be a comfort to you
Calm down!

I will
I will be
I will be a shelter for you
Dont fear!

(Instrumentall)

I will
I will warm
I will warm your heart
Feel secure!

I will
I will feed
I will feed your soul
Take a bite!

I will
I will arrest
I will arrest you bleeding
Keep still!

I will
I will take
I will take revenge for you
Wisper his name!
 
Eigenschaft
 
Gefällt mir gut. Einzig und allein mit der Zeile "I will arrest your bleeding" kann ich überhaupt nichts anfangen.
Und in der letzten Zeile würde ich "Tell me" statt "whisper" nehmen.
 
Hi PisauraXTX

Vielen Dank für dein Feedback.

Einzig und allein mit der Zeile "I will arrest your bleeding" kann ich überhaupt nichts anfangen.

Will heissen: " Ich möchte deine Blutungen stoppen", womit eher innere Verletzungen gemeint sein sollen. Vielleicht wär besser: " I will heal your wounds" ?

Und in der letzten Zeile würde ich "Tell me" statt "whisper" nehmen

Die Lucy kann nicht mehr sprechen, voll von Medikamenten und unter Schock, daher hab ich das Wort "wisper" verwendet. Im Sinne, probier es wenigstens zu flüstern, wenn du es nicht mehr aussprechen kannst.
Oder ist das zu abstrakt?

Greez
Soleluna
 
"I will heal your wounds" fände ich wirklich besser.
Am Ende wäre noch eine möglichkeit "try to tell me his name".
 
Will heissen: " Ich möchte deine Blutungen stoppen", womit eher innere Verletzungen gemeint sein sollen. Vielleicht wär besser: " I will heal your wounds" ?

I will = Ich werde, wie wäre es mit "(Let me) Help me heal your wounds"?
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh Sole mio,

da haste aber wieder ganz schöööön gespart:great:
 
@PisauraXTX
"I will heal your wounds". Ist angenommen, gefällt mir auch besser.
"try to tell me his name". Gefällt mir gut, muss ich aber noch drüber nachdenken, wegen der Länge, aber vielen Dank für den Vorschlag!

Kann ich den Originalpost nicht mehr editieren?

@.hs
"I will" wird schon verwendet als "ich möchte, ich will"?

@Jongleur

Danke für dein Feedback:)

da haste aber wieder ganz schöööön gespart

Du hast aber auch ganz schöööön gespart damit...:gruebel:



Ich überleg mir immer wieder:

Ist der Text zu krass für ein "normales" Publikum oder geht das nur mir so?:gruebel:
 
Ist der Text zu krass für ein "normales" Publikum oder geht das nur mir so?:gruebel:
Wer außer Dir sollte das entscheiden?:gruebel:...:nix:.....:confused:........:D

Der Mensch sehnt sich nach einem positiven Zeichen genauso wie nach Überraschung und einem Geheimnis. Alles das enthält der Text.

Statt auf Nummer sicher gehen zu wollen, schreib lieber den nächsten Text. Das schafft am besten den nötigen Abstand.

Die Vorschläge von Pisaura XTX finde ich auch gut.
 
@Jongleur

Wer außer Dir sollte das entscheiden?................

Ja, du hast recht, lieber Jongleur, weg mit diesem Konformismus :evil: !

Soll der Zuhörer bzw. Leser drüber nachdenken, ihn zerreissen, ignorieren oder auf Händen tragen! :rolleyes:

Schliesslich soll es weitergehen...

greez Soleluna :)
 
Guten Tach!


Nach längerer Abstinenz nötigt mir Dein Text mal wieder einen Komentar ab:

Ich finde ihn SEHR GUT !!!:great:

Der Aufbau gibt nur nach und nach und nicht völlig das Geheimnis preis. Dadurch bleibt bis zuletzt die Spannung erhalten.

Zur Frage der Masssenwirkung kann ich mich dem JONGLEUR nur anschliessen (dessen Beiträge in diesem Forum ich übrigens schon graume Zeit mit großem Interesse beobachte:)!).

Lediglich mit der Zeile:

I will arrest you bleeding

würde ich anders umgehen:

1. heißt "I will" nur in den seltensten Fällen "Ich will", wie HS ja schon angemerkt hat,

2. finde ich das Bild mit dem "bleeding" eindringlicher als "wounds".

Was hälst Du von:

I want to stop your/the bleeding

oder

let me stop your internal bleeding

?

Gruß vom Horst
 
Die Lucy kann nicht mehr sprechen, voll von Medikamenten und unter Schock, daher hab ich das Wort "wisper" verwendet. Im Sinne, probier es wenigstens zu flüstern, wenn du es nicht mehr aussprechen kannst.
Oder ist das zu abstrakt?

Greez
Soleluna

Also ich find das Whisper besser, klingt nich so "standart"
 
Hi SoleLuna_m,

finde den Text sehr gut, gerade durch die konsequente Reduktion und Wiederholung wird er sehr dicht und paßt großartig zu der kaum ausgeleuchteten Szenerie. Die letzte Zeile lüftet dann die Beziehung zwischen LI und Lucy und gibt der Phantasie freien Lauf.

Sprachlich könnten die bereits angesprochenenen Stellen sowie für mich die etwas sperrige Zeile I will be a comfort to you noch ein bißchen gebügelt werden - vielleicht fällt Dir da ja was ein. Heal your wounds finde ich eingängiger und umfassender als stop oder arrest your bleeding.

Was heißt ein "normales Publikum"? Sprachlich ist der Text gut verständlich und die Atmosphäre kommt gut rüber, der Titel ist eindeutig, die letzte Zeile gibt dann den Weg frei für Assoziationen. Denken und Fühlen muss der Leser immer selbst und das, was ein Text dazu liefern kann, hast Du geliefert. Wish you were here oder Lucy in the Sky with Diamonds oder Seasons in the sun oder Broken English/The story of Lucy Jordon - und ich könnte hier ellenlang weitermachen - sind Texte, die eher schwieriger als Deiner sind und gleichwohl von einem "normalen Publikum" gehört wurden ... whatever normales Publikum means ...

Die Frage allgemeiner Verständlichkeit oder vielleicht eher Akzeptanz finde ich nur relevant, wenn es darum geht, ein Botschaft unter die Leute zu bringen. Wenn man das Ziel hat, dass diese Botschaft viele Leute erreicht und sie leicht erreicht, dann ist eine Möglichkeit, Text und Musik sehr eingängig zu machen (obwohl die gute alte Konfrontationsstrategie auch nicht ohne Wirkung ist - und es gibt eine Legion von Beispielen, wie gerade nicht eingängige Texte und Musik eine große Verbreitung fanden). Aber welche Botschaft willst Du denn unter die Leute streuen? Für mich handelt es sich eher um eine Geschichte, die Du erzählen willst - im Grunde genommen um Teile, um einen kleinen Ausschnitt einer Geschichte, eine Situation, die Du erzählen willst. (Was ich völlig gut und in Ordnung finde - es geht mir hier nicht darum, dass mir bei Deinem Text eine Botschaft fehlt oder sowas.) Soll sie doch hören, wer dazu Lust hat und wer was damit anfangen kann. Ist doch in Ordnung. Möglicherweise gibt es auch viele, die erst mal die Musik wahrnehmen und irgendwann mit dem Text zur Kenntnis nehmen und vielleicht irgendwann mal drüber nachdenken.

Erzähl Du Deine Geschichte und lass den Leuten die Wahl, ob sie sie hören wollen oder nicht.
Sie ist dicht, aber nicht sperrig, sie ist eindringlich, aber nicht verletzend, sie ist sprachlich reduziert, aber gut verständlich.
Mehr braucht nicht.

x-Riff
 
Hi x-Riff,

Wir stimmen allgemein scheinbar in manchen Gedanken überein. Das nützt uns aber leider wenig, wenn der Teufel im Detail steckt.

ich möchte Dir mal ne Nuss zu knacken geben:;)

Erzähl Du Deine Geschichte und lass den Leuten die Wahl, ob sie sie hören wollen oder nicht.
Sie ist dicht, aber nicht sperrig, sie ist eindringlich, aber nicht verletzend, sie ist sprachlich reduziert, aber gut verständlich.
Mehr braucht nicht.
Ist Dir aufgefallen, dass Du mit den besten Absichten sperrig, verletzend und schwer verständlich negativ bewertest?

Gibt es aber derartige Grenzen für einen Musiktext wirklich?

Ich denke an Bob Dylan und sofort fallen mir -zig Texte ein, die von seinen Fans als so sperrig und verletztend empfunden wurden, dass er dafür bis heute auf Konzerten und in der Presse angegriffen wird.

Und: Obwohl Dylan sich vehement gegen die Fragen nach seinen "Botschaften" wehrt, scheint der Begriff "Botschaft" ja geradezu mit seinem Image verwachsen zu sein.

Also durfte er nun oder nicht?

Du siehst, ich setze Anführungszeichen. Man kann bereits ausladend ;) allein um den Begriff "Message" diskutieren. Und warum auch nicht?;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Joungleur,

und immer rein in dem Teufel sein Detail - gerne.

In meinem post habe ich eigentlich recht spontan quasi ein doppeltes Gegensatzpaar gebildet:

1) Eingängiger vs. konfrontativer Text:
a) willst Du eine Botschaft massenkompatibel anbringen, verpack sie in einen eingängigen Text -
b) willst Du die Botschaft konfrontativ rüberbringen, wird (zunächst) für eine Menge Zuhörer der Zugang schwieriger.

2) Botschaft vs. Geschichte
a) Willst Du eine Geschichte erzählen, dann überlass es den Leuten, ob sie diese hören wollen oder nicht -
b) Willst Du eine Botschaft rüberbringen, entscheide Dich, welches Publikum sie hören soll und entscheide danach, wie eingängig oder sperrig der Text sein kann/soll.

Ich will mich beileibe überhaupt nicht gegen konfrontative oder "schwierige" Texte aussprechen - und schon gar nicht diese Unterscheidung mit Qualitätskriterien (guter Text, schlechter Text) etc. verbinden.
Ich mag viele Texte, die eher schwierig, komplex, wenig eingängig sind und/oder dem Hörer eigene Arbeit abverlangen, will er den Text verstehen - meist geht es um vielschichtige Texte, die mich fast mein ganzes Leben begleiten und denen ich immer neue Aspekte abverlangen kann. Oder es sind eher surrealistische Texte.

Diese können nicht nur Kultstatus erreichen (also für eine begrenzte Anzahl von Leuten extrem relevant sein), sondern durchaus ein Massenpublikum erreichen - ob das nun das vom threadersteller gemeinte "normale" Publikum meint, sei mal dahingestellt.
Texte von den Doors beispielsweise oder der Text von Nights in white Satin, dann einige Texte der Beatles, einige der Stones, Stairway to Heaven (sicherlich eine der Rockballaden schlechthin). Von Bob Dylan ganz zu schweigen, dessen auch einfach scheinenden Texte immer mehrerer Ebenen enthalten. Gerade auf seinen letzten CDs hat er wieder einige Texte (Just Walking Aint Talking), die Eingängigkeit und Vielschichtigkeit verbinden und gleichwohl auch für ein "normales Publikum" zugänglich (wenn auch ohne eigenes Bemühen imho nicht erschließbar) sind. Und gleichzeitig ist Dylan natürlich auch immer ein Texter, der sein Publikum fordert - oder dem es (scheinbar? anscheinend?) egal ist. Oder der zumindest an entscheidenden Stellen so mit dem Zeitgeist bricht, dass seine Aussagen (um mal die Botschaft wegzulassen) provozierend wirken muss. Die Frage ist nur, ob er dies mit Worten und in einer Form macht, die zudem noch konfrontiert, verletzt, verstört. Meine vorläufige Antwort: Mal ja, mal nein.

Vielleicht ist somit das doppelte Gegensatzpaar, das ich da spontan im post konstruiert habe, auch bei näherer Betrachtung so durchgängig anwendbar nicht.
Und songtexte und die Frage ihrer Verständlichkeit in Kombination mit der Wirkung beim Publikum ist für mich eine der Kernfragen beim Textschreiben. Aber auch eine Frage, die man bei bestimmten Texten einfach beherzt über Bord werfen sollte. Beispielsweise, so meine These, wenn es gar nicht um eine Botschaft geht sondern darum, eine Geschichte zu erzählen.

Natürlich stellt sich bei einer Geschichte auch die Frage der Verständlichkeit.
Bezogen auf den threadersteller und dessen Text komme ich klar zu dem Schluß, dass sein Text eingängig, einfach zu verstehen und nicht verstörend ist - von der Form und der Sprache her. Und somit für ein "normales" Publikum verständlich.

Ob es aber damit klar kommt, dass ein Lyrisches Ich im Gewande des Helfers und Verstehers einem Opfer mit seiner Sprache und seinem Herantasten, seiner Bestärkung und vorgeblichen (?) Empathie den/die Namen des/der Täter/s entlocken will, um damit ... etwas im Text nicht ausgesprochenes (wir vermuten/ich vermute: Rache) zu tun - das ist die zweite Frage.

Die Sprache und Form des Textes jedenfalls wird für ein "normales" Publikum kein Hindernis darstellen, auf diesen Inhalt zu kommen (wenn dies denn das wäre, was quasi die Quintessenz des Textes ist.

Ein Gedankenexperiment wäre aus meiner Sicht, die gleiche Geschichte mit der gleichen Quintessenz aus Sicht des Opfers zu erzählen. Meine Lösung im Sinne des "form follows function"-Herangehens (was nicht das einzig Mögliche wäre, aber mir sehr nahe liegt) würde in einer Sprache und Form des Textes resultieren, das die Verwirrtheit, Abhängigkeit, Verletztheit des Opfers auf dieser Ebene schon ausdrückt.
Das wäre eine Form, welche ein "normales" Publikum - neben dem Inhalt - erheblich herausfordern dürfte. Der bestehende Text tut dies imho nicht - und er tut gut daran.

Einen Gedanken muss ich hier noch anfügen: Unwillkürlich assoziiere ich mit der musikalischen Umsetzung eher die Bedrohung und die Orientierungslosigkeit, vielleicht auch die Brutalität der Situation und Atmosphäre. Eine eingängige Musik kann ich mir zu diesem Text nicht vorstellen. Vielleicht allerhöchstens etwas in Richtung The Cure - aber eigentlich eher nicht.

x-Riff
 
Danke für Deine Erwiderung, x-RIFF.
Ich brauchte sie unter anderem, meine Fragen noch deutlicher stellen zu können.

Eine Frage lautet: Muss eine "Botschaft" für die Zuhörer verständlich formuliert sein?

Ich meine momentan: Nein! Muss sie nicht.

Um verständlich zu schreiben, müsste ich ja mein Problem so gut verstanden haben, dass ich es mit eigenen Worten wiedergeben könnte. Kann ich aber oft nicht!

Ein Beispiel: mich kotzt seit Jahren das verbrecherische Werk der Investmentbanker samt ihrer neoliberalen Philosophen und medialen Nebelwerfer maßlos an, ...

... aber ich bin weit entfernt, die mich erschreckenden Details zusammenhängend zu verstehen, geschweige denn schildern zu können.

Ich bin überzeugt, dass momentan menschliche Vampire alles Leben aus der Erde saugen, aber statt konkreter Umrisse sehe ich nur die Raubtieraugen im Dunkeln. Ich spüre das Hecheln eines Monsters, und dabei lächelt doch nur der smarte Ackermann aus dem Fernseher. Ich sehe Heerscharen übermächtiger Raubritter nahen, wo sich andere noch immer über gefallene Grenzen grenzenlos freuen. Ich möchte rufen: Bürger zu den Waffen! - Und statt dessen mache ich nur...:gutenmorgen:.

aber finde endlich MEINEN Sinn in Dylans "BALLAD OF A THIN MAN"

Du kommst in einen Raum
Mit dem Bleistift in der Hand
Du siehst einen Nackten
Und fragst: Wer ist der Mann?
.........
..........
Du hebst den Kopf und fragst
Bin ich hier richtig
Und jemand deutet auf Dich und sagt
"Gehört dem"
Und du fragst: "was gehört mir?"
Und ein anderer sagt: "Wo soll was sein?"
Und Du sagst: Mein Gott, bin ich
mutterseelenalleine hier?

Irgendwas geht hier vor
Aber Du weißt nicht was es soll
Oder ... Mr. Jones......?
..............................................
..............................................

Nun gehe ich noch einen Schritt weiter und frage mich, ob Dylan über die Reaktion seines Publikums beim Texten des Dünnen Mannes nachgedacht hat?
Ich meine :JA!
Pausenlos oder wenigstens irgendwann: JA!

Ich habe den Eindruck, der geborene Zwilling spiegelt den Zuschauern genüsslich SEINE allgegenwärtige tiefer liegende Ratlosigkeit und ergötzte sich an ihrem dem Song folgendem Geschrei nach mehr Klarheit und Wahrheit.

Eine weitere Frage: Dürfen Texte verletzen?

Ich ignoriere mal meinen ersten Gedanken, dass viele Raptexte, die mir gut gefallen, dies und nichts anderes im Sinn zu haben scheinen.

Ich will bei "the balad of the thin man" bleiben.

Ich kann nur sagen, dieser Text hat mich sehr verletzt, weil ER mich beim Hören und Lesen jahrelang wie ein Schwachkopf aus der Provinz behandelte. :D

Dennoch konnte ich nie so weit gehen, den Text als schwachsinnig abzutun.

Gott sei dank nicht! Denn heute sehe ich in diesen Zeilen eine große Klarheit und Wahrheit:
"Wenn Du ratlos bist, ZEIGE mit dramatischem Handwerk doch deine Ratlosigkeit...statt GROSS(und)ARTIG zu jammern oder anzuklagen."

So...:D...es ist natürlich keineswegs Zufall, dass ich solche Gedanken ausgerechnet unter den Zeilen SoleLunas absondere....Anlässe wie diese bieten sich leider selten:)...
 
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doppelposting
 
doppelposting
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Jongleur,

danke, dito.

Ich könnte es mir einfach machen und zustimmend nicken: Nein, ein Text/eine Botschaft muss nicht verständlich sein. Und ja, ein Text kann verstörend sein.
Sicher ist das so - und es wäre arm um die Welt der Texte und generell der Musik und Kunst bestellt, wenn man es auf Eingängigkeit und Verständlichkeit, auf Botschaft reduzieren wollte. Was ich - nur um es noch mal deutlich zu machen - nicht tue.

Der casus knaxus liegt für mich im Wort "Botschaft" und dem, was ich damit verbinde. Unter Botschaft verstehe ich eine Aussage mit Aufforderungscharakter, in der stärksten Form ein Appell. Beispiele wären für mich: "War" (cover von Springsteen), "Street fighting man" (Rolling Stones), "Give peace a Chance" (Beatles/Lennon), "House of the Rising Sun" (diverse), "Get up, Stand up" (Bob Marley). Das sind songs mit gesellschaftskritischen, politischen Inhalten und Botschaften, ein Appell im eher privaten Bereich wäre "Stand by your Man" (trad. / Dolly Parton, Blues Brothers).

Im Vordergrund steht dabei für mich die Handlungsaufforderung: Geh auf die Straße, Verweigere Dich dem Krieg, Steh für Deine Rechte ein, Tue nicht, was ich getan habe (House of the Rising Sun), Bleib bei Deinem Mann, auch wenn es manchmal schwer fällt.

Der Text ist in genau dem Sinne, dass der Autor möchte, dass diese Botschaft verbreitet, verstanden und befolgt wird, sich also in Handeln äußert, funktional - er ordnet sich diesem Sinn unter. Und genau in diesem Kontext ist es funktional, wenn der Text und die Botschaft von möglichst vielen Leuten (tendenziell allen) leicht verstanden wird und in diesem Sinne eingängig ist.

Bei Dylan finden sich bestimmt Texte mit Botschaften - mir fällt nur gerade keiner ein und ich denke, sie sind eindeutig in der Minderheit. Denn Dylan kommt es viel mehr auf Erkenntnis, auf Reflexion denn auf (einfache) Botschaften an. Mit Erkenntnis und Reflexion meine ich beileibe nicht nur eine intellektuelle, verstandesmäßig organisierte Sache, sondern einen ganzheitlichen, die Gefühle und das Selbst einschließenden Prozeß.

"Masters of War" wäre noch ein Text mit einer klaren Botschaft: die Herren, die Planer, die Drahtzieher etc. von Kriegen sind Verbrecher. Die Aussage: I just want you to know I can see through your masks ... And I stand by your graves till I´m sure that you´re dead.
Hier werden die masters of war vom lyrischen Ich selbst angesprochen - die Botschaft an die Zuhörer ist unausgesprochen, aber vorhanden: Bezieh Stellung - wie siehst Du das - wo ist Deine Posititon?

"Ballad of the tin man" ist ein Stück, das mich von jeher fasziniert und nicht losgelassen hat (musikalisch für mich stark auf der Budokan-Platte umgesetzt). Es ist für mich - das heißt in den Kategorien, die da mal quasi-spontan in die Welt geschmissen habe - ein Stück mit einer Aussage, aber kein Stück mit einer Botschaft. Es beschreibt auch eher eine Situation, in Form eines Fetzens einer Episode: Ein Mensch/Mann findet sich in einer absurden Situation, einem Traum gleich, die aber völlig selbstverständlich erscheint und in der über ihn verfügt wird. Eine kafkaeske Situation der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins bis ins Körperliche hinein: Here´s your throught back, thanks vor the loan.

Der Text zielt für mich eher auf Erkenntnis, auf Wiedererkennen ab: in welcher Situation befindet sich das Lyrische Ich? Was geschieht mit ihm? Geschieht so etwas mit mir (dem Hörer) auch? Kenne ich so Situationen?
Es geht nicht um einen Appell oder eine Botschaft (Geh raus aus dieser Situation, Zerstöre dieses System und Geflecht von Verfügungsgewalt etc.). Und weil es dieser kafkaesken Situation adäuquat ist, kann der Text auch verstörend sein, Dinge nur andeuten (weil sie das LI ja auch nicht versteht), Situationen nur anreißen. Und deshalb ist der Text aus meiner Sicht so komplex: Weil er unterschiedliche Situationen meinen kann (wobei ich eine verbreitete Interpretationen, nämlich die, dass es sich um das Thema Homosexualität handelt, am schwächsten finde). Aber die Sprache des Textes selbst ist nicht kryptisch: alles verständliche Worte. Die Situation selbst ist kryptisch und uneindeutig.

Insofern ist "Ballad of a Thin Man" für mich ein Text mit Aussage, aber ohne Botschaft. Und da nur bei Botschaften die Eingängigkeit des Textes ein funktionales Element bildet, kann ich Dir voll zustimmen, wenn Du sagst: Songtexte müssen nicht eingängig sein, sie können verletztend sein, sie können verstörend sein etc.

Dylan mischt aber eh vieles durcheinander, und darin zeigt sich seine Meisterschaft: Bilder, Situationen, Aussagen, Handlungen ... Ain´t Talking, Just Walking ist eine wahre Bilderflut, das LI geht durch verschiedene Szenerien, nimmt wahr, versteht nur einen Bruchteil - aber es gibt (zumindest für mich) eine klare Aussage: so lange ich gehe, lebe ich - und ich will leben. Ich weiß nicht wohin ich gehe und wohin es mich führt, aber solange ich gehe, lebe ich - und also gehe ich. Aber diese Aussage - eher eine Grundhaltung - ist nur ein Bruchteil der gesamten Bedeutung des Textes. Und den Text darauf zu reduzieren, dass er diese Kernaussage sozusagen opulent ausfüllen solle und dass das seine Funktion sei - das wäre mir eindeutig zu einengend, zu unlyrisch, zu gnadenlos verkürzend und verstümmelnd.

"Changing of the Guards" wäre für mich auch ein Text, der eine Situation beschreibt (auch hier wieder stark poetisch, nicht analytisch), in der Personen handeln, und bei der es eine Aussage und eine Botschaft gibt: Wenn die Situation unerträglich geworden und die Mächtigen ihre Macht mißbrauchen, ist die Grenze überschritten und keiner ist mehr an die Loyalität gebunden - es ist Zeit für einen Wechsel. Changing of the Guards würde ich deshalb - was Botschaft und Aussage angeht - zwischen Masters of War und Ballad of the Thin Man einordnen.

Aber man könnte natürlich unendlich weitermachen - schon alleine bei Dylan.

Was mich interessiert: Wie würdest Du die Botschaft von visit lucy in the psychiatry fassen? Was ist für Dich die Botschaft des Textes? Oder die Aussage?

x-Riff
 
Was mich interessiert: Wie würdest Du die Botschaft von visit lucy in the psychiatry fassen? Was ist für Dich die Botschaft des Textes? Oder die Aussage?
Wart mal… woran erinnert mich der Text? An das Wohltuende knapper Aussagen?
An ein Haiku vielleicht?

So, ich nehm dich jetzt mal mit auf meinen Balkon und versuch mich hier mal quasi in Echtzeit spontan an so einem Kurzgedicht, um etwas anschaulicher zu werden...also....soooo....hm....fertig!;)

Sommerwind im Baum
Die Krone schüttelt den Kopf
Der Rest ist Schweigen


Ein Haiku hat nur Platz für das Phänomen, für weiter nichts! Ich liebe solche engen Räume! (Sie beschützen mein Gedicht vor allzu viel ICH :D)

Und damit komme ich auch zu unserer Diskussion um Botschaften und Aufforderungen zum Handeln.

Da haben mir nämlich meine Deutschlehrer und später die Journalisten und Produzenten eine Sisyphusarbeit aufgebürdet. Bevor ich die erste Zeile notierte, hörte ich jahrelang bereits ihre dünnen mächtigen Stimmen: WELCHE BOTSCHAFT HAST DU ZU BIETEN?!

Nicht genug damit. man bekommt gute Zensuren und Kritiken oder gar Kredite, wenn man eine gute Botschaft im Ärmel hat.

Naja, worüber sollten Lehrer, Journalisten und Produzenten sonst auch reden? Über Kunst?

Du berufst Dich auf die Beatles, die Stones, Bob Marley oder Bruce Springsteen. Aber auch diese Künstler tun sich schwer, sich Botschaften zuschreiben zu lassen. Lennon beispielsweise bezeichnete sarkastisch "Love me do" als das philosophischste Lied der Beatles. Und seine Hassliebe zu Dylan erkläre ich mir aus seiner quälend empfundenen Unfähigkeit, sich so unernst zu nehmen, wie der Barde mit den vielen Masken das scheinbar kann.

Heute glaube ich, dass die Kunst das einzigartige Schaufenster sein sollte , wo man alle seine quälenden Unklarheiten, dumpf rumorenden Sehnsüchte oder unausgesprochenen Ängste profitabel anbieten und in Ruhm und Wohlstand verwandeln kann...

... und wenn man dann noch als Sprachrohr seiner Generation gilt, wem schadet das schon;)

Aber mir wird das Wort "Botschaft" immer suspekter. Wenn ich schon lese:" ich wollte die Zuhörer zum nachdenken bringen...", schwillt mir der Kamm!

Denn ich höre und lese gerade dann nur vorgekaute Eltern-ICHS und Über-Ichs.

So lieber x-Riff. Ich hoffe, ich habe deine sorgfältige Antwort gut verstanden. Auch wenn meine Antwort viele Deiner sensiblen Gedanken nicht mal zitiert. - Ich fühle, dass Du Dich (genauso wie ich) schwer tust, mit den Vor- und Nachteilen von Textbotschaften klar zu kommen.

Wir werden das hier auch nicht klären können. Aber vielleicht animiert unser kleiner Gedankenaustausches vereinzelten Leser zu weiteren Für -oder Widersprüchen.

Natürlich nur NEBEN den Begeisterungsstürmen für SoleLunas schönen Text.:)
 
Zuletzt bearbeitet:
Da haben mir nämlich meine Deutschlehrer und später die Journalisten und Produzenten eine Sisyphusarbeit aufgebürdet. Bevor ich die erste Zeile notierte, hörte ich jahrelang bereits ihre dünnen mächtigen Stimmen: WELCHE BOTSCHAFT HAST DU ZU BIETEN?!
........

Heute glaube ich, dass nur die Kunst das Schaufenster ist, wo man alle seine quälenden Unklarheiten, dumpf rumorenden Sehnsüchte oder unausgesprochenen Ängste profitabel anbieten und in Ruhm und Wohlstand verwandeln kann...

...

Aber mir wird das Wort "Botschaft" immer suspekter. Wenn ich schon lese:" ich wollte die Zuhörer zum nachdenken bringen...", schwillt mir der Kamm!

Kann ich gut nachvollziehen - sehr gut sogar.
Vom Widerwillen, der mich seit der Schule packt, dass Lehrer der Ansicht sind, dass Kunst nix anderes ist als das hübsche Verpacken von Botschaften, die der Zuhörer womöglich mit Hilfe eines Kulturexperten wieder entpacken kann und muss und soll. Und dafür dann natürlich notenmäßig belohnt bzw. bestraft wird. Und darum geht diese ganze Veranstaltung?

Sollen doch die Leute direkt sagen was sie meinen und gut ist.

Ich fand Dylan richtig klasse, als er sich standhaft weigerte, in Interviews zu erklären, was er mit seinen songs (angeblich) sagen wolle.
Haben die Leute nicht selbst Ohren am Kopf mit einem Hirn dazwischen und Augen, um Texte zu lesen?

Kunst und Musik und Texte sind mehr als die Verpackung von Botschaften - vollkommen richtig. Ein guter Text ist auch immer schlauer als der Schreiber und sagt mehr als man mit Worten sagen kann. Beim Schreiben von Texten habe ich keine Botschaft mehr, die ich verpacken oder weitergeben will. Aber es gibt Texte, die dies wollen und es gibt auch gute Gründe, das so zu tun. Dafür standen die Beispiele von einigen (!) songs von Bands, die natürlich viel mehr und andere Texte machen - aber bei denen, wo dies so ist finde ich wichtig: Wenn Botschaft + viele Leute erreichen > gut verständlicher Text.
Nur dann - dann aber schon.

Wir werden das hier auch nicht klären können. Aber vielleicht animiert unser kleiner Gedankenaustausches vereinzelten Leser zu weiteren Für -oder Widersprüchen.

May be - vielleicht kann man ja auch mal einen Exkurs mit Beispielen machen.
Ach - es ist ein verflixtes Thema und man kann gar nicht so viel schreiben, um nicht doch mißverstanden zu werden.

Natürlich nur NEBEN den Begeisterungsstürmen für SoleLunas schönen Text. :)

Und natürlich ausserhalb eines threads, bei dem es um den schönen Text von SoleLuna_m geht. :)
 

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