Lärm statt Musik (Crash - "Overuse", Double Bass, generell "zu viel")?

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Venyo
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Vorweg: das ist meine Sicht als ignoranter Newbie, der sich seit zwei Monaten mit dem Thema Schlagzeug beschäftigt, also wird da möglicherweise ne Menge Dunning-Kruger dabei sein und am Ende ists vermutlich eh Geschmackssache:

Mein Eindruck ist, dass wenn Crash- und/oder Effekt-Becken oder offene HiHats laut in kurzer Folge für länger als einen Takt (grob) gespielt werden, wird es für mich zu Lärm. Evtl. liegt das daran, dass mein Gehör 0 ausgebildet ist und ich schnell die Instrumente gar nicht mehr voneinander unterscheiden kann und nur noch ein "Geräusch" höre und keine Musik mehr. Oder dass ich eine Mimose bin oder wie auch immer, aber ein Paradebeispiel wäre für mich Chop Suey. Ich mag Teile des Songs total gerne, aber sobald es auf dem Schlagzeug richtig abgeht inkl. Becken-Staccato hab ich da keinen Spaß mehr dran. Jetzt ist natürlich das einfach evtl. eine Nu Metal / Alternative Metal - Ausprägung, die meinen persönlichen Geschmack nicht trifft.

Ähnlich gehts mir beim Thema Double Bass - eine Bassdrum kann so einen schönen satten BOOM-Sound erzeugen, aber als Double Bass / schnell gespielt wird es zu einem (für mich niemals als schön empfundenen) PRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRT.

Auch generell find ichs super, wenn ein Schlagzeug auch mal Pause macht in einem Song und es müssen auch nicht immer super schnelle Fills sein, damit es sich gut anhört (gehe diese Meinung mit).

Jetzt gehts wahrscheinlich in den komplett ignoranten Verschwörungstheorie-Bereich meinerseits: sind evtl. gute Drummer mit langsamen Grooves unterfordert und haben als Künstler, die ihre Instrumente beherrschen, einen gewissen Drang, ihr Können einzusetzen? Mike-Portnoy-Zitat, nachdem der Original-Drumtrack viel simpler ist als seiner: "That's why they are rich and famous and I'm just a prod(?) guy". Evtl. ist es einfach so, dass ich "Mainstream" mehr mag als was komplexeres wie Drum Theatre etc. einfach aufgrund von Gewohnheiten.

Ein Positiv-Beispiel ist für mich z.B. Cringe von Matt Maeson - super kraftvoller Drumtrack finde ich, aber auch total reduziert im Vergleich zu vielem Anderen.

Keine Ahnung, wie seht ihr das?

Gibt es da "Denkschulen" / Philosophien in irgendeiner Form, die in solche Richtungen gehen? Gibts da Bezeichnungen, in die evtl. Songs / Band sortiert werden können ähnlich wie Genres?
 
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am Ende ists vermutlich eh Geschmackssache:
Das ist auch meiner Meinung nach der springende Punkt, und das gilt für fast jedes Instrument.

Das Spektrum geht, soweit ich das mitbekomme, von "bloß keine Note zu viel" bis zu "was irgendwie reingeht, kommt auch rein". Es gibt hier wohl kein richtig oder falsch, es kommt darauf an, was man selbst produzieren und was "die Kundschaft" hören will.

Ich finde ab und zu mal einen Double-Bass-PRRRRRRT oder ein paar Takte Cymbalgewitter völlig okay (vorausgesetzt, es passt zum Stück/Musikstil). Aber dann ist es aus meiner Sicht auch wieder gut damit.

"The World's Fastest Drummer" (das verlinkte Video) ist für mich ein sportlich-leistungsmäßiger Fähigkeitsnachweis und sicher beeindruckend, aber musikalisch spricht es mich nicht an (ist auch nicht "meine Musik").

Mir geht's bei anderen Instrumentalisten genauso. Wenn jemand (z.B. an der Gitarre) bei 160 bpm 32-tel- oder gar 64-tel-Noten über mehr als einen Takt sauber hinbekommt: Meine Bewunderung und Anerkennung, da komme ich selbst nicht mal in die Nähe dieses Könnens. Ob das dann musikalisch sinnvoll, angenehm oder was auch immer ist, muss jede(r) selbst entscheiden.

Es ist eben eine Frage des persönlichen Empfindens und der individuellen Vorlieben. Ich bin, schon aufgrund meines überschaubaren Könnens am Instrument, eher bei "Slowhand" - High-Speed-Schlagzeuger/Gitarristen/Bassisten/... im passenden Musikstil sehen das vermutlich ganz anders.
 
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Für beide Zitate: Ja
Mein Eindruck ist, dass wenn Crash- und/oder Effekt-Becken oder offene HiHats laut in kurzer Folge für länger als einen Takt (grob) gespielt werden, wird es für mich zu Lärm.

Mir geht's bei anderen Instrumentalisten genauso. Wenn jemand (z.B. an der Gitarre) bei 160 bpm 32-tel- oder gar 64-tel-Noten über mehr als einen Takt sauber hinbekommt:


Als Daumenregel könnte man sagen: Musiker sollten einander nicht im Wege stehen:
  • schlechtes Beispiel: Bass-Drum und Bass-Gitarre im selben tiefen Frequenzbereich - kaum unterscheidbar
  • gutes Beispiel; Jazz-Band
Zur Jazz-Band, und das gibt's in anderen Genres sicher auch genau so:
  • gemeinsamer Part: alle spielen gesittet, klingen miteinander, wie im Orchester oder Chor
  • Solo-Parts: da zeigt Jede/r, was Sie/Er so drauf hat
  • und dann wieder: gesittet gemeinsam

Ob das dann musikalisch sinnvoll, angenehm oder was auch immer ist, muss jede(r) selbst entscheiden.
Das ist genau der Punkt: musikdienliches Spielen. Und das kommt letztendlich vom Aufeinander-Hören. Zwei Varianten dazu:
  • das durchchoreographierte Stück: Komponist hat jede Stimme exakt gesetzt - zu spielen wie gelauscht und notiert
  • erfahrene Improvisateure: da gleicht das Zuspielen (von Noten, Motivem Phrasen) eher einem Mannschaftssport (hey, gib ab!) - kann genial sein
  • Mischformen: zB Red Hot Chili Peppers - spielen auf der Bühne so, dass Ihre Stücke noch erkennbar sind (Choreo), aber dasselbe Stück von Bühne zu Bühne mit Unterschieden (Impro) ... und keiner steht ständig dem Anderen musikalisch im Weg ...
 
Ausprägung, die meinen persönlichen Geschmack nicht trifft.
Du hast es eigentlich schon sehr schön auf den Punkt gebracht: Es geht um Geschmack. Inhaltlich bin ich ganz bei dir, denn ich gehöre auch zur weniger-ist-mehr-Fraktion. Aber es gibt eben auch andere Sichtweisen und Geschmäcker, die genauso ihre Berechtigung haben.
 
Man kann es auch so sehen:
Es gibt in der Musik Sounds, die so für sich nervend, penetrant, ja so sogar schmerzhaft sein können (allgemein Verzerrung, was unser Ohr evolutionsgemäß als „Gefahr“ interpretiert; noch mal mehr Fuzz; ein Chrash Becken ist eher das Gegenteil von einem Streicher Pad, was „Wohlklang“ angeht.
Es ist aber wie beim Kochen: Scharf ist kein Geschmack, sondern auch eigentlich ein Schmerzempfinden; purer Salz, pure Zitrone oder zwei Löffel Zuckerraffinade empfindet, kaum jemand als lecker. Andererseits, wer mal beim Pizza Teig das Salz vergessen hat, weiß das schmeckt halt nach nix…
Bei der Musik sind diese Sounds auch die „Gewürze“, die entscheiden, ob es nach Ober Krainer oder Ramstein klingt und natürlich kann man auch Musik „versalzen“, indem man ihr mit Double Bassdrum Stackato und und Crasch Dauer-Gewitter jede „Luft“ und Dynamik nimmt.
Aber es gibt ja auch Leute, die mit Freude an Hot Chili Contests teilnehmen, oder auch Leute wie mich wo auch nur ein Krümel Pfefferminze jedes Gericht verdirbt. Mein musikalisches Pendant ist da der „Klacker Bass“ von Iron Maiden… da muss ich nach nur Sekunden abschalten… jeder ist da anders…
 
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Danke an alle für den Input! Es gibt aber keine Bezeichnungen für Denkschulen / Lager, die für mehr oder weniger Würze sind?
 
Sounds, die so für sich nervend, penetrant, ja so sogar schmerzhaft sein können
Es gibt sogar Musikstile, die genau diesen Schmerz zum Konzept erhoben haben. Auch diese finden meist ein Publikum.
 
Mein Eindruck ist, dass wenn Crash- und/oder Effekt-Becken oder offene HiHats laut in kurzer Folge für länger als einen Takt (grob) gespielt werden, wird es für mich zu Lärm.

Auch wenn ich kein ausgewiesener Fan der Becken am Drumset bin, so haben sie natürlich doch ihre Berechtigung und nur weil sie viel benutzt werden, ist es noch nicht unbedingt Lärm.

Zu Lärm wird es im Kontext mit den anderen Musiker, wenn auf einmal alle "Aufmerksamkeit wollend" gegeneinander spielen, statt sich den nötigen Raum zu geben. Wenn ich mir die 2x12 Takte Blues Solo auf der Gitarre gönne, dann habe ich es hinter mir gerne sparsam (weil auch ich dann nicht so "prügeln" muss). Wenn wir in der dynamischsten Stelle alle "hoch" ziehen, dann darf es auch bei den Drums krachen ...

Für mich ist es also viel mehr eine Frage wann es passiert, statt ob es passiert.

Gruß
Martin
 
Ich sitze gerade hier und höre Asia - Heat of the moment auf Rockantenne.
Zum Schluss wird meiner Meinung nach zu sehr und unpassend mit der Snare übertrieben.

Aber wie bereits erwähnt, ist das alles Geschmackssache. Ich habe letzte Woche einen Drumtrack per EZ Drummer eingeklickt für einen Song, den wir für meine Tochter zum Schulwechsel geschrieben haben (im Pre Chorus habe dem Song ich zwecks Atmosphäre eine leicht geöffnete Hi-Hat spendiert).
Anfangs habe ich auch übertrieben und dann bei jedem durchhören etwas reduziert und angepasst. Ich gehöre also auch zum Team "Weniger ist mehr".
Habe das Stück dann auch dem Schlagzeuglehrer meiner Tochter geschickt und er fand es auch passend und dem Song dienlich.

So geht's mir aber auch an der Gitarre, die Van Halens, Vais und Satrianis dieser Welt haben berechtigterweise ihre Anhänger, ich gehöre nur sporadisch dazu.
 
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Es gibt Musiker, die meinen, sie müssten sich profilieren, indem sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Noten raushauen. Kann man machen. Meins ist es nicht. Unabhängig vom Instrument. So etwas ermüdet mich. Im Konzert muss ich es dann "ertragen" und kann nicht "genießen"; wenn es Konserve ist, wird das Stück gestoppt (ggf. aus der Playlist entfernt) und das nächste darf dran kommen.
Gerade beim Becken wird aus Akzenten gerne mal "Dauerlärm" wie du es formuliert hast. Und der Sinn von Doppelbass Pedalen hat sich mir noch nicht erschlossen (also ja, dass man schnellere Folgen spielen kann ... aber WARUM?)
 
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Jetzt gehts wahrscheinlich in den komplett ignoranten Verschwörungstheorie-Bereich meinerseits: sind evtl. gute Drummer mit langsamen Grooves unterfordert und haben als Künstler, die ihre Instrumente beherrschen, einen gewissen Drang, ihr Können einzusetzen? Mike-Portnoy-Zitat, nachdem der Original-Drumtrack viel simpler ist als seiner: "That's why they are rich and famous and I'm just a prod(?) guy". Evtl. ist es einfach so, dass ich "Mainstream" mehr mag als was komplexeres wie Drum Theatre etc. einfach aufgrund von Gewohnheiten.
Das gibt es nicht nur bei Drummern und ist auch kein Zusammenhang mit "gut" - Frickler gibt es an jedem Instrument ;-)
Um dieses schnelle Spiel zu können muss man natürlich technisch gut sein und das hinbekommen, das ist kein Frage.
Was man dann von dem was man kann abruft - das ist die nächste Frage.
Also:
Steve Gadd und Steve Jordan können sicher MEHR als sie an 90% der Tage zeigen, aber das was Portnoy darbietet dürfte sie technisch doch überfordern.
Die wollen aber auch ihr Können einsetzen, und die würden vermutlich gefragt danach "was könnt Ihr denn" antworten: "Groove" :)
Und weil mehr Menschen Groove toller einschätzen denn technisches Können, deswegen sind die einen Millionäre und die anderen Prog guys - JAHA, ich weiß dass weder bei Nickelback der Groove der ausschlaggebende Punkte sind noch dass die beiden Steves Millionäre wären ;-)

Gut dass es für alles ein Publikum gibt - im Fall von Dream Theater sowie Bands mit Doube-Bassdrum-Gewummer ja auch kein kleines.
 
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Mit unserer Metalband hatten wir mal zwei von Metallica geprobt. Bei einem ("Master of Puppets" oder "Battery", das weiß ich auch nicht mehr so genau), kommt ein langer Crash-Ausklang, in den hinein unser Gitarrist ein tiefes, verzerrtes Riff spielte, das auch noch einige Halbtonschritte enthielt. Ich konnte durch das Becken überhaupt nicht nicht heraushören, wann er anfängt zu spielen und bin als Bassist immer erst bei dritten Durchgang des Riffs eingestiegen.
 
Es gibt Musiker, die meinen, sie müssten sich profilieren, indem sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Noten raushauen.
Ich habe dazu vor langer Zeit ein Video gefunden und ich fand es damals recht imposant, weil ich mich auch mit der Thematik nicht auseinander gesetzt hatte. (Als Sänger, nur durch Piano begleitet ;-) Ich getrau mich fast nicht den Link zu posten, weil es so komplett ein anderes Genre ist, wie was wir hier diskutieren. :engel: Aber ich beziehe mich auf das Zitat wo ich oben von @chris_kah eingefügt habe. Ja, jeder könnte viel mehr und viel imposanter spielen, aber "Don't overplay, less is more".


View: https://youtu.be/d6Y3PCYgjkg?si=g-AukydTidDrwild
 
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Och, ich würde das dann tatsächlich ein bissel differenzierter betrachten...es soll durchaus Genres geben, da passen Crashbecken- und Doublebass-Orgien...muss man ja nicht unbedingt mögen!

Ich habe hier ein perfektes Beispiel dafür, was der TE vermutlich als "Crash-Overkill" ansieht, ich hingegen finde, dass sich die Nutzung selbiger super in den Song einfügt und ihn auch nach vorne bringt - auch wenn "Crash-Bashing" jetzt nicht unbedingt etwas mit Dynamik gemein hat...aber wie gesagt, für mich paßt das und muß auch vermutlich genau so! Moritz Müller spielt vielleicht manchmal ein bissel drüber, schafft aber irgendwie immer den Spagat zwischen "ich-zeig-mal-was-ich-drauf-habe" und absolut musikalisch-songdienlich spielen. Dabei - und das fällt tatsächlich nicht nur bei dem Song auf - nutzt er die Crashbecken nicht nur für Akzente, sondern auch als Stilmittel, um dort Druck bzw. Energie zu erzeugen, wo er es für die Musik von Nutzen sieht...okay, das empfinden manche dann halt als "Krach"??

Man kann als Drummer sicherlich auch jede Note mit der absoluten Hingabe spielen, ohne das man jetzt derart energetisch vorgeht wie Moritz, aber das ist halt er bzw. sein Stil...super physisch mit einer riesen Portion "Attitude" bzw. "Show". Und das zieht der auf nem Gig auch 1 1/2 Stunden durch, bis zum sch...letzten Schweißtropfen! Keine Ahnung - muß das wirklich sein?? Nö, vermutlich nicht....aber ich finde es trotzdem geil!


View: https://youtu.be/aQuYeyQI8DU?si=PLJX8XbK5Y04CMbV
 
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Ich finde schon, dass es unterschiedliche Herangehensweisen (oder "Philosophien") über das drum und seine Rolle in der Musik gibt, die sich dann letztlich auswirken auf so etwas wie Einsatz von Becken, Lärm und Geräuschen etc. - auch jenseits vom Genre. Wobei im Umkehrschluss die drummer natürlich das Genre bevorzugt aufsuchen, das ihrer Art, drum zu spielen, am ehesten entgegen kommt.

Im Folgenden gibt es für mich keine Unterschiede auf den Ebenen "musikalisches Können", "Musikalität" oder "Songdienlichkeit" - die besten Vertreter*innen der beiden Herangehensweisen nehmen sich da absolut nichts. Es geht also nicht um "gut gegen schlecht".
  • das drum als "dienliches" Instrument
    Im Vordergrund steht hier, dass das drum - ähnlich wie der Bass - dem Song dienlich sein muss. In der Regel stehen andere Instrumente (beim Rock oft die Gitarre) oder der Gesang im Vordergrund, drum ist in erster Linie ein Begleitinstrument und hat Aufhorcher eher bei Fills oder im Konzert beim Solo. Ein berühmter Vertreter ist Ringo Starr von den Beatles. Aussagen wie "less is more" finden sich hier oder "don´t overplay". Im Jazz-Bereich wäre das Al Foster, beispielsweise wo er mit Miles Davis gespielt hat. Oder Raymond Clifford, der drummer von CCR. Man höre sich einmal die fast 9-minütige Fassung von Suzi Q an - ein fast durchgehendes drum, das aber alles hat, was es braucht. Das heißt übrigens nicht, dass das drum in diesem Bereich unbedingt "simpel" sein muss - wer sich anhört, was Ringo Starr bei manchen Songs macht, weiß, was ich meine. Oft finden sich versteckte tricky Sachen, die man allerdings erst hört, wenn man bewußt auf das drum hört, sich die Einzelspur oder die dementsprechenden drum-Noten oder youtube-Videos "playing drum on ...." gibt.
  • das drum ist ein gleichberechtigtes Instrument, das prägend ist
    Für mich herausragender Vertreter - der diese unterschiedliche Herangehensweise oder Funktion auch explizit für sich so formuliert - ist Bill Bruford, ein drummer, der bei YES und King Crimson gespielt hat, und auch kompositorisch mit eigener Band und Projekten im Jazz zu Hause ist. In den Genres Prog finden sich hier etliche Vertreter wie der schon erwähnte Portnoy oder Palmer, Phil Collins von Genesis, der ja auch eigene Songs produziert hat, oder Nick Mason von Pink Floyd - es gibt aber viele, viele weitere, die ich hier nicht alle nennen kann. Im Grunde hat sich im Rock in der Prog-Phase das drum als gleichwertiges, prägendes und eigenständiges Instrument etabliert. "Kongenialität" ist hier das Zauberwort. Im Jazz gab es schon immer drummer, die eine ähnlich herausragende Rolle eingenommen und behauptet haben. Das zeigt sich schon daran, dass in der Regel auch die drummer selbstverständlich bei Improvisationen ihren part zugesprochen bekommen wie die anderen Instrumente auch. Auch beim Funk und beim Reggea spielen generell Bass und drums eine hörbar eigenständigere Rolle - und auch da finden sich Vertreter, die man einfach raushört, Sly Dunbar & Robbie Shakespeare seien hier nur beispielsweise genannt.
Ich will keineswegs behaupten, dass das die einzige oder gar die entscheidende Unterscheidung ist, aber für mich ist sie eine wichtige. Denn ich höre, was sich für Unterschiede im Spiel ergeben - je nachdem, in welcher Rolle man sich sieht. Und vermutlich sucht sich - wie schon gesagt - ein drummer das Genre und die Band, die seiner gewählten Rolle entspricht.
Ich glaube auch, dass andere Instrumentalisten sich bewußt oder unbewußt ihre Rolle suchen, zum Teil ist das "institutionalisiert", etwa bei den Bands, die einen "Rhythmus"- und einen "Lead"-Gitarristen haben.

Und damit man mich nicht mißversteht: Jeder drummer, jede drummerin in welcher Rolle oder geprägt durch welche Herangehensweise auch immer ist gleich wichtig für die Musik und sie nehmen sich nichts, was Qualität oder Musikalität angeht. Es gibt extrem versierte "Begleit"-drummer - sie halten sich halt zurück, weil sie ihre Rolle so sehen - und das ist schon eine Qualität an sich, als Musiker und als Mensch. Beispielsweise höre ich den drummer von Calexico extrem gerne - um nur einen hier zu nennen. Der hält sich im Hintergrund, bringt aber einen extrem guten groove rein und trägt auf eine herausragende Art und Weise die Songs, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Den drummer von CCR hatte ich schon genannt und für mich zählt unter anderem auch Ralph Molina von Neal Youngs Crazy Horse dazu.
Und es gibt drummer, die ein bißchen dazwischen stehen - für mich sind das beispielsweise Steve Gadd (50 ways to leave your lover) oder John Bonham von Led Zeppelin oder Manu Katche, der extrem beliebte Live- und Session-drummer und Percussionist (unter anderem bei Jan Gabareks Dresden Konzert) oder Bill Ward von Black Sabbath oder Gavin Harrison von Steven Wilsons Porcupine Tree (Fear of a Blank Planet), wobei sich die letzten drei schon deutlich in Richtung Bill Bruford bewegen. Man hört sie immer heraus, weil sie sehr versiert sind und auch eine eigene Note in die Band bringen, aber sie spielen sich nicht unbedingt so in den Vordergrund, legen es nicht in gleicher Weise wie Bill Bruford darauf an, zum prägenden Charakter zu werden - sind aber doch deutlich mehr als reine Begleitdrummer. Es gibt halt nicht nur schwarz und weiß und die Übergänge sind fließend - gleichwohl gibt es aus meiner Sicht die beiden genannten Pole, die einen Unterschied machen und einen Bereich eröffnen, in dem man sich selbst verorten kann.

Persönlich bin ich eher ein Favorit von "best of both sides". Bei den meisten Songs von mir oder in etlichen Bands, in denen ich als drummer gespielt habe, bin ich eher der songdienliche, dem groove verpflichtete drummer, der nicht herausstechen muss. Mein Buddy ist der Basser - und man hört immer, wenn sich Basser und drummer blind verstehen. Das ist dann schon die halbe Miete. Allerdings gab und gibt es Songs von mir und auch Phasen in Bands, wo ich das drum eher in der Herangehensweise von Bill Bruford ausgekleidet habe, ohne mich im Ernst mit ihm vergleichen zu wollen. Denn dazu gehört unbedingt eine gehörige Portion Versiertheit, Vielfältigkeit und Eigenständigkeit. Es ist wohl kein Zufall, dass das in eine Zeit fiel, in der ich extrem viel drum gespielt habe. Im Wort "Kongenialität" steckt halt auch das Wort "genial" - und das ist schon ein ordentlicher Anspruch, der auch erfüllt werden will.

Da ich meine Zeit seit einiger Zeit (die auch noch dem Hobbybereich angehört) auf mehrere Instrumente, auf Songtexte und das Songwriting verteile, ist das drum notgedrungen in den Hintergrund getreten, zumal ich auch längere Zeit nicht mehr in einer Band gespielt habe. Spannend finde ich, dass ich das drum in gewisser Weise neu höre, seit ich homerecording mache. Zum Teil spielt eine Rolle, dass meine Aufmerksamkeit mehr auf dem Song und auf allen Instrumenten liegt. Zum Teil spielt eine Rolle, dass ich - weil es weit weniger aufwändig ist - in der Phase, wo ein Song entsteht, gerne patterns vom Boss Micro BR 80 nutze. Und da stelle ich fest, dass ich ein recht einfaches und durchgehendes drum bevorzuge, weil es mich bei den anderen Instrumenten weniger festlegt. Ich bin gespannt, wie sich das dann entwickelt, wenn es darum geht, aus diesen Songs, die einen Demo-Status haben, "richtige" im Sinne von ausgearbeiteten, ausgefeilten und "richtig recordeten" Songs zu machen und ich mich dazu wieder ans drum setze ... Von der Idee her möchte ich da die kleinen, feinen tricky Sachen einbauen, die es interessant machen - kann aber auch sein, dass ich bei dem ein oder anderen Song zusammen mit dem Bass einen neuen groove lege, der einen tragenden und prägenden Charakter in das Stück reinbringt. Ich freue mich schon darauf, was sich bei der Überarbeitung der Song so alles entwickelt. Vielleicht bleibe ich auch bei dem einfachen, simplen Begleitschlagzeug, das den drum patterns entspricht, die ich bei der Entwicklung der Songs benutzte. Vielleicht setze ich mich auch mit einem anderen realen Basser zusammen und wir gehen bei einigen Songs - bis auf die harmonische und melodische Struktur - das mal ganz neu an. Letztlich fehlt mir das Zusammenspiel "just in time" mit einem Basser schon. Homerecording heißt halt Ping-Pong von Spur zu Spur - und das ist etwas anderes, als sich mit einem Basser zusammenzusetzen und so lange zu jammen, bis es "Klick" macht ... Aber letztlich bin ich bei meinen eigenen Songs in der Position, alles alleine entscheiden zu können- oder zu müssen, je nach Blickwinkel. Und Zeitdruck habe ich auch nicht.

So weit meine Gedanken zu einem Teil von der "Philosophie" des drum ... Es ist jetzt wenig die Rede von Crash-Becken oder double-Bass-Gewitter gewesen - für mich gehört genau das aber zu den Auswirkungen, wo man sich als drummer zwischen den Polen songdienlich im Hintergrund oder eigenständiges, gleichberechtigtes/prägendes Instrument verortet.

x-Riff
 
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Man kann auch ein Crash mit Gefühl und dynamisch spielen. China und co auch.
Doublebass die durchballert kann unglaublich toll sein es kommt halt, wie immer auf die Komposition an.
Ich komme vom Noise und liebe Geräusche. Hier lernt man wirklich was Dynamik ist.
Ich würde sagen es kommt immer auf die Dynamik an. Egal bei welchemSound, egal ob schnell oder langsam
 
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Phil Rudd lacht gerade kurz und zündet sich 'ne Fluppe an... Beim Spielen 😉

Mal im Ernst... Was bei X dienlich ist, ist bei Y 'ne Katastrophe und über Z weiß eh keiner Bescheid. Das ist halt so mannigfaltig, wie Musik und die Geschmäcker
 
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Ob ein Drummer sein Set kontinuierlich möglichst komplett spielt oder ob der einfach nur beim 4/4 Takt bleibt kommt auch immer auf das Lied, bzw die Band an. Wenn die anderen Instrumente für das Drumset Luft lassen, dann darf diese auch vom Drummer gefüllt werden. Da denke ich an die ganzen 70er Jahre Epic Rocksongs. Das ist zumindest meine geschmackliche Meinung.
Musik ist ein Zusammenspiel von Musikern und deren Instrumenten. Wenn die so einen "Chaos Jazz" spielen, bei dem alle Noten gleichzeitig gespielt werden, bitte schön, das dürfen sie. Das Problem bei solch oft sehr anspruchsvoller Musik ist, das sehr viele Hörer abgehängt werden, weil diese Kompositionen einfach nicht flüssig ins Ohr gehen.

Ihr schreibt das "weniger oft mehr ist". Ich sage das gerne anders. Ich beschreibe es als: "Die Kunst des Weglassens"

Eine absolutes Paradebeispiel ist der Metalklassiker von Accept - Princess of the Dawn.
Ich hab hier mal meine Live Lieblingsversion rausgesucht:

View: https://youtu.be/9KeaNhPcNq0?si=nBKpqHcrQqHTJDa3
Ich bekomm noch immer Gänsehaut wenn ich mir das reinziehe.

Ich mag aber auch gerne vollgepackte Musik. Ich bin Gitarrist, und alle anderen Gitarristen kenne ja die High Speed Player der Branche. Find ich auch Geil.
Um im Metalbereich zu bleiben, da gibt es auch Bands, die ihr Musik extrem voll Stopfen. Die neueren "Blind Guardian" CDs fallen mir da spontan ein. Als ich die bei den ersten malen angehört habe, konnte ich die einzelnen Gitarren kaum unterscheiden. Die spielen da so viele Gitarrenspuren ein, das man viele Details schlicht untergehen. Und das sind teilweise echt tolle Details. Das hab ich bei Klassik Konzerten mit großem Orchester früher auch oft so empfunden.

Um so komplexe Arrangements schnell zu verstehen, braucht es einiges an musikalischer Ausbildung. Die kann man entweder studieren, oder sie sich selber erwerben, indem man eben viel solche Musik hört.
Das ist der Erkenntnisgewinn, der mir aufgefallen ist. Da kann ich natürlich auch einiges übersehen haben, aber dann ist das halt so.
 
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@NewWay witzig, dass Du Gadd und Portnoy vergleichst. Ob zweiterer so höllisch grooven kann, wie ersterer bei "50 Ways to leave your lover" im Central Park? Das einfache Spiel im Refrain ist für mich Wahnsinn, fühlt sich gleichzeitig total zurückgelehnt an und schiebt gleichzeitig wie Sau.
Sind aber beides super Drummer.
Und man darf auch Dinge nicht mögen, die anscheinend "objektiv" gut sind. Ganz viel ganz sauber ganz schnell spielen zu können ist gut, wenn man das kann, hat man ein großes Stück vom Timing-Kuchen geschluckt und verdaut. Ob man das dann muss, ob es gefällt und ob es musikalisch Sinn macht, ist wieder eine andere Frage. Wenn man nur das kann, fehlen einem noch andere, wichtige Fähigkeiten, finde ich.
Ich kenn eine, die hört viel Hard- und Punkrock, die mag die Lieder einfach, aber dieses "Surren auf den Gitarren" findet sie nicht schön, die mag einfach Overdrive/Distortion nicht. Ist halt so.
Ab welchem Grad sowas einen stört, ist jedem selbst überlassen.
Und ja, ich glaub auch, dass sich Hörgewohnheiten ändern können. Neuere Werke von Mayhem hätte ich "früher" nur gehört, damit ich ein harter Hund bin😂 mittlerweile ist das ein positives Hörerlebnis für mich.
Das darf man auch nicht so eng sehen. Man ist nicht in irgendeiner Form schlechter oder doofer, weil einem irgendwas nicht gefällt. So eine Denkweise gibt es manchmal, gerade bei jüngeren Menschen, man verortet sich durch Musik ja auch irgendwie, das kann Identität stiften, und rebellisch-jugendlich-unverstandene Düsterphilosophen werden in ihrem Wesen bestärkt, wenn Mutti das diabolische Highspeedgeschepper nicht versteht😀
 

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