4. B. Verschiedene Reimformen

von x-Riff, 14.09.06.

  1. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 14.09.06   #1
    Verschiedene Reimformen

    In einem vorigen Abschnitt (https://www.musiker-board.de/vb/workshop-lyrics/151948-3-g-reim-oder-nicht-reim.html ) wurde die Frage behandelt, ob man sich für oder gegen das Reimen entscheidet und was man sich damit einhandelt.


    Hier gehen wir jetzt davon aus, dass Ihr Euch diesbezügliche Gedanken gemacht und Euch für das Reimen entschieden habt. Von hier aus ergibt sich die Frage, welche Reimformen es denn gibt und für welche Reimform Ihr Euch letztlich entscheidet.

    Die typischen Reimformen sind in einem prägnanten Artikel bei Wikipedia angeführt, den ich hier zitieren möchte.( http://de.wikipedia.org/wiki/Reim#Reimformen ). Danach werde ich noch einige Anmerkungen dazu machen.

    Doch zunächst der Artikel aus dem Wikipedia:

    Paarreim
    • aa bb cc
    Beispiel:
    (a) Ich geh' im Urwald für mich hin...
    (a) Wie schön, dass ich im Urwald bin:
    (b) man kann hier noch so lange wandern,
    (b) ein Urbaum steht neben dem andern.
    (c) Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
    (c) hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat!

    (Quelle: Heinz Erhardt: Noch 'n Gedicht und andere Ungereimtheiten 1. Aufl. - Hameln: Niemeyer, 1991)

    Kreuzreim
    • abab cdcd
    Beispiel:
    (a) Wir schreiten auf und ab im reichen Flitter
    (b) Des Buchenganges beinah bis zum Tore
    (a) Und sehen außen in dem Feld vom Gitter
    (b) Den Mandelbaum zum zweitenmal im Flore.
    (c) Wir suchen nach den schattenfreien Bänken.
    (d) Dort wo uns niemals fremde Stimmen scheuchten
    (c) In Träumen unsre Arme sich verschränken.
    (d) Wir laben uns am langen milden Leuchten.


    Umarmender Reim
    • abba
    Beispiel:
    (a) ich esse
    (b) ich liebe dich
    (b) ich liebe mich
    (a) ich messe


    Haufenreim
    • aaaa
    Beispiel:
    (a) Hallo du
    (a) Ich bin ne Kuh
    (a) mit großem Schuh
    (a) und mache muh!


    (a) auf den hohen Felsenklippen
    (a) sitzen sieben Robbensippen
    (a) die sich in die Rippen stippen
    (a) bis sie von den Klippen kippen


    Schweifreim
    • aa b cc b
    Beispiel:
    (a) Ja, ich weiß, woher ich stamme,
    (a) Ungesättigt gleich der Flamme
    (b) Glühe und verzehr' ich mich.
    (c) Licht wird alles, was ich fasse,
    (c) Kohle alles, was ich lasse,
    (b) Flamme bin ich sicherlich.

    (Friedrich Nietzsche: "Ecce Homo")

    Kettenreim
    • aba bcb cdc d
    Beispiel:
    (a) Wir sind so gut
    (b) Wir sind so fein
    (a) Wir haben Glut

    (b) Wir haben Wein
    (c) Wir lieben Bäume
    (b) Und auch den Rhein

    (c) Und wenn ich träume
    (d) So nur von Dir
    (c) Ich überschäume

    (d) Das lob ich mir

    Binnenreim
    • Der Binnenreim ist ein Reim innerhalb einer Verszeile. Oft sind Binnenreime mit anderen Reimen gekoppelt, so dass ein dreifacher Reim entsteht.
    Beispiel:
    Er lief und schlief
    und lachte sich schief.
    Die englischen
    Operettenschreiber Gilbert und Sullivan verwendeten neben Wortspielen auch gerne Binnenreime in ihren Liedtexten.

    Schlagreim
    Ein Reim bei dem sich zwei aufeinander folgende Wörter reimen z.B.
    Ich fasse in die Tasche und habe keinen Schein, du merkst auf denn du liest hier meinen Reim

    Echoreim

    spezielle Reimformen



    Limerick

    • Ein Limerick ist ein scherzhaftes Gedicht in der Form aabba, wobei die beiden b-Zeilen etwas kürzer sind.
    Beispiel:
    (a) Ein alter Mann aus Peru
    (a) Der träumt, er äß seine Schuh.
    (b) Voll Grausen erwacht
    (b) Fuhr er auf in der Nacht,
    (a) Und fand, es traf buchstäblich zu.

    Hier ein Limerick, der vom Schema abweicht:
    (a) Ein Dichter aus Peine
    (a) Der machte nur unreine Reime.
    (b) Auch mit dem Rhythmus
    (b) Lebt er auf Kriegsfuß.
    (*) Drum waren auch seine Limericks schlecht.


    Klapphornvers
    • Ein Klapphornvers ist ein Vierzeiler, meist in der Form aabb, aber auch abab.
    Beispiel:
    (a) Zwei Knaben gingen durch das Korn.
    (a) Der zweite hat den Hut verlorn.
    (b) Der erste tät ihn finden,
    (b) Ging' er statt vorne hinten.

    (a) Zwei Knaben gingen durch das Korn.
    (a) Sie gingen alle beide vorn.
    (b) Hinten konnte keiner gehn,
    (b) Denn hinten war die Luft nicht schön.


    Sonett
    Ein Sonett ist ein 14-Zeiler, der in der Regel in zwei Strophen mit je vier Versen (Quartette) und zwei Strophen mit je drei Versen (Terzette) gegliedert ist. Eine Ausnahme ist jedoch das sogenannte "Englische Sonett", welches in drei Quartette und einen Zweizeiler unterteilt ist.

    Gespaltener Reim
    Der gespaltene Reim ist ein mehrsilbiger Reim, bei dem sich mindestens eines der Reimglieder auf zwei oder mehrere, meist kurze Worte erstreckt.
    Beispiel
    "Es gibt nichts Gutes
    außer: Man tut es"



    Die Auswahl ist also groß. Was ist nun dabei zu beachten:

    1. Je strenger das Reimschema ist, desto mehr engt es einen ein.
    Man muss eben Worte finden, die sich reimen. Man muss mitunter die Grammatik ganz schön verbiegen, damit das Wort, das einen Reim ergibt, an das Ende der Zeile kommt. Oft nimmt man dann auch ein Wort, das eigentlich vom Sinn oder der Konnotation (mitschwingende Wortbedeutungen und -kontexte) nicht optimal ist, sich aber eben reimt. Dazu kommt: Je geringer der Wortschatz ist (speziell in einer Fremdsprache), desto "gezwungener" oder "gequälter" wirkt das Ergebnis.


    2. Je strenger das Reimschema ist, desto mehr Arbeit am Text ist notwendig
    Ich will in keinster Weise dagegen sprechen, sich mit einem Text Mühe zu geben und Arbeit darein zu investieren. Allerdings gibt es schon die Erfahrung, dass es in den ersten beiden Strophen und dem Refrain ganz gut klappt, aber dann die Last, die man sich aufgebürdet hat, deutlicher spürbar wird. So manche schöne Textidee vergammelt in einer Schublade, weil der Text nie fertig wurde...


    Es geht einfach darum, dass Ihr Euch darauf einrichtet, dass das eine Aufgabe ist, die Konzentration, Übung und Disziplin erfordert. Die selbst aufgelegte Latte ist halt hoch und man muss unter Umständen einige Anläufe nehmen. Drum prüfe, wer sich reimlich bindet ...
    Andererseits: wenn man es nun vorhat und es schafft: dann weiß man auch, was man geschafft hat und die Zufriedenheit ist um groß.


    3. Ein Reimschema (Form) korrespondiert mit dem Textgegenstand (Inhalt)

    Zum Verhältnis von Form und Inhalt wurde an einigen Stellen (Text und Musik, Reim oder nicht Reim) schon einiges gesagt. Also hier eine Beschränkung auf die Reimform.


    Limericks sind in einer spezifischen Reimform gehalten und haben einen inhaltlich eher scherzhaften Charakter. Diese Reimform mit einem ernsthaften Textgegenstand zu kombinieren, wird wohl in den meisten Fällen als unpassend empfunden.

    Sonnette verbindet man im allgemeinen mit "klassischen" Gedichten, geschliffenen Worten und einem nicht unbedingt ernsten, aber auf jeden Fall gut durchdrungenen Inhalt.


    Fazit:
    Trefft Eure Auswahl mit einiger Überlegung, denn sie hat Folgen auf die weitere Arbeit an Eurem Text.


    Vielleicht mal ein Beispiel aus dem musikalischen Bereich:
    Wenn Ihr ein musikalisches Motiv habt und an die Umsetzung geht, werden bezüglich des Arrangements einige Überlegungen fällig. Nehmt Ihr eine Tuba statt einem Bass wird automatisch die Musik einen Touch haben, der entweder ins Jazzige geht oder in Richtung Volksmusik. Wenn Ihr im Hintergrund Streicher nehmt, bekommt das einen Touch ins Klassische.


    Das kann genau richtig sein und wunderbar funktionieren - Rock und "klassische" Instrumente sind mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr und das kann diesen typischen Kick geben. Es kann aber auch in die Hose gehen.

    Und schließlich und endlich ist es wie bei vielem eine Geschmacksache: Manche finden die unplugged-Versionen gelungener als die rockige Variante, manchen geht es gerade umgekehrt und wieder andere finden, dass beide etwas haben: aber eben beide etwas anderes transportieren, einen anderen Charakter bekommen, eine andere Stimmung vermitteln.

    Letztlich geht es nur darum, hier die unterschiedlichen Möglichkeiten aufzuzeigen und mögliche oder wahrscheinliche Effekte auf die Wirkung, die ein Text erzielen kann, in die Überlegungen und das Texten mit einzubeziehen.
     
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