Cimar-Strat: Halskorrektur

von DerOnkel, 03.07.08.

  1. DerOnkel

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    Erstellt: 03.07.08   #1
    Wir schreiben das Jahr 1983. Ein unbekannter Schüler und hoffnungsvoll angehender Gitarrist betritt das Geschäft von Zinngrebe in Hamburg Wandsbek.

    [​IMG]

    Eigentlich will er nur mal schauen, was es denn so neues gibt. Da fällt sein Blick auf eine braune Stratocaster. Zufällig steht da auch ein JC-120 (Ja, die sagenhaften Transistor-Teile mit dem eingebauten Chorus. Das war damals schon was!). Nur wenige Minuten später hat unser Schüler die Gitarre um den Hals gehängt und die ersten Akkorde perlen aus dem JC....

    "Gar nicht mal so schlecht!", denkt unser Schüler, der mit seinen 19 Lenzen noch in die Kategorie "unwissender Bengel" einzuordnen ist. Damals gab es noch kein Internet, da wurde "live" verhandelt. Eigentlich sollte die Strat von der Firma Cimar 650DM kosten. "Aber kuck ma hier, da hat sie 'n klein' Fehler im Lack! Is aber nich so schlimm!", meinte der Verkäufer. 495DM und sie würde unserem Schüler gehören...

    Wie die Geschichte ausgeht, kann sich wohl jeder ausrechnen. Gestärkt durch zahlreich gegebene Nachhilfestunden stand die Cimar zwei Tage später im Keller unseres Schülers, direkt neben einer weinroten Aria Pro II ES-700!

    So nett die Cimar auch war, so konnte sie sich doch nie wirklich aus dem Schatten der ES-700 lösen, die der Schüler stets bevorzugte und so war sie das Backup und wurde nur bei wirklich dringenden Strat-Anlässen aktiviert.

    Wer war bloß dieser Gitarren-Banause?

    Wir schreiben das Jahr 2002. Es gibt mal wieder einen Grund die Cimar-Strat zu bewegen. Unser Schüler bewegt sich auch, jetzt allerdings ein wenig langsamer. Mit 38 Jahren geht man die Dinge eben schon ruhiger an.

    [​IMG]

    In den hohen Lagen war das irgendwie merkwürdig. Fast schien es so, als ob man dauernd von der hohen E-Saite runterfallen würde. "Komisch!", dachte der Onkel, denn nur um den handelt es sich hier. "Da muß ich bei Gelegenheit mal nachsehen!" Sprach's und packte die Cimar nach dem Gig wieder in den Koffer und dann in den Keller. So ein Gitarren-Banause!

    Wir schreiben das Jahr 2008. Seit vier Jahren ist der Onkel auch online unterwegs und hat mehrere hundert Artikel und Beiträge zum Thema Elektrogitarre und Gitarrenelektronik verfaßt. In die Kategorie "unwissender Bengel" paßt der Onkel also nicht mehr so ganz hinein.

    In einer schöpferischen Pause wandert sein Blick vom Monitor nach rechts zum Regal. Da hängt die Cimar-Strat. "Komisch sieht die ja irgendwie aus!", denkt unser Onkel und sein Interesse ist geweckt.

    [​IMG]

    Mit geübten Blick folgt die erste Analyse:

    1. Warum sind die Pole der Pickups denn nicht unter der E-Saite?
    2. Die hohe E-Saite verläuft in den hohen Lagen schon fast an der Halskante (da war doch mal was?)
    Schlußfolgerung: "Die Blödmänner haben die Brücke falsch positioniert! Die sollte man doch gleich..." [​IMG]

    Und es folgen eine ganze Reihe nicht druckfähiger Begriffe aus des Onkels reichhaltigem Repertoire. [​IMG]

    Also flugs einen Draht her und mal peilen, wie weit man die Brücke nach oben versetzen muß. Junge, Junge, mit einem halben Zentimeter wird man da wohl nicht auskommen! Aber halt! Jetzt sind zwar die Pole des Halstonabnehmers unter dem Draht, aber beim Stegtonabnehmer paßt es nun nicht mehr richtig. So geht das also nicht!

    Schlußfolgerung 2: Der Hals ist schief!

    "Na, das kann ja lustig werden!", dachte der Onkel und sah sich schon eine große Rechnung beim Gitarrenbauer seines Vertrauens begleichen. Aber vielleicht...

    Also wurde der Hals abgebaut. Jetzt konnte man den Hals in der Halstasche bewegen und optimal ausrichten. Tatsächlich fand sich die richtige Position. Nur leider paßten jetzt die Schraublöcher im Hals nicht mehr!

    Die Lösung sah dann wie folgt aus:

    1. Schraublöcher auf 8mm aufbohren

    2. Geeignete Holzdübel auf Länge bringen und einleimen.

    Hier das Resultat:

    [​IMG]

    Anschließend wurde die Oberfläche mit den Schwingschleifer wieder etwas "planiert". Die schon vorher existierenden Krater konnte so natürlich nicht entfernt werden, aber das störte den Onkel nicht.

    [​IMG]

    Jetzt konnte der Hals optimal ausgerichtet werden, um anschließend mit Hilfe einer Schraubzwinge fixiert zu werden. Dann kam die Bohrmaschine zum Einsatz, denn die Löcher für so große Schrauben sollte man immer vorbohren! Andernfalls läuft man Gefahr, daß das Holz reißt.

    "Und, hat es was gebracht?" wird man jetzt sicherlich fragen. Sehen Sie selbst...

    [​IMG]

    Nun hängt die Cimar wieder am Regal, bis zum nächsten Strat-Anlaß. Der Onkel ist eben ein echter Gitarren-Banause! ;)

    Ulf
     
  2. Jiko

    Jiko Ex-Mod Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 03.07.08   #2
    Oh! Sehr schöne Arbeit! Und diese Strat ist aus Mahagoni? Interessant.... Aber schön viele Schalterchen hat sie :)

    Jetzt hängt sie wenigstens gerade am Regal :great:
     
  3. DreamThief

    DreamThief Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.07.08   #3
    Cool!
    Ich hab auch noch von meinem Vater ne ältere Cimar Strat. Ich geh jetzt mal schauen, ob dort der Hals wenigstens gerade ist ;)
    Gruß
     
  4. cikl

    cikl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.07.08   #4
    Schon unglaublich mit was für Mängeln die Gitarrren früher z.T. verkauft wurden. Das findet man in dem Maße heut ja selbst bei Keiper und Co kaum.
    Mein erster Gedanke ging auch in Richtung Hals. Hast du ja aber sauber und sehr gut wider hinbekommen:great: Hatte die Halstasche soviel Spiel, dass das durch leichte Drehung gepasst hat? Und wie spielt sie sich jetzt? Och bitte Onkel, spiel sie noch einmal :D

    Ich finde Strats mit Mahagoni-Korpus sehr reizvoll, insbesondere, wie bei diesem Exemplar, in Kombination mit einem Ahorngriffbrett. Wie strattig klingt die denn und was wiegt sie etwa?
     
  5. bernhard42

    bernhard42 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.07.08   #5
    Sagen wirs mal so:

    Zu diesem Anzug kann keine Gitarre so gut passen wie die Mahagoni-Cimar! Edel!

    Freut mich für Dich und die Klampfe, daß sie nen "zweiten Frühling" erlebt ;) Glückwunsch zur erfolgreichen Reparatur!

    Mich interessiert auch, wie se klingt!

    Gruß Bernhard
     
  6. DerOnkel

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    Erstellt: 07.06.10   #6
    Na gut... ;)

    Hier ein Klangbeispiel aus dem Jahre 1984 im Originalzustand:

    "2070" goes Solo (1984)

    Nicht ganz mein Sound, aber der produzierende Techniker im Ougenweide-Studio wollte das damals so haben.

    Heute ist bei uns wieder Clean angesagt. Kann sie auch:

    "2070" Clean (2009)

    Hier ist allerdings schon einiges anders: 3 Fender Noiseless, C-Switch, Booster,... Ist aber immer noch 'ne Strat ne? ;)

    Aktuelles findet man im Artikel "Cimar 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten".

    Ulf

    BTW: Ein rotes Geschwisterchen ist unlängst auch angekommen, aber davon erzählen wir ein ander Mal...
     
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