Pop, Rock & Co. Wie singe ich verzerrt (Distortion) - kein Screaming

  • Ersteller ianchris
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Moin,

auch dir danke für die Tipps. Ich muss mal schaun ob ichs hinbekomm mehr/richtig zu twangen. Ich hatte eigentlich immer vor der Übung ausprobiert den Ton "hin und her" zu schieben, um so den bestmöglichen Twang zu erzeugen. Manchmal war der Ton nur noch im Nasenbereich, also nasal. Durch den Test mit der Nase zuheben hab ich das allerdings schnell bemerkt und bin wieder n Stück zurück.
Konzentriere dich dabei lieber auf den Vokal und den Klang als auf den Stimmsitz.
Bzgl. dem Edge, den du mir empfiehlst muss ich gestehen, dass ich die vielen Einteilungen (Gänge) von Sadolin (CVT) verwirrend finde, denn meiner Meinung nach ist zwischen Curbing, Overdrive und Edge ein fließender Überganz von wenig zu mehr Twang (metallisch).
Wenn du das verwirrend findest, wieso fragst du dann speziell nach einem CVT-Lehrer? Dann wäre möglicherweise eine andere Begriffswelt für dich besser geeignet.

Die Einteilung der Modi entsteht aufgrund der Vokaltrakteinstellung, nicht aufgrund des Twang. Zudem ist "Metall" nicht gleich Twang, sonst gäbe es auch nicht zwei verschiedene Begriffe dafür bei CVT. "Metall" entsteht z.B. auch durch hohen Atemdruck. Was sich tatsächlich kontinuierlich erhöht von Neutral bis Edge ist der Grad der Verengung des Vokaltraktes. In Neutral ist der Vokaltrakt vergleichsweise weit und in Edge am engsten. Das ist aber auch alles. Ansonsten gibt es keine graduelle Einteilung der Modi. Es sind generell verschiedene Vokaltraktstellungen, die u.a. erklären, warum es, vor allem in der Höhe, schwierig ist, zwischen bestimmten Vokalen zu wechseln bzw. bestimmte Klänge auf bestimmten Vokalen zu erzeugen. So kann man z.B. den Vokal "i" in der Höhe nicht mehr rufen und den Vokal "u" nicht schreien usw.

Wenn die Einteilung der Modi graduell wäre, dann wäre es auch viel einfacher zwischen den Modi zu wechseln, weil man ja nur eine bestimmte Sache graduell erhöhen oder verringern müsste. Im Gegenteil: Der Wechsel von einem gerufenen "EH" in der Höhe zu einem soft gesungenen "I" ist ein Wechsel der kompletten Gesangseinstellung, incl. Stütze.
 
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Du twangst in beiden Beispielen nicht richtig. Du erzeugst den twang-ähnlichen Klang vor allem mit "Drücken" auf den Kehlkopf.
wie hörst du denn, dass ich drücke? Ich habe jetzt noch mal versucht Twang zu erzeugen. Wie hört sich das an (klick)?

Du kennst wahrscheinlich das Gefühl unmittelbar vor dem Niessen, wenn du eingeatmet hast und dann ha - Tschu...
Habe bestimmt mir 15 Minuten lang an den Nasenhaaren gezogen um Niesen zu provozieren. Mir ist leider nur die Nase gelaufen :D. Aber ich glaube ich weiß, was du mit Kompression meinst. Hierdurch entsteht doch das Gefühl, wie wenn man die Luft anhält und gleichzeitig versucht sie rauszudrücken, oder eben etwas schweres hebt, oder? Also auf der Brust ein Druck. Ob der Druck jetzt auf der Brust oder Hals ist, kann ich leider nicht erkennen. Also ich habe keinen roten Hals, bei dem die Adern rausgucken...

Anyway: Ich hab jetzt diese Kompression in Verbindung mit einem vom Körper wegdrückenden Armbewegung gemacht auf das UWÄÄ eines Babys, denn das hatte ich so mal in nem CVT Youtube Video gesehen und ich frage mich ob ich dieses mal dem Ganzen näher komm. Was meint ihr? (siehe hier)

Ob ich das jetzt ganz ökonomsch mach, weiß ich noch net. AN ein paar Stellen höre ich, dass ich mit dem Hals kurz gedrückt hab, aber ich glaube im Grunde war das ökonomisch. Nach 90 Minuten rumproberen merk ich nur ein bisschen was am Hals...

Jetzt frag ich mich nur wie ich dem UWÄÄÄ mehr Ton gebe, denn ich habe das Gefühl, der getwangte Ton, den ich vorher ansinge geht dadurch in den Hinterhalt und übrig bleibt fast nur noch das Geräusch. Allerdings habe ich auch noch das Gefühl, dass ich mich zumindest lautstärke-technisch noch zurückhalte, was aber wiederum auch verständlich ist, weil ich ja wenn ich lauter sänge nicht 90 Minuten lang rumprobieren kann. Wenn jedoch die Richtung stimmt, wäre es vielleicht denkbar kürzer aber extremer zu probieren.

Ich bin weiter für eure Tipps dankbar und hab das Gefühl es geht voran :great:
 
wie hörst du denn, dass ich drücke? Ich habe jetzt noch mal versucht Twang zu erzeugen. Wie hört sich das an (klick)?
Man hört es zunächst mal am Vokal. Du bist immer noch im Vokalraum EH und nicht ÄH. Ein EH lässt sich nicht unfallfrei so stark twangen, das lässt die Vokaltraktposition einfach nicht zu. Man hört aber auch die zu starke Kompression der Stimmlippen. Auch in der aktuellen Hörprobe bist du noch zu stark auf dem EH. Versuch mal zuerst ein AH zu sagen wie beim Arzt, wenn der in den Mund guckt. Dann lässt du den Mund genauso geöffnet und machst dann ein twangiges ÄH und zwar ohne den Mund wieder weiter zu zu machen.

Was du auch überprüfen kannst ist die Spannung der Muskeln unter dem Kinn. Diese sollten sich beim korrekten Twangen nicht anspannen.
 
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Hilft das hier vllt. weiter

Ist das Distortion mit Hilfe von Taschenfalten oder ne Fry-Technik oder etwas ganz anderes? Von einer speziellen Zungentechnik sagt er in dem Video allerdings nichts.
 
Moin, das Ende vom Video ist auf jeden Fall interessant.

Ich versteh nur nicht warum das bei mir mit Zunge zurück nicht funktioniert. Ich Zwänge ja schon sehr stark.

Ich denke es liegt unter anderem daran, dass ich die Zunge vielleicht nicht richtig zurück mache.

Ich kann ja einfach die Zungenspiitze soweit wie möglich zurück machen oder ich versuche zuerst mit den Zungenrändern die hinteren Backenzähne zu berühren also eine andere Art die Zunge zurück zu nehmen...

Jemand noch nähere Tipps? Irgendwie muss ich den Vokaltrakt noch mehr verengen.


P.S @broeschies: ich hatte im Studium auch Phonetics und hatte das ä vom englischen flat oder bad genommen. Gestern habe ich Baby schreien gehört. Ich glaub ich weiß welches ä du meinst. Ein derart übertriebenes ä kommt halt in der Sprache nicht vor denke ich. Aber zum Üben werd ichs versuchen
 
Hallo,

ich switche mal aus dem Scream-/Shout-/Growlbereich zu diesem Thread (wie Metal Voice, danke für Deine Antworten dort!), weil ich zufälligerweise in einer sehr ähnlichen Situation wie ianchris bin. Ich habe nach einigen Versuchen mit Fry-Technik mich dafür entschieden, es mal mit den Taschenfalten zu versuchen, die ja manchmal beim unkontrollierten Singen unwillkürlich mit anspringen, und das kam mir letztlich organischer vor als das Fryen.
Jedenfalls habe ich wie ianchris versucht, mit den Hinweisen aus Cathrin Sadolins "Complete Vocal Technique" (CVT) per Taschenfalten die Verzerrung zu erzeugen, was nach zwei oder drei "Sitzungen" irgendwie auch funktioniert: Es ist aber extrem anstrengend wg. des Drucks und fühlt sich auch belastend an (kann der Kehlkopf bei extrem erhöhter Position Schaden anrichten?), aber bislang habe ich keine Schmerzen. Hilfreich fand ich Sadolins Ausführungen zur Kieferstellung und das Bild eines durch einen engen Spalt entweichenden Energiestroms als Analogie zum Atem.
Bevor ich aus dem Stand das Knistern herausdrücken konnte, habe ich mir allerdings aus rockig-kehligem Gesang mit unqualifiziert herausgedrückter Verzerrung (auf manchen Silben oder am Ende einer Phrase) das Gefühl geholt, wie die Einstellung im Kehlkopfbereich sein könnte. Jetzt möchte ich vorsichtig weiterüben, habe aber woanders schon die Rückmeldung erhalten, dass das Ganze (zu) extrem gepresst sei.

https://soundcloud.com/user100250114/taschenfaltenmp3

Diese False-Chord-Tutorials aus dem Metalbereich, wo oftmals ganz entspannt (bei niedrigem Kehlkopf) so einiges dröhnend im Hals schlackert, wenn tonlos viel Luft durchgepumpt wird, verunsichern mich allerdings ein bisschen, weil sich das ganz anders anfühlt [und klingt, nämlich wie das, was (auch mit Hörbeispielen) bei CVT als "grunt" (= Vibration des gesamten Kehlkopfes) beschrieben wird. Jedenfalls möchte ich so gar nicht klingen, sondern perspektivisch die Verzerrung von angeraut bis extrem ausgeprägt meinem Gesang hinzufügen können].

Soweit,
herzliche Grüße
 
Eine hohe Position des Kehlkopfs ist nie gut! Beim Anzerren darf er ein wenig nach oben aber auf keinen Fall extrem hoch.
Das ganze wirkt sehr stark gepresst, wie dir ja schon gesagt wurde. Versuch generell viel lockerer zu singen und ausprobieren (gilt auch für FC, Fry, etc.).
Ausserdem wirst du niemals so viel Zerre brauchen, wie du jetzt hast. Du kannst also ruhig ein wenig reduzieren...
Wie möchtest du denn in etwa klingen? (Soundbeispiel)
 
Hallo Metal Voice und Ihr anderen,

ich habe mich bei meinen ersten systematischen Taschenfalten-Versuchen wie erwähnt an die Anleitungen aus Sadolins Buch (Complete Vocal Technique) gehalten, wo es darum geht, die Verzerrung zunächst ohne Stimmlippenbeteiligung zu erzeugen. Dort steht unter der Überschrift: "Distortion finden", dass der Kehlkopftrichter stark getwangt werden soll: "Hebe den Kehlkopf so weit wie möglich, und schiebe die Hinterzunge nach hinten und oben gegen die hintere Wand des Rachens. Twange den Kehlkopftrichter so stark wie möglich, setzte viel Support ein, und versuche dann, in der Mundhöhle ein verzerrtes Geräusch zu erzeugen - das heißt ohne die Stimmlippen zu benutzen. (...) Je mehr du den Kehlkopftrichter twangst und den Kehlkopf hebst, desto sicherer fühlt sich Distortion an." (S. 181) Die ersten beiden Geräusche in meinem Track gehen darauf zurück, ebendieses Geräusch quasi aus dem Stand zu erzeugen. Das heißt natürlich nicht, dass ich alles richtig mache, oder dass ich bereits die Voraussetzungen (nämlich eine trainierte Stimme) dazu habe.

Wie sähe eine alternative Methode aus, die Taschenfaltenaktivierung systematisch zu trainieren (ohne den Ansatz mit dem tiefen Growl, von dem ich - wie oben beschrieben - davon ausgehe, dass er nur bedingt mit reiner Taschenfaltenverzerrung zu tun hat)?

Ich experimentiere mit meiner Stimme, weil ich eher spaßeshalber in ein Proberaum-Rockprojekt geraten bin und kein/e Sänger/in zur Verfügung stand. Aufgrund der individuellen und bunten Vorlieben der Mitstreitenden covern wir so unterschiedliche Bands wie Bad Religion, Scorpions, Manowar, Weezer ... Mir geht es darum, mit meiner von Haus aus eher tief, dunkel und offen klingenden Stimme einen rockigen Klang zu finden, womit vor allem ich gut zurecht komme und den ich flexibel einsetzen kann. Wenn die Verzerrung irgendwann auch extrem eingesetzt werden könnte wie etwa bei den Screams von Howard Jones (ehem. Killswitch Engage) wäre das natürlich toll.

Soweit,
vielen Dank bis hierher und herzliche Grüße
 
Hier noch ein Nachtrag in Bezug auf Sadolins Übungen zum Distortion-Finden: Ich hatte gestern wieder eine Proberaumsession und habe versucht, durch Anwendung des Gefühls des isolierten Taschenfalten-Geräuschs dieses beim Singen bewusst anzuwenden, was für meine Verhältnisse/Ansprüche auch gut geklappt hat. Dazu muss weiterhin viel Druck erzeugt werden, aber es fühlt sich bereits entspannter und leichter aus dem Hals kommend an als noch in der vergangenen Woche. Die anfänglichen Verspannungen unter dem Kinn sind fast weg, und nach zwei Stunden (aber mit Pausen und nach sorgfältigem Einsingen) Herumgegröle zu später Stunde bin ich heute weder heiser noch fühle ich mich in irgendeiner belastet. Ich kann bis hierhin also resümieren, dass der fragliche Ansatz - zumindest bei mir - zu funktionieren scheint!

Viele Grüße
 
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Ich würde jetzt nicht sagen, dass man bei Distortion mehr Druck erzeugen muss, aber man muss auf jeden Fall mehr stützen (vielleicht meinst du das auch). Der Vokaltrakt wird ja ziemlich durchgenudelt bei Distortion und verliert dann seine stabilisierende Wirkung auf den Grundton, das muss man mit der Stütze kompensieren.
 
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Wenn du mit Druck eine starke Bauchatmung meinst, dann ist das richtig, wenn du mit Druck aber Druck im Hals meinst, dann ist das weniger vorteilhaft.
Kurze Begrifferklärung: Druck bezieht sich grundsätzlich auf den Hals, Stütze auf die Bauchatmung.

Sehr stark angezerrt zu singen ist immer etwas anstrengend und gerade die Stütze kann schon anstrengend sein, wenn du ein ganzes Konzert angezerrt durch singst. Du musst einfach darauf schauen, dass du dich nicht verkrampfst, denn sonst verkrampfst du auch im Hals...
 

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