Big Band arrangieren - wer spielt was - und wieviele - und warum?

von _Jochen, 20.05.20.

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  1. _Jochen

    _Jochen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.05.20   #1
    Hallo zusammen

    ich bin Fan von Robbie Williams "Swing when your Winning" und würde gerne selbst mal in die Richtung komponieren …. ok ich hab nur sample-libraries zur Verfügung statt echter Besetzung.... aber zum Üben sollte das ja reichen....

    Mir ist unklar wie man den Melodieverlauf "üblicherweise" aufteilen würde - daher der thread: Schauen wir uns z.B. mal die Saxophone an. Nehmen wir an, wir hätten 1 Bariton, 3 Tenor-Saxe und 2 Alt-Saxe und wir würden einen simplen B-Dur-Akkord schreiben:

    Das Bari bekäme den Grundton - logisch
    Was mach ich mit den Tenören? Lass ich die auch auf dem Grundton - oder Achtung - teile ich sie auf? Lass ich also z.B. 1-2 auch den Grundton tröten aber gönne mir beim 3. Instrument die Quinte ??
    Was mach ich mit den 2 Altos? Lass ich die beide das selbe spielen oder würde man die auseinanderziehen - z.B. in Terz und Quinte?

    Ich geb zu, ich kann keine Noten lesen, daher ist für mich ein Grossteil der Standardwerke witzlos... ich versuche lieber, das Prinzip zu verstehen...

    Eine wesentliche Frage, die mich umtreibt ist, ob alle Instrumente einer Gattung - z.B. die Tenor-Saxophone- alle das selbe spielen, oder ob man die auseinanderzieht. Bei 3 Tenören könnte jeder eine andere Note spielen......
    Ich hänge in der Theorie, ich weiss….. aber wie macht man das praktisch? Hat sich das auseinanderziehen bewährt oder lässt man eine Gattung lieber auf einem Ton?
    Schliesslich hätte man ja genug tonale Möglichkeiten, wenn man noch die Trompeten, Trombones hinzunimmt...

    Mich würde interessieren, wie man es üblicherweise macht.... raushören ist nicht immer ganz einfach :-)
    liebe Grüße
    Jochen
     
  2. turko

    turko Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 20.05.20   #2
    Die Frage ist nicht leicht und schon gar nicht pauschal zu beantworten.

    Es gibt da einige Parameter, die eine Rolle spielen:

    1) Der konkrete Song-TEIL, um den es geht: Eine Tutti-Stelle, oder irgendein Mittelteil oder Intro, der "dünner" instrumentiert sein soll.

    2) Die persönlichen Vorlieben des Arrangeurs

    3) Die beabsichtigte Stilrichtung der Musik

    Bei "dünneren" Songstellen, in denen eventuell auch Kontrapunkt-Technik eine Rolle spielen kann/soll, wird man eher darauf treffen, daß einzelne Sätze (Trompeten, Posaunen, Saxe) in sich jeweils unisono, also einstimmig spielen.
    Die jeweils anderen Sätze machen das entweder auch, oder begleiten.

    Beim Tutti-Stellen (Alle spielen gemeinsam, z. B. im Finale) ist eine gängige Vorgehensweise, daß der Arrangeur im voraus die Harmonien bestimmt, mit denen die Melodie unterlegt werden soll, und dann für jeden einzelnen Satz einen in sich schon gut klingenden und stimmigen
    4- oder 5-stimmigen Satz schreibt. Wobei oft dem Posaunensatz die eher clusterartigen Sounds mit reichlich Tensions zugedacht werden,
    und den Trompeten oft relativ unspektakuläre und sehr klare, dreistimmige Sätze, die sich aber auch schon mal im Bereich der Upper-Structures
    abspielen können.

    Aber all das ist keine Regel und kein Gebot, sondern lediglich eine oft angewandte Möglichkeit.

    Aber wenn Du in das Thema tiefer eintauchen willst, wird eine Auseinandersetzung mit dem Notenlesen nicht ganz ausbleiben können.

    LG
    Thomas
     
  3. WilliamBasie

    WilliamBasie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.20   #3
    üblicherweise haben klass. Big Bands nur 5 Saxe: 2x Alt, 2x Tenor 1x Bariton und ziemlich oft spielt das Bariton gar nicht im Sax-Satz mit, sondern bedient anderes Material, bzw. unterstützt die Posaunen, bzw. die Bass-Posaune.

    Vielleicht solltest Du einfach mal hinreichend Big Band Aufnahmen anhören - da gibts einiges mehr als Robbie Williams...
     
  4. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.05.20   #4
    Das ist irgendwie eine falsche Herangehensweise. Normalerweise ist ja durch die Melodie bestimmt, welcher Ton ganz oben ist. Durch den dazugehörigen Akkord ergeben sich dann die Töne für die anderen Instrumente (Oktavlage, Terzlage, Quintlage etc.). Diese Akkorde sind in der Bigband nur ganz selten normale Dreiklänge, meistens haben sie eine Septime dabei, aber oft auch andere Tensions. Eine typische Harmonisierung einer Melodie im 5-stimmigen Satz besteht darin, daß man die 5. Stimme die Melodie eine Oktave unter der 1. Stimme mitspielen läßt, die dazwischenliegenden Akkordtöne auf die restlichen Instrumente verteilt und dann gemäß Stimmführung durch die weiteren Akkordtöne laufen läßt, möglichst so, daß jedes Instrument eine brauchbare Melodie erhält. Andere Methoden für den 4-stimmigen Satz sind Drop-2 oder Drop-2-and-4. Man setzt eine Akkord in die enge Lage und läßt dann den 2. Ton von oben um eine Oktave "herunterfallen". Bei Drop-2-and-4 entsprechend zusätzlich auch den 4. Ton von oben.

    Das Ganze läßt aber wirklich nicht mal eben so in einem Internetforum mit ein paar Sätzen erklären. Das hier kann nur ein erster Einblick sein. Dazu kommt, daß es auch verschiedene Arrangierstile gibt. Nestico setzt anders als Strayhorn, Bill Holman ist bekannt für seinen Kontrapunkt etc. Gerade was das Mischen der Sätze angeht, gibt es ja inzwischen sogar verschiedene Traditionen und Gepflogenheiten.

    Und ja, Notenlesen vereinfacht die Chose ganz erheblich. Was mit Worten mühsam und umständlich erklärt werden muß, läßt sich ganz einfach in Noten darstellen:

    upload_2020-5-21_4-11-17.png

    Viele Grüße,
    McCoy
     
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  5. _Jochen

    _Jochen Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.20   #5
    Hallo zusammen,

    vielen Dank für die hilfreichen Antworten. Klar kann man hier nur "Quick-Tipps" erhoffen - ihr habt mir aber schon weitergeholfen.

    Ich habe mir die Lektüre "Jazz Arrangement" von Bil Dobbins gegönnt und werde mal versuchen, tiefer einzusteigen.

    viele Grüße und einen schönen Feiertag
    Jochen
     
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  6. bluestime

    bluestime Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.06.20   #6
    Ich will dir das Buch nicht madig machen, aber ich habe es mir im ersten Studienjahr aus Interesse angesehen und fand es ziemlich advanced und auch nicht gerade anschaulich aufbereitet. Zumal Notenlesen da Voraussetzung ist.
     
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