[Bass] Ibanez SRT905DX-NTF

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Hoofei
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Kurz zur Vorgeschichte: Ich habe bisher einen 4-Saiter von Yamaha (RBX774) gespielt und mache seit mehreren Jahren Metalcore. Mittlerweile hat der "alte" Bass doch sehr gelitten. Die Elektronik hatte immer mal Aussetzer, die Halterungen für den Gurt waren arg in Mitleidenschaft gezogen und die Töne kamen einfach nicht auf allen Bünden gleichmäßig laut (auch nicht wirklich gut per EQ zu beheben. Es sollte ein neuer her.

Meine Bedingungen waren:
- aktive Humbucker
- 5 Saiten (hatte bisher Drop-C gespielt und wollte die Schlabbersaite nicht mehr)
- Tropenholz für den knackigen und harten Sound (Mahagoni, Bubinga, Ovangkol, Merbau, etc.)
- gleichmäßig lauter Ton über alle Bünde
- KEIN knorriger, trockener Jazz-Sound, der sich durch die E-Gitarren durchschneidet, sondern lebhaft
- zwischen 500 und 1000 Euro
- schlanker Hals zum schnellen Bespielen

Bauweise & Verarbeitung
Der Body ist aus Ovangkol gefertigt. Das ist ein tropisches Hartholz, welches die passenden Klangeigenschaften für einen wuchtigen und aggressiven Sound (präzise und drückend gleichermaßen) mitbringt. Alles wirkt wirklich solide verarbeitet und man merkt dem Bass einfach die höhere Preisklasse an (dazu noch mehr bei der Elektronik). Man hält hier einfach ein wertiges Instrument in der Hand, dass wie aus einem Guss wirkt. Keine harten Grate, sauber verarbeitete Bundstäbe, ein Bund-Inlay eingepasst wie das andere, die Schrauben für den Gurt bombenfest (dazu mehr beim Zubehör) und nichts wackelt oder knarzt.

Ausstattung
Der Bass ist eine Neck-Through-Konstruktion. Das bedeutet, dass der Hals in einem Stück in den Korpus übergeht und hinten nicht verschraubt ist. In der Praxis soll das ein gutes Sustain liefern. Beim Hals hat man auch nicht an Material gespart. Es kommt eine Kombination aus Jatoba und Bubinga zum Einsatz. Bubinga ist ebenfalls ein tropisches Hartholz. Als Brücke kommt die Accu-Cast B25 zum Einsatz. Die ist nicht außergewöhnlich, aber völlig ausreichend. Eine Mono-Rail-Konstruktion sucht man vergebens (ist aber meines Erachtens für diese Musikrichtung nicht unbedingt notwendig, da der Sound eh sehr breit nach vorn drückt). Das wohl schönste Ausstattungsmerkmal betrifft die Tonabnehmer. Hier sind aktive EMG 40DC/P5 verbaut worden. Und das findet man im Preisbereich bis 600/700 Euro definitiv nicht! Die aktive Elektronik benötigt einen 9V-Block. Das Fach dafür ist auf der Rückseite und kann per Hand aufgeklippt werden. Es entfällt also lästiges Aufschrauben, falls der Akku mal auf der Bühne schlappmacht. Außerdem kann man den Sound sehr fein regeln. Es gibt vier Podis. Einer ist für das Master-Volume, einer für die Balance zwischen den Tonabnehmern (stufenlos regelbar!), ein Doppelpodi für die Laustärke der Tiefen/Höhen und ein weitere Doppelpodi für die parametrisch regelbaren Mitten. Stichwort Parametrik: Auch das sucht man in der Einsteigerklasse vergebens, aber man sollte sich schon ausreichend Zeit nehmen, um seinen eigenen Sound zu finden. Mit dem unteren Regler verschiebt man den Frequenzbereich der Mitten, mit dem oberen stellt man deren Lautstärke ein. Das ist ein wenig tricky.

Optik
Der Bass hat ein Naturholz-Finish. Das muss man natürlich mögen. Es ist kein Lack drauf, auch kein Klarlack. Das macht ihn auf der Bühne natürlich etwas empfindlich gegen Flüssigkeiten (aber man spielt ja auch normalerweise nicht im Regen oder Bierregen ;) ). Eine weitere Besonderheit ist, dass dadurch jeder Bass etwas anders aussieht, da die Naturholzmaserung jedes Basses unterschiedlich ausfällt. Die Bilder im Internet treffen zwar die Gesamtoptik des Basses gut (er ist in natura aber dunkler, als es wirkt), aber stellt euch drauf ein, dass eurer vermutlich nicht die durchgehend langen Streifen auf dem Korpus hat. Apropos Holz am Korpus. Das Ovangkol ist ein dunkelbraunes Holz mit fast schwarzen Maserungsstreifen und sieht wirklich edel aus. Dabei ist es erfreulich, dass sich Ibanez entschieden hat, dem Bass schwarze Mechaniken zu verpassen. Silber oder Gold hätten m.E. bei weitem nicht so schick gewirkt. Zu den Mechaniken: Größtes optisches Manko sind die Podis. Sie sind zwar auch schwarz, aber mit Plastik ummantelt. Was hat sich Ibanez dabei bloß gedacht?!? Der ganze Bass wirkt superedel und die Podis wie Spielzeug. Das ist wirklich schade. Der mittlere Teil im Korpus (die Verlängerung vom Hals) hat einen helleren Farbton und hebt sich somit unter den Saiten dezent von der Farbe des Korpus ab. Das sieht man auf der Rückseite noch deutlicher. Hier ist der Farbton dieses Streifens leicht rötlich (wie auch das kleine Stück vorn zwischen dem Hals und dem vorderen Tonabnehmer). Die Kopfplatte lässt mit ihrer schlanken und geschwungenen Form sofort die SoundGear-Reihe erkennen. Geschwungen bzw. gewölbt ist auch der Body auf der Rückseite, so dass er sich dem Bauch ein wenig anpasst (Anspielung auf Bassisten-Klischees?!?).

Zubehör
Ibanez legt bei dem SRT905DX NTF eine originale Ibanez-Tasche und einen Ibanez-Gurt dazu. Leider ist die Tasche nicht gut gepolstert. Ich empfehle, am besten gleich einen passenden Koffer (gibt's auch von Ibanez) dazu zu kaufen (Spätestens wenn ihr ihn selbst in der Hand haltet, möchtet ihr ihn in Watte packen. Glaubt mir)Ich habe mir gleich wieder die Security-Locks dazugekauft, da ich den Bass auf der Bühne ordentlich beanspruche und meinem Gurt 100%ig vertrauen muss. Stichwort Verarbeitung der Gurthalterungen. Hier merkt man deutlich, dass man es mit einem Hartholz zu tun hat. Das Einschrauben neuer Gurthalter geht nicht ohne gewissen Kraftaufwand. Selbst die vorinstallierten Schrauben haben sich mehr als kräftig gewehrt, als ich sie rausschrauben wollte. Als Werkssaiten sind Elixir aufgezogen. Auch hier wurde nicht gespart. Die Saiten haben eine Beschichtung (Nanoweb-Coating), durch die die Saiten langlebiger werden. Sie fühlen sich dadurch weicher an und man kann mit dem Finger schöner drübergleiten, da der Widerstand nicht so stark ist. Für Basser, die gern und häufig mit dem Plektrum spielen, ist das nicht ganz so entscheidend. Außerdem geht die Beschichtung durch das Plektrum sehr schnell ab und hängt in kleinen Fetzen an der Saite.

Bespielbarkeit
Die Soundgear-Reihe (SR/SRT/SRX) ist bekannt für ihre schlanke Bauform. Das Griffbrett ist unwesentlich breiter als bei meinem 4-Saiter. Die Wölbung auf der Rückseite des Halses fällt gering aus. Damit ist er durchaus auch für Leute mit eher kleineren Händen/kürzeren Fingern geeignet. Ich habe zwar große Hände, aber keine Lust ewig weit über Abstände hinweg zu greifen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten! Durch die geringen Saiten-Abstände ist er für Viel-Slapper etwas schwieriger zu handhaben. Also unbedingt an die 5 dichten Saiten gewöhnen oder besser noch, vorher schon ein sehr geübter Slapper sein. Die Saitenlage ist sehr flach (von Werk aus schon fast grenzwertig wegen des Schnarrens). Dadurch ergibt sich natürlich eine sehr schöne und schnelle Bespielbarkeit. Bei meiner Musikrichtung (Metalcore) darf und soll der Bass ruhig mal ordentlich schnarren und knallen. Daher finde ich das eher positiv. Das Gewicht des SRT905DX NTF ist gut austariert. Er hält ordentlich die Waage und ist ganz und gar nicht kopflastig, sondern sehr ausgewogen. Mit knapp 5 Kilo Gewicht gehört er nicht zu den leichtesten seiner Klasse, ist aber keineswegs unangenehm schwer. Die BTB-Reihe bei Ibanez finde ich da wesentlich klobiger und schwerer, weshalb ich die SoundGears jederzeit vorziehen würde.

Der Sound
Kurz: Alles ist möglich. Der SRT905 ist wahnsinnig vielseitig. Vom knarzigen, flachen Punk-Sound über superpräzise knorrige Töne, warmen Jazz-Sound bis hin zu brachialen, knalligen mittenarmen Sounds ist einfach alles drin. Das Sound-Spektrum ist unheimlich vielseitig und will erstmal richtig eingestellt sein. Aber wenn er einmal passt, dann überzeugt er mit gnadenlos konsequenter Soundtreue. Außerdem ist er ziemlich obertonlastig. Dadurch wirkt der Sound sehr füllig und voluminös, allerdings ohne zu matschen. Mir war wichtig, dass er sich nicht zu brutal durch die Gitarren durchschneidet. Ein definierter präziser Ton, der aber gleichzeitig richtig voluminös Kraft hat und einen schönen Teppich für den Gesamtsound in der Band legt. Und das kann er definitiv. Herrlich ist auch, dass der SRT905DX NTF in jeder Saitenlage gleichmäßig laut klingt. Man hört jeden Ton wahrnehmbar heraus, ohne dass es aufdringlich wirkt oder in den Vordergrund drängt. Ich fand den Yamaha RBX774 bisher nicht übel. Aber das ist kein Vergleich. Der SRT905 kommt allein schon wegen des Holzes und der EMGs wesentlich präsenter, fülliger und voluminöser daher. Als ich den Yama neulich wieder angespielt habe, fragte ich mich, wie das bisher war und warum ich Depp das nicht schon vorher mitbekommen habe. Das klang richtig verloren und leblos dagegen.

Fazit
Meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt. Meine Kriterien wurden ausreichend abgedeckt und er entlockt mir immer wieder ein Lächeln, wenn ich ihn anspiele. So viel Spaß beim Üben und mit der ganzen Band hatte ich lange nicht mehr. Es ist wirklich eine Steigerung, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte. Man merkt hierbei deutlich einen Sprung von der 600€-Klasse in die 900€-Klasse. Trotzdem empfehle ich jedem, den Bass selbst anzuspielen und ausgiebig zu testen (insbesondere wegen der geringen Saiten-Abstände). Wem das Spielgefühl gefällt, macht hier wirklich nichts falsch. Der Bass belohnt das immer wieder, so dass man nicht nur einmal mit offenem Mund dasteht, wenn man ihn spielt.

Pro
- sehr gute Verarbeitung
- aktive EMG Pickups
- Neck-Through
- Naturholz-Finish
- sehr vieleitiger Sound
- kraftvoll
- Elixir-Saiten ab Werk
- Tasche und Gurt Standard-Lieferumfang
- schlanker Hals und flache Saitenlage für schnelles Bespielen

Con
- Podis mit billiger Plastikummantelung
- Oberfläche etwas empfindlich (aber superschick!)

Unbedingt antesten! Der Bass ist jeden Cent wert. Er geht als einziger SRT ein wenig im Sortiment unter, was ich schade finde. Er ist ernsthaft ein Geheimtipp in dieser Preisklasse.

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