Besser werden (ein paar Fragen)

von I.am.the.hype, 11.03.17.

  1. I.am.the.hype

    I.am.the.hype Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.03.17   #1
    Hallo Leute,

    ich habe mir ein paar Fragen bezüglich ''Fortschritte machen'' gestellt und hoffe, dass ihr diese eventuell beantworten könnt.^^

    1.) Neben dem Erlernen von Neuem fällt mir immer wieder auf, dass das Behalten von bereits Gelerntem mindestens genauso wichtig ist.
    Oft spiele ich Lieder, die ich schon mal vor gewisser Zeit gespielt habe und habe Probleme mich wieder in diese hineinzuversetzen.
    Der Vorteil von dem ehemals Gelernten ist natürlich, dass man es sehr viel schneller geht, es wieder aufzuarbeiten
    (nach dem ersten Versuch drüber schlafen und man erinnert sich auf einmal beim nächsten Versuch schon wieder an viel mehr).
    Ich will aber nach Möglichkeit versuchen diese Leerlaufzeit zu überbrücken, geht das überhaupt?
    Damit meine ich natürlich nicht, mir jedes Lied was ich jemals gespielt habe zu merken, eher meine ich bestimmte Techniken, Bewegungsabläufe, etc.
    Also: Gibt es eine sinnvolle Möglichkeit dafür, das was man schon kann zu behalten? :D

    2.) Es gibt unwahrscheinlich viel was man lernen könnte, ob man nun nach Genres oder was auch immer unterscheidet.
    Dafür gibt es verschiedenste ''Lernfelder'' welche unabhängig von dem was man spielt, immer eine gewisse Rolle haben.
    Damit meine ich zum Beispiel Theorie, Technik, Koordination, Timing oder auch Kreativität.
    Wie wichtig würdet ihr diese einzelnen Aspekte wichten, welche Lernfelder gibt es bzw. was sollte man regelmäßig üben?

    3.) Das Pensum von dem was man sich an Fähigkeiten aneignen kann, ist immens. Ich persönlich will so viel wie möglich lernen.
    Dabei hilft aber nicht nur das Üben an sich sondern die Umsetzung ist auch sehr entscheidend. Man muss fokussiert und gezielt üben.
    Aber wie kann man möglichst produktiv Fortschritte machen, wäre eine Art Trainingsplan am sinnvollsten?

    4.) Oft habe ich das Problem der Tagesform.
    Das heißt, dass, weil ich müde, ein bisschen wütend oder traurig etc. bin, mein Spielen oftmals mehr oder weniger stark darunter leidet.
    Das Gegenteil gibt es natürlich auch. Dabei frage ich mich wo das realistische Mittel zwischen sich selbst schlecht reden und Überschätzung ist.
    Hauptsächlich meine ich aber was man gegen die negativen Einflüsse unternehmen kann.
    Jeder ist natürlich mal schlecht gelaunt aber gibt es Möglichkeiten sich trotzdem zumindest nicht allzu sehr davon hindern zu lassen?
    Was kann man dagegen unternehmen?


    Ich hoffe das ist nicht zu viel bzw. überhaupt beantwortbar. :D
    Trotzdem bedanke ich mich schon mal für jeden, der sich zu Wort meldet. :)
     
  2. joerchtee

    joerchtee Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.03.17   #2
    Jau...
    das stimmt, je weiter man auf der leiter des könnens nach oben steigt, umso klarer wird das man nicht alles lernen kann.
    So kommt mir das zumindest vor ;-)
    Gibt immer wieder was, von dem ich denke das es toll wäre das zu können - wenn du das dann kannst, öffnen sich wieder vier neue türen die dir wieder was ganz anderes zeigen.
    Meiner meinung nach, als semi-profi, amateur etc...
    dran bleiben, seine buchtabensuppe üben / paradiddles undsoweiterundsofort - und sich ein grosses a b c zusammen bauen.
    Ich zb habe nach dreissig jahren die paradiddle für mich wieder entdeckt, doubbles single stroke etc.
    Das is material in alles varianten und möglichkeiten für mehrere leben.
    Hab in einem anderen forum dazu schon geschrieben, nach drei jahren kriege ich den six-stroke roll schnell und flüssig auf's set übertragen

    Ja, man kann auch mit 52 lenzen noch was lernen

    *g*

    Joerch
     
  3. Armin Sommer

    Armin Sommer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.17   #3
    Hi Mr Hype :-)

    Hm.....ich denke ich weiß was Du meinst. Ich denke jeder, der durchs "tiefe Tal" ist hat das so oder ähnlich erlebt und zwischendrin gedacht er hätte alles vergessen, oder den Überblick über das verloren, was er bereits gelernt zu haben glaubt.

    Darf ich ein bisschen ausholen ?

    Erstmal merkt sich unser Gehirn nicht, was es alles weiß und kann ... Klingt komisch, is aber so. Denks mal umgedreht und probier mal etwas zu spielen, was Du noch nicht gelent hast. Da wirste wahrscheinlich erstmal suchen gehn, was Du noch nicht weißt und kannst. Machs einfach mal. Du wirst feststellen, daß Du gar nicht weißt was Du nicht kannst, weil das nirgendwo in Deinem Gehirn gelistet ist.

    Wenn Du jetzt hingehst, und Dir aus irgendwoher so eine Liste erstellst, indem Du Dir zu erledigende Aufgaben einteilst, stellst Du Dein Gehirn vor eine unlösbare Aufgabe.
    Natürlich kannste versuchen schneller zu werden und exakter, also die messbaren Parameter abzulaufen, ich rate Dir aber dringend davon ab.

    Übe Tagesform in feels auszudrücken. Nimm einen Beat oder Groove, den Du sicher drauf hast und spiel den müde wenn Du müde bist. Spiel ihn "laid back" und entspannt wenn Du ausgeschlafen bist. Wenn Du das mal ne Zeit geübt hast, dann kannste im Repertoire Deiner feels, die irgendwo im Gehirn gespeichert sind abrufen was Du brauchst. Dann kannste ausgeschlafen spielen, selbst wenn Du müde bist.

    Der Punkt dabei ist, der quasi mitgelernt wird, heimlich vom Gehirn (heimlich isses besonders gut!;-) daß es aufnahmebereit und vernetzungsbereit wird. Das heißt einzelne Muster können sich so über den Abruf "spiele feels" kombinieren.

    Ansonsten und allgemein gilt. Trainiere locker und ohne Erfolgsdruck rudiments, Bewegungsabläufe, Unabhängigkeit (oben Unten / Rechts Links / über kreuz)...langsam. Immer nur eine Sache. Auch wenn das am nächsten Tag schlechter wird, oder schwer fällt. Das Gehirn hat es sich gemerkt. Irgendwo...im Hirnchaos isses. Wenn Du es brauchst isses da. Mach Dir keine Sorgen.
    Bleib entspannt, vertraue Deinem Rechner zwischen den Ohren, (bisher is der noch nicht annähernd nachgebaut worden)

    Und ja, geh auf die Bühne.... Da kommts dann ;-)
     
  4. hrawth

    hrawth Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.03.17   #4
    Hallo, I.am.the.hype!

    Ich glaube, das Problem kennt jeder, der alleine oder mit seiner Band zusammen Lieder wieder ausbuddelt, die man/alle schon lange nicht mehr gespielt hat/haben. Das geht bei den individuellen Spielmustern/Noten los und hört längst nicht beim Arrangement auf. Die sinnvollste Möglichkeit ist meiner Erfahrung nach: Öfter mal was Altes! :) Wenn man das Zeug denn wirklich noch spielen will, einiges erledigt sich durch den eigenen/gemeinsamen musikalischen Fortschritt von selbst, und das muss man sich dann ja wirklich nicht krampfhaft wieder draufschaffen...

    Wie meine Vorredner schon schrieben, ist alles irgendwie wichtig. Wenn ich noch mal von vorne mit dem Drummen beginnen könnte, würde ich es genau so machen, wie es von der Mehrzahl an Schlagzeuglehrern empfohlen wird: Mindestens die Hälfte, besser sogar drei Viertel meiner täglichen Spielzeit die Grundlagen (Rudiments, Koordination/Unabhängigkeit) zum Metronom üben und den Rest der Zeit als Ausgleich das spielen, worauf ich gerade Bock habe. Wenn man nicht von Natur aus besonders kreativ ist - auch das kommt unter Musikern vor -, dann helfen gute Grundlagen immens beim Formen und Ausbauen des eigenen Stils, weil man so mehr Vokabeln der Sprache "Drumming" beherrscht.

    Das kommt auf dich selbst an. Rede doch mal darüber mit (d)einem Schlagzeuglehrer, vielleicht erarbeitet ihr dann ja sofort einen Trainingsplan zusammen.

    Ich kenne Drummer, bei denen die Tagesform kaum eine Rolle zu spielen scheint, die shredden und choppen immer geil, selbst wenn sie gerade aus ihrem wegen Erkältung längst überfälligen, Paracetamol-umnebelten Nickerchen im Tourbus geweckt worden sind und sofort auf die Bühne stolpern müssen. Die selbst sagen nach solchen Gigs gerne, dass sie sich heute unfassbar scheiße gefühlt und "alles verzockt" haben, was mich immer ein wenig neidisch (und wütend ;)) macht... Mir hat es sehr zum Lockerwerden sowohl beim Spielen als auch bei meiner Selbstbeurteilung verholfen, dass ich das Zeug, das ich live unbedingt rüberbringen will, so lange übe, bis ich es wie die gerade angesprochenen Drummer im Schlaf und bei 40°C Fieber runterrattern kann, ohne dass es mich anstrengt oder ich darüber nachdenken muss. Da muss man mitunter auch mehrmals zwischendurch auffrischen, weil es eben immer diesen einen Song gibt, der a) sooo verdammt schwer ist, b) eher selten gespielt wird, aber dann eben sitzen muss, oder c) beides. Zur Not heißt das auch, einen eigentlich bereits "verdauten" Song ein paar (oder mehr) BPM langsamer Part für Part durchzuexerzieren und die Geschwindigkeit wieder nach und nach zu steigern. Das nervt zwar ungemein, belohnt am Ende aber mit "Muscle Memory", die dich wie einen echt routinierten Könner da stehen (und auch so fühlen) lässt... :D
     
  5. I.am.the.hype

    I.am.the.hype Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.17   #5
    Danke für die hilfreichen Antworten.^^
    Ich denke, ich befinde mich schon auf einem ziemlich guten Weg aber etwas externe Inspiration ist immer sehr nützlich.
    Zu mir: spiele seit ca. 8 Jahren, übe jeden Tag 2h und bin Autodidakt. :D

    Ersteres kann man wohl einfach nicht verhindern. Da muss man wohl abwägen dazwischen wie wichtig es ist etwas zu behalten oder etwas Neues dazu zu gewinnen.

    Zweiteres muss wohl einfach jeder selbst entscheiden - was einem am wichtigsten ist.

    Zur dritten Frage halte ich es vllt. bei der Zeit, die ich investiere, doch für sehr sinnvoll zumindest eine Art Trainingsplan zu entwerfen. (habe und hatte nie Schlagzeugunterricht)

    Viertens: hier bin ich am dankbarsten für eure Antworten. :)
    Ich muss mich (ist ja eher selten so aber manchmal ist man einfach schlecht drauf) auch meiner Form und Stimmung anpassen.
    Vielleicht spielt man auch gar nicht so schlecht wie man annimmt und nur dadurch, dass man schlecht drauf ist, redet man sich das ein.
    Das habe ich letztens bei einer Aufnahme gemerkt.

    Hier noch ein paar andere Quellen (falls es euch interessiert), die mir auch sehr geholfen haben (englisch):


     
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  6. Armin Sommer

    Armin Sommer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.03.17   #6
    Nimm doch einfach Unterricht. Da dürften sich einige Deiner Fragen und auch Deiner selbst erstellten Antworten ohnehin erledigt haben. Und nen Trainingsplan krigste da auch. Das Schöne daran ist obendrein, daß Lehrer und Schüler zwei unterschiedliche Personen sind, die sich dann bei der Bewertung nicht im Wege stehn :-)
     
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  7. lightsrout

    lightsrout Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.04.17   #7
    Hi Hype!

    Das wichtigste ist immer das du Spaß daran hast. Ich spiele mittlerweile seit 10 Jahren Schlagzeug und habe mich nie gefragt ob meine Tagesverfassung mein Schlagzeugspiel beeinflusst. Ganz im Gegenteil, ich habe meine Gefühle eher am Schlagzeug ausgelassen. Ich kann mich noch gut an meine erste Trennung bzw. vor allem an die Songs die ich danach gespielt habe erinnern. ;)

    Also 1.)
    Wichtig ist das du gut zuhörst. Das heißt, das du deine Musik aufmerksam hörst und verfolgst was genau gespielt wird, wie die Musiker es spielen und wie es sich zusammenfügt. Dadurch kannst du sehr viel lernen und bildest gleichzeitig einen eigenen Stil, nämlich durch die reine Auswahl der Musik. Ich finde es immer gruslig, dass ich mich noch genau an die Fills von dem einen Song erinnern kann den ich vor 5 Jahren das letzte mal gehört hab. Bewusst "gelernt" hab ich den Song dabei nie, aber ich habe ihn damals aufmerksam gehört (und geliebt).

    Weiters ist es wichtig dir selbst beim spielen zuzuhören. Hör hin ob du die Snare in der Mitte schlägst. Hör hin wo dein Becken am Besten klingt. Hör hin ob du hektisch oder laid back spielst (oder spielen solltest). Auch dein Gehör bildet sich weiter!
    Benny Greb kann dazu viel sagen. Ich verlink ein paar Videos die dir helfen können weiter unten!

    2) Die wichtigsten Punkte und vor allem diejenigen die man bewusst lernen kann sind mMn. eh schon die die du gennant hast. Ich würde zu Timing auf jeden Fall noch "Pocket" dazulegen. Damit mein ich das man ein Gefühl für Takte und Subdivisions entwickelt und den inneren Puls richtig fühlen kann! Was ich noch hinzufügen würde ist, dass du als Schlagzeuger immer Musik machst. Es können also auch Themenbereiche hilfreich sein die nicht direkt mit einer schwingenden Membran zu tun haben, zB. Gehörbildung, Tonlehre, Songwriting, Akustik, arbeiten mit anderen Musikern etc.

    3) Ich wollte auch immer besser werden, habe mich allerdings nie zum Schlagzeug spielen gezwungen. Nach den ersten 4 Jahren mit Unterricht habe ich beschlossen aufzuhören und mich selber weiterzubilden. Das wöchentliche lernen von irgendwelchen Übungen war einfach nicht meins. Dafür setze ich mich gerne selber mit dem Übungspad oder mit Backingtracks hin und versuche an meinem Spiel zu arbeiten. Inspiration gibt es von Youtube, DVD's oder sogar von anderen Musikern. Wenn ich keine Lust mehr hab hör ich auf. 10 Minuten pro Tag reichen da auch mal; man muss nicht völlig konsequent sein. Wenn es einem Spaß macht sitzt man eh ständig dabei! ;)

    Am Ende muss dir klar sein das du beim erlernen eines Instruments nie an ein Ende stoßen wirst. Du wirst dir immer neue Ziele setzen und dir immer so vorkommen als ob du zu schlecht wärst. Erst wenn man zurückschaut merkt man was man alles erreicht hat. Der Weg ist das Ziel. Und es ist ein schöner Weg!

    Alles Gute!

    PS: die versprochenen Videos! Life-Lesson von Benny Greb, Super Übungen von Thomas Pridgen, Technik mit Jojo
    --- Beiträge zusammengefasst, 18.04.17 ---
    Hab das leider erst jetzt gelesen. Speziell am Anfang ist es sehr wichtig einen Lehrer zu haben der dir zusieht und dir sagt ob du richtig sitzt, die Sticks richtig haltest und die Bewegungsabläufe schön machst. Wenn du dir nicht gleich Unterricht nehmen willst dann investier in eine einzelne Stunde bei einem privaten Lehrer und spiel ihm einfach etwas vor. Wenn er weiß was er tut kann er dir sofort sagen was du richtig machst und wo du dich noch verbessern musst.
     
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  8. thorkopf

    thorkopf Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.06.17   #8
    Eine der besten Fragen überhaupt :great:

    Hierzu kann ich Dir folgendes sagen:

    Zu 1. Ja, gibt es - weiter spielen. Alles was du machst, wird dein Hirn abspeichern. Geh mal davon aus, dass ein Teil deines Kopfes null Bock hat, irgendetwas dieser Art zu lernen. Aber ein Teil sagt auch voller Ehrgeiz und Kreativität, ich will das jetzt können. Also setzt du dich ans Set und fängst an zu spielen. Du bearbeitest beispielsweise einen komplizierten Groove. Du darfst dann nicht vergessen, das dein Kopf immer etwas Zeit zum verarbeiten braucht. Meistens ist es nämlich so, dass nach einer kurzen Abstinenz die Dinge besser laufen und sozusagen verinnerlicht werden. Dies geschieht durch Wiederholungen, also üben. Denn es ist auch so, dass wenn bestimmte Dinge eine Zeitlang nicht abgerufen werden, das ganze, sagen wir mal in eine Art Aktenschrank verschwindet, weil das Hirn es nicht für notwendig hält, diese Sachen ständig bereitzuhalten - da ist es sehr effizient und auf das notwendigste dezimiert. Hier kommt jetzt der Wiederholungseffekt zum tragen. Übe einfach mal alte Sachen zwischendurch, denn dann wird es wieder aktuell und du wirst sehen, dass du sie schneller abrufen kannst. Bau sowas in deinen Übungsplan mit ein.
    Zu 2. a) Theorie b) Technik c) Koordination d) Timing e) Kreativität - alles wichtig und gut. Ich fange immer an mich aufzuwärmen. Tägliche rudimentäre Übungen auf der Snare. Dann etwas mit den Füßen. Danach gehe ich meistens zu einem speziellen Musikstück über, was ich gerne lernen möchte. Aber in dem Wissen s. o. treibe ich das nicht zu weit. Nächster Schritt wäre dann ein bekanntes Musikstück was mir gefällt zu begleiten - also eine Art play along. Danach nehme ich mir Zeit, eigene Dinge, die mir einfallen zu spielen. Ganz am Schluss spiele ich nochmal das, was ich eigentlich lernen wollte aber noch nicht umsetzen kann, einfach um meinem Kopf zu sagen, hallo - das merke dir mal bis zum nächsten mal.
    zu 3. Ja, einen gewissen Plan zu haben ist hilfreich und sollte diszipliniert verfolgt werden. Aber ich lese auch daraus, dass du sehr ambitioniert bist. Das ist gut aber du läufst auch Gefahr, dich zu vergaloppieren. Hab Geduld mit Dir und denke immer daran - Schlagzeuger denken nicht in Wochen oder Monate, sie denken in Jahren. Der ziemlich abgegriffene Begriff vom Weg und dem Ziel ist hier richtig angebracht und glaube mir, ich habe schon viele sehr tiefe Täler durchschritten indem ich gedacht habe, das hat doch alles keinen Sinn. Irgendwann ging es dann aber weiter und besser als vorher, sodass ich mir gesagt habe, ich muss mich einfach immer wieder daran erinnern, dass es nach einem Tal wieder ein Berg gibt und es einfach Höhen und Tiefen gibt. Wenn solche Zeiten angebrochen sind, mache ich regelmäßig ganz bewußt einen Schritt zurück und konzentriere mich auf planvolles ganz rudimentäres üben. Dann ist auch ein guter Zeitpunkt gekommen, die alten Stücke hervorzuholen.
    Zu 4. Die liebe Tagesform - glaube mir, das ist so normal wie der Sonnenaufgang. Schlagzeugspielen hat einen sehr meditativen Charakter. Nach einem anstrengenden, vielleicht auch nicht erfreulichen Tag am Schlagzeug zu sitzen und sich bewusst zu werden, dass nun eine Zeit ist, sich mal um sich selbst zu kümmern, ist einfach klasse. Durch die Konzentration auf das Spiel, rücken andere Erlebnisse weiter weg. Auch hier gilt, sich nicht von negativen Dingen treiben zu lassen und sich zu konzentrieren, auch oder gerade deshalb, wenn es schwerfällt.

    Noch ein paar Worte zu den Meistern unseres Fach. Denke immer daran, dass es sich hierbei um Berufsmusiker handelt. Die verdienen ihr Brot damit. Und jetzt stell Dir mal vor, du würdest statt acht Stunden in die Arbeit zu gehen, acht Stunden täglich an deiner Schießbude sitzen. Noch Fragen? Ich halte nichts davon die besten 10 Drummer der Welt aufzulisten. Das ist einfach ein Geschäft, wie jedes andere auch. Ich habe Schlagzeuger gesehen, die waren alles andere als bekannt und so was von gut. Nur die kannte kein Mensch. Es ist also alles ein Geschäft wo vermarktet und Geld gemacht wird. Leider hat dies nicht unbedingt immer etwas mit der Liebe zu unseren Trommeln und der Musik zu tun. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich die Ikonen nicht verehre aber es ist halt auch eine etwas andere Sicht auf die Dinge. Ein Instrument zu spielen kann eine der schönsten Nebensächlichkeiten sein die es so gibt und für die man Zeit so schön verschwenden kann.

    Hoffe Du kannst damit was anfangen und wünsche Dir alles Gute! Servus Thorsten
     
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