[Amp] Fender Bassbreaker 45 Combo

von andiu, 20.07.19.

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  1. andiu

    andiu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.07.19   #1
    Fender Bassbreaker Combo 45

    z.B. bei ....

    (Bild reiche ich nach... wenn das Licht besser ist ...)


    Die Fender Bassbreaker-Serie wurde in Deutschland im April 2016 vorgestellt und besteht aus vier (mittlerweile 5) Amps, die jeweils als Top und als Kombo erworben werden können. Der 007, der 15er, der 18/30er und eben der 45er den ich hier bespreche. Mittlerweile ist der 30r dazugekommen. Die Amps unterscheiden sich nicht nur in der Leistung und Schaltbarkeit, sondern auch in ihren sehr unterschiedlichen Features und teilweise auch im Klang. Wer mehr wissen will, kann bei Fender nachschauen. Hier geht es nur um den Fender Bassbreaker Combo mit 45 Watt.

    Für eine komplett neue Verstärkerlinie eines renommierten Herstellers hat sie bisher und immer noch vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit.
    https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/fender-bassbreaker-45-combo-test.html
    und anderen Gearseiten hat kaum einer was geschrieben dazu, also hole ich das nach. Immerhin, ein Review zum Bassbreaker 007 habe ich hier gefunden.

    Kurz zu mir damit Ihr das Review besser einschätzen könnt: Ich spiele akustisch seit etwa 7 Jahren und gelegentlich elektrisch seit etwa vier Jahren mit einer Les Paul und einer Strat, meist akustisch, Blues, Rock, diese Schiene halt und den Style bis Mitte 80’er, aber ohne Metal. Das ist mir zu anstrengend ;) Den Verstärker habe ich jetzt etwa seit zwei Jahren und mehr oder weniger regelmässig daheim gespielt.

    Warum ich mir den Amp gekauft habe:


    Ich wollte einen eher klassisch ausgerichteten einfachen Amp. Vorher einen Modeler gehabt … war auf Dauer nix weil Einstiegsklasse der Modeler und ich bin, wie ich herausgefunden habe, auch nicht so der Typ fürs Presetfummeln. Lieber analog an ein paar Knöpfen drehen. Einen Amp von leise bis laut der dann halt überall gut klingt. Mir war von Anfang an klar, dass ich Zerre auf „leise“ nicht ohne Treter hinbekommen würde. Ich hatte vorher keine bestimmten Amps im Auge, keinen Vorbildern in Ton oder Gitarrist denen ich nacheifern wollte.

    Kurzcharakteristik des Fender Bassbreaker 45 Combos für Eilige

    Röhre? Ja
    Proberaum-Bühnentauglich? Ja
    Vielseitig? Wie man es nimmt. (Lest weiter)
    Pedalfreundlich? Ja
    WohnzimmerAMP? Jein, nur mit Pedalen davor oder Clean, sonst nicht.
    Clean? Ja
    Crunch? Ja
    Rock bis Hardrock? Ja
    Metal? Nur wenn jemand Hardrock als "Vintage Metal" umetikettiert ...

    Ausstattung:

    Verstärker mit Röhrenschaltung
    Volume + separater Standby-Schalter
    Vorstufenröhren: 3x 12AX7
    Endstufenröhren: 2x EL34
    2 Kanäle (hm, falsch) mit überblendbarer Zwischenschaltung (richtig)
    Leistung: (0,)1-45 W durch PPIMV (Post-Phase-Inverter Master Volume))
    Bestückung: 2x12" Celestion V-Type 8 Ohm-Lautsprecher
    3 Eingänge: Normal, Bright und Both
    Regler für Volume Normal, Volume Bright, Output (~ Mastervolume), Bass, Middle, Treble, Presence
    Platinenbauweise
    Class A/B
    Lautsprecherausgang: 4 / 8 / 16 Ohm Parallelbetrieb intern/extern möglich (Schaltmatrix mitgeliefert)
    Gehäuse aus Birkensperrholz mit grauem Tweed und schwarzer Frontbespannung
    Staubhülle aus Kunststoff (schwarz, matt) wird mitgeliefert.
    Abmessungen: 59,5 x 33 x 55,9 cm
    Gewicht: 24,95 kg

    Besonderheiten: Von 1-45 Watt stufenlos regelbar, mit den Kanalpotis letztlich von ungefähr 0,1 Watt bis nach ganz oben. Puristische Ausstattung mit trotzdem hoher Variabilität für meine Zwecke.

    Was hat er NICHT ?
    -Kopfhörerausgang
    -FX-Loop
    -Keine Effekte (z.B. Reverb, Delay)
    -Aux-Eingang
    -USB-Out oder ähnlich

    Kanal / Kanäle / Eingänge:
    Streng genommen, nach meiner Definition, handelt es sich um einen Ein-Kanal-Amp. Es gibt zwar drei Eingänge: Normal, Both und Bright, wobei der Amp die schon von anderen Fender-Amps bekannte Eigenart hat, dass man den "Normal" Kanal und den "Bright" Kanal stufenlos ineinander übergehen lassen kann wenn man die Inputbuchse "Both" verwendet und den Anteil der Kanäle "Normal" und "Bright" über das jeweilige Volume-Poti regelt.
    Diese erweiterte Soundvielfalt kann aber mit Bordmitteln des Amps nur abgerufen werden wenn man deutlich über Zimmerlautstärke spielt.
    Die übrigen Einstellungen wie Bass, Middle, Treble und Presence wirken aber auf alle Eingänge gleichzeitig, deswegen: Einkanaler. Der Bright-Kanal ist dabei, wie nicht anders zu erwarten, der etwa crispere und heißere Kanal.

    Leistung / Output/ Lautstärke:

    45 Watt sind laut, finde ich. Ich habs probiert :D Um genau zu sein, brüllend laut. Das halte ich nicht lange aus (getestet in einem 100qm Raum), habe aber meine Gesundheit riskiert um Euch dieses Review schreiben zu können J Ja, das Ding bringt die Möbel zum Wandern.

    Bei 1W und Grundstellung der jeweiligen Kanalpotis auf 0 kommt kein Ton aus dem Amp. Ein bisschen mehr auf den Kanälen und die Verstärkung beginnt. Man kann die Kanalpotis auch ganz zudrehen dann verstärkt nur die Endstufe. Wie zu erwarten fast durchweg nur clean und richtig laut wird es dann auch nicht.

    Die Potis für die Buchsen "Normal" ,"Bright" oder „Both“ erhöhen die jeweilige Lautstärke aus der Grundstellung heraus deutlicher als die Regelung über den Output. Reißt man die Kanalpotis auf (etwa 12 Uhr +) und lässt den Output bei 1W ist bereits das schon sehr sehr sehr laut. Der lauteste 1Watt Amp den ich kenne, was vielleicht auch den 2x 12er Speakern geschuldet ist.

    Rauschen, Nebengeräusche

    Hält sich sehr in Grenzen bei meinem Exemplar. Kanal und Master beide auf 12 Uhr gedreht und es rauscht leicht aus drei bis vier Metern Entfernung, aber nicht richtig laut. Allerdings: Ein Griff in die Saiten bei diesen Einstellungen erklärt warum jegliche Mikrowellenhintergrundstrahlung des Universums in der Explosion der Supernova direkt vor uns untergeht. Beide auf 9 Uhr gedreht (deutlich mehr als Zimmerlautstärke) hört man es nur aus der Nähe leicht rauschen. Alles genullt ist der Amp still bis auf ein winziges tieffrequentes Brummen oder Wummern aus der ganz unmittelbaren Nähe was ich den Röhren zuschreibe. Die Bias-Einstellung scheint bei meinem Exemplar also in Ordnung zu sein wenn ich @OneStone `s Erklärung Glauben schenken darf. Beim Umstellen von Standby auf Spielbetrieb kommt ein kurzes, softes und leises "Whooomp" das schnell verklingt.

    Die Röhren

    Zum technischen Amplifier-Design kann ich mangels Erfahrung und Kenntnissen nicht viel sagen. Auch nicht ob die Tubes gematcht sein müssen oder nicht oder oder ... Soweit ich das beurteilen kann aufgrund meiner Hörererfahrungen ist die Verstärkung / Gain-Design absolut röhrentypisch, auch was die Verwendung von Single-Coil / Humbuckern und das Regeln des Volume-Potis an der Gitarre angeht. (Dazu später mehr) Fender selbst bewirbt den Amp in dem Pappklemmer auf dem Amp, den man vor dem Spielen entfernen sollte weil er die oberen Luftauslässe verdeckt, als "Vollröhre". Was immer das auch bedeutet. Anscheinend ist aber auch ein Teil nicht-analoger Technik verbaut (IC's) was Liebhaber analogen Designs mißtrauisch macht. Schließlich wirbt Fender selbst mit einem Design, aufgebaut auf dem 59'er Bassman, dem Urvater (oder -Mutter) aller Röhren-Gitarrenamps.

    Vorstufenröhren: 3 x 12AX7 (= ECC83)

    Diese Vorstufenröhren sind offenbar dafür bekannt dass sie relativ viel Gain liefern, jedenfalls mehr als die 12AT7 oder andere Röhrentypen in der Vorstufe. Das zeigt uns schon dass Clean bei maximalem Output oder kurz davor nicht zu erwarten ist. Eher bei einem Drittel davon, hängt von den Pickups ab deren Signal verstärkt werden soll.

    Endstufe: 2 x EL34 ( im original Bassman: 2 x 6L6 GC)

    Also vergleichen wir die Röhrencharakteristiken mit Hilfe folgenden Artikels, schon wegen des Fender-Bezugs auf die Bassman-Gene. Wer sie schon kennt muss die Spoiler nicht aufmachen.
    https://www.premierguitar.com/articles/Everything_You_Ever_Wanted_to_Know_About_Output_Tubes

    6L6GC-Original Bassman 59.
    Think “big Fender amp tone” and you’re thinking 6L6 (...)This is the big-amp output tube traditionally seen in American-made amplifiers, and it has a bold, solid voice with firm lows and prominent highs, which can be strident in loud, clean amps, or more silky and rounded in softer, “tweed” style amps.
    Kurzübersetzung: Das ist der klassisch-amerikanische Fender-Klang mit einer kräftigen Stimme, starkem und klarem Bass und guten Höhen, die aber auch mal schrill werden können bei höherer Lautstärke, andererseits auch seidiger und gerundeter rüberkommen können wie z.B. bei den "Tweed-Style" Verstärkern.

    EL34 im Bluesbreaker.
    Take your aural imagination across the pond, conjure up that big, British crunch tone, and your mind’s ear is hearing the EL34. The classic Marshall tube, the EL34 was the big boy of British amplification from the late nineteen-sixties onward. It can be driven at higher voltages to produce a little more output than the 6L6GC, and it sounds somewhat different, too: characterized by a fat and juicy but softer low end, sizzling highs, and a midrange that exhibits a classic crispy-crunchy tone when driven into distortion. This is the tube of post-1967 Marshalls like the JMP50 “plexi” and “metal” panel amps, the JCM800, and the majority of modern models.
    Kurzübersetzung: Fliegt in Gedanken einmal über den großen Teich, zaubert euch diesen großen britischen Crunchklang ins Ohr und ihr hört die EL34. Das ist DIE Röhre für Marshalls nach 1967, für den JMP50 Plexi , JCM 800 und für fast alle neueren Modelle. Saftiger und fetter Klang, eher weich klingend untenherum mit brutzelnden Höhen und Mitten die einen klassischen Knusper-knackigen Klang liefern wenn es in die Verzerrung geht.

    https://www.premierguitar.com/articles/Everything_You_Ever_Wanted_to_Know_About_Output_Tubes?page=2

    Allein nach dieser Beschreibung der Röhrencharakteristiken habe ich also einen klassischen Rock-AMP vor mir, der gerne auch in die Zerre geht und von Clean über Crunch bis Hardrock alles abdeckt.

    Lautsprecher / Ausgänge
    Ich bin kein ausgewiesener Kenner der Materie. Für mich machen die Speaker einen guten Job. Sie geben sehr früh einen dreidimensionalen Sound und schwächeln auch auf hohen Lautstärken nicht. Eine gute Wahl. Sicherlich, für bestimmte Anwendungsbereiche oder Genres oder für verwöhnte Ohren mag es geeignetere Lautsprecher geben, aber für mich (Richtung ungefähr Vintage Sound bis etwa AC/DC) sind sie sehr gut. Bei Motoren heisst es: Hubraum ist alles, ich meine dazu: Membranfläche ist (fast) alles.

    Fender selbst schreibt nur von Celestion G12 V-Type. Bonedo meinte, es handele sich um die Celestion G12V-70.

    Praktischerweise hat Bonedo genau diese Speaker bereits 2013 getestet:

    https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/celestion-g12-v-type-test.html

    Charakterisiert werden sie als grundsätzlich klar, warm und vintage klingende Speaker die es dabei nicht an Auflösung mangeln lassen, es fehle vielleicht etwas Definition im Mittenbereich. (Kann ich nur begrenzt nachvollziehen aber sei es drum) Gut geeignet für alle klassischen Rocksounds.

    Wenn man externe Speaker anschließen will liefert das Kurzmanual eine Ohm-Matrix mit, mit der man bestimmen kann welche (externen) Speaker sich wie eignen und wie man verkabeln sollte. Man kann über die zwei Eingänge auf der Rückseite entweder externe Speaker zu den internen Speakern dazu schalten oder nur externe Speaker verwenden, die internen werden dann abgeschaltet. Gut gelöst. Ferner gibt es einen Widerstandsschalter, den man über 4/8/16 Ohm an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen kann. Da ich keine andere zuschaltbare Lautsprecherbox habe, habe ich die Grundstellung 16 Ohm beibehalten.

    Klang/Dynamik

    Ich bin etwas von meiner Vintage-Hifi-Anlage verwöhnt. Die ist wirklich nichts besonderes, aber guten Klang hab ich schon gerne um mich.

    Allgemeine Charakteristik:
    Enormes Bassfundament was gezähmt werden will. Ein beherzter Griff ans Bass-Poti auf die 7-9-Uhr Stellung hilft hier weiter. Fürs Wohnzimmer brauchts nicht mehr, denke ich. Für mittelgroße Bühnen/Clubs ist man vielleicht froh wenn man hier noch Reserven hat. Insgesamt, schon der Röhren geschuldet, kein „reiner“ Fender-Amp, sondern einer der auch früher gut in die Zerre gehen kann, vom Klang her vielleicht eine Mischung aus den Welten Fender und Marshall. Naja, wenn der eine einen Bluesbreaker rausgebracht hat, darf der andere auch einen Bassbreaker…. Was den Bluesbreaker angeht: Auch beim hier besprochenen Bassbreaker habe ich eine Art „Tremolo-Effekt“ bei höheren Lautstärken festgestellt, das heisst, es wummert, wenn man genau hinhört, rhythmisch ein wenig nach, wie eine Art Echo bzw. Delay, sehr gering zwar, aber im Wohnzimmer halt hörbar. Ob das jetzt bei allen Röhrenverstärkern so ist ? Meine Erfahrungen sind hier begrenzt. Störend ist es jedenfalls nicht, eher angenehm.

    Mitten sind ebenso präsent wie die Höhen, wobei letztere zwar klar, aber eher seidig als kreischend sind. Insgesamt eine warme Charakteristik. In Grenzen ( gefühlt um die 30-50% in verschiedene Charakteristiken) von warm bis neutral regelbar. Kalt wird er nie von sich aus.

    Als Röhrenamp verhält sich der Amp wie erwartet: Er reagiert sehr gut auf unterschiedlichen Anschlag, Volumepoti der Gitarre usw. Das bereits bei geringen Lautstärken, aber da eben nicht ganz so gut unterscheidbar wie wenn man den Amp auf z.B. Proberaumlevel, jedenfalls über Wohnzimmerlevel, aufreisst. Perfekte Dynamik braucht halt auch eine Lautstärke-range die man schlicht nicht bekommt wenn man auf 0,1 Watt (Wohnzimmer/Schlafzimmer) fährt :D . Trotzdem sehr gut in diesem Bereich und bei größeren Lautstärken sowieso kein Thema. Der jeweilige Charakter der gespielten Gitarre(n) und/oder Pickups kommt unverfälscht zum Ausdruck.

    Was den Klang auch beeinflusst: Gegengekoppelte (Röhren-)Verstärker des Typs A/B wie es der Fender ist, haben eine bauartbedingte Besonderheit, so habe ich gelesen:
    Die Wirksamkeit der Regelschaltung hängt stark vom Frequenzverlauf und von der Phasenverschiebung des Amps ab. Die Regelschaltung greift nicht besonders gut bei tiefen und bei hohen Frequenzen was dafür sorgt dass bei hohen und tiefen Frequenzen fast keine Regelung stattfindet. Ausserdem soll der hohe Ausgangswiderstand eines typischen Röhrenverstärkers dafür sorgen, dass exakt in diesen Frequenzbereichen mehr Leistung an die Lautsprecher abgegeben wird, kurz, hohe und tiefe Frequenzen werden lauter ….

    Für mich technischen Laien scheint daher –jetzt auch aus eigener längerer Erfahrung- recht klar warum sich der Fender und andere Röhrenamps bei niedrigen Lautstärken bereits sehr gut anhören: Sie haben eine Art eingebaute EQ-Badewanne :) ähnlich, aber nicht gleich wie ein Loudness-Schalter an alten Hifi-Verstärkern. Das sorgt sofort für mehr Räumlichkeit.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Röhrenverstärker

    Ich gebe es zu: Angelesen und Ange-hört. Den Amp kann ich zwar bedienen aber nicht bauen.

    Clean:
    Klangempfinden ist immer subjektiv bis zu einem gewissen Punkt. Die Vintage-ausgerichteten Lautsprecher und die angeblich Bassman-ähnliche Schaltung geben aber schon einen Hinweis wozu der Verstärker dienen soll, nämlich die Sounds der 50er oder eher 60er charakteristisch nachzubilden. Der ursprüngliche Bassman hatte 6L6 verbaut, die für den bekannten Clean und den enormen Headroom (Gegenanzeige: Will einfach nicht richtig zerren..) der Fender Amps mit verantwortlich sind/waren.
    Die hier verwendeten Endstufenröhren (EL 34) wiederum kennt man eher von Marshalls.
    Den angeblich typischen Fender-Clean-Tone mit dem süßen klaren Singen und perlig glitzernden Höhen dürft Ihr also nicht ganz erwarten. Er kann sehr schön clean, aber das Clean ist bereits gaaanz leicht elektrisch („haarig“ schreibt Bonedo wenn ich mich recht erinnere), aber das sehr lange Zeit wenn man feinfühlig Kanalpoti und Mastervolume regelt. Headroom ist also trotzdem da.
    Der Amp ist wirklich von Anfang an präsent und zeichnet ein räumliches Bild der Tiefen, Mitten und Höhen. Kreischend sind die Höhen freilich nicht (bei ertragbarer Lautstärke), eher seidig, wer mehr will, betätigt das Treble-Poti über 12.00 Uhr hinaus. Das Bass-Poti kann übrigens gerne in der Sieben-Neun-Uhr-Stellung verbleiben, sonst bricht ein Gewitter über die Zuhörer und den Spieler herein. Hier zeigen sich vielleicht noch die Gene des Großvaters, des Fender Bassmans aus dem Jahr 1959.

    Zerre

    Vorstufenröhren:

    Mit der Les Paul mit 57’er Classic Pickups (eher zahme Humbucker die ich sehr mag):
    Der Kanal mit der „Normal-„ Beschriftung beginnt bei etwa der 10.30 Uhr Stellung leicht zu komprimieren und zu zerren. Der „Bright“-Kanal bereits ab der „halb-Zehn“ Uhr-Stellung. Schön für Crunch-Experimente wenn man ein paar „Minuten“ draufgibt.
    Brettert bis in den Hard-Rock-Bereich vollkommen ohne Probleme (wenn man aufdreht). Allerdings muss man im Ergebnis schon recht laut aufdrehen um auch Endstufenzerre mitzunehmen die hier gefühlt ab der 13-14.00 Uhr Stellung hörbar wird.
    Sweetspots kann der Amp viele haben- wenn ich (über Anschlagsdynamik, Gitarrenhumbucker voll aufgerissen) gleichzeitig sowohl im Clean als auch im moderaten Hardrockzerre-Bereich unterwegs sein will, hat sich (ungefähr) die Stellung des Bright-Kanalpotis auf etwa 11.00 Uhr und die des Endstufenpotis auf etwa 12-13.00 Uhr bewährt.
    Bei Singlecoils (meiner Strat) beginnt die Zerre etwas später.

    Endstufe:
    Sie trägt meines Erachtens nicht allzu viel zur Zerre bei wenn man nicht bis mindestens 13.00 Uhr dreht. Und selbst dann muss man die Vorstufenröhren noch anfahren. Ich fahr dem Amp aber nie am Anschlag – als Wohnzimmergitarrenspieler ;)

    Vom Klang her ist die Zerre sehr kultiviert, sei es Vorstufe, Endstufe oder beide zusammen. Klar, kräftig, durchsetzungsstark und präsent. Ohne Rotz, Britzeln oder Brutzeln. Okay, wenn ich die Vorstufen sehr deutlich nach rechts drehe… dann geht’s in die Richtung, aber vom Charakter her eher saubere harmonische Verzerrung. Wer bestimmte Charakteristiken darüber hinaus möchte, muss sich Treter besorgen, aber das halte ich bei dem Amp für sowieso verpflichtend wenn man nicht ständig im Proberaum oder auf der Bühne ist.

    Ausführung des Baus / Größe / Gewicht
    Mein Exemplar ist tadellos verarbeitet und kam in einem OVP-Fender-Karton an. Schönes graues Tweed mit einem in Alu gefrästen modernen Fender-Schriftzug. Ziemlich stylish ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Auf „Vintage-Design“ lege ich offensichtlich keinen Wert, ebenso wenig ob einer meiner Gitarrenhelden einen solchen Amp spielt.

    Hat einen gewissen WAF-Faktor. Meine Frau findet ihn trotz der Größe schöner /passender als den Line6 Spider IV 30W den ich vorher hatte und der deutlich kleiner ist. Obwohl eher aufmerksamer Natur hat sie erst nach einer Woche entdeckt dass da ein neuer Amp ist. :D (Den Line6 hatte ich vorher in den Keller geräumt.) Liegt vielleicht am grauen Tweed und dass die Potis oben liegen.

    Schutzmetall an den Ecken fehlt, aber dafür wird eine Staub- oder Transporthülle mitgeliefert. Erwähnenswert ist, dass die Combo oben zwei ovale Öffnungen hat um Wärme abzuleiten. Wer sein Bier oder Wasser gerne mal verschusselt sollte sich eher einen anderen Amp suchen ... Alle Schalter und Potis gehen gut ohne zu leicht bzw. zu schwergängig zu sein. Das LED welches die Betriebsbereitschaft anzeigt, unterscheidet leider nicht zwischen Standby- und Full-Modus, ausserdem ist diese weisse LED, welche unter einem diamantförmig gepressten Glasknauf belegen ist, recht hell, allerdings ohne zu blenden.
    Der Bassbreaker ist ziemlich groß was vor allem den zwei 12'ern geschuldet ist. Höhe und Tiefe entspricht etwa einem großen Reisekoffer - auch das Gewicht! - die Breite begnügt sich mit der eines mittleren Reisekoffers. Ich kann ihn gut tragen am guten Ledergriff, - allerdings würde ich das angesichts der 25 Kg auch nicht unnötig in die Länge ziehen wollen ;)
    Die Box ist hinten geschlossen bis auf zwei kleinere ovale Öffnungen unten und am oberen Rand in der Nähe der Röhren eine durchgehende Gitteröffnung. Lüftung oder halboffene Box-Bauweise? Da bin ich überfragt.


    Wohnzimmereignung

    Bedingt. Wer in einem sehr hellhörigen Mietshaus mit blöden Nachbarn wohnt, darf das Teil nur ein winziges bisschen aufdrehen. Dann ist halt Clean spielen angesagt, trotz der 1W Regelmöglichkeit.
    Trotzdem hat man dann immer noch einen fülligen warmen dreidimensionalen Ton der (mich) begeistert. Die Wände und Gläser im Schrank wackeln halt erst wenn man ein bisschen aufdreht, dann aber zuverlässig…
    Verzerrt spielen auf nachbartauglichen Lautstärken geht daher nur über Zusatzequipment, sprich einem Treter zwischen Gitarre und Amp, der ein separates Volumepoti hat. Ich verwende hierzu untger anderem ein Palmer Mutterstolz (mit einer ECC82 Röhre low Voltage) Dann geht auch bei „Wohnzimmer“ Vintage-Crunch-Zerre und Hardrock nach Bedarf.

    Preis-Leistung
    Für mich sehr gut. Ein guter Röhrenamp mit viel Variabilität und Leistung zu einem fairen Preis. Mit dem Amp muss sich keiner verstecken. Würde ich ihn für den UVP von 1.100 kaufen müssen, müsste ich kurz nachdenken, aber für alles unter € 800 top.

    Treter-Eignung:
    Meines Erachtens hervorragend von clean bis mittlere Zerre (seitens des Amps, mehr habe ich nicht probiert). Ich habe jetzt nicht so die Auswahl. Begonnen habe ich mit einem Harley Benton Vintage Overdrive, was mir letztlich aber für viele Zwecke zu sehr komprimiert und das Grundrauschen deutlich erhöht. Ist okay wenn man einen fetten Overdrive benötigt, aber das geht mit dem später gekauften Palmer Mutterstolz auch und das lässt wesentlich feinere Abstufungen zu. Mit dem HB Vintage Delay verträgt er sich gut obwohl ich schon ein Oceans 11 von EHX im Auge habe …. Meiner Meinung nach gut für Treter geeignet. Ich kann es nicht genau beschreiben, würde das Verhalten aber als „gutmütig“ bezeichnen.

    Bauqualität
    :

    Meines Erachtens solide. Ich hab seit Jahren keine Probleme mit dem Amp, für zwei Gigs ausgeliehen gehabt. Einmal hatte ich allerdings das Phänomen dass er schwach und kraftlos klang nachdem ich ihn eine Weile heiss gefahren hatte und er danach abgekühlt war. Das war aber nur einmal, seitdem ist nichts mehr aufgetreten obwohl ich es schon zu Testzwecken mehrfach drauf angelegt hatte ;). Vielleicht eine ungenügende Lötstelle oder ein schwächelndes Gitarrenkabel? Ich wollte es nur erwähnen. Es SOLL ja mit den Mexico-Bassbreakers immer wieder mal Qualitätsprobleme geben bzw. gegeben haben, vor allem bei den frühen Serien.

    Würde ich ihn wieder kaufen?
    Vermutlich ja. Bin immer noch zufrieden mit dem Kauf. Ich habe ein gut designtes Produkt bekommen welches den Vintagebereich sehr gut abdeckt und lautstärkemässig sehr variabel ist wenn man akzeptiert (was ich vorher wusste) dass man dann Treter davor benötigt wenn es „Zerre“ in sehr leise sein soll oder bestimmte Effekte benötigt werden. Einen FX-Loop oder interne Effekte vermisse ich nicht weil der Amp zu Tretern sehr gutmütig ist und in sich bereits sehr variabel ist (wenns über Wohnzimmerlautstärke geht).
     
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  2. C_Lenny

    C_Lenny Moderator Moderator HFU

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    Erstellt: 20.07.19   #2
    Unser Tipp: Für solche Fälle bietet sich vor dem endgültigen Platzieren in Subforen immer unser LABOR an. Da kann man zeitlich unbegrenzt, sowie für andere (ausser den Mods) unsichtbar sein Manuskript editieren und nach allen Ergänzungen/Korrekturen das Verschieben in das öffentliche Subforum bei uns Mods via "Melden" in Auftrag geben ;).

    LG Lenny
     
  3. chick guevara

    chick guevara Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.07.19   #3
    Mein Tipp, bevor es unter geht.
    Erstmal DANKE fürs tolle und ausführlich Review
     
  4. andiu

    andiu Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.07.19   #4
    Ich reiche ein paar Bilder nach weil ich meinen Startpost nicht mehr editiieren kann.

    aufsicht_bb45.jpg

    Die Aufsicht auf das Controlpanel. Das Übliche :) Schön übersichtlich ohne Schnickschnack.

    bb45-at-home.jpg

    Der Amp in seiner "natürlichen Umgebung" jedenfalls at home.

    fender_bb45_speaker_roehren.jpg

    Das Gitter vor den Röhren und den Speakern. Man sieht die drei Vorstufenröhren und die beiden EL 34 recht gut.

    speaker_panel_bb45.jpg

    Zum Abschluß noch das Panel zum Anschließen von Lautsprechern.

    Wenn Ihr Fragen habt: Immer her damit.

    Danke für die Kekse bisher :)
     
  5. Stratspieler

    Stratspieler Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 22.07.19   #5
    Danke für das Review! :)

    Wenn ich mir die gezeigte Draufsicht so ansehe, dann bin ich allerdings ziemlich erschrocken über die Verarbeitungsqualität des Gehäuses. Saubere und gerade Kanten sehen ebenso wie saubere Verrundungen anders aus. Das ist mit allem Verlaub (!) unter aller Kanone und ich würde das nicht durchgehen lassen. :gruebel:
     
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