Comping the Bird?

von Jay, 20.06.06.

  1. Jay

    Jay HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 20.06.06   #1
    Hi,

    das geht an die Jazzgilde: Wie begleitet man eigentlich Charlie-Parker-Nummern? Also die Stücke, aus deren Spielweise sich sein Name ableitet, z.B. Billies Bounce, Blues for Alice oder Donna Lee. Die Melodie ist da ja ein einziges Gezwitscher. :rolleyes: Da fällts am Klavier schwer, einen unterstützenden Groove zu spielen.

    Bis jetzt hab ich bei den o.g. Nummern einfach einen Rhythmus durchgezogen, was auch halbwegs passt. Allerdings geh ich dabei in keinster Weise auf die Melodie/den Solisten ein, sondern spiel halt einfach hinternanderweg, und fühl mich nicht unbedingt wohl dabei. Normalerweise kriegt man ja mit der Zeit ein Gefühl für den jeweiligen Song, aber bei Charlie Parker will sich das so gar nicht einstellen. :confused:

    Jemand ähnliche Probleme? Lösungen?

    Gruß,
    Jay
     
  2. groovejazz

    groovejazz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.06.06   #2
    setze die Chords auf die Akzente der Melodie oder bewußt in die Pausen. Ein durchgehender Groove ist tödlich für Bebop. Voraussetzung ist natürlich, daß du dich mit Jazz-Voicings auskennst.
     
  3. Jay

    Jay Threadersteller HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 22.06.06   #3
    Das ist ja das Problem. Wo hat Charlie Parker in seiner Melodie Akzente? Wobei ich durchaus verstehe, was du meinst. Um mal ein Beispiel zu nennen, wo die kurze akzentuierte Begleitung sehr gut funktioniert: Mr. PC. (Is ja auch Coltrane :D ) Da setzt die Melodie aber auch klare Eckpunkte, an denen man sich orientieren kann.

    Ja, doch, ich würde sagen, ansatzweises Grundlagenwissen ist vorhanden. ;)
     
  4. stefan64

    stefan64 HCA Tasten HCA

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    Erstellt: 22.06.06   #4
    hmmmmm.... ich denke es wäre gut, wenn Du Dir die Aufnahmen besorgst, da hört man die Akzente sehr hübsch raus - sowohl aus der Melodieführung als auch aus der Rhythmik.
    Und es hilft ungemein, ein paar von seinen Nummern mal selber (alleine) zu spielen - es ist dann einfach klar, wo wie wann welcher Akkord kommen muss (und wo nicht) - nicht gleich mit Donna Lee anfangen (das habe ich probiert.... hab ein Jahr gebraucht) sondern vielleicht mit dem von Dir erwähnten Blues for Alice.
    Tip: Chords setzen kurz vor dem Melodieakzent.
    Interessante Lektüre dazu ist das "Carlie Parker Omnibook" - das gibts bei www.advancemusic.com (auch in C, dann sogar mit Chords) - sowohl Birds Themen als auch Soli sind akkurat transkribiert.
    ciao,
    Stefan
     
  5. lucjesuistonpere

    lucjesuistonpere Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.06.06   #5
    Charlie Parker begleitet man i.d.R. wie jedes andere Jazzstück auch - mit rhythmischen Einschüben und Akzenten. Nur schneller.
    Auf den Punkt gebracht hats stefan. Besorg dir die Aufnahmen und hör's dir an. Dann verstehst du, was ich meine.
     
  6. andi85

    andi85 Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 22.06.06   #6
    Ich mache auch ganz gerne einen starken Kontrast zwischen kurzen Staccato-Akkorden und länger klingenden Sachen. So kann man bei Rhythm Changes die A-Teile und die Bridge voneinander absetzen: A-Teil percussiv, B-Teil klingen lassen.
     
  7. groovejazz

    groovejazz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.06.06   #7
    Du solltest dir in jedem Fall auch die Themen mit der rechten Hand drauf schaffen und mal analysieren was der da für Lines spielt (Harmonien, Scalen, Umspielungen etc.) und links mit Rootlessvoicings begleiten. Du kannst sie ja auch mit dem Gebläse mitspielen, dann kriegst du auch ein Gefühl dafür, wo die Aktzente liegen. Ist sowieso eine super Improübung, weil die Parker Themen ja eigentlich zum Thema gewordene Improvisationen über bekannte Jazz-Standards sind.
    "Ornithology" geht über die Chords von "How High The Moon", Donna Lee über Indiana, Scrapple from The Apple über Honeysuckle Rose, Anthropologie, Moose The Moche, Dexterity und etliche andere sind Rhythm Changes, also die Akkorde von I Got Rhythm. Es gibt natürlich noch ettliche andere Beispiele, die mir momentan gerade nicht einfallen. Diese wurden von Parker wegen seiner verdrogten Vertrahltheit übrigends nie notiert sondern nur durch vorspielen "überliefert" und variieren deshalb von Aufnahme zu Aufnahme immer ein bißchen.
    An Charlie Parker kommt kein Jazzmusiker, den haben alle großen gecheckt und verehrt. Er ist einfach einer der Urväter des modernen Jazz.
     
  8. Jay

    Jay Threadersteller HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 23.06.06   #8
    Wenns weiter nichts ist. :rolleyes: Siehe auch Stefans Beitrag. Spielerisch wird das an der ein oder anderen Stelle sicher über meinen Fähigkeiten liegen. Gut, Blues for Alice geht wohl (da werde ich das mal machen), das wär auch das Lied, von dem gerade wichtig wäre, dass ich es kann, auch wenn meine Fragestellung hier "generell" ist. Die Begründung hast du bereits selbst geliefert:
    Wenn ein Saxer mal eben etwas kurzatmig ist, kommt halt eine 16tel-Triole oder sowas raus. Ihm bereitet das keine große Mühe, aber am Klavier ists beschissen. Betrifft neben Parker z.B. auch Sonny-Rollins-Sachen.

    Weiß ich. Donna Lee als Beispiel oben war nicht von ungefähr. Ich hab Indiana im Unterricht gespielt. Nur besteht die Originalmelodie bei Uptempo aus Vierteln (die man natürlich vorzieht, swingt, etwas erweitert, etc), während Parker pausenlos 8tel nudelt. :screwy:

    Das erklärt einiges.

    Trotzdem, so hundertprozentig meins ist es nicht, wie man vielleich zwischen den Zeilen lesen kann. ;)
     
  9. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 24.06.06   #9
    Akzente meinst du hier wohl im Sinne von "Punkte in der Melodie, auf die es Sinn macht, einen comping-Akkord draufzusetzen" - denn nicht jeder dieser Punkte muß notwendigerweise auch akzentuiert artikuliert sein.

    Hier gilt wie bei anderen Bepop-Tunes auch: analysiere die Melodie nach Spannungsverläufen - am Ende eines Spannungsverlaufs steht mit Sicherheit solch ein Punkt. Auf dem Weg dahin allerdings häufig auch, wichtige Melodiepunkte die man zum comping nutzen kann/sollte sind z.B. Hochpunkte, Tiefpunkte und Wendepunkte. Nicht umsonst wird Melodieanalyse gelegentlich mit der Kurvendiskussion in der Mathematik verglichen; bei beiden versucht man, einen Verlauf zu erfassen und zu charakterisieren um dann Konsequenzen daraus zu ziehen.

    Darüberhinaus ist es häufig ideal, wenn der Pianist rhythmisch komplementär spielt, also Pausen auffüllt - sinnigerweise mit Rhythmen, die Bezug zum restlichen Stück nehmen, also existierende Rhythmen aufnehmen, weiterführen und variieren.

    Harald
     
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