Na, dann wollen wir mal.
"Aller Liebe Zorn" = "Der Zorn aller Liebe", richtig?
"Dem da Staub" > "dem" muss ich ja auf "Zorn" beziehen. Aber wie gehts danach weiter? Was ist dem Staub? ^^ Oder bezieht es sich auf eine Person - in dem Fall wäre "dem" ein Demonstrativpronomen? Würde dann heißen, dass einer männlichen Person Staub "gegeben" werden soll. So oder so: Raff ich nicht.
"Der da Korn" -> entweder Dativattribut zu einem femininen Subjekt oder irgendwas anderes, was sich auf wiederum als Demonstrativpronomen auf eine männliche Person bezieht. Ist dann aber ne andere Konstruktion als in der Zeile davor. Gleiches Ergebnis: Raff ich nicht ^^
"und wieder von vorn" ist soweit aber klar.
Die fehlende Erklärung (für Andere) macht den*** Text ja erst mutig.

Weil es die Gefahr immens erhöht, nicht verstanden zu werden.
Zwischen dem Autor und dem Leser klafft immer ein Graben. Den muß man akzeptieren!
Oh, ich bin voll bei der radikalen Akzeptanz des Grabens! Deshalb keine Erklärungen von mir: Keine Andeutungen, das Unüberwindbare zu überwinden!
Aaaaalso. ^^ Hier geht es ja um das Thema, inwieweit sich Sender und Empfänger verstehen können (bei einem Musikvortrag ist das ja erstmal nur Kommunikation in eine Richtung).
Ob eine Nicht-Erklärung mutig ist, hängt meiner Meinung nach nur von den möglichen Konsequenzen ab. Manche Leute wollen gar keine expliziten Texte hören, weil sie dann daraus machen können, was sie wollen. Eine gewisse Vagheit (gibt’s das Wort???) hilft dabei, dass sich mehr Menschen mit dem lyrischen Ich identifizieren können. Ob eher vage oder eher explizite Aussagen "mutig" sind, hängt glaube ich von Zuhörerschaft und Thema ab.
Dass es diesen "Graben" zwischen Autor und Leser gibt, würde ich so in jedem Fall unterschreiben. Und dass man den akzeptieren muss, auch. Nicht zustimmen kann ich bei der Antwort von Slidemaster Dee darauf. Radikale Akzeptanz klingt für mich einfach nach einer Entscheidung, und zwar einer radikalen. Keine, die einem aufgezwungen wird. Dieser Graben ist NICHT unüberwindbar. Sonst würden wir nämlich gar keine Diskussion führen können. Denn: Selbst bei Meinungsverschiedenheiten findet Kommunikation statt. Der Grad der "Grabenüberwindung" kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen, aber stattfinden tut die Kommunikation trotzdem.
Die Sichtweise, dass der Leser nie wissen kann, was der Autor sagen wollte (und infolgedessen, dass die Absicht praktisch irrelevant wird), ist eine Folgerung aus radikalem Konstruktivismus. Den halte ich aber für ausgemachten Blödsinn (auch wenn Konstruktivsmus grundsätzlich hilft, viele Prozesse in menschlichem Zusammenleben zu erklären). GOTT SEI DANK ist es sehr wohl möglich, sich zu verstehen! Das ist eine unheimlich schöne Sache.
...jetzt reden wir hier aber von Kunst. Und das ist sehr entscheidend.

An eine Defintion davon, was Kunst ist, was sie kann und was ihre Funktionen sind (nicht normativ, sondern deskriptiv gemeint) wage ich mich mal nicht heran. Daran können sich andere die Zähne ausbeißen. ^^ Wir sind uns aber wahrscheinlich darin einig, dass es - im Gegensatz zu dem größten Teil alltäglicher Kommunikation - keine Regel gibt, wie klar verständlich Kunst sein muss. Manche Kunst wirkt nur, WEIL sie missverstanden wird, und das kann man als Künstler bewusst einplanen. Nicht, dass ich das immer sympathisch fände, weil ich in der Regel eher für klare Worte bin, aber wie gesagt: Als Künstler kann man sich bewusst entscheiden, unklar zu kommunizieren, bis hin zum Kommunikationszusammenbruch. Beispiel: Die Erdoğan-Statue in Wiesbaden. Ich kenne die Absicht des Künstlers nicht, aber die Reaktionen haben gezeigt, dass offensichtlich ein Teil der Leute nicht verstanden hat, was die Absicht war (welcher Teil das aber war, weiß wahrscheinlich so richtig nur der Künstler selber).
So, das soll erstmal reichen.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Es ist dir freigestellt, deine Texte so klar oder unklar zu formulieren, wie du möchtest. Vorherzusehen, wie ein Text verstanden wird, mag manchmal nicht leicht sein, aber in einem gewissen Rahmen möglich.