Beginn der Mehrstimmigkeit - Gregorianik

von dysfunktion, 28.02.08.

  1. dysfunktion

    dysfunktion Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.02.08   #1
    Hallo miteinander!

    Ich bin in einem sogenannten Abendgymnasium für Berufstätige und in einigen Tagen steht mir eine Musikprüfung bevor. Ich habe für diese prüfung ein Skriptum in die Hand gedrückt bekommen, das ich jetzt selbstständig ohne LehrerIn erlernen muss.
    Und nun hänge ich gewaltig an diesem Part:

    _________________


    Hier der gesamte Text:


    Beginn der Mehrstimmigkeit:

    Die Entstehung der Mehrstimmigkeit bestimmt das Schicksal der abendländischen Musik und grenzt sie zugleich scharf gegen andere Kulturen ab. Die Geschichte der Mehrstimmigkeit steht von ihrem Beginn an in einem naturgesetzlichen, logischen Wachstim. Ihre einzelnen Phasen greifen mit unerhörter Folgerichtigkeit ineinander und verdichten sich zu einem plastischen Gesamtbild.
    Die Grundlage für die Entwicklung der kunstvollen Polyphonie bildet der gregorianische Choral.
    Die erste belegbare Form der abendländischen Musik heißt Organum.


    Hier ist nun eine Notenzeile abgebildet mit dem Titel freies Organum
    Im Internet ist dieses Bild:

    http://www.mu-sig.de/Theorie/Tonsatz/grafik/grafik2/2422-1.gif

    das einzige, das ich finden konnte, das dem Original annähernd enspricht..
    Mit dem Unterschied, dass sich die beiden übereinanderliegenden Noten im Original noch viel extremer aufeinander zu bzw. dann wieder voneinander weg bewegen.





    Bei diesem Beispiel steht noch Note gegen Note (aus der Satzweise punctus contra punctum entsteht der Begriff Kontrapunkt). In der weiteren Entwicklung bewegt sich zum Cantus Firmus, der Tenor genannt wird (tenere=halten), eine frei rhythmisierte Stimme in Melismen zu jeweils einer Note des Chorals. Diese Satzzeichen nannte man "discantieren" (gegen oder auseinandersingen). Daraus entstand der Begriff "Diskant", womit bis um 1600 die Oberstimme gemeint ist. Die Technik womit bis um 1600 die oberstimme von kontrapunktierenden Gegenstimmen umrankt wird heißt cantus-firmus-technik. Sie spielt in den folgenden Jahrhunderten der Musikentwicklung eine besondere Rolle.

    ___________


    Hier nun meine Fragen:

    Was ist nun ein Organum?


    Was ist das für eine exotische schreibweise mit 2 tönen untereinander? Sind hier 2 singstimmen über und untereinandergesetzt oder ist das die instrumentalnotation?

    Der Begriff Kontrapunkt hat meinen Weg nun schon öfter gekreuzt. Und ich hab ihn bis jetzt noch nicht verstanden..also was ist der Kontrapunkt nun?

    Alles klar, Cantus Firmus. Nur wo ist der hier zu sehen? Kann man sich den in der Mitte dieser Notation denken? (Tenor hat hier aber nichts mit dem Stimmfach Tenor zu tun-oder?)

    Was sind Melismen?
    Was soll "zu jeweils einer Note des Chorals" bedeuten?

    Was ist hier jetzt der Diskant? Sind das beide Noten oder nur die obere oder wie..

    _______

    und noch eine unabhängige Frage: in weiterer Folge wird davon gesprochen dass neben dem Organum die Motette eine Gattung der Notre-Dame-Epoche ist. Was ist eine Motette, und wie grenzt sie sich vom Organum ab?

    ________________

    Ich entschuldige mich an dieser Stelle für meine konfusen Fragenstellung- aber um ehrlich zu sein versteh ich praktisch nichts von diesem text.
    Ich habs nun schon mehrfach mit wikipedia etc. probiert-aber alles dort erklärte ist viel zu unpräzise und viel zu schwierig für mich, der ich musiktheoretisch noch nichtmal in den Kinderschuhen stecke.

    Ich bitte euch um eine möglichst einfache Umformulierung dieses Textes und eine nähere - genauso einfache Erläuterung der Fachbegriffe.


    Vielen, vielen Dank im Voraus für eure Bemühungen!!


    Beste Grüße, Daniel
     
  2. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 28.02.08   #2
    Òrganum: zwei stimmen singen parallel im quintabstand
    Was untereinander steht, erklingt gleichzeitig
    Kontrapunkt. die kunst, 2 oder mehr selbständige stimmen zu setzen (punctum=note)
    Cantus firmus: vorlage aus gregorianik, um die sich selbständige stimmen ranken
    Ténor: die stimme, die den cantus firmus singt
    Melisma: mehrere töne auf ein textsilbe, auch auszierung
    Discant: die höchste stimme
    Motette: gesungenes musikstück, cantus firmus mit sich darum rankenden nebenstimmen, die, um sie sangbar zu machen, einen neuen text haben

    Mit dem notenbeispiel kann ich in diesem zusammenhang nichts anfangen, das gehört woanders hin, und ob mittelalterliche musik gut für anfänger ist, bezweifele ich.

    Viel spaß! Am besten, sich solche musik mal anhören!
    Den geschwollenen text brauche ich wohl nicht zu paraphrasieren. Rückfragen? Bitte.
     
  3. dysfunktion

    dysfunktion Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.02.08   #3
  4. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 29.02.08   #4
    "Frei", weil die beiden stimmen mal im einklang, mal in der oktave stehen, mal parallel, mal in gegenbewegung geführt werden. Klingt für unsere ohren nicht so gut, denn die uns wohlklingende terz galt noch als dissonanz. "Faux bourdon" ist aber im anmarsch.
     
  5. marybird

    marybird Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.01.09   #5
    ich weiß nich so recht wo meine frage jetzt eigentlich hingehört.....hallo erstmal! in der schule muss ich einen vortrag über die herausbildung der vokalen mehrstimmigkeit halten, das ist ja ein sehr komplexes thema, was fällt euch da als erstes dazu ein?
    was gibt es, was in den vortrag unbedingt mit rein muss?

    ich habe mich auch schon über parallelorganum usw. informiert, aber was ich noch nich so ganz verstehe sind die bezeichnungen für:

    musica instrumantalis, musica humana und musica mundana,
    Musica et Scolica enchiriadis, Dasia-Notation

    und was hat Guido von Arezzos alles so dazu begetragen??
     
  6. Der Zottel

    Der Zottel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.01.09   #6
    entschuldige bitte, dass ich nichts direkt zum thema beitrage, aber wenn dein vortrag auf diesem text dieser text aufbauen soll, würde ich raten sowas unbedingt vorher herauszuheben und dich davon zu distanzieren. unilinearer evolutionismus und eurozentrismus ist eigentlich schon lange nicht mehr angesagt...

    ich weiß, das war nicht wirklich deine frage, aber vielleicht ist es die erwähnung wert. darf ich fragen von wem der text stammt und vor allem von wann er ist?

    gruß,
    robert
     
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