Fingerstyle Gitarre (bis 400€, ohne Cut und Tonabnehmer)

Nebenbei - die Gitarren tragen alle auf ihrem Typenaufkleber den Vermerk "Handcrafted" . Ich neige dazu, daß aufgrund der immer wieder zu bemerkenden (wenn man sehr genau hinschaut und weiß, wonach man sehen muss) kleinen Unregelmässigkeiten, daß die Gitarren wirklich noch komplett von Hand gebaut werden. So kann man oft auf der Decke (unter dem Lack) kleine Schleifspuren sehen, die aufgrund ihres unregelmässigen Musters nie von einer Maschine stammen können. Und jetzt wird es esoterisch oder auch Voodoo, aber irgendwie merkt man Gitarren schon an, wenn die "vom Fließband" kommen, oder ob da doch Handarbeit und Schweiß aufgewendet wurden.

Ich kann Tscharles hier nur zustimmen, der Unterschied zwischen wirklich handgefertigten Instrumenten und CNC-gefertigten Instrumenten ist hoerbar.
Bei CNC wird das Deckenholz in der Regel immer nach "Schema F" auf eine Standarddicke heruntergehobelt/geschliffen und da der Hersteller ja so wenig Ausschuss wie moeglich haben will, heisst das, dass da gern Material zugegeben wird, die Decke also dicker, steifer, weniger gut klingend ist, als sie sein muesste,
Der Gitarrenbauer, der die Decke von Hand abrichtet, kann da natuerlich die Dicke der Decke (und die Staerke der Beleistung) auf das aktuell verbaute Holz anpassen und dementsprechend naeher an das Optimum herankommen - die Gitarre schwingt, klingt einfach besser, lauter und zugleich differenzierter.
Das ist mir bei meiner ersten Custom aufgefallen - da, wo ich bei Fabrikgitarren noch den kleinen Finger als "Anker" auflegen kann (ja, ich weiss, das ist 'ne schlechte Angewohnheit!), geht das bei der Custom nicht mehr, die Vibration der Decke ist im Finger spuerbar. Stoerend spuerbar.
Insofern, gerade bei den fuer Dich interessanten kleineren Korpusgroessen und dem Einsatzgebiet Fingerstyle - ein deutliches +1 fuer ein (gutes) handgearbeitetes Instrument.
 
Okay, verrat uns, wo man in Deutschland unter 400€ eine Gitarre herbekommt, bei der sich ein Gitarrenbauer die Mühe macht die Decke abzuklopfen und die Beleistung anzupassen...
 
Beleistung wohl weniger, da gebe ich Dir Recht, aber Decke... da denke ich, dass da schon beim "Handbau" mehr darauf geachtet wird als beim CNC-bau.
Und mein Vietnamese, der macht selbst in der €500-Klasse schon Decken UND Leistenoptimierung.
 
Ja, "dein Vietnamese" vllt.
 
Hey ich hab heute die Art und Lutherie Gitarre angespielt und muss sagen das Teil ist Bombe, aber die Sattelbreite von 44mm gibt mir zum nachdenken. Pull Off sind damit bei mir kaum möglich. Ich werde mir die Seagull S6 in einigen Tagen anschauen und dann mal sagen, was mir besser gefallen hat. Was für eine Sattelbreite hat die Crafter denn? Was kann man machen, wenn mir die Seagull nichts taugt und ich weiter nach einer 46er suchen muss? Dann ist Sense mit dem Teil oder?
 
Die sattelbreite allein sagt noch nicht alles. Es ist eher das "string-spacing" also der abstand zwischen der dicken und der dünnen E-saite, das den unterschied macht. Martins haben z.t. bei 42mm sattelbreite schon so viel platz für die pfoten wie Yamahas mit 44mm. Das bedeutet aber auch, dass man bei vielen gitarren mit einem neu gekerbten sattel noch den einen oder anderen mm an string-spacing herausholen kann.

"Sense" ist also noch nicht :)

Gruss, Ben
 
Wie bekommt man denn so einen Sattel, der etwas weiter ist?
 
Beim Gitarrenbauer. Dürfte nicht die Welt kosten, und er kann ihn optimal auf deine Bedürfnisse anpassen.
 
Der soll mir das Griffbrett austauschen :D Ist so was überhaupt möglich? Ich kenne aber leider keinen in der Nähe und überhaupt. Der Händler bei dem ich heute war, da wollte ich noch ne A Saite für mein Konzert und da sah ich so einen Tisch mit ner Gitarre und Lampe und so Zeugs. Ich fragte dann ob er mir eine gekaufte Gitarre einstellen kann, da meinte er ist kein Problem. Was kann man denn so einstellen und was ist richtig oder falsch?
 
Einstellen ist üblicherweise so saitenlage, halskrümmung, sattel. Manchmal einmalig nötig, um die gitarre auf deine bedürfnisse einzustellen oder dann, wenn du mit der saitenstärke permanant um mehr als eine einheit hoch/runtergehst.

Eine halsverbreiterung wäre da schon was ganz anderes, kostet wohl mehr als eine ganze Seagull und lohnt sich nur dann, wenn du mit dem hals, den du hast, auch nach langem üben nicht klar kommst und definitiv keine andere gitarre haben willst. Die überall üblichen halsmasse sind ja nicht aus der luft gegriffen, sondern die gibt es, weil millionen gitarristen damit einigermassen problmlos klar kommen.

Gruss, Ben
 
Wäre aber ein cooler Service, z. B ich sage einem Hersteller ich brauche eine Gitarre mit 48mm Sattelbreite und er sagt OK kostet 50€ mehr und dann bekomme ich keine teuren Hölzer bzw die Gitarre die ich wollte, aber halt mit 48mm Sattelbreite. So hätte ich z. B eine für mich gute Gitarre die nicht so viel Kohle kostet. Aber das sind Träume...
 
So ich war jetzt beim Gitarrenladen und hab die Seagull S6 ausprobiert und finde die Sattelbreite immer noch zu klein bzw ich fühle mich einfach nicht wohl...
Hab jetzt ne neue Idee ausgetüftelt und zwar was hält ihr davon, dass man einen 12Saiter zu einem 6Saiter macht also 6 Saiten runter nimmt und dann hätte man ja eine bequeme 48mm Sattelbreite. Was hält ihr davon?
 
Zitat v. gonger: Hab jetzt ne neue Idee ausgetüftelt und zwar was hält ihr davon, dass man einen 12Saiter zu einem 6Saiter macht also 6 Saiten runter nimmt und dann hätte man ja eine bequeme 48mm Sattelbreite. Was hält ihr davon?

keine neue Idee, wurde schon seit Ewigkeiten gemacht:)

Bei der Art&Lutherie nimmst du die hintere Reihe Pins. Wenn die Oktavpins (vordere Reihe) gezogen sind, verlaufen die Saiten mit relativ korrektem Abstand zum Griffbrettrand.

Wenn du die 12-erin dauerhaft als 6-erin benutzen möchtest, würde ich mir einen neuen Sattel basteln. Mich persönlich stört sonst oben die leichte Unsymmetrie der Saiten; aber natürlich gehts auch so.

Das Griffbrett ist breit genug, den Klang finde ich jedoch schlecht. Konstruktionsbedingt sicherlich nicht mit einer vernünftig berechneten 6-saitigen Gitarre zu vergleichen. Zumal die A&L eine recht kräftige Verbalkung hat (quasi wie ein Dachstuhl,hihi)

Ich habe es mal probiert, aber letztlich komme ich auf meiner Martin sehr gut zurecht und außerdem stört mich der Anblick. So ein Dickschiff von Gitarre mit nur 6 Saiten, 6 überflüssigen Mechaniken in der Kopfplatte, 6 offenen Löchern am Steg...das geht (für mich) nicht.

Aber so nebenbei: Fingerpicking fetzt auch auf einer 12-saitigen Gitarre. Sicherlich liegen deine Schwierigkeiten bestimmt auch etwas an der fehlenden Spielpraxis?
Mit der Zeit gibt sich das, keine Sorge.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ja wie das ausschaut ist mir dann letztendlich wurscht Hauptsache ich kann darauf spielen und es hört sich gut an. Wobei ich bei einer Western kaum erkenne, welche für mich von Sound gut ist...

Ja und was soll ich jetzt machen? Soll ich vll erst Mal die 2 Bücher von Ulli Bögershausen durchmachen und dann nach der Spielpraxis guken? Weil seine folgenden Werke sind ja quasi gleich. Habe aber irgendwie voll das Prob mit der Western, weil ich nicht weiß was ich will... Ne hört sich jetzt komisch an, ist aber so -.-
 
Hallo gonger,

nur nochmal kurz meine Meinung....

An deiner Stelle hätte ich mir eine vernünftige, normale Western gekauft (hier wurden dir von erfahrenen Musikern!) schon viele empfohlen und dann hätte ich mich in aller Ruhe mit dem Ding beschäftigt.

Sehr viele anfängliche Probleme liegen nämlich nicht an der Gitarre, sondern an dir. Ging mir früher auch so; wie oft dachte ich, mein Gott was für eine Sch...wieso klappt es nicht:)

Wenn du dann deine Wunschgitarre hast, wächst du da quasi rein..und irgendwann klappt es immer besser. So ein Thread kann ja nur als grobe Orientierung dienen, mit welchem Instrument es welche Erfahrungen gibt oder was die Besonderheiten sind usw...

Aber -> durch die meisten Probleme musst DU durch, eine vernünftige Klampfe vorausgesetzt....

Das Buch kenne ich nicht, aber als Übehilfe gibts vieles, vom Lehrer bis zum Video:)
 
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Ich hatte schon 3 Jahre einen Lehrer der mir nur Klassik beigebracht hat, dann war mein Wunsch nach Fingerstyle so groß, dass ich halt eben Fingerstyle Bücher gekauft haben und der Lehrer halt auf meine Wünsche nicht eingegangen ist, dann musste ich den Unterricht beenden. Und ich denke da kann ich nicht mehr viel falsch machen, denn die richtige Handhaltung habe ich und auch der vorherige Unterricht war ja nicht umsonst, sonder einfach nur ne andere Richtung. Und bei mir klappt schon alles, aber irgendwie ist das nicht so das wahre bzw das was es sein bzw nicht sein sollte. Ich hab gerade sone Phase, wo ich mich denke zu viel mit Gitarre beschäftige und so mir das Instrument nicht gefällt bzw ich finde da nichts mehr schön. Was nun?
 
Vielleicht hat es auch sehr viel mit der Umstellung von der Konzertgitarre zu tun (wenn ich das jetzt richtig verstanden habe??)
Tja, wenn dein Lehrer aus irgendwelchen Gründen die Wünsche nicht erfüllen kann, musst halt einen anderen suchen (oder selber machen)
Da kann man auch nicht helfen.

Vielleicht hilft auch eine Gitarrenpause. Und wenn dir das richtige Instrument zufliegt und du in der entsprechenden Spiellaune bist, schlägst du halt zu.
Besser als sich selber Druck zu machen oder auf den goldenen Rat zu hoffen...

Du machst dat schon...immer ruhig bleiben und dann klappts auch mit der Gitarre:)
 
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Mach mal Pause... :D

Im Ernst: nimm Dir Zeit, Dich an das andere Spielgefühl auf Stahlsaiten zu gewöhnen.
Vielleicht kannst Du Dir erstmal eine Western leihen und Dich ein paar Monate einspielen.
Und dann erst eine 'Normale' kaufen. (s.Vester ;))
 
Wie teuer ist denn so eine Gitarre zum leihen? z. B. eine billige für 100-200€? So für 2-4 Wochen?
 
Zwei bis vier wochen reichen nicht, um sich sauber von der konzertgitarre auf eine steelstring umzugewöhnen. Du wirst schon mehr zeit brauchen, um dir steelstring-finger wachsen zu lassen. Es ist ja nicht einfach eine konzertgitarre mit stahlsaiten, sondern ein in weiten teilen ganz anderes viech, das es ganz neu zu zähmen gilt. Das braucht schon etwas zeit.

Du würdest vielleicht besser fahren, wenn du eine gute gebrauchte kaufst und mal für mindestens ein halbes jahr ernsthaft versuchst, damit klar zu kommen. Dabei wachsen dir nicht nur finger, sondern auch ohren für das neue instrument. Wenn du danach bemerken solltest, dass die gekaufte gitarre nicht das richtige für dich ist, wirst du sie mit etwas glück mit sehr wenig verlust weiter verkaufen können und ausserdem beim nächsten versuch umso besser wissen, was genau du haben möchtest.

Gruss, Ben
 

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