bedenkliche Stimmstockposition

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weka
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Bei einer ausgeliehenen 39er-Bratsche, die erstaunlich gut klingt, steht der Stimmstock
ca 1 cm Richtung F-Loch von der Außenkante des rechten Stegfußes entfernt. Dabei sollte
er doch noch innerhalb des rechten Stegfußes und 4 mm dahinter stehen.
Deswegen ist auch die Decke in Richtung F-Loch ziemlich hochgedrückt
und der nach unten Richtung Kinnhalter zeigende F-Loch-Bogen ist deutlich eingesunken.
Ob diese Stimmstock-Position durch einen Geigenbauer wegen des Klanges,
der wirklich recht ordentlich ist, schon vor Jahren (8-10?) eingerichtet/ausgesucht wurde, weiß ich nicht.
Meine Frage: Besteht da nicht Riss-Gefahr für die Decke?
Außer Frage steht für mich, dass die Bratsche mal zum Geigenbauer müsste, selbst
wenn das Exemplar nicht besonders wertvoll sein dürfte: sieht nach 20iger Jahre
Fabrikbratsche aus, kein Zettel, Innenklötze nicht gut eingepasst, Adern sehen
aus wie aufgemalt, neben dem Bassbalken sieht man Leimkrusten.
Gruß
Weka
 
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Hi Weka!

Eigentlich ist Deine Frage ja 2 1/2 Fragen. Augenscheinlich ist es so, daß der Stimmstock schlichtweg zu lang ist mit den von Dir beschriebenen Problemen: Ausbuchtung von Decke/Boden an der Stimmstockposition, Einsinken der Decke an einer anderen Stelle, da ist - wie Du richtig angemerkt hast - ganz dringend professionelle Hilfe erforderlich, also schnellstmöglich zum Geigenbauer mit der Bratsche um Schäden abzuwenden, deren Reparatur den Wert des Instruments weit übersteigen würden.

Die andere Frage betrifft die Position des Stimmstocks, die auch in Relation zur Stegposition gesehen werden muß. Steht der Steg richtig, d.h. die Stegfüße sollten mittig zwischen den inneren F-Lockkerben auf eine gedachten horizontalen Linie stehen? Das ist aber nur eine generelle Richtlinie, von der man in geringem Maße aber schon mal abweichen kann. Damit ändert sich aber auch die Position zum Stimmstock. Und natürlich gibt es allgemeine Erfahrungswerte für die Position des Stimmstocks, allerdings kann es davon durchaus mal sinnvolle Abweichungen geben. Letztlich kommt es darauf an - wie in der Musik generell - daß es klingt und nicht, daß Regeln eingehalten werden.

Grüße

Thomas
 
fiddle
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HCA
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Hi weka,

keine Geigenbauer würde einen Stimmstock freiwillig an diese Position stellen, denn
das ist viel zu weit von allem weg, was man in der Ausbildung lernt.

Über die Länge will ich nicht spekulieren - der kann auch zu kurz sein.

Diese Position nahe dem F-Loch / außerhalb des Stegfußes ist für das Instrument
nicht gesund. Der asymmetrische Druck belastet die Decke sehr stark. Die Gefahr ist
groß, daß sich ein sog. Stimmriß bildet und das kann aufwändig und teuer werden.

Ich empfehle, eine neue Stimme bei einem GB einpassen zu lassen.
Den Klang bekommt man auch mit einem richtig stehenden Stimmstock hin, möglicherweise
klingt sie mit einem solchen sogar noch besser.

Die Deckenverformung wird sich wahrscheinlich etwas erholen.

Bei solchen Eingriffen muß man Geduld mit dem Klang haben. Die meisten Instrumente brauchen Zeit,
um sich auf die neuen statischen Druck- und Schwingungsverhältnisse einzustellen.
Möglicherweise muß man die Position auch nach 2 Wochen etwas verändern. Solche Nachjustierungen
sind üblicherweise im Preis für einen neuen Stimmstock mit drin.


cheers, fiddle
 
W
weka
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Vielen Dank für die Antworten, ich werde dem Besitzer der Bratsche die dringende Empfehlung geben,
das Instrument herrichten zu lassen, da es sich wegen des wirklich guten Klanges auch lohnt und
sonst ein ernster Schaden droht. Vielleicht sollte man sofort die Saitenspannung runter drehen.

Der Steg selbst steht bezogen auf die F-Lochinnenkerben richtig, der bassseitige Stegfuß ragt etwas über
den Bassbalken hinaus (3-5 mm), der Steg ist aber trotz meines Aufrichtversuchs
immer noch gegen das Griffbrett hin verzogen.
Gruß
Weka
 

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