Unterricht geben - Welche Qualifikationen brauche ich?

  • Ersteller Domeni0
  • Erstellt am
nee, gar nicht

ICH finde das so.
Das darfst du natĂŒrlich. Unsinn bleibt es aber trotzdem.

WĂŒrde es ausreichen, dass irgendjemand anderer Meinung ist, dann gĂ€be es ja keinen Unsinn mehr.

Es kann natĂŒrlich auch sein, dass ich einfach nur rechthaberisch bin, weil ich aus einer Lehrerfamilie stamme ;).
 
Das Problem liegt genau darin, dass die Berufsbezeichnug nicht geschĂŒtzt ist ...

Das ist kein Problem, sondern eine Entscheidung, fĂŒr die es GrĂŒnde gibt; die Berufsbezeichnung Musiklehrer ist eben nicht schĂŒtzenswert.

Allein die Tatsache, daß ein Student ohne Abschluß ein Musikfach unterrichten darf, und das auch zu einem akademischen Honorar (aus Deiner Wiener-Empfehlung), zeigt uns, daß die musikalisch-pĂ€dagogische Qualifikation (mit entsprechendem Abschluß/Zertifikat) in dem Musikunterricht keine entscheidende Rolle spielt.
Somit kann jeder Musiklehrer werden bzw. sich so nennen, der sich dazu befÀhigt sieht.

Da es sich um Privatunterricht handelt, kann der SchĂŒler selbst wĂ€hlen, von welchem Musiklehrer und zu welchem Honorar er sich unterrichten lĂ€ĂŸt.

(...) dass die genannten Honorare als Untergrenze zu verstehen sind, und aus dem ich kurz zitieren möchte:
"Als professionelle Musiker*innen [...] unter Preis zu unterrichten, bedeutet einen Berufsstand existentiell zu gefÀhrden." (Zitat Ende)

Die Existenz vieler Musiklehrer wird aber auch durch diese Forderung (nicht unter die Honorar-Mindestgrenze zu unterrichten) gefĂ€hrdet, weil sie zu dem hohen Preis keine SchĂŒler finden.

Letztendlich handelt es sich um eine Empfehlung, von daher kann der Musiklehrer auch das verlangen, was seine SchĂŒler bereit sind zu zahlen - ob's nun 10 € die Stunde sind oder 50 € - jeder soll selbst wissen, wieviel ihm die Stunde wert ist.

Gruß, Bert
 
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Ich habe kein "Preisdumping im Hochschulsektor" kritisiert, sondern sagen wollen, dass es das dort genauso gibt.

Und dabei hast du dir ausgerechnet ein Projekt herausgepickt, dass seine TeilnehmerInnen aus sozialen GrĂŒnden ausdrĂŒcklich zu moderaten Preisen verpflichtet. Was ich dir daher an deiner Argumentation vorwerfe, ist ihre inhaltliche Unredlichkeit hinsichtlich des gewĂ€hlten Beispiels - ob da irgendwelche Salzburger Nockerln die Preispolitik ihrer Wiener Kollegen torpedieren, ist mir hingegen ziemlich wurscht.

Aber ich hab nochmal drĂŒber geschlafen und wenn ich mir die Stundenlöhne im Niedriglohnsektor, in Tourismus, Hotellerie, Gastronomie, Pflegebranche anschaue, dann komme ich zu dem Schluss, dass 15 bis 18 Euro doch gar nicht mal so ĂŒbel sind.

Und indem du genau in dieses fatale Denkmuster verfÀllst, spielst du denen in die HÀnde, die ein Interesse an einer weiteren AbwÀrtsspirale der Löhne haben. Warum kommst du nicht auf den Gedanken, dass die Niedriglöhne deiner Mitmenschen teilweise eine Frechheit und pure Ausbeutung sind?
Wenn es immer noch ein armes Schwein gibt, was noch weniger verdient, als man selber, dann ist deine Welt offensichtlich noch in Ordnung - oder wie soll ich das verstehen?
Vielleicht sind 15 bis 18 EUR fĂŒr dich gar nicht mal so ĂŒbel - ich wĂŒrde das heutzutage als Zumutung empfinden, und dann tatsĂ€chlich lieber Teller waschen. Muss ich aber nicht, weil der Wert meiner Qualifikationen nie verhandelbar war, und ich mir mein Leben lang den nicht immer bequemen Luxus einer von Prinzipien geleiteten klaren Kante geleistet habe: Mein Spiel, meine Regeln, meine Preise.

Womit ich wieder bei der Ausgangsfrage des Threads angelangt wÀre: Welche Qualifikationen benötigt man?
Außer den bereits genannten:
Ein Mindestmaß an wirtschaftlichem Denken, ein Bewußtsein fĂŒr die gesellschaftliche Relevanz des eigenen Handelns und der zu vermittelnden Unterrichtsinhalte, und - wenn man seinen Werten und Prinzipien treu bleiben möchte - ein dickes Fell und einen ziemlich langen Atem.
Und Respekt vor TellerwÀschern, die könnten nÀmlich schneller zu Arbeitskollegen werden, als einem lieb ist.

... die Berufsbezeichnung Musiklehrer ist eben nicht schĂŒtzenswert.

Sag das mal deinem nĂ€chsten Musiklehrer ins Gesicht, wenn er verzweifelt versucht, dein ungelenkes Geklimper in einigermaßen ertrĂ€gliche Bahnen zu lenken. Oder lass dich demnĂ€chst von einer Haubenlerche unterrichten - die ist wenigstens schĂŒtzenswert und wird dir bei einem dermaßen ignoranten und dĂ€mlichen Spruch auch nicht gleich den Klavierdeckel auf die ungeschĂŒtzten Griffel hauen.
 
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(MOD: ) Ruhig Blut, meine Lieben, kein Grund sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen und persönlich zu werden. Bitte bleibt sachlich oder ich mach hier noch den Deckel zu! Danke!
 
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Bitte bleibt sachlich oder ich mach hier noch den Deckel zu!

Wird hier bisweilen mit einer ziemlich krummen Messlatte hantiert?

Als ĂŒberheblich und dĂŒnkelhaft bezeichnet zu werden, muss man sich offensichtlich gefallen lassen, aber bei einer - zugegeben scharfen - Reaktion auf die inakzeptable Diffamierung eines ganzen Berufsstandes als "nicht schĂŒtzenswert" (warum nicht gleich "lebensunwert") gibt's einen Anpfiff?

Wenn dem so ist, ist fĂŒr mich hier ab sofort Schluss mit lustig, und ich bitte freundlichst um Löschung meiner Zugangsdaten.

Schönen Abend noch!
 
"nicht schĂŒtzenswert"
Das ist korrekt bezeichnet und im eher juristischen Sinne keine schĂŒtzenswerte Berufsbezeichnung. So wie zB bestimmte Herkunftsbezeichnung von KĂ€se „nicht schĂŒtzenswert“ ist, die von Parmesan oder Champagner hingegen schon. Wie man sich daran so krĂ€nken kann, ist mir ein RĂ€tsel. Habe das nicht als Affront gegen Dich verstanden.
 
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Sag das mal deinem nÀchsten Musiklehrer ins Gesicht (...)

Die Musiklehrer, auch die meinen, wissen es - es ist, wie es ist, und es ist fĂŒr beide Seiten, Musiklehrer und MusikschĂŒler, Ă€rgerlich, aber wir mĂŒssen damit leben, und wenn die Konstellation nicht paßt, eine neue suchen.

Gruß, Bert
 
Letztendlich handelt es sich um eine Empfehlung, von daher kann der Musiklehrer auch das verlangen, was seine SchĂŒler bereit sind zu zahlen - ob's nun 10 € die Stunde sind oder 50 € - jeder soll selbst wissen, wieviel ihm die Stunde wert ist.
Das ist leider die Konsequenz in dem wirtschaftlichen System, in dem wir leben. Wenn es ein Überangebot an Anbietern gibt, wird es immer einen geben, der es noch gĂŒnstiger macht um im GeschĂ€ft zu bleiben.
Das ist die Gegenwart und wird sich in Zukunft wohl eher noch verschÀrfen.
Ich komme aus einer Branche, die sich Privilegien erarbeitet hatte, z.B. die geschĂŒtzte Berufsbezeichnung "Architekt" (... auch wenn sich heute jeder Informatiker Software-Architekt schimpft... aber lassen wir das) und auch eine Honorarordnung (die HOAI), welche zwar nicht die GehĂ€lter der Angestellten regelt, aber immerhin die vom Kunden zu zahlenden Kosten fĂŒr Planungsleistungen bestimmt. Aber all diese Privilegien bröckeln und werden ĂŒber kurz oder lang fallen - im Beispiel der HOAI hat der EuGH diese Regelung als wettbewerbsfeindlich deklariert (was sie natĂŒrlich ist und auch sein soll um eben den z.T. ruinösen Wettbewerb, der inzwischen in vielen Branchen herrscht zu verhindern). Die HOAI wurde novelliert und die Kammern versuchen so gut es geht, Privilegien zu retten, aber ich denke, das ist ein RĂŒckzugsgefecht ohne Aussicht auf langfristigen Erfolg.
Wird hier bisweilen mit einer ziemlich krummen Messlatte hantiert?
Ich glaube, das hast du ein bisschen in den falschen Hals bekommen.
@Vali hat ja nicht dich allein angesprochen. Dass sie gerade nach deinem Post geschrieben hat, dĂŒrfte dem Zeitpunkt geschuldet sein, an dem sie die Posts gelesen hat. Als MOD ist man ja (ĂŒblicherweise) auch nicht immer online und liest alle Threads simultan mit.
 
Habe das nicht als Affront gegen Dich verstanden.

Ich auch nicht, weil ich ĂŒber einen in der Bezeichnung geschĂŒtzten Berufsabschluss verfĂŒge und daher nicht unmittelbar betroffen bin - auch wenn ich aus Erfahrung weiss, dass die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen den nach § 132a StGB geschĂŒtzten, und den "nicht schĂŒtzenswerten" Musiklehrerbezeichnungen auf Kundenseite entweder nicht einmal bekannt sind, oder eben kein Entscheidungskriterium darstellen.

Das ist korrekt bezeichnet und im eher juristischen Sinne keine schĂŒtzenswerte Berufsbezeichnung.

Mit einer Formulierung wie "die Berufsbezeichnung XYZ ist nach § 132a StGB nicht geschĂŒtzt", oder in Anlehnung an deine Formulierung "... ist im juristischen Sinne keine schĂŒtzenswerte Berufsbezeichnung" kann ich durchaus leben, wohl wissend, dass Juristendeutsch nicht auf Befindlichkeiten ausgelegt ist - es Ă€rgert mich aber trotzdem immer wieder. Insbesonders dahingehend, dass dieser Umstand mehr oder weniger schulterzuckend als "ist eben so, war schon immer so und kann auch so bleiben" hingenommen wird.

Wenn man bedenkt, welche Interessenvertretungen vor wenigen Jahrzehnten bei der Diskussion um die Aufwertung der Musiklehrerausbildung zum Diplomstudiengang besonders laut zeternd auf die Bremse getreten haben, dann ist es wahrscheinlich illusorisch, auf eine Aufwertung des Musiklehrerstandes durch einen Schutz der Berufsbezeichnung zu hoffen. Denn damals wie heute lautet der Tenor des allgemeinen Lamentos: "Das kann dann keiner mehr bezahlen".

Aber was soll's: Wir schweifen vom Thema ab, und ich habe offensichtlich ĂŒberreagiert. Shit happens ...
 
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Warum kommst du nicht auf den Gedanken, dass die Niedriglöhne deiner Mitmenschen teilweise eine Frechheit und pure Ausbeutung sind?
Wenn es immer noch ein armes Schwein gibt, was noch weniger verdient, als man selber, dann ist deine Welt offensichtlich noch in Ordnung - oder wie soll ich das verstehen?
"Die Niedriglöhne deiner Mitmenschen". Nicht zu fassen. Ich wiederhole es nochmal fĂŒr dich: ich arbeite seit Corona fĂŒr 11,50 brutto in einem Aushilfsjob. In diesen Zeiten und UmstĂ€nden gilt das sogar als relativ guter Stundenlohn. Und ich brauche dieses Geld, um wenigstens noch Miete und Essen bezahlen zu können. Einige SchĂŒler können sich den Luxus von Gesangsstunden derzeit auch gar nicht leisten. Dein elitĂ€res Geschwafel kannst du dir also sparen. Zu deinen anderen VorwĂŒrfen sage ich nichts, denn ich mĂŒsste konkrete Beispiele nennen, und das kann und will ich aus DiskretionsgrĂŒnden nicht tun.

Sorry Vali, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. Ab sofort gebe ich Ruhe, versprochen.
 
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Das ist leider die Konsequenz in dem wirtschaftlichen System, in dem wir leben.

Nach der Öffnung der Ost-Grenze bekamen viele Berufsgruppen in Deutschland harte Konkurrenz aus dem Osten; die Musiker und Musiklehrer aus Russland (und ehem. Sowjetunion) haben eine hervorragende Ausbildung und eine ganz andere Arbeitsmoral. Wer da (fremd)sprachlich zurechtkommt, bekommt einen qualitativ guten und sehr preiswerten Musikunterricht - da kann kein deutscher Musiklehrer, der von diesem Beruf leben will, finanziell mithalten.

Ich weiß nicht, ob und wie hoch die StĂ€dtischen Musikschulen und Akademien subventioniert sind, aber ich habe fĂŒr 1 Stunde pro Woche 125-130 € monatlich gezahlt (auch in den Ferien), unterrichtet wurde ich (oder meine Tochter) von deutschen Musiklehrern mit abgeschlossener Musik-Hochschul-Ausbildung in dem entsprechenden Hauptfach. So gesehen finde ich 30-32 € pro Stunde (Honorar fĂŒr den Lehrer und den Betrieb der Schule, wie auch die Anschaffung und Wartung des FlĂŒgels) nicht viel, und ich wĂ€re bereit auch 200 € mtl. zu zahlen, aber fĂŒr viele Menschen in Deutschland sind schon die 130 € jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten, so daß sie auf den Musikunterricht gĂ€nzlich verzichten mĂŒĂŸten, oder sie suchen einen Musiklehrer, der seine Dienste weit unter dem Preis der Musikschulen anbietet.

Ob diese Entwicklung den Musiklehrer-Beruf gefĂ€hrdet, weiß ich nicht, aber es ist ein Teil der RealitĂ€t, die wir nicht verhindern können.

Gruß, Bert
 
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fĂŒr viele Menschen in Deutschland sind schon die 130 € jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten, so daß sie auf den Musikunterricht gĂ€nzlich verzichten mĂŒĂŸten, oder sie suchen einen Musiklehrer, der seine Dienste weit unter dem Preis der Musikschulen anbietet.
Oder sie sind/werden Autodidakten. Das ist in der Popularmusik ja durchaus ĂŒblich und das haben uns die Großen der Rockmusik bereits zigfach vorgemacht.
Ich interessiere mich seit einiger Zeit fĂŒr offene Stimmungen/DADGAD, kann mir aber gerade beim besten Willen keinen Gitarrenunterricht leisten und habe diesbezĂŒglich einige sehr hilfreiche Youtube-Videos entdeckt. Zumindest wenn man schon einige Jahre Gitarre spielt, kann man durchaus davon profitieren.
Und wer weiss, vielleicht gibt es in ein paar Jahren gar keine Lehrer mehr, weil das eine KI ĂŒbernimmt.
 
(in aller KĂŒrze, derzeit habe ich nicht viel Zeit zum Schreiben.)

Diese Diskussion hier ĂŒber Dumping-Preise und Niedriglöhne erinnert mich fatal an die EinwĂ€nde gegen die Besteuerung von Flugbenzin bzw. halbwegs Klima-ehrliche Preise fĂŒrÂŽs Fliegen, aber auch gegen wirklich artgerechte Tierhaltung und Schlachtung oder ĂŒberhaupt EinschrĂ€nkungen beim Fleischverzehr (was zwangslĂ€ufig die Konsequenz einer guten, artgerechten Tierhaltung wĂ€re nebst der Einbeziehung der (externen) Kosten des negativen Klima-Effekts der Tierhaltung schlechthin). Da haben sich Politiker bemĂŒĂŸigt gefĂŒhlt, darauf hinzuweisen, dass solche Preise unsozial wĂ€ren, da sich dann arme Menschen ihr Steak und den Flug nach Mallorca nicht mehr leisten könnten. Dabei waren die betreffenden Politiker eher nicht fĂŒr ein sonderlich ausgeprĂ€gtes soziales Gewissen bekannt.
Gerechtigkeit und solzialen Ausgleich schafft man nicht dadurch, dass alles so billig wie möglich gemacht wird (so wird es auch fĂŒr die "Reichen" billig), denn so schafft man nur fĂŒr eine weitere Gruppe prekĂ€re VerhĂ€ltnisse (und fĂŒr die Tiere unsagbares Leid).
Den Ausgleich schafft man, indem diejenigen einen Zuschuss bekommen, die sich das (zu recht!) teure Produkt nicht, bzw. nicht so ohne weiteres leisten können. So machen es die Musikschulen in öffentlicher TrĂ€gerschaft, wo z.B. ÂŽsozial schwĂ€chereÂŽ einen Nachlass beantragen können, die Differenz wird ĂŒber die aus Steuermitteln generierte Subventionen beglichen (der Instrumental-Unterricht fĂŒr Kinder und Jugendliche ist ohnehin durch die öffentliche Hand subventioniert). Damit das dann auch wirklich gerecht ist, mĂŒssen natĂŒrlich, diejeingen, die finanziell besonders gut da stehen, mehr aus ihrem SalĂ€r an Steuern abgeben. Nur so kann es gerechte und faire Löhne und Honorare geben - nicht nur fĂŒr MusikpĂ€dagogen.
Faire Löhne sind einzufordern, auch fĂŒr "Lieferando"-Fahrerinnen und Fahrer! Sich einfach mit den VerhĂ€ltnissen abzufinden, davor kann ich nur warnen. Denn so gleiten immer mehr ArbeitsverhĂ€ltnisse in eine soziale Schieflage ab und immer mehr haben das Nachsehen - und die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich munter immer weiter!
 
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... die Musiker und Musiklehrer aus Russland (und ehem. Sowjetunion) haben eine hervorragende Ausbildung und eine ganz andere Arbeitsmoral. Wer da (fremd)sprachlich zurechtkommt, bekommt einen qualitativ guten und sehr preiswerten Musikunterricht - da kann kein deutscher Musiklehrer, der von diesem Beruf leben will, finanziell mithalten.

Da die "rote Musiklehrerflut" ja nicht auf der Durchreise ist, sondern auch in Deutschland lebt, und somit auch den gleichen finanziellen Belastungen ausgesetzt ist, wie alle anderen - was macht nach deiner Meinung den Unterschied aus, dass sie trotz angeblich moderaterer Honorare im Gegensatz zum deutschen ML von diesem Beruf leben können?
Denn die Aussage "da kann kein deutscher Musiklehrer, der von diesem Beruf leben will, finanziell mithalten" impliziert ja, dass ein deutscher ML vom Honorar seines russischen Kollegen nicht leben könnte, und daher - wohlgemerkt: trotz gleicher Lebenshaltungskosten - zwangslÀufig ein höheres Honorar berechnen muss.

Einem deutschen ML, insbesonders wenn er als SelbstĂ€ndiger arbeitet, eine "ganz andere Arbeitsmoral" zu unterstellen, ist schon mal eine ziemlich steile These. Da könnte man auch das alte Klischee ins Feld fĂŒhren, dass wir besser organisiert sind, und daher mit unserem Arbeitspensum bereits fertig sind, wenn die russischen Kollegen noch auf ihren BĂ€renfellen herumlungern, um sich vom letzten Wodka-BesĂ€ufnis zu erholen. An der Arbeitsmoral kann es also nicht wirklich liegen - wir reden hier schließlich nur von russischen LehrkrĂ€ften, nicht von polnischen Handwerkern.

Was die QualitÀt angeht, sind spÀtestens seit dem Zusammenbruch der SU Mythos und RealitÀt arg in Schieflage geraten.
Und wenn die deutsche AusbildungsqualitÀt mit der russischen nach deiner Meinung nicht mithalten kann: Warum haben auslÀndische Studierende an deutsche Musikhochschulen einen Anteil von fast 30 %, wÀhren dieser Anteil an russischen HS gegen Null tendiert? Was machen die ganzen russischen Namen auf den Immatrikulationslisten unserer Musikhochschulen? Was wollen die denn alle hier, wenn die AusbildungsqualitÀt in ihrer Heimat angeblich so viel besser ist?

Der Wodka kanns auch nicht sein, der den entscheidenden Unterschied ausmacht. Denn Geld wird dadurch, dass man es nach der zweiten Flasche doppelt sieht, nicht wirklich mehr. Kurzum: Irgendwie versagen mir grade ein wenig die Synapsen - aber du wirst mir die Logik hinter deiner kĂŒhnen GedankenfĂŒhrung sicherlich offenbaren können. Eine Beispielrechnung wĂ€re da hilfreich: Zwei MusiklehrerInnen - einmal aus Deutschland, einmal aus Russland, beide Alleinverdiener und mit gleichen Lebenshaltungskosten. Warum kommt die russische Lehrkraft finanziell ĂŒber die Runden, die deutsche aber nicht - das ist die spannende Frage!
 
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Faire Löhne sind einzufordern, auch fĂŒr "Lieferando"-Fahrerinnen und Fahrer! Sich einfach mit den VerhĂ€ltnissen abzufinden, davor kann ich nur warnen. Denn so gleiten immer mehr ArbeitsverhĂ€ltnisse in eine soziale Schieflage ab und immer mehr haben das Nachsehen - und die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich munter immer weiter!
Da bin ich ganz bei dir. Nun bin ich aber (und mit mir viele andere) unerwartet in solche schiefen ArbeitsverhĂ€ltnisse geraten und stelle wieder einmal fest, wie geduldig Papier und wie grau alle Theorie ist. Einfordern kann ich natĂŒrlich alles mögliche. Arbeiten muss ich in der Zwischenzeit trotzdem, und zwar zu den Löhnen und Honoraren, die der Markt regelt, wie es so schön heißt.

Das ist jetzt echt nicht böse gemeint. Aber ich finde es immer drollig, wenn z.B. fest angestellte Lehrer mit 13 ansehnlichen MonatsgehĂ€ltern, einer zu erwartenden komfortablen Rente und zwölf Wochen Urlaub im Jahr diejenigen, die nicht ĂŒber solche Privilegien verfĂŒgen, darĂŒber belehren wollen, welche Honorare sie zu nehmen haben. Die wissen doch gar nicht, wie es ist, wenn man nicht mehr weiß, wie man seine Miete bezahlen soll.
Wie gesagt, fordern kann ich alles mögliche.
Aber was schlĂ€gst du als konkrete Alternative vor? Ich wĂŒsste jetzt beim besten Willen keine.
 
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Es gibt keinen Mindestpreis und keinen Preisdeckel. Dazwischen ist alles erlaubt und das ist gut so. Ist der Wert einer Dienstleistung nicht als solcher zu erkennen zu ermitteln, dann es es fatal einen "zu verordnen". MĂŒndige Menschen können derartige Situationen durch verhandeln lösen.
 
Die letzten Seiten sind zwar nicht was ich mir so vorgestellt habe aber trotzdem sehr interessant (y)
Preislich werde ich das verlangen, was andere im Umkreis mit meiner Qualifikation auch nehmen. Da findet man Anhaltspunkte im Netz. Ich habe das GlĂŒck, dass ich nicht auf das Geld angewiesen bin, im Sinne von ich Muss damit mich und meine Familie ernĂ€hren. Daher bin ich flexibel was die Preisgestaltung angeht, muss das ganze aber auch nicht fĂŒr einen Hungerlohn machen. Dann wĂŒrde ich vorher doch zu MC Donalds, das ist sicherer.
 
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Ich habe jetzt ehrlicherweise nicht alles gelesen und kenne Gesangsunterricht auch nur aus der Opfer- nicht aus der TĂ€terperspektive ;) (kleiner Scherz am Rande), aber ich lerne am liebsten bei Gesangslehrern, die ein gutes GespĂŒr fĂŒr ihre GesangsschĂŒler und eine gewisse GrundflexibilitĂ€t in ihrer Persönlichkeit mitbringen, um sensibel auf ihre SchĂŒler einzugehen. Da hast du als angehender PĂ€dagoge wahrscheinlich schon mal gute Voraussetzungen. Ich selbst bin gerne bereit, etwas mehr fĂŒr jemanden zu zahlen, bei dem ich das GefĂŒhl habe, er (oder sie) ist sein Geld wert. Eine wertschĂ€tzende Grundhaltung finde ich essenziell (aber das lernst du als Lehrer heute eh), aber auch die Klarheit und Ehrlichkeit, jemandem zu vermitteln, was bei ihm oder ihr voraussichtlich geht und was nicht. Als junger Lehrer wirst du es vielleicht eher mit jĂŒngeren SchĂŒlern zu tun bekommen, die glauben, sie könnten nach 10 bis 15 Gesangsstunden singen wie Ariana Grande oder Harry Styles. Den Zahn muss man den Leuten schon ein bisschen ziehen und klar machen, dass Singen lernen lange dauert und viel Übung erfordert.
 
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Und wer weiss, vielleicht gibt es in ein paar Jahren gar keine Lehrer mehr, weil das eine KI ĂŒbernimmt.

Das glaube ich nicht; gute LehrkrĂ€fte und freier Zugang zur Bildung sind tragende SĂ€ulen jeder Gesellschaft, auch der unseren, auf die man nicht verzichten kann/sollte; LehrbĂŒcher und -videos bzw. Ă€hnliche Hilfsmittel sind sicherlich eine brauchbare ErgĂ€nzung, jedoch kein Ersatz fĂŒr den persönlichen Kontakt.

Denn die Aussage "da kann kein deutscher Musiklehrer, der von diesem Beruf leben will, finanziell mithalten" impliziert ja, dass ein deutscher ML vom Honorar seines russischen Kollegen nicht leben könnte (...)

Ob ein deutscher ML von 15 € die Stunde leben könnte, weiß ich nicht, jedenfalls verlangt er fĂŒr seinen Musikunterricht mehr.

Damit das dann auch wirklich gerecht ist, mĂŒssen natĂŒrlich, diejeingen, die finanziell besonders gut da stehen, mehr aus ihrem SalĂ€r an Steuern abgeben.

Die meisten Arbeitnehmer in diesem Lande zahlen Steuern, und nicht zu knapp, die Frage ist, wieviel davon der Bildung (und dazu gehört auch die musikalische Bildung) zukommt. Nach meiner Meinung zu wenig, aber die Finanzierung der Bildung ist und bleibt eine wichtige Aufgabe der ganzen Gesellschaft.

Denn so gleiten immer mehr ArbeitsverhÀltnisse in eine soziale Schieflage ab und immer mehr haben das Nachsehen - und die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich munter immer weiter!

Das ist das Ergebnis der globalen Wirtschaft, und die soziale Schieflage kann man nur global lösen, denn solange es LĂ€nder gibt, in denen ein Stundenlohn von 5 € "Reichtum" bedeutet, werden die ArbeitskrĂ€fte aus diesen LĂ€ndern nach Deutschland kommen und fĂŒr diesen "Hungerlohn" arbeiten.

Doch zurĂŒck zu Musiklehrern.
Ich frage mich, warum es so viele Diskussionen um den Stundenhonorar von ML gibt, bei Mathe-, Physik- oder Deutschlehrern bin ich dieser Frage nicht begegnet. Obwohl auch viele Lehrer ĂŒber schlechte/verschlechterte Arbeitsbedingungen bzw. Bezahlung "klagen", die Honorarfrage scheint dort geklĂ€rt zu sein.

MĂŒndige Menschen können derartige Situationen durch verhandeln lösen.

Ja, bei freien Menschen ist es auch kein Problem, aber soziale Schieflage erzeugt AbhÀngigkeiten, und in diesen AbhÀngigkeiten haben die Menschen keine freie Wahl mehr.

Gruß, Bert
 
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