Unterricht geben - Welche Qualifikationen brauche ich?

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Schönen guten Tag liebe Vocalabteilung :hat:

Ich studiere aktuell Musik auf Lehramt und überlege mir nebenbei Unterricht im Gesang zu geben.
Ich weiß, dass man als privater Gesanglehrer kein Zertifikat o.ä. braucht, möchte aber natürlich ein Mindestmaß an Qualität bieten.
Hierfür hätte ich gern von euch ein paar Inputs zu dem dem Thema Qualifikation. Ich hatte in meinem Leben 3 Lehrer, nur einer davon (mein aktueller) war Profi,
jeder hat seinen Unterricht anders aufgebaut und andere Qualifikationen besessen und vermittelt.
Mein Angebot würde sich an Anfänger und Fortgeschrittene richten, die Fähigkeiten erlangen und ausbauen wollen, als Vocal Coach sehe ich mich nicht, da mir dafür einfach
noch zu viel Wissen fehlt. Mein Unterricht ist aktuell auf eine klassische Gesangstechnik ausgelegt, allerdings sehe ich mich im Unterrichten doch eher im Pop und Rock, da ich hier zu Hause bin.
Was denkt ihr also benötigt man für Fähigkeiten um selbst Gesang zu unterrichten?

- Man sollte natürlich begleiten können (Ich begleite mich selbst auf der Gitarre, für den Unterricht wäre wohl Keys besser oder?)
- Man muss tonale und technische Fehler hören, verorten und beheben können
- Man muss die gängigen Gesangtechniken und Stile beherrschen die man unterrichten möchte
- Man muss selbst singen können
- Man muss einen guten Umgang mit Menschen haben

Das wären ein paar Punkte die mir einfallen.
 
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Ich weiß, dass man als privater Gesanglehrer kein Zertifikat o.ä. braucht, möchte aber natürlich ein Mindestmaß an Qualität bieten.

Lobenswert. Leider denkt nicht jeder so, aber das soll hier und jetzt nicht thematisiert werden.
Da du Lehramt Musik studiertst, hast du gegenüber vielen anderen "Unzertifizierten" immerhin den Vorteil, aus didaktischen und methodischen Konzepten Schlüsse ziehen und damit (im Idealfall) auch zielführend umgehen zu können. Somit kannst du wenigstens so etwas wie "planvollen" Unterricht anbieten - was leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Was denkt ihr also benötigt man für Fähigkeiten um selbst Gesang zu unterrichten?

Ganz banal: Viel praktische Erfahrung, umfassende Methodenkenntnis, gute diagnostische Fähigkeiten, insbesonders im Bereich der Stimmphysiologie - und einen ausgeprägten Berufsethos!
Da beisst sich die Katze bei Berufsanfängern natürlich in den Schwanz, weil Erfahrung und Diagnostik wiederum Unterrichtspraxis bedingen, während man sich Methodenkenntnis zumindest teilweise anlesen kann. Und ethisches Verhalten als übergeordnete Handlungsrichtsrichtlinie, d.h. Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Lernenden und die Bereitschaft zur ständigen Selbstreflexion, hat man, oder hat man nicht.

Daher solltest du anfangs den Ball wirklich sehr flach halten, und nur Dinge unterrichten, die du in Hinsicht auf deinen eigenen Kenntnisstand auch vertreten kannst, z.B. indem du dein Angebot zunächst mehr in Richtung "allgemeine Stimmbildung/Aussprachetraining/Übungsmethodik" ausrichtest. Das erweitert zudem den potentiellen Kundenkreis z.B. auf Schauspielschüler und sonstige "Sprechberufe".
Finger weg von "Problemstimmen", wenn du noch nicht diagnostizieren kannst, worin die Ursache für mögliche Stimmfehler liegen könnte. Hier ist es sinnvoll, wenn du Kontakte zu erfahrenen Lehrern pflegst, an die du im Ernstfall schwierigere Fälle weiterreichen kannst, bevor du irgendwelchen Leuten die Stimme ruinierst.
 
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Christian_Hofmann
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Die meisten die ich kenne haben zumindest einen Bachelor of Music besser Master of Music, da hier auch die künstlerischen Aspekte, Pädagogik, Chor und so weiter im Mittelpunkt stehen. Aber du hast ja bereits richtig erkannt das du im Grunde keine Qualifikationen brauchst.

Vielleicht wäre es sogar sinnvoll einmal mit deinem Dozenten zu sprechen wie er dich einschätzt, ob er denkt du könntest das gut ausführen, auch könntest du dich anbieten im Rahmen des Studiums Vorträge und Schulungen durchzuführen. Vorteil hier ist ganz einfach das du Erfahrungen sammeln kannst, aber auch jemand anwesend ist der das ganze kontrolliert was du dort machst. Danach wenn du etwas Erfahrung gesammelt hast könntest du dann außerhalb auch einen Schüler übernehmen.
 
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Man sollte natürlich begleiten können (Ich begleite mich selbst auf der Gitarre, für den Unterricht wäre wohl Keys besser oder?)

Ich kenne auch genügend, die Playbacks akzeptieren und nur die Übungen auf dem Piano vorspielen.

Man muss einen guten Umgang mit Menschen haben

Man muss sich vor allem auf sehr unterschiedliche Menschen einstellen können und zur Not auch mal in der Lage sein, jemanden abzulehnen, wenn man ben nicht mit ihm umgehen kann bzw sein Ansprüche und Wünsche erfüllen kann.
 
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Profi In was? Pro-Sänger, Pädagoge, oder zertifizierter Gesangslehrer?
Er hat 15 Jahre als Tenor gesungen und unterrichtet als Dozent an der Hochschule Stimmphysiologie und ähnliches.

@Christian_Hofmann
Das war auch meine Idee. Jetzt sind erst mal zwei Monate Ferien (Student muss man sein) dann Frage ich ihn. Allerdings wollte ich mir erst mal ein bisschen Vorwissen aneignen. Bzw. in den Erfahrungsaustausch gehen.
 
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Christian_Hofmann
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Allerdings wollte ich mir erst mal ein bisschen Vorwissen aneignen. Bzw. in den Erfahrungsaustausch gehen.
Eine Frage solltest du dir stellen. Warum ist es dir so wichtig jemanden zu unterrichten? Ich kenne dich und deine Fähigkeiten nicht, da du aber noch selber in der Lehre bist, würde ich schätzen du bist selbst noch ein Anfänger. Wenn du selber denkst du wärst trotz deinem noch frühen Ausbildungsstand in der Lage ein guter Lehrer zu sein, dann prüfe dies ganz kritisch, ob es wirklich so ist.

Aus eigener Erfahrung weiß ich (vermutlich auch viele andere) das man seine eigenen Fähigkeiten oft falsch oder zumindest anders einschätzt. Ich persönlich würde dir raten erst einmal auf dich selbst zu schauen. Anstatt anderen etwas beizubringen, nutze die Zeit und verbessere deine eigenen Fähigkeiten. Schau dir auch mal Dinge an die hinter deinem aktuellen Horizont sind. Wenn du dann dein Studium beendet hast, einige Jahre praktische Erfahrung gesammelt hast und selber in dutzende Fettnäpfchen getreten bist, dann wäre ein guter Zeitpunkt das eigene Wissen weiterzugeben. Das wäre auch mit Blick auf einen Schüler wohl die beste Idee.

Vielleicht noch eine Überlegung. Wenn du einen Chor (z.B Kirchengemeinde), Gospelgruppe oder ähnliches hast, dann werde dort selber aktiv. Singe mit, unterstütze andere und schau wo du tatsächlich stehst. Auch Kitas suchen immer ehrenamtliche die mit den Kindern musizieren.
 
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Warum ist es dir so wichtig jemanden zu unterrichten?

Das kann dir der TO sicherlich beantworten - ich finde allerdings diese Frage bei jemandem, der Lehramt studiert, etwas befremdlich.

Aus eigener Erfahrung weiß ich (vermutlich auch viele andere) das man seine eigenen Fähigkeiten oft falsch oder zumindest anders einschätzt.

Das ist unter positiven wie negativen Aspekten ein unverzichtbarer Teil jedes Lernprozesses. Und wenn man Unterrichten nicht als Einbahnstrasse begreift, dann schleifen sich Über- und Unterschätzungen schnell auf ein verträgliches Maß ab. Mit der Faustregel, die Lernenden nicht zu unter-, und sich als Lehrender nicht zu überschätzen, kommt man im Regelfall ganz gut durchs Berufsleben.

Wenn du dann dein Studium beendet hast, einige Jahre praktische Erfahrung gesammelt hast und selber in dutzende Fettnäpfchen getreten bist, dann wäre ein guter Zeitpunkt das eigene Wissen weiterzugeben.

Wie sollen diese "praktischen Erfahrungen" denn gesammelt werden, wenn nicht durch Konfrontation mit der Praxis?
Offensichtlich kommst du zu dieser reichlich weltfremden Einschätzung, weil dir die praxisrelevanten Inhalte musikpädagogisch orientierter Studiengänge nicht bekannt sind. Wer als Lehrender etwas bewirken will, kann nicht früh genug damit anfangen, denn "betreutes Studieren" im Elfenbeinturm kann niemals ein Ersatz für die Realitäten der Praxis sein.

Auch Kitas suchen immer ehrenamtliche die mit den Kindern musizieren.

Man muss ja nicht jede Form der als "Ehre" verbrämten Selbstausbeutung mitmachen ...
 
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Domeni0
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Es geht mir ja hier genau darum Kriterien zu sammeln anhand derer ich meine eigenen Leistungen vergleichen kann. Ich bin was Gesang angeht jetzt seit 5 Jahren dauerhaft in Ausbildung, welche von Lehrern, Musikern und mir selbst fast täglich reflektiert und evaluiert wird. Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, ob ich geeignet dafür bin Unterricht zu geben und vor allem auf welchem Niveau, sonst würde es dieses Thema hier nicht geben. Was meine Gesangsfähigkeiten angeht mache ich mir weniger sorgen, es geht eher um die Punkte: Vermitteln theoretischen Wissens (Stimmphysiologie und Technik), Erkennen und Beseitigen von Fehlern und das Vermitteln von musiktheoretischem Wissen, bei denen ich nicht weiß ob ich schon ausreichend Weiß.
Ich habe auch schon ein paar Stunden Gesangsunterricht an Freunde gegeben, dass waren dann aber eher Übersichtsstunden als wirklicher Unterricht. Ich hatte auch schon 1 Semerster Stimmphysiologie und dadurch jetzt Wissen, von dem ich persönlich weiß, dass es viele "Gesangslehrer" die ich kennenlernen durfte nicht haben.
Wie schon angesprochen werde ich mir definitiv keine Härtefälle raussuchen, die gehören dann wahrscheinlich auch eher zu einem Logopäden.
 
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Es geht mir ja hier genau darum Kriterien zu sammeln anhand derer ich meine eigenen Leistungen vergleichen kann.

Das wichtigste Kriterium ist, dass du selbst einen Heidenspaß daran hast, anderen etwas zu vermitteln.

Lernen bzw. Unterricht ist Glücksache. Naturlich: Das Know How muss vorhanden sein, damit man es weitergeben kann und man sollte singen können, um etwas zu demonstrieren. Das "wie" steht auf einem anderen Blatt. Und das gilt besonders für Gesangsunterricht.

Ich diskutiere in diesem Forum seit 16 Jahren auch über Unterricht und es gibt weder eine einheitliche Terminonolgie noch eine einheitliche Didaktik. Die einen erwarten eine funktionale Lehre und lehnen jegliche Art von Bildsprache konsequent ab, andere schwören auf die Modi von CVT, wieder andere sagen, sie hätten sich genau damit die Stimme geschrottet und raten dringend davon ab.

Daher wäre mein Rat, dich zunächst auf eine Terminologie, Methodik oder Didaktik zu beschränken. Und zwar die, von der du selbst am meisten überzeugt bist und die du am besten vermitteln kannst. Also gar nicht erst versuchen, auf jede Frage eine Antwort zu haben und jede Methodik zu kennen.

Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, ob ich geeignet dafür bin Unterricht zu geben

Dir wird nichts anderes übrig bleiben, als deine ersten Schülerinnen als Testobjekte zu missbrauchen. Du könntest dabei ja einfach mit offenen Karten spielen und deine Dienste in der ersten Phase sehr preisgünstig anbieten. Sozusagen ein Probe-Abo. Dann regelmäßig einen Austausch mit deinen Schülern durchführen und dir als Lehrer Feedback holen.

Dabei müssen deine Schülerinnen natürlich wissen, dass sie Geduld brauchen. Sonst kommt dann schnell, dass man sich nach vier Gesangsstunden mehr erwartet hätte als ein paar Übungen.

das Vermitteln von musiktheoretischem Wissen, bei denen ich nicht weiß ob ich schon ausreichend Weiß.

Das kannst du ganz klar vernachlässigen. Es schadet deinem Unterrricht zwar nicht, aber es ist in der Regel nicht die Aufgabe von Gesangslehrern, ihren Schülern musiktheoretische Inhalte zu vermitteln. Das würde die meisten wahrscheinlich auch überfordern. Sie wollen singen und keine Funktionsanalysen.

Viel Erfolg
 
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Ich unterrichte schon seit vielen Jahren und es ist genau so, wie antipasti es beschreibt: die ersten Schüler sind eher Versuchskaninchen. Du kannst noch so viel über Fachdidaktik, Musikpädagogik, Musiktheorie etc pp an der Hochschule gelernt haben - grau ist alle Theorie und wenn du die ersten "echten Menschen" vor dir hast, hilft dir vor allem deine eigene musikalische Praxis. Wäre ich nicht selbst Musikerin und Bühnensängerin mit jahrelanger Live- und Studioerfahrung, vertraut mit den Höhen und Tiefen des Musikerlebens und allerlei (auch schrägen) Gesangslehrern und -methoden, dann würde ich vielleicht gar nicht unterrichten können. "Nur" an einer Uni hätte ich das nicht wirklich gelernt.
Wirklich unerlässlich fürs Unterrichten erscheint mir eigentlich nur, dass man selbst authentisch und sicher singen kann - in seinem Genre, und möglichst auch dieses unterrichtet.
Manche Schüler sind begabt und machen schnell Fortschritte, bei anderen ist Hopfen und Malz verloren, weil es einfach an Musikalität fehlt. Daran darf man nicht verzweifeln, man kann nicht aus jedem einen Supersänger machen und muss die Erwartungen (auch an sich selbst als Lehrer) herunterschrauben können. Aber Singen ist niemandem verboten. Solange es dem Schüler Spaß macht, und deine Ohren es aushalten, ist alles gut.
Mit den musikalischen Leuten kann man dann super arbeiten, die fordern dich oft richtig und man lernt so oder so ständig dazu.
Ich würde an deiner Stelle einfach anfangen.
 
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Es schadet deinem Unterrricht zwar nicht, aber es ist in der Regel nicht die Aufgabe von Gesangslehrern, ihren Schülern musiktheoretische Inhalte zu vermitteln.

Allerdings sollten Schüler schon frühzeitig auch ans selbstorganisierte Lernen herangeführt werden. Dazu ist es unabdingbar, dass sie zumindest in der Lage sein sollten, ihr Arbeitsmaterial übungstechnisch sinnvoll aufbereiten zu können, was sich ohne elementare theoretische Grundlagen (im Sinne analytisch-deklarativer Kenntnisse) äußerst schwierig gestaltet.
Zur Selbstständigkeit erzogene Schüler sind natürlich anstrengender, weil irgendwann auch kritischer, aber letztlich sollte der umfassend (d.h. auch "theoretisch") gebildetete, und zur selbstbestimmten musikalischen Teilhabe befähigte Mensch das Idealziel jedes Unterrichts sein. Alles andere ist entweder schlichtweg "dummer" Unterricht oder einfach nur Abzocke.

... die ersten Schüler sind eher Versuchskaninchen.

Sie sind aber zugleich auch die besten Lehrmeister - vorausgesetzt, dass man auch als Lehrender jederzeit lernbereit bleibt. Es sollte aber auch selbstverständlich sein, dass man im Zweifelsfall die Finger von völligen Anfängern lässt (s.u.), denn die können sich noch nicht gegen Unvermögen wehren und sollten daher nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Du könntest dabei ja einfach mit offenen Karten spielen und deine Dienste in der ersten Phase sehr preisgünstig anbieten.

Was äußerst problematisch ist, denn einerseits gilt auch hier "Was wenig kostet, taugt nichts", andererseits schadet man durch Preisdumping der ganzen Branche, was zur Folge hat, dass man sich schnell ins Abseits schießt, weil man von den professionellen Kollegen geschnitten wird.
Weil die ersten Unterrichtserfahrungen im Prinzip ein wechselseitiger Lernprozess sind, ist es ein guter Kompromiss, anfangs nicht stur mit der Stechuhr zu arbeiten. Das ortsübliche Preisniveau der "Unzertifierten" noch zu unterbieten, ist aber sicherlich der falsche Weg.

Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, ob ich geeignet dafür bin Unterricht zu geben und vor allem auf welchem Niveau, sonst würde es dieses Thema hier nicht geben.

Ich habe auch nicht den Eindruck, dass du unreflektiert an das Thema herangehst.
Was das Schülerniveau angeht, ist es aus mehreren Gründen nicht verkehrt, zunächst im Bereich "Anfänger mit Vorkenntnissen" zu beginnen, da ein korrigierender bzw. auf bereits vorhandenen Grundlagen aufbauender Unterricht methodisch immer etwas einfacher zu gestalten ist.

Bei Fortgeschrittenen verschiebt sich die Tätigkeit vom Aspekt des "pädagogisch sinnvoll" gestalteten Unterrichts mehr zum Aspekt der kooperativen Arbeit, d.h. man sollte sich primär als Trainer und Katalysator "auf Augenhöhe" verstehen. Wenn man als Lehrer noch nicht in dieser Liga mitspielen kann, wird das ziemlich schnell auffallen, daher ist ein Einstieg auf diesem Unterrichtsniveau nur bedingt zu empfehlen.
Bei völligen Anfängern hingegen kann man ohne ausreichende Unterrichtserfahrung ziemlich viel falsch machen - wenn hier also der fachlich noch "Einäugige" auf den Blinden trifft, kann es eigentlich nur schiefgehen. Auf keinen Fall sollte Anfängerunterricht - wie es leider oftmals der Fall ist - unter der Prämisse angeboten werden, dass dem Lernenden dabei die Unzulänglichkeiten des Lehrers nicht so schnell auffallen.
 
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Was denkt ihr also benötigt man für Fähigkeiten um selbst Gesang zu unterrichten?

Sicher erkennen, für welches Fach die Stimme des Schülers (von Natur aus) geeignet ist.

Leider werden viele Gesangschüler von erfahrenen und gut ausgebildeten Musiklehrern (Musikhochschule, Hauptfach Gesang) in das falsche Fach "gezwungen/trainiert", was ziemlich schnell die Stimme des Schülers ruinieren kann, manchmal irreparabel. :cry:

Als betroffener Schüler wüßte ich darüber ein langes Lied zu singen, und auch in meinem Bekanntenkreis kenne ich einige Opfer solcher "ehrgeizigen" Lehrer.

Gruß, Bert
 
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Leider werden viele Gesangschüler von erfahrenen und gut ausgebildeten Musiklehrern (Musikhochschule, Hauptfach Gesang) in das falsche Fach "gezwungen/trainiert", was ziemlich schnell die Stimme des Schülers ruinieren kann, manchmal irreparabel

Deine Behauptung wirst du ja sicherlich durch entsprechend seriöse Erhebungen unter Gesangsschülern als nachweisbaren Fakt belegen können, daher stellt sich die Frage, was unter "viele Gesangsschüler" bezogen auf die Gesamtzahl aller Gesangsschüler anteilsmäßig zu verstehen ist.

Ebenso ist die bestenfalls für bedauerliche Einzelfälle zutreffende Behauptung zu belegen, "erfahrene und gut ausgebildete Musiklehrer" würden Schüler ins falsche Stimmfach "zwingen".
Dass es insbesonders im Rahmen der professionellen Ausbildung (die letztlich auch den Marktbedarf und die Markterwartungen für bestimmte Stimmregister im Blick haben muss), dazu kommen kann, dass Stimmen überfordert werden, gehört ebenso zum Risiko der Berufsentscheidung, wie der Umstand, dass z.B. nicht jeder gute Instrumentalist für eine solistische Bühnenkarriere geeignet ist.
Wenn ein "tenoral" veranlagter Bariton aufgrund besserer Berufsaussichten ins Tenorfach wechselt, dann wird er im Regelfall von "erfahrenen und gut ausgebildeten Musiklehrern " auch über die damit verbundenen Risiken für seine Stimme aufgeklärt - alles andere wäre grob fahrlässig.

Bei "ruinierten Stimmen" stellt sich allerdings auch immer die Frage, wessen Ehrgeiz hier möglicherweise falsch war. Das Stimmversagen eines minderbegabten, aber übereifrigen Möchtegern-Siegfrieds allein auf die Lehrer zu schieben, ist da wahrscheinlich doch etwas zu kurz gedacht.
 
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Sie sind aber zugleich auch die besten Lehrmeister - vorausgesetzt, dass man auch als Lehrender jederzeit lernbereit bleibt. Es sollte aber auch selbstverständlich sein, dass man im Zweifelsfall die Finger von völligen Anfängern lässt (s.u.), denn die können sich noch nicht gegen Unvermögen wehren und sollten daher nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.
Unvermögen habe ich auch schon bei studierten/ zertifizierten GL erlebt, nebst viel heißer Luft. Das ist kein Garant.

Es hilft ja nix, irgendwann muss man anfangen. Jeder angehende Chirurg macht irgendwann seine erste OP, jeder Friseur-Azubi seinen ersten Haarschnitt alleine - und hier wissen das die Patienten/Kunden meistens nicht einmal.
Singen ist ja keine Geheimwissenschaft und das dafür nötige Handwerk ist recht einfach zu erlernen. Gerade Anfängern die stimmbildnerischen Grundlagen beizubringen, finde ich nun wirklich nicht so schwer.
Ernsthafte Stimmprobleme sind mir in all den Jahren auch nur sehr selten untergekommen und die habe ich dann umgehend an medizinische Fachleute verwiesen. Die meisten Schwierigkeiten ließen sich aber ohne einen Abschluss in Stimmphysiologie beheben, wobei ein Psychologiestudium nicht verkehrt wäre für Gesangslehrer ;)

EDIT: ach so, es geht mal wieder um klassischen Gesang. Sorry, das hab ich überlesen. Ist nicht mein Genre, kann ich auch nicht so mitreden, bin dann mal raus hier.
 
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Erst mal vielen Dank für die vielen verschiedenen Eindrücke. Ich kann bisher allen Kommentaren etwas abgewinnen.

Klassischen Gesang werde ich fürs erste nicht unterrichten wollen. In dem Gebiet habe ich erst angefangen, mache aber gute Fortschritte, sodass ich das (denke ich) auch in Zukunft werde machen können.

Bei meinen ersten zwei Gesangslehrern hatte Theorie und Physiologie auch nie viel Platz. Für mich ist es aber oft hilfreich um zu verstehen was genau in meinem Körper passiert und das dann auch lenken zu können. Das würde ich aber je nach Interesse und Person unterschiedlich handhaben.
 
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Allerdings sollten Schüler schon frühzeitig auch ans selbstorganisierte Lernen herangeführt werden. Dazu ist es unabdingbar, dass sie zumindest in der Lage sein sollten, ihr Arbeitsmaterial übungstechnisch sinnvoll aufbereiten zu können, was sich ohne elementare theoretische Grundlagen (im Sinne analytisch-deklarativer Kenntnisse) äußerst schwierig gestaltet.

Ich bin jetzt nicht davon ausgegangen, dass @Domeni0 Kleinst- und Vorschulkinder unterrichten möchte. Insofern sollte bei freiwilligem GU ein wenig Lernerfahrung bei den Schülern vorhanden sein. Zudem studiert er auf Lehramt, wodurch er auf diesem Gebiet nicht völlig unwissend sein dürfte.

Was äußerst problematisch ist, denn einerseits gilt auch hier "Was wenig kostet, taugt nichts, "andererseits schadet man durch Preisdumping der ganzen Branche

Er will keine Firma eröffnen, sondern als Lehramt-Student privaten Unterricht anbieten. Es ist völlig normal und seit langem üblich, dass Studenten Unterricht zu vergünstigten Konditionen anbieten.
 
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Es ist völlig normal und seit langem üblich, dass Studenten Unterricht zu vergünstigten Konditionen anbieten.

Dagegen ist auch nichts einzuwenden, zumal Studenten im Regelfall auf ihren Status hinweisen, und diesbezüglich bei zahlreichen Hobbymusikern nach dem Motto "für meine Ansprüche reicht auch ein Student" auch eine durchaus rege Nachfrage besteht, die für ein lokal meist einigermaßen angemessenes Preisniveau sorgt.

Ein "angemessenes" Preisniveau kann durchaus auch die Kategorie "preisgünstig" beinhalten, bei "sehr preisgünstig" gerät die eigene Preispolitik aber spätestens dann zum Rohrkrepierer, wenn man nach dem Studium beruflich vom Unterrichten leben muss, und sich plötzlich einem Preiskampf auf niedrigstem Niveau ausgesetzt sieht, den man letztlich mitverschuldet hat.

Solange die Gesetzgebung in der Frage eines Qualifikationsnachweises und eines Titelschutzes für die Tätigkeitsbezeichnung "Musiklehrer" weiterhin in untätiger Ignoranz die Hände in den Hosentaschen lässt, sollte man daher bei der Preisgestaltung frühzeitig darauf achten, sich nicht selber den ohnehin reichlich dürren Ast abzusägen, auf dem man später wohl oder übel sitzen muss.
 
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Ein "angemessenes" Preisniveau kann durchaus auch die Kategorie "preisgünstig" beinhalten, bei "sehr preisgünstig" gerät die eigene Preispolitik aber spätestens dann zum Rohrkrepierer

Herrjeh... ich halte den TO für intelligent genug, meine Empfehlung angemessen seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen zu berechnen.

Aber klar, immer gut, wenn jemand sehr genau aufpasst .... ;)
 
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.. ich halte den TO für intelligent genug, meine Empfehlung angemessen seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen zu berechnen.

Diese Einschätzung teile ich mit dir.
Daher bezog sich meine Anmerkung auch primär auf den von dir geäußerten Vorschlag, über die Niedrigpreis-Schiene ins Unterrichtsgeschäft einzusteigen. Das ist eine äußerst kurzsichtige Strategie, die der zunehmenden Schieflage der teilweise nur noch als unwürdig zu bezeichnenden Unterrichtshonorare weiteren Vorschub leistet.
In diesem Zusammenhang würde mich wirklich mal interessieren, was du unter "sehr preiswert" konkret verstehst. Den aktuellen Durchschnittslohn z.B. von Musikschul-Honorarkräften kannst du dabei kaum als Bezugsgröße im Sinn gehabt haben, denn da ist bereits nicht mehr viel Luft nach unten.
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