Cort Gitarren - ein Blick hinter die Kulissen

  • Ersteller Disgracer
  • Erstellt am
E

Empty Skies

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
29.04.12
Mitglied seit
23.09.07
Beiträge
594
Kekse
1.211
Ort
Zu Hause
Oh, gut zu wissen.
Damit bekommen instrumente von Cort einen bitteren Beigeschmack für kritische Musiker.
 
Floko2

Floko2

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
23.06.14
Mitglied seit
15.01.09
Beiträge
12
Kekse
135
Ort
Gehrden (bei Hannover)
als ich das gelesen hab wr ich froh keine cort gekauft zu haben, aber wer weiß wie es bei den andern "asia"-produzenten ist....
 
meckintosh

meckintosh

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
17.03.18
Mitglied seit
30.01.04
Beiträge
2.726
Kekse
10.576
Ort
fast in Flensburg
Wäre gut wenn man das auch mal auf andere Artikel umlegt.
Wie siehts denn bei Turnschuhen, T-Shirts, generell Kleidung, etc etc aus?
 
thomas.h

thomas.h

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
01.10.17
Mitglied seit
19.08.03
Beiträge
2.901
Kekse
5.492
Wäre gut wenn man das auch mal auf andere Artikel umlegt.
Wie siehts denn bei Turnschuhen, T-Shirts, generell Kleidung, etc etc aus?

Ganz genau...
Und wie die Arbeitsbedingungen bei anderen Gitarren ausschauen. Nachdem Cort ja angeblich Epiphone und weiß der Geier alles produziert, wirds dann mit dem ethisch vertretbaren Instrumentenkauf schon eng...
Jedenfalls hab ich mit meinem Cortbass keine so richtige Freude mehr, muss ich zugeben. Wenn ich bedenke, dass dafür Menschen gestorben sind, dass ich diesen Bass zu einem Spottpreis in der Hand halte...

Grüße
 
Austin.Powers

Austin.Powers

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
10.08.20
Mitglied seit
23.03.08
Beiträge
8.392
Kekse
61.864
Ort
Sarkasmus an der Grenze zu Ironien
Wenn es danach ginge dürften wir nur Nackt im Wald wohnen, Schuhe, Klamotten, Holz der Gitarren etc. pp. an allem hängt ein Beigeschmack außer du häckelst dir deine Sachen selber und das Holz was du zum Eigenbau deiner Gitarre nimmst ist aus deinem Wald und so weiter und sofort. Ich finde es auch nicht gut das Leute ausgebeutet werden und unterstütze Aktionen um auf so etwas aufmerksam zu machen. Aber fakt ist jeder große Hersteller in irgendeinem X beliebigen Marktsegment nutzt diese Ausbeutung.



LG

Meulnir
 
mac1501

mac1501

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
08.08.12
Mitglied seit
19.07.08
Beiträge
648
Kekse
1.535
Ort
Wo meine Frau auch wohnt
Ganz genau...
Und wie die Arbeitsbedingungen bei anderen Gitarren ausschauen. Nachdem Cort ja angeblich Epiphone und weiß der Geier alles produziert, wirds dann mit dem ethisch vertretbaren Instrumentenkauf schon eng...
Grüße

Nicht nur Cort und Epiphone, sondern 30% des weltweiten Gitarrenmarktes. Wer weiß was noch für Gitarrenmarken!? Das würde bedeuten, fast jede 3. Gitarre stammt von Cort. Ich würde sagen, wir basteln unsere Gitarren alle selber, aus nachhaltig wachsenden und ökologisch kontrollierten Rohstoffen und gut ist. Oder kaufen nur noch Gitarren die aus dem Westen kommen.

Ich habe mir den Bericht durchgelesen, mehrmals. Hier versuchen die Gewerkschaft und (ehemalige) Arbeiter eines Unternehmens zu polarisieren, an das schlechte Gewissen der Nutzer zu appelieren und so Stimmung zu machen. Hier mal meine Meinung zu dem Thema.
1. Die Arbeitsbedingungen sind in Schwellenländern und der dritten Welt fast überall unter aller Sau! Da ist Cort keine Ausnahme. Es gibt natürlich auch wenige Ausnahmen, ganz klar, das sind aber einzelne Unternehmen mit meist westlichen Inhabern oder Auflagen durch die westlichen Abnehmer.
2. Die asiatische Mentalität ist eine andere, der Mensch ist oft sehr wenig wert, nur weil er z. B. in einer falschen Kaste geboren wurde. Kastensysteme gibt es nicht nur in Indien. Auch das Verhalten gegenüber dem schließen der Cort Fabriken in Korea ist extremst, obwohl Verlagerung von Unternehmen, bzw. Betriebteilen davon, im westlichen Raum zum Ende des letzten Jahrhunderts an der Tagesordnung war und auch bis heute ist. Rund 190.000 Menschen haben dadurch allein in Deutschland von 2000 - 2006 ihre Arbeit verloren. (Daten kann gerne jeder auf Nachhaltigkeit ergooglen).
3. Demonstrationen auf der Strasse sind voll in Ordnung, jedoch Selbstverbrennung, 30 Tage Hungerstreik und brutalste Gewalt auf den Strassen sind Auswüchse, die auch die westlichen Industrie-Nationen durchmachen mussten, Beispiel England und Frankreich in den 70er und 80er Jahren. Ist und war das in Ordnung? NEIN! Gehört aber, traurigerweise, in der industriellen Entwicklung anscheinend dazu.
4. Auch bei uns werden Betriebe ratzfatz geschlossen, Siemens Handysparte von BengQ, Nokia in Bochum, alles sehr zweifelhafte Schließungen. Troztdem sacken sich die Inhaber und Manager Unsummen von Geld ein und haben in den letzten Jahren, trotz Rekordgewinne, weiter Leute entlassen und auch heute sacken sich diese Versager Boni rein. Rechtlich sicher zu vertreten, moralisch bestimmt nicht. Und so ist es auch sicher bei Cort, rechtlich bestimmt alles in Ordnung, moralisch nicht.

Das ist kein Problem der Endnutzer der Instrumente, sondern der jeweiligen Regierungen dieser Länder die solche Arbeitsbedingungen ermöglichen, zumindest tolerieren. Selbst wenn der Endnutzer nun keine Cort Instrumente mehr kauft oder mit seinen bereits gekauften Instrumenten sich nicht mehr unters Volk traut (Danke!), Mr. Park Young Ho hat anscheinend genug Kohle, der muss nicht mehr in Instrumente machen.

Hier versucht die "Korean Metal Workers Union" die Welt gegen Cort zu mobelisieren, anstatt gegen die Regierung vorzugehen, damit in allen Teilen ihres Landes humane Arbeitsbedingungen eingeführt werden, mit überlebensfähiger Entlohnung und den nötigsten Sozialleistungen. Ok, irgendwo muss man anfangen und Cort hat es erwischt, aber ist es der richtige Weg den Nutzer der Instrumente vor den Karren der Gewerkschaftspolitik zu spannen?
 
teh_Q

teh_Q

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
26.07.14
Mitglied seit
30.07.08
Beiträge
413
Kekse
922
Ort
Gütersloh
Hier versucht die "Korean Metal Workers Union" die Welt gegen Cort zu mobelisieren, anstatt gegen die Regierung vorzugehen, damit in allen Teilen ihres Landes humane Arbeitsbedingungen eingeführt werden, mit überlebensfähiger Entlohnung und den nötigsten Sozialleistungen. Ok, irgendwo muss man anfangen und Cort hat es erwischt, aber ist es der richtige Weg den Nutzer der Instrumente vor den Karren der Gewerkschaftspolitik zu spannen?

Wo der Staat nichts tut und die Gewerkschaften nichts erreichen, beugen sich die Arbeitgeber nur dem Endverbraucher. Und wenn willst du da sonst vor den Karren spannen?
 
[HWOS] g30rG

[HWOS] g30rG

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
06.02.18
Mitglied seit
24.04.06
Beiträge
1.113
Kekse
2.775
Ort
Berlin
1. südkorea ist ein tiger und ein hochentwickelter industriestaat mit verdammt hohem BIP, super PISAergebnissen, 4% arbeitslosigkeit und toll entwickelter automobil- und technologiebranche..
2. soweit ich weiß ist südkorea konfuzianistisch geprägt und weit weg vom "wertlosen mensch" und kasten.
lohnverhältnisse und arbeitsmoral sind in der ostasiatischen welt anders, es wird mehr gearbeitet, für weniger lohn. für asiatische verhältnisse ist die cort-fabrik nicht wirklich anders als so manch großbäckerei in strukturschwachen regionen deutschlands!

der christ in mir würde sich keine cort kaufen, der teilnehmer in der marktwirtschaft wohl schon.

nur mal so..
 
E

Empty Skies

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
29.04.12
Mitglied seit
23.09.07
Beiträge
594
Kekse
1.211
Ort
Zu Hause
der christ in mir würde sich keine cort kaufen, der teilnehmer in der marktwirtschaft wohl schon.

Schließt sich das nicht aus?
 
mac1501

mac1501

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
08.08.12
Mitglied seit
19.07.08
Beiträge
648
Kekse
1.535
Ort
Wo meine Frau auch wohnt
Wo der Staat nichts tut und die Gewerkschaften nichts erreichen, beugen sich die Arbeitgeber nur dem Endverbraucher. Und wenn willst du da sonst vor den Karren spannen?

Das was bei Cort passiert ist und war nicht in Ordnung! Ebenso wie sicher in 90% anderer asiatischer Produktionsstätten. Das Problem ist viel größer, als es auf Cort zu beschränken. Eigentlich müssten wir allen Produkten aus solchen Regionen den Kampf ansagen und nicht mehr kaufen. Dann hätten zwar die meisten auch keine Schuhe und Kleidung mehr (weil nicht bezahlbar), AddiPuma kostet das zigfache und wir hätten heile Welt. Einfach nur auf Cort mit dem Finger zu zeigen ist zu einfach. Genau so einfach, wie billigen Strom zu fordern und Atomkraft von jetzt auf gleich zu verbieten. Damit wäre ein Problem beseitigt und ein neues geschaffen.

Cort hat bereits seine Fabriken in Korea geschlossen, da ändern auch Streiks, Selbstverbrennungen und Hungerstreiks nichts weiter daran. Und nun wird auch noch der Konsument vor den Karren gespannt. Für was? So traurig es ist, es gibt keine Cort Fabriken mehr wo die Leute arbeiten könnten!

1. südkorea ist ein tiger und ein hochentwickelter industriestaat mit verdammt hohem BIP, super PISAergebnissen, 4% arbeitslosigkeit und toll entwickelter automobil- und technologiebranche..
2. soweit ich weiß ist südkorea konfuzianistisch geprägt und weit weg vom "wertlosen mensch" und kasten.
lohnverhältnisse und arbeitsmoral sind in der ostasiatischen welt anders, es wird mehr gearbeitet, für weniger lohn. für asiatische verhältnisse ist die cort-fabrik nicht wirklich anders als so manch großbäckerei in strukturschwachen regionen deutschlands!
Ich habe es allg. auf die asiatischen Arbeitsbedingungen umgelegt. Korea ist weit vorne im positiven Bereich, dennoch würde ein westlicher Arbeiter kaum Lust verspüren dort unter den Bedingungen zu arbeiten. Ja stimmt, Korea ist durch konfuzianische und buddhistische Bräuche geprägt. Dennoch ist der Mensch dort mehr ein nur Zahnrad im Getriebe der Arbeit, als ein Mensch hier. Wird sich ändern, da auch bei uns vor rund 100 Jahren die Arbeitsbedingungen kaum besser waren als in der chinesischen Provinz heute.
 
Zuletzt bearbeitet:
E

Empty Skies

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
29.04.12
Mitglied seit
23.09.07
Beiträge
594
Kekse
1.211
Ort
Zu Hause
Dann hätten zwar die meisten auch keine Schuhe und Kleidung mehr (weil nicht bezahlbar)

Also ich bin Schüler, bekomme von meinen Eltern nicht übermäßig viel Geld und gebe fast alles, was ich spare für Instrumentenkram aus.
Trotzdem trage ich ausschließlich fair trade-Schuhe.
Die sind nämlich eigentlich nicht teurer als normale Schuhe und manche sogar billige.
Z.B. sind meine Chucks aus einer indonesischen Gewerkschaftsfabrik sind günstiger als Chucks von Converse.
Und meine fair trade-Treter von vegetarian shoes, die in Großbritannien hergestellt werden, sind in etwa so teuer wie günstigere Modelle von Nike, Puma, Addidas und den ganzen Firmen.
Ich versuche auch vermehrt fair trade-Klamotten zu kaufen.
So einige meiner Pullis liegen in der selben Preisklasse wie irgendwelche Pullis von h&m.
Also das ist nicht so unrealistisch.
 
aaron92

aaron92

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
31.10.14
Mitglied seit
28.01.09
Beiträge
190
Kekse
342
Die sind nämlich eigentlich nicht teurer als normale Schuhe und manche sogar billige.
Z.B. sind meine Chucks aus einer indonesischen Gewerkschaftsfabrik sind günstiger als Chucks von Converse.


Da sieht man mal wieder, wie viel man für's Markenimage hinblättern muss...
 
Everlast90

Everlast90

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
20.07.13
Mitglied seit
14.10.08
Beiträge
158
Kekse
21
Ort
Bahlingen bei Freiburg
Schließt sich das nicht aus?

Mhm nein Ausschließen tut sich das nicht!

Ich meine wissen wir wirklich was dort in den Firmen passiert ?

Und ich will denjenigen von uns sehen der letztendlich wirklich auf all den Luxus den wir genießen verzichtet weil es dann vll anderen Menschen besser geht.
Ich heiße nicht gut was an Ausbeutung in der Welt geschieht, aber es ist einfach so das der Mensch ein egoistisches Wesen ist und zuerst auf seinen Vorteil schaut.
 
E

Empty Skies

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
29.04.12
Mitglied seit
23.09.07
Beiträge
594
Kekse
1.211
Ort
Zu Hause
Mhm nein Ausschließen tut sich das nicht!
Keine Sorge, das war nur ein Anflug von Zynismus.;)
Und ich will denjenigen von uns sehen der letztendlich wirklich auf all den Luxus den wir genießen verzichtet weil es dann vll anderen Menschen besser geht.
Ich denke man kann nicht verlangen, dass man perfekt lebt.
Das geht auch gar nicht.
Aber ich denke schon, dass die Menschen ein wenig bewusster konsumieren sollten.
Wenn jeder ein wenig darauf achtet, wäre schon eine Menge bewegt.
Ich heiße nicht gut was an Ausbeutung in der Welt geschieht, aber es ist einfach so das der Mensch ein egoistisches Wesen ist und zuerst auf seinen Vorteil schaut.
der Mensch ist aber auch das, was er aus sich macht.
Wir haben halt durch evolutionäre Prozesse ein gutes Packen Hirnmasse bekommen.
Es wird nur auch mal Zeit, dass wir die verwenden.;)
 
Everlast90

Everlast90

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
20.07.13
Mitglied seit
14.10.08
Beiträge
158
Kekse
21
Ort
Bahlingen bei Freiburg
Versteh mich nicht falsch ich verlange von niemandem das er perfekt lebt.
Nur finde ich sollte man vorsichtig sein mit Aussagen wie ja man sollte auf das Verzichten etc. da wahrscheinlich die große Mehrheit Deutschlands oder der User hier im Board das dann letztendlich in aller Konsequenz nicht durchziehen werden(mich eingeschlossen).

Und ja Hirn haben wir jedemenge aber nicht immer schaffen wir es das auch zu verwenden bzw. es wird schon verwendet aber dabei kommt dann meist auch wieder die Egoistische Natur durch und es entstehen Dinge wie Ausbeutung, Sklaverei, Hass etc.

Soziales Denken ist gefragt aber leider ist das Problem das man sich wenn man allzu sozial lebt in der heutigen gesellschaft nur schwer über Wasser halten kann.

Man schaue sich nur mal die Löhne derer an die jeden Tag hier ihren sozialen Dienst tun zB. Krankenschwestern/pfleger, Sozialarbeiter, Altenpfleger etc. das alles sind Arbeiten die gemacht werden müssen und die wertvoll sind aber dennoch bekommt man für diese Jobs erstaunlich wenig Geld während sich ander Menschen in der Industrie sich schön das Geld in den A**** schieben lassen


cheers
Jonas
 
Disgracer

Disgracer

A-Gitarren-Mod
Moderator
Zuletzt hier
15.04.21
Mitglied seit
18.10.06
Beiträge
5.408
Kekse
60.000
Ort
Dortmund
Das Interessanteste an dem Bericht fand ich persönlich, dass man hier in Deutschland auf normalem Wege so etwas kaum mitbekommt.
Über jeden Mini Streik in Deutschland gibt es in den Nachrichten Riesenberichte, aber solch krasse Dinge wie dort geschehen kriegt man hier kaum mit.
Klar, jeder weiß: "die Arbeitsbedingungen in den asiatischen Ländern sind mies", aber dass das mal konkret hier publiziert wird ist kaum der Fall.

Ich bin sicherlich nicht der Moralapostel, der nur Ware kauft, bei der er den Werdegang nachvollziehen kann, oder aus dem fairen Handel, denke aber, dass man durchaus die Menschen etwas mehr in diese Richtung sensibilisieren sollte.

Ansonsten kommt der Großteil meiner Gitarren überraschenderweise aus Deutschland.. ;-)
 
Samuel_Groth

Samuel_Groth

Mod Emeritus
Ex-Moderator
Zuletzt hier
08.03.19
Mitglied seit
02.05.08
Beiträge
2.382
Kekse
38.200
Ort
Heppenheim
Ich hätte da mal verschiedene Fragen:

Laut Wikipedia beträgt der Mindestlohn in Südkorea 3,770 KRW pro Stunde. (Quelle: >>hier<<)
In dem Artikel steht, dass der Tageslohn bei Cort Südkorea unter 17 EUR liegt. 17EUR sind umgerechnet 30.371,7 KRW. Das heisst, ein Südkoreaner, der den Mindestlohn bekommt müsste 8056 Stunden (bzw. 335 Tage) arbeiten um auf den Cort Tageslohn von 17EUR zu kommen.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Südkorea? Können diese durch den staatlichen Mindestlohn gedeckt werden?

Der staatliche Mindestlohn wie in Südkorea jährlich angepasst. Kann es sein, dass die Anhebung des staatlich verordneten Mindestlohns Cort zu der Schließung der Werke veranlasst hat? Wenn meine obige Rechnung stimmt dürfte die letzte Frage mit "nein" beantwortet werden, da der Cort-Lohn sowieso den Mindestlohn um ein vielfaches überstieg, oder?

Also was war der wahre Grund für die Schließung bzw den "Scheinkonkurs"?:gruebel:

Des weiteren: Die Argumentation, dass ein Protest in Südkorea nicht viel bewirken könne, vermag ich nachzuvollziehen.

Nicht jedoch, wie es den Cort-Angestellten möglich ist mit einem Lohn von 17EUR pro Tag, der zudem nur bis zur Entlassung im Jahr 2007 gezahlt wurde, Tickets für einen Flug nach Deutschland zu bezahlen, um dort zu protestieren. Selbst wenn sie dieses Geld zusammengelegt bzw gespart haben: Ist das eine sinnvolle Investition angesichts der vermutlichen Wirkungslosigkeit des Protests?

Ich versteh´s nicht.:nix:
Bitte klärt mich auf.
 
S

saitentsauber

Helpful & Friendly User
HFU
Zuletzt hier
14.04.21
Mitglied seit
09.04.08
Beiträge
4.800
Kekse
19.348
@Samuel_Groth:
1. Ich vermute mal, dass Du Deine Rechnung falsch ist und der Mindestlohn (2008) Dreitausend(!)siebenhundertsiebzich Won beträgt - das entspräche dann bei 8,05 Stunden dem genannten Tageslohn. Lt Wiki sind 1 und 5 Won-Münzen ungebräuchlich, noch kleinere Einheiten dann höchstwahrscheinlich erst recht, so dass das Komma nicht Won von Chon trennt, sondern Tausender von Hunderten.
Das mit den Lebenshaltungskosten ist immer so ne Sache: Reicht's, wenn Leute nicht verhungern?
2. Ob dieser Lohn Grund für die Fabrikschließung war? Es kommt immer wieder vor, dass Fabriken geschlossen werden, obwohl sie profitabel sind. Grund für die Schließung ist dann nicht kein Profit, sondern zu wenig; evtl. auch schlicht der Versuch, näher an Märkten zu produzieren (dürfte aber hier ausfallen: Indonesien und China sind zwar groß, aber wohl keine "Gitarrenländer"). Kann also sein, kann aber auch nicht sein. Was stutzig machen sollte, ist der Scheinkonkurs - meist ein Mittel, um sich unangenehmen Verpflichtungen zu entziehen.
3. Wenn Du schreibst "vermutlichen Wirkungslosigkeit", beantwortest Du die Frage eigentlich selbst. Ob aber die zu Grunde liegende Annahme stimmt, kann nur die Zukunft zeigen. Mir scheints nicht abwegig: In anderen Ländern sind andere Aktionen sinnvoll; z.B. in einer Kultur, in der es wichtig ist, das Gesicht zu wahren, ist die Bloßstellung wirksamer als hierzulande. Und 'ne Messe bietet sich geradezu an...
 
Samuel_Groth

Samuel_Groth

Mod Emeritus
Ex-Moderator
Zuletzt hier
08.03.19
Mitglied seit
02.05.08
Beiträge
2.382
Kekse
38.200
Ort
Heppenheim
@Samuel_Groth:
1. Ich vermute mal, dass Du Deine Rechnung falsch ist und der Mindestlohn (2008) Dreitausend(!)siebenhundertsiebzich Won beträgt - das entspräche dann bei 8,05 Stunden dem genannten Tageslohn. Lt Wiki sind 1 und 5 Won-Münzen ungebräuchlich, noch kleinere Einheiten dann höchstwahrscheinlich erst recht, so dass das Komma nicht Won von Chon trennt, sondern Tausender von Hunderten.

Das hab ich mir auch gedacht, aber auf der englischen Wikipedia (andere Quellen finde ich leider nicht) sind in der Tabelle der Mindestlöhne Tausenderwerte mit Punkt und Hunderterwerte mit Komma dargestellt. Und da sind es halt 3,770 KRW und nicht 3.770 KRW. Ob das jetzt ein Fehler von Wikipedia ist und in der Tat 3.770 KRW der tatsächliche Stundenlohn sind, vermag ich ohne weitere Quellen nicht zu sagen. Solange das nicht geklärt ist, besteht für mich kein Anlaß den Tageslohn negativ zu bewerten.

Das mit den Lebenshaltungskosten ist immer so ne Sache: Reicht's, wenn Leute nicht verhungern?

Klar ist das immer schwierig zu bewerten. Aber auch da gilt: Ohne genauere Infos, in wie weit 17EUR Tageslohn in Südkorea zum Überleben reichen, werde ich mich nicht dem hier vorherrschenden Tenor anschließen und einfach auf Verdacht hin Cort Unmenschlichkeit vorwerfen. Klar, für deutsche Verhältnisse sind 17EUR verdammt wenig, aber unsere Lebenshaltungskosten kann ich auch besser einschätzen.

2. Ob dieser Lohn Grund für die Fabrikschließung war? Es kommt immer wieder vor, dass Fabriken geschlossen werden, obwohl sie profitabel sind. Grund für die Schließung ist dann nicht kein Profit, sondern zu wenig; evtl. auch schlicht der Versuch, näher an Märkten zu produzieren (dürfte aber hier ausfallen: Indonesien und China sind zwar groß, aber wohl keine "Gitarrenländer"). Kann also sein, kann aber auch nicht sein. Was stutzig machen sollte, ist der Scheinkonkurs - meist ein Mittel, um sich unangenehmen Verpflichtungen zu entziehen.

Ja, wenn ein profitables Unternehmen geschlossen wird, weil woanders mehr zu holen ist, ist das immer schlecht für die Angestellten. Aber: Hat das Unternehmen nicht auch das Recht seine Gewinne zu maximieren bzw seine Produktion (kosten)effizienter zu gestalten?

Was den Scheinkonkurs angeht: Auch hier haben wir wieder nur die Aussage der Gewerkschaft. Würde gerne auch etwas von der anderen Seite zu dem Thema lesen.

3. Wenn Du schreibst "vermutlichen Wirkungslosigkeit", beantwortest Du die Frage eigentlich selbst. Ob aber die zu Grunde liegende Annahme stimmt, kann nur die Zukunft zeigen. Mir scheints nicht abwegig: In anderen Ländern sind andere Aktionen sinnvoll; z.B. in einer Kultur, in der es wichtig ist, das Gesicht zu wahren, ist die Bloßstellung wirksamer als hierzulande. Und 'ne Messe bietet sich geradezu an...

Ja, die asiatische Mentalität ist da etwas anders als hierzulande. Dennoch glaube ich nicht, dass Cort aus Scham in Südkorea die Werke wieder öffnet. Was maximal passieren wird ist, dass vielleicht 2-3 Leute aus dem Middle-Management unter Tränen und sich verbeugend um Verzeihung bitten und dann ihren Hut nehmen.

Aber das ist auch wieder nur Spekulation und somit für den Popo.

Unterm Strich stelle ich fest, dass ich ohne genauere Fakten nicht gewillt bin, für eine Seite Partei zu ergreifen.

Eine andere Frage ist, ob es sinnvoll ist, keine Cort Produkte mehr zu kaufen aus Protest gegen die Werkschließung. Selbst wenn der verlinkte Artikel zutrifft: Zurückgehender Umsatz ist vielleicht nicht das beste Argument gegen Werkschließungen.

Andererseits: Wenn kein Protest auf diese Weise, wie dann sonst?:gruebel:

Ach, es ist eine komplizierte Welt.:nix:
 

Ähnliche Themen

Neue Themen

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Oben