3 G - Reim oder nicht Reim?

von StayTuned, 24.08.06.

  1. StayTuned

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    Erstellt: 24.08.06   #1
    Reim oder nicht Reim? Das ist hier die Frage!

    Das ist eine Frage, die sich wohl jeder Songwriter schon einmal gestellt hat.
    Doch wie kann man diese Frage sinnvoll und eindeutig beantworten? Kann man das überhaupt?


    „Wer reimt kann kein schlechter Mensch sein“


    Was ist eigentlich ein Reim?

    Ein Reim ist im Prinzip eine Folge von Wörtern mit gleichen oder ähnlichen Endungen (Endreim) oder ähnlichem Klang (Stabreim oder Alliteration).

    Bsp 1: gehen – stehen – sehen – flehen. (Endreim)
    Bsp 2: little girls lullabies lingered long last night. (Stabreim oder Alliteration)
    Er ist ein beliebtes Stilmittel um Texte flüssiger, verständlicher zu machen und mit Wiedererkennungswert zu versehen.

    Informationen über Reimtypen und –formen unter
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reim



    Es gibt 3 Ansätze dieses Problem in den Griff zu bekommen:

    • Der Reim

    Diese Art des Schreiben birgt einen grossen Vorteil wie einen Nachteil.
    Der Vorteil liegt eindeutig in der Eingänglichkeit des Textes. Hörer (und meistens auch Sänger) des Songs werden sich diesen automatisch besser merken können. Auch fördern Reime das Verständnis und lenken von evtl. inhaltlichen Schwachstellen ab.

    Bsp:
    „Ich gehe durch die Straßen bis nach Mitternacht, ich hab das früher auch gern gemacht“ (Matthias Reim)

    Ein einfacher Satz, doch durch den Reim (kleiner Wortwitz lol) sehr eingänglich.

    Der Nachteil bzw. die Gefahr des Reims liegt darin, dass auf der Sinn/die Aussage des Textes aufgrund des Reims leiden kann. Teils wird man während des Schreibens sehr stark durch Reime geleitet, bzw. unterliegt aufgrund des einmal angefangenen Reimschemas einem „Reimzwangs“ und verwendet Worte, die die Aussagekraft des Geschriebenen beeinträchtigt bzw. nicht das aussagen was eigentlich gesagt werden soll.


    Bsp:
    „das kann doch nicht so sein. Ich fühle solche Pein“

    Die Aussage wird durch diesen „erzwungenen“ Reim beeinträchtigt.

    Und nicht nur die Aussage: Pein ist ein eher antiquiertes Wort und kann dadurch „unpassend“ wirken.
    Es ist auch nicht selten so, dass man gereimte Texte eher aus dem Schulunterricht kennt und mit „Klassikern“ verbindet.
    Dadurch schafft man natürlich eine gewisse Fallhöhe: besonders bei recht schlichten Reimen und einem starren Reimschema (a,a,b,b) wirkt dies manchmal wie: versucht, aber nicht gekonnt.
    Dies muss nicht so sein, aber es liegt eine gewisse Gefahr darin. Insbesondere, wenn der Wortschatz nicht sonderlich groß ist – etwa wenn man auf Englisch schreibt und dort eher nicht so sattelfest ist. Dann kommt es leicht zu „ausgelutschten“ Reimen wie: love-dove, war-more, change-strange oder im Deutschen: Liebe-Triebe, Herzen-Schmerzen, Tod-Not.


    • Der Nicht-Reim

    Bei Nichtverwendung von Reimen hat man sowohl die Möglichkeit die Aussage des Textes so zu steuern, dass die Bedeutung der Idee des Songwriters/Texters entspricht als auch Option, durch die Erarbeitung eines Rhytmikschemas, einen „flüssigen“ Text zu erstellen.

    Der Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Aussage/ der tieferen Bedeutung des Textes und weniger auf der Eingänglichkeit.

    Nachteil dieser Vorgehensweile ist der evtl. mangelnde Wiedererkennungswert des Textes/Satzes.

    „will ich wissen was wird aus dem morgen, wissen was wird aus dir und mir“ (silbermond)

    Die Aussage steht im Mittelpunkt und wird nicht durch falsch eingesetzte Reime geschwächt.



    • Gemischte Verwendung von Nicht-Reim und Reim

    Bei dieser Art des Schreibens bleiben viele Möglichkeiten sich auszudrücken bzw. einen Text zu verfassen.
    Man kann in einigen Passagen einen Reim verwenden wie auch in anderen den Nicht-Reim, entweder zur Hervorhebung oder zur Abschwächung des Teils, verwenden.

    Bsp: „Why do you always feel so sad?
    Why are you thinking 'bout things you never had?
    Surrender yourself to your own pain
    Feeling for your life ashamed (Hanna’s Job)


    So kann man zum Beispiel die Strophen ohne Reim und den Refrain mit Reim schreiben – da der Refrain sowieso das eingängigere Element eines songs ist und gewissermaßen die textliche „hookline“ bildet.




    Fazit:

    Wie und wann ein Reim bzw. ein Nicht-Reim verwendet wird liegt natürlich in der Entscheidung des Texters/Songwriters. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile die man berücksichtigen sollte, wenn man einen originelles, aussagekräftiges Stück schreiben möchte! Im Endeffekt ist die Vorgehensweise jeder/m selbst überlassen.
    Viel Spass bei eurer Entscheidung für oder gegen den Reim ;)


    Link zu einem verwandten Thema des Workshops:

    Das Arbeiten am geschriebenen Text
    https://www.musiker-board.de/vb/workshop-lyrics/130683-5-b-arbeiten-am-geschriebenen-text.html
     
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