Also wenn ich schreibe, wir fahren Heute Achterbahn, ich fĂŒhl mich wie im Rausch.. dann muĂ ich vorher Achterbahn gefahren sein?
Also es wĂŒrde zumindest helfen ...
Um es mal auf die gemeinte Spitze zu treiben: Wenn ein achtjĂ€hriger Knabe von sexueller ErfĂŒllung schreibt, dann kann er doch nur etwas beschreiben, was er vom Hören-Sagen-Sehen kennt, oder das aus seiner Phantasie stammt. Wenn er das bewuĂt so macht - im Sinne von: ich hör immer von Erwachsenen, dass das sooo toll ist oder im Sinne von: ich stell mir darunter folgendes vor - dann bleibt er ja bei sich und seinem Erfahrungshorizont. Wenn er es aber so beschreibt, als hĂ€tte er es selbst erlebt - dann wird bei mir eher ein Lachanfall ausgelöst oder vehementes Desinteresse oder höchstens noch die Fragestellung, was ihn dazu treiben mag ...
NatĂŒrlich sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und jede/r mag tun, was er oder sie mag - ich beschreibe gerade meine Grenze als Zuhörender und auch die als Schreibender. Ich wĂ€hle
extrem selten Perspektiven und Lyrische Ichs, deren Innenwelt und deren Weltsicht ich nicht mit dem meinigen korrelieren kann. Weil es mir wie eine AnmaĂung vorkommt, so zu tun, als verfĂŒge ich ĂŒber bestimmte Erfahrung, als hĂ€tte ich etwas selbst erlebt, als wisse ich, worĂŒber ich schreibe ... In gewisser Weise ist Kunst immer Aufbau einer Illusion - aber das heiĂt nicht, dass man nicht die Verantwortung fĂŒr die Illusion (oder das Lyrische Ich oder die geschilderte story oder die beschriebenen GefĂŒhle) dem Publikum gegenĂŒber ĂŒbernimmt. NĂ€mlich als Autor oder Autorin. Man muss im Ăbrigen ja nicht die Ich-Perspektive wĂ€hlen, um eine solche Illusion herzustellen. Warum sollte man in dem Fall nicht bei der Beschreibung dessen bleiben, was man sieht und wahrnimmt und vermutet - also aus der Rolle des oder der Beobachtenden, die gleichzeitig Vermutungen anstellt?
Ich hege beispielsweise eine inutitive Abneigung bis Abwehr gegen Autoren, die in ihren Werken aus der Ich-Perspektive eines MĂ€dchens oder einer Frau heraus schreiben. Umgekehrt auch, aber da es ja mehr mĂ€nnliche Schreibende gibt, ist das erstere wohl hĂ€ufiger. Schreibt jemand aus der Ich-Perspektive einer Katze, ist klar, dass das Phantasie ist. Dann entscheidet nur, ob es gut geschrieben und die Phantasie reichhaltig, ĂŒberraschend und tragend ist (oder was einem sonst noch als Attribut dazu einfĂ€llt).
Mir ist schon klar, dass das Level dieser Art von Abneigung oder Abwehr nicht unbedingt bei der Schilderung einer Achterbahnfahrt vollstens erreicht ist - mich beschĂ€ftigt dabei allerdings gleichwohl die Frage, was man damit erreichen will und wofĂŒr es gerade die Schilderung von etwas braucht, das man
nicht erlebt hat?
x-Riff