the flix
HCA PA-Technik
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Wie in diesem Thread erwähnt habe ich mir letztens eine gebrauchte Fender Tele Custom Bigsby zugelegt, die vom Vorbesitzer etwas verbastelt war. Das habe ich zum Anlass genommen, die Elektronik komplett zu überarbeiten und an meine Vorstellungen anzupassen.
Im Laufe des Umbaus bin ich an einigen Themen vorbei gekommen, von denen ich annehme, dass sie auch für andere interessant sein könnten, weswegen ich mein Vorgehen im Folgenden vorstelle.
Die Ausgangslage
Statt des originalen Steg-Singlecoils ist ein Seymour Duncan Little '59 Humbucker in Singlecoil-Format verbaut. Da ich eine brummfreie Gitarre benötige, passt mir das ganz gut.
Der Klang war mir jedoch eine Spur zu mittig und belegt, insbesondere in der Mittelposition. Ich führe das auf 2 Dinge zurück:
Die serienmäßige Verkabelung dieser Gitarre entspricht im Grunde der einer Les Paul. Fender verbaut jedoch im Unterschied zu Gibson 250 kOhm Potis statt 500 kOhm. Je niedriger der Wert des Potis, desto stärker wird die Resonanzfrequenz des Tonabnehmers bedämpft. In der Mittelstellung sind dann noch alle Potis parallel geschaltet, was den Effekt verstärkt.
Die Verkabelung geht vom Tonabnehmer zu den Potis, von dort zum Schalter und dann erst zur Ausgangsbuchse. Da kommt einiges an Kabelweg zusammen. Ab Werk ist dieser mit geschirmtem Kabel ausgeführt, das eine nicht zu vernachlässigende Kapazität aufweisen kann. Leider habe ich dafür nicht das passende Messgerät, um diese Vermutung nachweisen zu können.
Da kein Treble-Bleed verbaut ist, wird der Ton beim Zurückdrehen des Volume-Potis noch dunkler.
Außerdem war die Verkabelung des Stegtonabnehmers etwas merkwürdig. Bei Seymour Duncan ist schwarz der heiße Anschluss und grün kommt zusammen mit dem blanken Draht auf Masse. Hier waren aber grün und blank mit hot und schwarz mit Masse verbunden. Das deutet schon mal auf ein Polaritätsproblem mit dem originalen Halshumbucker hin, das wir später genauer untersuchen werden.
Zuletzt war mir den Tonabnehmerschalter zu leichtgängig.
Der Plan
Um den genannten Punkten entgegen zu wirken, war folgendes geplant:
Die Umsetzung
Als Arbeitsplatz muss meine Kücheninsel herhalten.
Schrauben gibt es viele, eine Magnetschale sorgt für Ordnung.
Vor dem Umbau sah es so unter dem Schaltbrett aus:
Man sieht die langen geschirmten Kabel. Ich finde die Alufolie unter den Potis etwas seltsam, denn so sollte eine Schirmwirkung eher gering ausfallen. Dafür braucht es einen geschlossenen Käfig aus leitfähigem Material.
Die erste Entscheidung war, ob ich die Umschaltung seriell/parallel über Minischalter oder Push-Push-Potis mache. Die Minischalter hätten den Platz zweier Potis eingenommen und ich wäre auf Master-Volume und Master-Tone gegangen. Das hätte so ausgesehen:
Leider wurden die Potiknöpfe ab Werk so aufgeschraubt, dass sie auf dem Schlagbrett schaben und deutliche Spuren hinterlassen haben. Darüber hinaus sind die Minischalter vom Durchmesser her deutlich kleiner, als die Löcher im Schlagbrett und die Unterlegscheibe deckt das Loch nur ganz knapp ab. Aus diesen Gründen habe ich mich gegen diese Option entschieden. Die Umschaltung wird über die Tone-Potis erfolgen, die ich durch 500 kOhm Push-Push-Varianten ersetze.
Als nächstes geht es an den Tonabnehmerschalter. Ich habe einen üblichen Toggle bestellt und erst beim Einbau festgestellt, dass das so nicht passt. Wenn man neu (oben) und alt (unten) gegeneinander hält, sieht man, dass der neue eine Lötöse rechts hat. Und genau die passt nicht in die vorhandene Korpusfräsung:
Nach ein paar wohlgewählten und nicht zitierfähigen Kraftausdrücken habe ich mich kurzerhand für die maximalinvasive Methode entschieden und den benötigen Platz mit dem Bohrer geschaffen:
Man sieht, dass ich ohne Standbohrmaschine arbeite und nicht ganz gerade gebohrt habe. Das wurde dann mit dem Taschenmesser noch etwas ausgebessert (ich weiß, dass das nicht die richtigen Werkzeuge für die Arbeit sind, aber hier musste ich eine Lösung finden). Das Schlagbrett verdeckt alle Sünden und der neue Schalter ist viel knackiger, als der originale. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die langen Kontakte des alten anschaut.
Danach ging es an eine für mich neue Arbeit, das Auskleiden der Fräsungen mit Kupferklebeband. Das war viel Arbeit und ich habe es natürlich geschafft, etwas Blut an die Gitarre zu verlieren. Das Ergebnis sieht so aus:
Die Bohrung für den Schalter war etwas Fummelei, hat aber auch geklappt. Ein Skalpel und das Griffende einer Kuchengabel waren neben der Schere die Werkzeuge der Wahl für diesen Abschnitt.
Sinnvollerweise muss der Schirmkäfig geschlossen werden, also bekam auch das Schlagbrett diese Behandlung:
Die Fräsung für den Steghumbucker habe ich nicht geschirmt, da sie durch den Tonabnehmer selbst immer ein "Einfallstor" für elektromagnetische Wellen bleiben wird und das Tonabnehmerkabel selbst schon geschirmt ist.
Kommen wir jetzt zu den Tonabnehmern und dem Thema Polarität. Um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, habe ich mir eine Messmethode hierfür einfallen lassen. Dafür wird ein Klinkenkabel am Tonabnehmer angeschlossen:
Hier ist schwarz vom Fender-HB an Tip und braun an Sleeve (Masse) angeschlossen. Der Klinkenstecker kommt an den Eingang eines Audiointerfaces, in meinem Fall ein RME Babyface. Dann benutze ich REW und darin das Oszilloskop. Wenn ich mit einem metallischen Gegenstand auf die Pole des Tonabnehmers klopfe, wird der elektrische Impuls aufgezeichnet. Das sieht dann so aus:
Wie wir sehen, geht hier der Impuls nach unten. Wenn ich dagegen beim Little '69 schwarz mit Tip und grün mit Masse verbinde, geht der Impuls nach oben:
Also muss einer der beiden Tonabnehmer anders herum verdrahtet werden. Da ich sowieso ein neues 4-adriges Kabel an den Fender-HB anbringen musste, um die seriell/parallel Umschaltung möglich zu machen, wurde das so gelöst:
Der Seymour Duncan bekam auch noch eine neues Kabel, diesmal mit korrekter Belegung. Außerdem wurde direkt die Masseverbindung zum Pickuprahmen mit angeschlossen. Wie die Klangbeispiele später zeigen, stimmt die Polarität der Tonabnehmer in der Mittelstellung mit dieser Verdrahtung überein.
Für etwas mehr Ordnung kamen Kabelführungen zum Einsatz. Der Kanal zu den Potis ist recht schmal, weswegen die Klebesockel mit Löchern für Kabelbinder nicht passen.
Die Tone-Kondensatoren musste ich von den alten Potis auf die neuen umbauen. Leider hat Fender den Draht durch die Lötöse gewickelt, sodass ich schlussendlich keine andere Lösung gefunden habe, als den Seitenschneider an selbiger anzusetzen.
Die Verdrahtung zum und vom Schalter erfolgt über ungeschirmtes Kabel. Die Kupferfolie übernimmt ja schon die Schirmung und auch die Masseverbindung. So langsam nahm die Verdrahtung Gestalt an:
Durch die Schirmfolie ist es auch nicht nötig, die Potis durch weitere Kabel an Masse anzubinden. Natürlich habe ich diese Verbindungen nachgemessen und die Werte waren alle so niederohmig, wie man es mit einem Handmultimeter messen kann. Hier sieht man die Verdrahtung der Push-Push-Potis im Detail. Im "unten" Zustand sind die Tonabnehmer seriell geschaltet und "oben" sind die Spulen parallel verbunden. Ebenso sieht man die 470 pF Kondensatoren des Treble-Bleeds.
Am Ende erfolgte der erste Funktionstest durch die Messung der DC-Widerstände in allen Schalterstellungen. Und dankenswerterweise funktionierte alles sofort:
Und so war alles wieder verbaut und man sieht außer dem jetzt schwarzen Toogle-Tip keinen direkten Unterschied zum Ausgangszustand.
Das Ergebnis
Um die Auswirkung des Umbaus etwas festhalten zu können, habe ich ein paar Aufnahmen vorher und hinterher gemacht. Es sei gleich gesagt, die folgende Vergleiche halten keine wissenschaftlichen Standards ein. Ich habe zwar dieselben Saiten verwendet, aber die Tonabnehmerhöhen nicht penibel exakt gleich eingestellt. Außerdem lagen zwischen den Aufnahmen einige Tage. Und meine Fähigkeiten als Gitarrist sind auch nicht so, dass ich Dinge mehrfach hintereinander identisch spielen kann. Ich habe auch keinen Klick verwendet.
Aber genug der Ausreden, zieht eure eigenen Schlüsse aus dem, was es hören gibt.
Die Aufnahmen wurden mit meinem Peavey Classic 30 und einer Ox Box in eine Wink Compact und von dort über AES gewandelt auf S/PDIF ins Babyface übertragen und mit Reaper aufgezeichnet. Alle Spuren wurden hinterher mit demselben Gain verstärkt, sind also nicht individuell normalisiert. Das heißt, die Lautstärkeunterschiede zwischen seriell/parallel sind erhalten.
Clean Halshumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Clean beide Humbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau beide seriell, Hals seriell Steg parallel, Hals parallel Steg seriell, beide parallel)
Clean Steghumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Wampler Belle (ODR1-Variante) Halshumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Wampler Belle beide Humbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau beide seriell, Hals seriell Steg parallel, Hals parallel Steg seriell, beide parallel)
Wampler Belle Steghumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Ich habe noch weitere Beispiele mit mehr Verzerrung aufgenommen. Damit werden die Unterschiede meiner Ansicht nach kleiner. Bei Interesse lade ich diese auch hoch.
Meine Bewertung
Der Umbau hat mich 2 Tage in Anspruch genommen und vor einige Hürden gestellt. In Summe bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ich meine etwas mehr Höhen im Klang zu hören, als vorher. Außerdem habe ich durch die Parallelschaltung zusätzliche Optionen gewonnen. Sie gefällt mir beim Stegtonabnehmer besser, als am Hals. Die Zwischenposition mit dem parallel Steg und dem seriellen Hals finde ich besonders gelungen. Aber auch der Steg alleine gibt parallel eine gute Figur ab, mit der man einen Tele-Steg-Singlecoil zumindest näherungsweise simulieren kann.
Ich will nicht ausschließen, dass ich die Verdrahtung des Hals-HB nochmal ändere, z.B. auf einen Teilsplit (Split mit Widerstand) oder Power-Tap (Split mit Kondensator). Aber erst mal ist die Gitarre im Proberaum eingezogen und fühlt sich dort wohl.
Exkurs Schirmung
Ich habe noch ein kleines Experiment gemacht, um zu prüfen, ob ich einen Effekt der Schirmung in Bezug auf die Störfestigkeit nachweisen kann. Leider ist mir diese Idee erst nach dem Umbau gekommen. Daher gibt es keine Vergleich vorher/nachher, sondern nur einen Vergleich zu anderen Gitarren. Die Messung erfolgt wieder mit REW. Dieses Mal wird der RTA verwendet. Die Gitarre ist am Audiointerface angeschlossen, ist auf den Stegtonabnehmer geschaltet, aufdreht und liegt einfach nur neben mir am Schreibtisch. Der PC dürfte die stärkste Quelle an elektromagnetischer Störung in der Nähe sein. Der RTA macht eine exponentielle Mittelung (Einstellung 0.97, also recht langsam).
So habe ich 4 Gitarren verglichen:
Das Bild ist auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. Wir sehen ab 2 kHz aufwärts eine breitbandige Störung, die nur die Tele mit Singlecoil einfängt (grün). Die Humbucker-Gitarren sind hier deutlich sauberer. Wenn man will, kann man einen minimalen Vorteil der geschirmten Tele in rot ablesen.
Interessant sind die Unterschiede bei 50. Das ist die "Brummfrequenzen" durch die 50 Hz unseres Stromnetzes, für die Singlecoils an anfälligsten sein sollten. Bei 50 Hz ist die Singlecoil-Tele am schlechtesten. Allerdings gibt es noch weitere spektrale Anteile im LF, bei der teils die Pacifica die höchsten Werte aufweist.
Es ist klar und auch hier ersichtlich, dass sich eine Singlecoil-Gitarre viel mehr Störungen einfängt, als eine Humbucker-Gitarre. Und diese Störungen beschränken sich nicht die Netzfrequenz und deren Harmonische.
Einen eindeutigen Vorteil für die geschirmte Gitarre kann ich hier nicht erkennen. Es ist auch zu beachten, dass diese Messergebnisse nicht stabil waren. Meine Anwesenheit am PC verändert schon das Bild. Daher sollte man nicht zu viel hinein interpretieren. EMV ist leider weder ein einfaches, noch ein immer nachvollziehbares Thema, wie ich aus meiner beruflichen Arbeit aus leidvoller Erfahrung weiß.
In der Anwendung, sprich im Proberaum verhält es sich ähnlich. Die Gitarre ist vergleichsweise ruhig, fängt sich aber auch ein gewisses Maß an den dort leider start vorhandenen Störungen ein. Eine deutliche Verbesserung durch die Schirmung kann ich nicht erleben. Somit beschränkt sich der Mehrwert in diesem Fall auf die vereinfachte Verkabelung durch die Nutzung der Schirmung als Masse-Bus.
Ich schließe mit einem Bild der Gitarre im aktuellen Zustand (Potis in Parallel-Stellung) und bedanke mich fürs Lesen.
Im Laufe des Umbaus bin ich an einigen Themen vorbei gekommen, von denen ich annehme, dass sie auch für andere interessant sein könnten, weswegen ich mein Vorgehen im Folgenden vorstelle.
Die Ausgangslage
Statt des originalen Steg-Singlecoils ist ein Seymour Duncan Little '59 Humbucker in Singlecoil-Format verbaut. Da ich eine brummfreie Gitarre benötige, passt mir das ganz gut.
Der Klang war mir jedoch eine Spur zu mittig und belegt, insbesondere in der Mittelposition. Ich führe das auf 2 Dinge zurück:
Die serienmäßige Verkabelung dieser Gitarre entspricht im Grunde der einer Les Paul. Fender verbaut jedoch im Unterschied zu Gibson 250 kOhm Potis statt 500 kOhm. Je niedriger der Wert des Potis, desto stärker wird die Resonanzfrequenz des Tonabnehmers bedämpft. In der Mittelstellung sind dann noch alle Potis parallel geschaltet, was den Effekt verstärkt.
Die Verkabelung geht vom Tonabnehmer zu den Potis, von dort zum Schalter und dann erst zur Ausgangsbuchse. Da kommt einiges an Kabelweg zusammen. Ab Werk ist dieser mit geschirmtem Kabel ausgeführt, das eine nicht zu vernachlässigende Kapazität aufweisen kann. Leider habe ich dafür nicht das passende Messgerät, um diese Vermutung nachweisen zu können.
Da kein Treble-Bleed verbaut ist, wird der Ton beim Zurückdrehen des Volume-Potis noch dunkler.
Außerdem war die Verkabelung des Stegtonabnehmers etwas merkwürdig. Bei Seymour Duncan ist schwarz der heiße Anschluss und grün kommt zusammen mit dem blanken Draht auf Masse. Hier waren aber grün und blank mit hot und schwarz mit Masse verbunden. Das deutet schon mal auf ein Polaritätsproblem mit dem originalen Halshumbucker hin, das wir später genauer untersuchen werden.
Zuletzt war mir den Tonabnehmerschalter zu leichtgängig.
Der Plan
Um den genannten Punkten entgegen zu wirken, war folgendes geplant:
- Ersatz der Tone-Potis durch 500 kOhm Typen
- Schirmung des E-Fachs und Nutzung der Schirmung als Masse, um geschirmte Kabel zu vermeiden
- Treble-Bleed
- Seriell-/Parallel-Schaltung der Humbucker über Schalter oder Push-Push-Potis
- Korrekte Verkabelung des Steg-Humbuckers unter Berücksichtigung der Polarität beider Tonabnehmer
- Neuer Tonabnehmerschalter
Die Umsetzung
Als Arbeitsplatz muss meine Kücheninsel herhalten.
Schrauben gibt es viele, eine Magnetschale sorgt für Ordnung.
Vor dem Umbau sah es so unter dem Schaltbrett aus:
Man sieht die langen geschirmten Kabel. Ich finde die Alufolie unter den Potis etwas seltsam, denn so sollte eine Schirmwirkung eher gering ausfallen. Dafür braucht es einen geschlossenen Käfig aus leitfähigem Material.
Die erste Entscheidung war, ob ich die Umschaltung seriell/parallel über Minischalter oder Push-Push-Potis mache. Die Minischalter hätten den Platz zweier Potis eingenommen und ich wäre auf Master-Volume und Master-Tone gegangen. Das hätte so ausgesehen:
Leider wurden die Potiknöpfe ab Werk so aufgeschraubt, dass sie auf dem Schlagbrett schaben und deutliche Spuren hinterlassen haben. Darüber hinaus sind die Minischalter vom Durchmesser her deutlich kleiner, als die Löcher im Schlagbrett und die Unterlegscheibe deckt das Loch nur ganz knapp ab. Aus diesen Gründen habe ich mich gegen diese Option entschieden. Die Umschaltung wird über die Tone-Potis erfolgen, die ich durch 500 kOhm Push-Push-Varianten ersetze.
Als nächstes geht es an den Tonabnehmerschalter. Ich habe einen üblichen Toggle bestellt und erst beim Einbau festgestellt, dass das so nicht passt. Wenn man neu (oben) und alt (unten) gegeneinander hält, sieht man, dass der neue eine Lötöse rechts hat. Und genau die passt nicht in die vorhandene Korpusfräsung:
Nach ein paar wohlgewählten und nicht zitierfähigen Kraftausdrücken habe ich mich kurzerhand für die maximalinvasive Methode entschieden und den benötigen Platz mit dem Bohrer geschaffen:
Man sieht, dass ich ohne Standbohrmaschine arbeite und nicht ganz gerade gebohrt habe. Das wurde dann mit dem Taschenmesser noch etwas ausgebessert (ich weiß, dass das nicht die richtigen Werkzeuge für die Arbeit sind, aber hier musste ich eine Lösung finden). Das Schlagbrett verdeckt alle Sünden und der neue Schalter ist viel knackiger, als der originale. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die langen Kontakte des alten anschaut.
Danach ging es an eine für mich neue Arbeit, das Auskleiden der Fräsungen mit Kupferklebeband. Das war viel Arbeit und ich habe es natürlich geschafft, etwas Blut an die Gitarre zu verlieren. Das Ergebnis sieht so aus:
Die Bohrung für den Schalter war etwas Fummelei, hat aber auch geklappt. Ein Skalpel und das Griffende einer Kuchengabel waren neben der Schere die Werkzeuge der Wahl für diesen Abschnitt.
Sinnvollerweise muss der Schirmkäfig geschlossen werden, also bekam auch das Schlagbrett diese Behandlung:
Die Fräsung für den Steghumbucker habe ich nicht geschirmt, da sie durch den Tonabnehmer selbst immer ein "Einfallstor" für elektromagnetische Wellen bleiben wird und das Tonabnehmerkabel selbst schon geschirmt ist.
Kommen wir jetzt zu den Tonabnehmern und dem Thema Polarität. Um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, habe ich mir eine Messmethode hierfür einfallen lassen. Dafür wird ein Klinkenkabel am Tonabnehmer angeschlossen:
Hier ist schwarz vom Fender-HB an Tip und braun an Sleeve (Masse) angeschlossen. Der Klinkenstecker kommt an den Eingang eines Audiointerfaces, in meinem Fall ein RME Babyface. Dann benutze ich REW und darin das Oszilloskop. Wenn ich mit einem metallischen Gegenstand auf die Pole des Tonabnehmers klopfe, wird der elektrische Impuls aufgezeichnet. Das sieht dann so aus:
Wie wir sehen, geht hier der Impuls nach unten. Wenn ich dagegen beim Little '69 schwarz mit Tip und grün mit Masse verbinde, geht der Impuls nach oben:
Also muss einer der beiden Tonabnehmer anders herum verdrahtet werden. Da ich sowieso ein neues 4-adriges Kabel an den Fender-HB anbringen musste, um die seriell/parallel Umschaltung möglich zu machen, wurde das so gelöst:
Der Seymour Duncan bekam auch noch eine neues Kabel, diesmal mit korrekter Belegung. Außerdem wurde direkt die Masseverbindung zum Pickuprahmen mit angeschlossen. Wie die Klangbeispiele später zeigen, stimmt die Polarität der Tonabnehmer in der Mittelstellung mit dieser Verdrahtung überein.
Für etwas mehr Ordnung kamen Kabelführungen zum Einsatz. Der Kanal zu den Potis ist recht schmal, weswegen die Klebesockel mit Löchern für Kabelbinder nicht passen.
Die Tone-Kondensatoren musste ich von den alten Potis auf die neuen umbauen. Leider hat Fender den Draht durch die Lötöse gewickelt, sodass ich schlussendlich keine andere Lösung gefunden habe, als den Seitenschneider an selbiger anzusetzen.
Die Verdrahtung zum und vom Schalter erfolgt über ungeschirmtes Kabel. Die Kupferfolie übernimmt ja schon die Schirmung und auch die Masseverbindung. So langsam nahm die Verdrahtung Gestalt an:
Durch die Schirmfolie ist es auch nicht nötig, die Potis durch weitere Kabel an Masse anzubinden. Natürlich habe ich diese Verbindungen nachgemessen und die Werte waren alle so niederohmig, wie man es mit einem Handmultimeter messen kann. Hier sieht man die Verdrahtung der Push-Push-Potis im Detail. Im "unten" Zustand sind die Tonabnehmer seriell geschaltet und "oben" sind die Spulen parallel verbunden. Ebenso sieht man die 470 pF Kondensatoren des Treble-Bleeds.
Am Ende erfolgte der erste Funktionstest durch die Messung der DC-Widerstände in allen Schalterstellungen. Und dankenswerterweise funktionierte alles sofort:
Und so war alles wieder verbaut und man sieht außer dem jetzt schwarzen Toogle-Tip keinen direkten Unterschied zum Ausgangszustand.
Das Ergebnis
Um die Auswirkung des Umbaus etwas festhalten zu können, habe ich ein paar Aufnahmen vorher und hinterher gemacht. Es sei gleich gesagt, die folgende Vergleiche halten keine wissenschaftlichen Standards ein. Ich habe zwar dieselben Saiten verwendet, aber die Tonabnehmerhöhen nicht penibel exakt gleich eingestellt. Außerdem lagen zwischen den Aufnahmen einige Tage. Und meine Fähigkeiten als Gitarrist sind auch nicht so, dass ich Dinge mehrfach hintereinander identisch spielen kann. Ich habe auch keinen Klick verwendet.
Aber genug der Ausreden, zieht eure eigenen Schlüsse aus dem, was es hören gibt.
Die Aufnahmen wurden mit meinem Peavey Classic 30 und einer Ox Box in eine Wink Compact und von dort über AES gewandelt auf S/PDIF ins Babyface übertragen und mit Reaper aufgezeichnet. Alle Spuren wurden hinterher mit demselben Gain verstärkt, sind also nicht individuell normalisiert. Das heißt, die Lautstärkeunterschiede zwischen seriell/parallel sind erhalten.
Clean Halshumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Clean beide Humbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau beide seriell, Hals seriell Steg parallel, Hals parallel Steg seriell, beide parallel)
Clean Steghumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Wampler Belle (ODR1-Variante) Halshumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Wampler Belle beide Humbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau beide seriell, Hals seriell Steg parallel, Hals parallel Steg seriell, beide parallel)
Wampler Belle Steghumbucker (vor dem Umbau, nach dem Umbau seriell, parallel)
Ich habe noch weitere Beispiele mit mehr Verzerrung aufgenommen. Damit werden die Unterschiede meiner Ansicht nach kleiner. Bei Interesse lade ich diese auch hoch.
Meine Bewertung
Der Umbau hat mich 2 Tage in Anspruch genommen und vor einige Hürden gestellt. In Summe bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ich meine etwas mehr Höhen im Klang zu hören, als vorher. Außerdem habe ich durch die Parallelschaltung zusätzliche Optionen gewonnen. Sie gefällt mir beim Stegtonabnehmer besser, als am Hals. Die Zwischenposition mit dem parallel Steg und dem seriellen Hals finde ich besonders gelungen. Aber auch der Steg alleine gibt parallel eine gute Figur ab, mit der man einen Tele-Steg-Singlecoil zumindest näherungsweise simulieren kann.
Ich will nicht ausschließen, dass ich die Verdrahtung des Hals-HB nochmal ändere, z.B. auf einen Teilsplit (Split mit Widerstand) oder Power-Tap (Split mit Kondensator). Aber erst mal ist die Gitarre im Proberaum eingezogen und fühlt sich dort wohl.
Exkurs Schirmung
Ich habe noch ein kleines Experiment gemacht, um zu prüfen, ob ich einen Effekt der Schirmung in Bezug auf die Störfestigkeit nachweisen kann. Leider ist mir diese Idee erst nach dem Umbau gekommen. Daher gibt es keine Vergleich vorher/nachher, sondern nur einen Vergleich zu anderen Gitarren. Die Messung erfolgt wieder mit REW. Dieses Mal wird der RTA verwendet. Die Gitarre ist am Audiointerface angeschlossen, ist auf den Stegtonabnehmer geschaltet, aufdreht und liegt einfach nur neben mir am Schreibtisch. Der PC dürfte die stärkste Quelle an elektromagnetischer Störung in der Nähe sein. Der RTA macht eine exponentielle Mittelung (Einstellung 0.97, also recht langsam).
So habe ich 4 Gitarren verglichen:
- Tele wie hier beschrieben Humbucker mit Schirmung (rot)
- Squier Paranormal Tele, Singlecoil ohne Schirmung (grün)
- Yamaha Pacifica, Humbucker mit unterschiedlichen Spulen, E-Fach mit schwarzem Lack, Schirmwirkung unbekannt (blau)
- Epiphone Riviera, Humbucker ungeschirmt (orange)
Das Bild ist auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. Wir sehen ab 2 kHz aufwärts eine breitbandige Störung, die nur die Tele mit Singlecoil einfängt (grün). Die Humbucker-Gitarren sind hier deutlich sauberer. Wenn man will, kann man einen minimalen Vorteil der geschirmten Tele in rot ablesen.
Interessant sind die Unterschiede bei 50. Das ist die "Brummfrequenzen" durch die 50 Hz unseres Stromnetzes, für die Singlecoils an anfälligsten sein sollten. Bei 50 Hz ist die Singlecoil-Tele am schlechtesten. Allerdings gibt es noch weitere spektrale Anteile im LF, bei der teils die Pacifica die höchsten Werte aufweist.
Es ist klar und auch hier ersichtlich, dass sich eine Singlecoil-Gitarre viel mehr Störungen einfängt, als eine Humbucker-Gitarre. Und diese Störungen beschränken sich nicht die Netzfrequenz und deren Harmonische.
Einen eindeutigen Vorteil für die geschirmte Gitarre kann ich hier nicht erkennen. Es ist auch zu beachten, dass diese Messergebnisse nicht stabil waren. Meine Anwesenheit am PC verändert schon das Bild. Daher sollte man nicht zu viel hinein interpretieren. EMV ist leider weder ein einfaches, noch ein immer nachvollziehbares Thema, wie ich aus meiner beruflichen Arbeit aus leidvoller Erfahrung weiß.
In der Anwendung, sprich im Proberaum verhält es sich ähnlich. Die Gitarre ist vergleichsweise ruhig, fängt sich aber auch ein gewisses Maß an den dort leider start vorhandenen Störungen ein. Eine deutliche Verbesserung durch die Schirmung kann ich nicht erleben. Somit beschränkt sich der Mehrwert in diesem Fall auf die vereinfachte Verkabelung durch die Nutzung der Schirmung als Masse-Bus.
Ich schließe mit einem Bild der Gitarre im aktuellen Zustand (Potis in Parallel-Stellung) und bedanke mich fürs Lesen.