Real FAQ - Für echte Anfänger

von antipasti, 11.02.10.

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  1. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 11.02.10   #1
    Hallo,

    Hier sollen nun echte Anfänger-FAQ entstehen, die sich aussschließlich mit immer wieder gestellten Beginnerproblemen und Fragen beschäftigt.

    Schickt mir bitte Eure Vorschläge (mit Antwort) als PN zu.

    Ich mache mal den Anfang.

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    Frage: Ich möcht singen lernen. Wie fange ich an? Habt Ihr Tipps für mich?
    Das ist wohl die allgemeinste aller Fragen, die immer noch sehr häufig gestellt wird. Die Antworten sind vielfältig, aber an sich immer gleich:

    Antworten

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    Frage: Ist es normal, dass man seine Stimme, wenn man sie auf Aufnahmen hört, eigentlich nie so wirklich schön findet?

    Antwort
    Es ist zumindest nicht ungewöhnlich, dass man seine eigene Stimme auf Aufnahmen viel kritischer beurteilt und anders wahrnimmt als andere Leute. Ich würde zwar nicht behaupten, dass man sie NIE richtig schön findet, aber es braucht nicht selten eine ziemlich lange Zeit, bis man sich an seine eigene Stimme gewöhnt hat und auch später bleibt gern eine gewisse Distanz und Skepsis.

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    Frage: Hört mal meine Hörprobe. Kann ich singen?
    Ich habe mit meinem Handy (DigiCam, PC oder sonstwas) hier mal was eingesungen. Könnte ich zB in einer Band singen?

    Antwort
    Oft werden solche Aufnahmen zuhause zwischendurch gemacht - nicht selten mit leisem oder ganz ohne Playback, in Zimmerlautstärke und Wohlfühltonlage. Leider hat diese Situation nur wenig mit der Sänger-Realität zu tun. In einer Rockband oder einem Ensemble muss man - auch mit Mikro und Verstärker - eine gewisses Mindestmaß an Kraft, Ausdruck und Durchsetzungsfähigkeit haben: In hohen und in tiefen Lagen, sonst wird man gnadenlos von Gitarren und Schlagzeug übertönt. Zuhause im Wohnzimmer ist man natürlch immer laut genug. Daher kann man solche Hörproben häufig gar nicht auf eine "echte" Gesangssituation anwenden.

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Frage: Ich habe eine tiefe Stimmlage und möchte gerne höher singen.
    Ich habe gerade mit dem Singen angefangen. Von der Stimmlage bin ich Bass oder tiefer Bariton. Daher habe ich Probleme, höhere Sachen zu singen. Meine Töne sind auch nicht sehr laut, klingen irgendwie gelangweilt und emotionslos und es fällt mir schwer, einen Ton länger zu halten. Woran liegt das?

    Antwort
    Ein Anfänger schätzt seine Stimmlage meist falsch ein. Die wenigsten sind tatsächlich Bass. Das Problem ist wohl, dass die meisten Anfänger technisch gesehen noch gar nicht singen, sondern in verschiedenen Tonhöhen "sprechen". Anders gesagt: sie singen in einem Bereich, den sie im täglichen Sprachgebrauch nutzen. Der ist meist eher leise, in mittlerer bis tiefer Lage, wirkt etwas monoton, hat einen relativ geringen Tonumfang und reicht für ausdrucksstarken Gesang nicht aus. Die Grenzen sind dann sehr schnell erreicht und die höheren Töne "brechen weg" oder werden aus dem Hals gedrückt, was sehr anstrengend ist und auch so klingt.

    Hilfreiche Links
    https://www.musiker-board.de/faq-workshop/238361-atmung-stuetze-luftsaeule.html
    https://www.musiker-board.de/faq-workshop/344783-physiologische-gesangsregister.html
    https://www.musiker-board.de/faq-wo...ei-maennern-frauen-klassische-definition.html
    https://www.musiker-board.de/faq-workshop/188522-bestimmung-des-stimmfachs.html

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    Frage: Was habe ich für eine Stimmlage / für ein Stimmfach
    Könnt Ihr anhand meiner Hörprobe bestimmen, ob ich Bass, Bariton, Tenor, Alt, Sopran etc bin?

    Antwort
    Die klassischen Stimmfächer machen in der Pop/Rockmusik wenig Sinn, da sie zur Rollenverteilung in der klassischen Oper dienen. Dabei ist nicht nur die Range (Tonumfang) ausschlaggend, sondern auch Typ, Klangfarbe, teilweise sogar das Aussehen. Hinzu kommt, dass es noch jede Menge weitere "Unterfächer" gibt (dramatischer Tenor, lyrisch usw...)

    In der Rock/Popmusik ist man als Sänger nicht so streng gebunden. Man würde dort einfach nur von einer hellen, mitteren oder dunklen Stimme sprechen.

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    Frage: Ich möchte gern so singen können wie ....
    Ich mag die Stimme von *irgendein toller berühmter Sänger*. Welche Technik benutzt der ? Wie lerne ich das?

    Antwort
    Man kann niemandem verbieten, zunächst seinem Idol nachzueifern. Und sicher kann man mehr oder weniger bestimmen, ob und welche Technik oder welches Stimmregister ein Sänger benutzt. Ob man tätsächlch mit sehr viel Übung und der richtigen Technik so klingt wie sein Idol, ist zu einem großen Teil reine Glücksache. Die Stimme ist genau wie alle anderen Körperteile anatomischen "Zufällen" unterworfen. Ein Vergleich: jemand, der 1,75 m groß ist, wird auch mit ganz viel Training niemals 1.85. Umgekehrt genauso.

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    Kann jeder singen (lernen)?
    Ich habe mich auf einer Aufnahme gehört und fand es grausam. Kann es sein, dass manche Menschen einfach nicht zum Singen geeignet sind?

    Die Meinungen darüber sind geteilt.
    Die einen sagen "jeder Mensch kann singen...", die anderen kontern "... kommt drauf an, wo und wie".
    "Singen" und "so singen, dass andere gerne zuhören" sind also schon mal zwei Paar Schuhe. Der eigenen Wahrnehmung sollte man dabei aber- wie weiter oben schon erwähnt - erst mal nicht allzuviel Vertrauen schenken.

    Es gibt das (sehr, seeeeehr seltene) Phänomem des sogenannten "Brummers". Mit Brummer sind Menschen gemeint, deren Gehirn nicht in der Lage ist, sich Töne oder Tonfolgen zu "merken" und wiederzugeben. Trotzdem muss sich jemand, der anfangs schräg und falsch singt, keine Sorgen machen. Bei den meisten ist es eher eine Sache des Trainings und der Gehörbildung.

    Fazit: Die meisten Menschen sind in Lage, singen zu lernen. Ob das Ergebnis den eigenen Ansprüchen oder denen der Zuhörer entspricht, steht auf einem anderen Blatt.

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    Kann man im fortgeschrittenen Alter auch noch ordentlich singen lernen?
    Ich bin bereits über die Lebensmitte hinaus. Lohnt sich das überhaupt noch, richtig singen zu lernen oder sogar mit Gesangsunterricht anzufangen?

    Warum nicht? Natürlich verändern sich auch die Stimmorgane mit dem Alter, genau wie alles andere und man verliert mit den Jahren ein paar Tönchen. Wer aber nicht von völlig unrealistischen Erwartungen ausgeht (Opern- oder Musicalstar), kann sich auch in fortgeschrittenem Alter noch eine gute Gesangsstimme aneignen, ein Ensemble gründen und professionell auftreten. Gerade Pop, Jazz und Rock bieten eine große Bandbreite für verschiedene Stimmen jeden Alters. Das Problem ist für viele gar nicht die Stimme oder das Alter selbst, sondern inwieweit sich die Leidenschaft fürs Singen mit Beruf, Kindererziehung und sonstigen "erwachsenen" Verpflichtungen vereinbaren lässt. Diesbezüglich sind junge Menschen etwas flexibler und "härter im Nehmen".

    Theme dazu: https://www.musiker-board.de/plaude...ls-gesangsanfaenger-noch-etwas-erreichen.html

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    Frage: Wie singe ich rockig / rau / rauchig?

    Antwort
    Es gibt zumindest ein paar Techniken, die Stimme leicht anzuzerren. Wie so häufig in der Gesangtheorie sind diese aber schwer beschreibbar. Aber was das eigentliche Timbre angeht, ist die Antwort der vorherigen ähnlich: Ob jemand rauh, rockig oder glaskar klingt, ist zu einem großen Teil anatomischer Zufall. Nur in seltenen Fällen ist das Raue oder Rockige ausschließlich technisch oder medizinisch bedingt. Fragwürdige Tipps wie "viel rauchen, Whisky saufen und rumschreien" bringen meist nicht den erwünschten Effekt. Zumal es viele, viele Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern würde, bis man seiner Stimme durch solch ein Training dauerhaft zum gewünschten Ziel brächte. Von den anderern unerwünschten Nebeneffekten für die Gesundheit mal abgesehen.

    Stichworte / Links: Taschenfaltenthread, Gutturale Gesangtechniken.

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    Frage: Ich treffe scheinbar keinen Ton. Gibt es Übungen?

    Antwort
    Die beste Möglichkeit ist eine zweite Person (bestenfalls ein Musiklehrer), der Töne, Intervalle, kleine Melodien auf einem Instrument vorspielt und kontrolliert, ob Du sie richtig gesungen hast.Je mehr Musik man hört und selbst reproduziert, umso besser wird das Gehör und die "Erinnerung" an wiederkehrende Tonkombination.
    Ein zweite Möglichkeit ist das Trainieren des Gehörs mit Gehörbildungs- Software zB Earmaster. Es gibt noch weitere Software oder Apps, teilweise auch Freeware. Einfach googlen und ausprobieren.
    Wer Lust hat, kann zusätzlich noch ab und zu mal die Playstation und SingStar anschmeißen. Das bewertet zwar nicht die Qualität des Gesangs, zählt aber zumindest die getroffen Töne und die richtige Phrasierung... Ist aber mehr als zusätzliche Spaß-Empfehlung gedacht. Als einzige Lernmethode ungeeignet.
    Ich selbst würde aber - etwas blumig formuliert - empfehlen: Musik und Singen in den Alltag und in sein Leben integrieren, nicht nur in den Unterricht oder das konzentrierte Üben. Beim Abwaschen, beim Duschen, überall einfach mitsummen oder singen. Viele Sachen - so auch Tonkombinationen und Intervalle, merkt sich das Gehirn auch von ganz allein - früher oder später.

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    Frage: Wie lange dauert es, bis ich ordentlich singen kann?

    Antwort
    Hier passt ein Dialog aus dem Film "Irgendwann in Mexiko" von Robert Rodiguez. Klavierlehrer sitzt am Klavier und improvisiert. Sein Schüler - der Filmbösewicht - steht daneben und hört zu.
    Klavierlehrer: Wenn man eine reine Seele hat, ist es ganz einfach und die Musik fließt von allein aus dir heraus.
    Filmbösewicht: Und wenn man keine reine Seele hat?
    Klavierlehrer: Dann muss man üben wie ein Schwein.

    Übersetzt heisst das: hierfür gibt es keine Antwort. Der/die eine kann es sofort, der/die andere erst spät oder nie....
    Trotzdem gilt allgemein: gerade jemand, der Unterricht nimmt, ist natürlich auch vom Lehrplan abhängig. Nach Aussagen hier im Musiker-Board kann es 6-12 Monate dauern, bis das Erlernte praktsch angewendet werden kann. Das autodidakte Anlesen und Aneignen von Techniken kann ebenfalls langwierig sein, weil einem keiner sagt, ob es richtig ist. Der Vorteil des Audidakten ist allerdings: er kann keinem Lernziel nachhinken, da er sein Tempo und seinen eigenen Anspruch selbst bestimmt. Er kriegt erst dann ein Problem, wenn er seinem eigenen Anspruch nicht mehr genügt.

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Frage: was kostet Gesangsunterricht?

    Antwort
    Der Richtwert liegt hier bei etwa 30-40 Euro pro Einheit. Da gibt es aber sowohl regionale Unterschiede als auch Genre-Schwankungen. Klassischer Gesangsunterricht bei einem hoch angesehenen Privatlehrer kann weit mehr kosten. Unterricht bei einem Musikstudenten oder an einer subventionierten Musikschule kann durchaus günstiger sein..

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    Frage: wie oft Unterricht?

    Antwort
    Besonders am Anfang bietet sich natürlich ein gewisse Regelmäßigkeit an. Die meisten Schulen bieten wohl nicht ohne Grund eine Einheit pro Woche an. Die Länge der Einheiten variiert. Wer eine Schule mit zwei Einheiten pro Woche findet und das mit seinem Terminplan vereinbaren kann, kann das ruhig probieren. Aber vergesst nicht, dass ihr den Kram zwischendurch auch noch üben müsst.

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

    Frage: wie oft Üben

    Antwort
    Wir unterschieden zwischen "üben" und "singen" ... singen solltet und dürft ihr, sooft euer Herz danach ruft: unter der Dusche, beim Abspülen usw .... beim Üben geht es um das konzentrierte Üben, Atemübungen, Einsingübungen, Aufbau der Muskulatur usw usf.. Hier glt ähnliches wie beim Sport. Lieber mehrere kurze Übungssitzungen von 10-15 Min pro Woche als eine lange. Letztendlich ist es aber auch ne Typfrage und eine Sache der verfügbaren Zeit. Es gibt einfach auch Leute, die sind nicht dafür geschaffen, jeden Tag etwas Gleiches zuwiederholen - auch wenn es nur 10-15 Minuten sind. Die verlieren dann schnell die Lust. Macht es also, so oft Ihr könnt, aber nicht zu lange.

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    Frage: wie lerne ich, Gesang und Gitarre zu koordinieren?
    Ich komme schnell aus dem Konzept, wenn ich meine Gesang mit der Gitarre begleite. Besonders natürlich, wenn es rhythmisch auch noch etwas anspruchsvoller wird. Irgendwelche Tipps und Tricks für mich?

    Antwort:
    Keine Tricks. Nur Übung. Je komplexer die Rhythmik und Phrasierung, umso länger dauert es. Viele empfehlen, erst beides getrennt voneinander solange zu üben, bis es im Schlaf geht. Danach - erst langsam, Schritt für Schritt - beides zusammen. Beim nächsten Song wird es schon schneller gehen.
     
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  2. Tsala

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    Erstellt: 15.02.10   #2
    Leitfaden für Gesangsanfänger


    Vorwort:

    Diese FAQ ist für blutige Gesangs-Anfänger geschrieben und soll es Ihnen erleichtern, sich in diesem Feld leichter zurechtzufinden. An geeigneten Stellen werde ich auf die anderen Workshops hier im Forum verweisen, welche einzelnen Thematiken gut und umfassend beschreiben.


    Grundsätzliches zum Körper

    Bevor man überhaupt damit anfängt Töne treffen zu lernen sollte der geneigte Lehrling erst einmal die "Basics zum Singen" beachten.
    Eine 100-Prozentige Übereinstimmung mit der idealen Gesangshaltung ist nicht von Nöten, aber grob sollte es schon stimmen, da man sich sonst leicht von Anfang an falsche Automatismen angewöhnen kann. Die Feinheiten kommen dann später durch die Praxis meist von selbst.

    Gerade als Anfänger ist es sehr wichtig sich richtig zu Entspannen und viel auf den eigenen Körper zu hören, eine gründliche Vorbereitung desselben ist fast unverzichtbar und sollte mit den beschriebenen Übungen auch durchgeführt werden.

    Körperhaltung ist immer auch Kopfsache. Den "Geist" auf die Schneidezähne zu setzen und durch die Nase zu atmen lässt dsa Gefühl für den Körper steigen. Diese Haltung kann auch die Konzentration beim Singen erhöhen.

    Die Körperhaltung

    Die Organe in unserem Körper „hängen“ von Muskeln und Sehen gehalten in unserem Körper.
    Damit die Luft ungehindert Ihrer Wege fließen und zu einem angenehmen Ton werden kann sollte sich der Körper auch in dem Zustand befinden für den er gemacht ist.
    In unserem Fall als Mensch ist das stehend, ausbalanciert und unverkrampft.
    Die optimale Haltung ist hierbei nicht starr und gerade wie beim Militär sondern ein sicherer Stand und eine aufrechte Haltung welche mit so wenig Muskelkraft wie möglich gehalten werden kann und hängende Schultern welche sich selbst tragen.

    Im Körper klappt nichts unter Zwang und mit Verkrampfung gut. Es hilft, den Körper das machen zu lassen, wohin es ihn zieht. Eure Anatomie weiß viel besser als Ihr, wie sie selbsts am besten funktioniert. Das gilt sowohl für die Haltung als auch für das Singen an sich, sowohl für Spannung als auch für Entspannung.

    Die Luft bahnt sich den besten Weg oft selbst, wir müssen es nur zulassen.


    Als Übung kann man hier folgende 4 Punkte durchführen und durchfühlen.


    • Solider Stand: Denke dir 3 Punkte an jede Fußfläche, einen an der Ferse, einen auf dem Fußballen und einen an die gegenüberliegende Außenseite. Balanciere deine Füße und danach deine Beine so aus, dass du gleichmäßig auf allen Punkten gleich schwer stehst.

    • Ausbalancierter Torso: Denke dir über deine Wirbelsäule eine Linie die das Ende an der Hüfte und das Ende am Hals durchläuft. Nun bringst du diese gedachte Linie ins „Lot“ so dass du keine Muskeln brauchst um deinen Torso zu stützen sondern nur um ihn zu Halten.

    • Hängende Schultern: Kreise mit deinen Schulterblättern langsam in weiten Kreisen soweit es geht während dein Hände auf deinen Schultern liegen. (linke Hand, linke Schulter und andersrum. Nicht über Kreuz.) 10-15-mal vor und rückwärts und fühle wie beweglich sie sind. Danach kannst du deine Hände abwechselnd „wegwerfen“ um ein Gefühl dafür zu bekommen deine Hände zu und Arme zu lockern.

    • Ausbalancierter Kopf: Wie auch der Rumpf sollte der Kopf auf der gedachten Linie balanciert werden. Da die Wirbelsäule im Hinterkopf endet nimmt man sich eine Haarsträhne genau über der Stelle wo die Wirbelsäule in den Kopf verläuft und zieht daran.
    Natürlich kann man nicht immer daran denken perfekt zu Stehen, aber diese Übungen geben das Gefühl dafür was balanciertes Stehen ist. Genau dieses Gefühl zwischen An- und Entspannung wird für das Singen benötigt.

    Eine Vorstellung, welche diese Haltung vereinfacht ist das Marionettenbild: Man stelle sich vor, man wird am Kopf und an den Armen von unsichtbaren Schnüren gehalten, an denen man "herabhängt" um ein Gefühl für diese Haltung zu entwickeln.


    Die Entspannung

    Entspannung ist von elementarer Bedeutung für das Singen. Beinahe jeder Knochen und Muskel im Leib „singt“ mit. Verkrampfungen im Körper hört man leicht heraus, sie stören auch den Luftfluss.
    Besonders von Bedeutung ist die Muskulatur im Hals- Nacken- Gaumen- und Schulterbereich, welche als enges Netz an Muskeln direkten Einfluss auf den Kehlkopf nimmt.
    Weitere sehr wichtige Muskelgruppe finden wir im kompletten Bauch- und Rückenbereich, hier ist tiefes entspanntes Atmen der Grundstein für einen späteren gesunden Lufthaushalt.
    Auf die Entspannung beider Bereiche sollte man besonders achten. Besonders der Kehlkopf kann bei verkrampfter Haltung zu Schmerzen führen. Die Schultern sollten immer locker hängen.


    Möglich Übungen sind:
    • Progressive Muskelentspannung: Weit verbreitete Technik zur Entspannung und zur Sensibilisierung der Muskeln. Eine gut verständliche Version zum Kennenlernen ist hier zu finden.

    • Tiefes Einatmen:Tiefes und entspanntes Atmen in den Bauch oder eben gefühlt in die Fersen gibt das Gefühl für die richtige Atmung wieder, die in der Heutigen Zeit meist zu flach ist.

    • Massieren lassen: Eine Massage wirkt entspannenden und tut gut. Mehr Gründe braucht man nicht. Ist kein geeigneter Mensch zur Massage in der Umgebung hierfür bereit, kann auf Massage-Igel oder allerlei anderes Gerät zurückgriffen werden.

    Oft wird auch vergessen den Unterkiefer zu lockern und dieser wird beim Singen angespannt. Das wirkt sich schlecht auf Ton und Artikulation aus. Verwechselt einen lockeren Unterkiefer aber bitte nicht damit, die Klappe so weit aufzureißen wie irgend geht.


    Atmung – Luft und Ton

    Die Atmung, oder auch die Stütze ist ein ebenfalls sehr wichtiger Bestandteil welche jeden Ton den man von sich gibt beeinflusst.
    Ein prima ausgearbeiteter FAQ zur Atmung-Stütze-Luftsäule von Ice Princess ist hier im Forum vorhanden, deswegen gehe ich hier nicht näher darauf ein sondern gebe nur ein paar Grundsätze wieder:


    • Lautstärke und Klang entstehen nicht durch viel Luft sondern durch Resonanz!Resonanz entsteht durch richtige Luftmenge bei richtiger Tonhöhe und Stimmsitz. Generell kann man sagen, dass ihr für das Singen nicht mehr Luft brauchen solltet als fürs Sprechen, eher weniger. Versucht einen Ton einfach einmal leise zu singen und schaut wie leise das geht, ehe er anfängt zu flattern.

    • Je höher der Ton desto weniger Luft benötigt man zum Singen! Nicht andersherum.

    • Nicht im Hals Singen! Der Richtige Stimmsitz ist nicht auf dem Kehlkopf oder im Hals. Guter Stimmsitz entsteht indem man „durch das Gesicht“ singt, Sänger nennen das "„die Maske“.

    • Wenn es kratzt oder schmerzt bereitet ist es falsch! Aufhören und Entspannen. In sich hinein fühlen ob der Kehlkopf und die Schultern entspannt sind und neu ansetzen. Einen Schluck trinken entspannt den Kehlkopf. Niemals sollte man mit Schmerzen weitersingen. Sich auch mal eine Pause gönnen oder um einen Tag verschieben wenn es einfach mal nicht klappen sollte.
      Wenn man die Technik noch nicht so gut beherrscht, sollte man auf das Singen mit einer Erkältung verzichten.


    Geduld und kleine Schritte

    Gesang zu üben schult unseren gesamten Körper.
    Oftmals muss man seinen Körper auch umschulen und alte Automatismen ablegen. Das funktioniert nur mit Geduld und Entspannung und nicht durch Selbstzwang. Quält man sich wird es nur umso schwieriger. Tut man sich etwas Gutes tut das auch dem Gesang gut.
    Viel nützliches Wissen über eigene Pflege und Anatomie des Gesangs und der Organe wurde von Second, Bell und Vali unter Pflege und Wartung des Instruments Stimme zusammengetragen.


    Mut es falsch zu machen

    Zwischen "Versuchen" und "Machen" ist ein großer Unterschied.

    Bei einmal schlecht, aber überzeugt Singen kann man sehr viel mehr lernen, als bei 10 Versuchen es richtig zu machen.

    Wenn ihr nicht bei 100% von dem was Ihr könnt ansetzt (Machen so wie man es kann), kann man sich nicht auf 110% steigern. Wer nur bei 60% singt (Versuchen) hat es viel schwerer sich zu steigern. Das benötigte "Versuchen" beim Singen ist in den Gesangsübungen bereits vorhanden.


    We4r nicht dort ansetzt, wo er sich befindet, veräppelt sich beim Lernen nur selbst.

    Eine gute Möglichkeit das festzustellen ist, sich selbst mit einer Videokamera aufzunehmen. Hier sieht man alles ungeschönt, kann sich jedoch falscher Illusionen über sich selbst entledigen.
    Dies erfordert manchmal aber eine hohe Frustrationstoleranz und ist mir Vorsicht zu genießen, allerdings ist es eine gute Vorbereitung für die Bühne, man sieht klar was man kann und was man noch nicht kann.
    Die Kamera sollte am besten von einer Vertrauensperson bedient werden, dann sieht und hört man sich so wie man vor anderen singt.
    Hier noch eine Warnung: Viele, auch professionelle, Sänger mögen ihre eigene Stimme überhaupt nicht. Versucht über dieses "Nicht mögen" hinauszusehen und wirklich nur die technischen Aspekte (Ton getroffen? Klingt mühelos und rund? zu beachten.)


    Allgemeine Gesangstipps


    • Die Attitüde und das Gefühl entscheidet wie der Gesang klingt. Die Gesangstechnik ist aber das Medium das sie transportiert. Wenn nur die Technik ohne persönliches Gefühl gesungen wird klingt dies ebenso oft fad wie es oft unschön klingt, wenn ohne Konzentration einfach drauf losgegrölt wird. Die Mischung macht’s ;)

    • Persönlichkeit im Gesang ist das Salz in der Suppe. Unser Körper hat einen einzigartigen Klang und diesen gilt es auszugraben, kennenzulernen, zu polieren und dann auch einzusetzen. Zu klingen wie jemand anderes es tut ist meist der Falsche weg.

    • Ein Lehrer der auf persönliche Stärken und Schwächen eingehen kann ist oft wertvoller als jeder noch so gut Geschriebenes Buch oder Guide, aber man kann sich auch autodidaktisch bilden. Hilfe hierbei gibt’s in der FAQ Gesangsunterricht Ja/Nein von Antipasti.

    • Stimmfacheinteilungen in Bass/Bariton/Tenor, bzw. Alt/Sopran/… Sind deinem Körper recht egal und eher von musiktheoretischem Interesse. Finde deinen eigenen Ton (oder lasse dir von einer kundigen Person bei der Findung helfen).


    • Schont eure Stimme. Ein Gitarrist würde sein Instrument nicht auf seinen Schultern im Regen tragen sondern schützt es vor äußerlicher Einwirkung. Das sollte man mit seinem eigenen Instrument auch tun.
      Tragt lieber einmal zu oft einen Schal als einmal zu wenig, schreit nicht bis ihr heiser werdet und trinkt immer genug. Das schont und entspannt die Stimme.

    • Egal welcher Gesangsstil, ob growlen und shouten, rap, contemporary, belting oder klassisch – die Basics sind immer die gleichen.

    • Sucht euch eine Person der ihr vertraut und lernt kennen wie es ist auch vor anderen zu singen und euch zu präsentieren. Vorausgesetzt euer Ziel ist es nur für euch selbst zu singen.

    • Man sollte sich immer einmal wieder Aufnehmen um sich auch an die eigene Stimme zu gewöhnen.

    • Gesang ins Mikrofon muss auch erlernt werden und kommt nicht automatisch mit.

    • Sauberes, also vor allem langsames und deutlich artikuliertes Sprechen schult den Stimmausdruck


    Nachwort


    Über Lob und Kritik (solange konstruktiv) zu diesem Beitrag freue ich mich. :)
    Ergänzungen und Verbesserungen sind auch gerne gesehen und können im Musiker-Board via. PN an mich (Tsala) gesendet werden.

    Vielen Dank auch an IcePrincess für Korrektur und Ergänzung.

    Cheers,

    Tsala
     
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