- 14.09.26
- 09.01.06
- 20.229
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Hallo interessierte Songtext-Schreibende!
Dieser thread bezieht sich auf die cut up-Methode und auf folgenden thread Songtext-Challenge cut up-Methode
Diesen thread habe ich daraus ausgekoppelt, denn er stellt, wie zwei weitere ausgekoppelte Texte einen ersten für Interessierte (und mich) nachvollziehbaren Selbstversuch - mit der cut up-Methode und diesmal mit dem Verbasizer dar.
Der verbasizer ist ein frei zugängliches und kostenloses online-Tool und eine "recreation" des tools, das David Bowie mit ins Leben gerufen und genutzt hat. Der link führt Euch auf eine kleine Erklärungsseite mit einem Video von David Bowie, in dem er erklärt, wie er den verbasizer nutzt. Deswegen halte ich mich hier nicht weiter mit Erklärungen auf - der wesentliche Fokus soll darauf liegen, welche Erfahrungen ich mit diesem tool gemacht habe und einem ersten Text, der mittels dieses tools daraus entstanden ist.
Wohlan - wie bin ich vorgegangen?
Nachdem ich mich etwas auf der verlinkten WEB-Seite umgeschaut habe, habe ich den verbalizer ausprobiert. Dazu habe ich drei deutschsprachige Textfragmente genutzt: zwei von mir (Textfragmente 5 und 7 im post #10 der verlinkten Songtext-Challenge) sowie einem Text von @Der_Blindschleicher (Der letzte Rest vom Ich) post #7, dortselbst). Achtung: Ihr selbst dürft diese Texte nur nutzen, wenn Ihr bei der Songtext-Challenge mitmacht - ansonsten behandelt sie wie andere Texte, deren Urheberschaft nicht in Euren Händen liegt.
Diese Texte habe ich in den verbasizer eingefügt, ganz üblich mit copy&paste. Ich habe dafür alle 6 Flächen genutzt, die zur Verfügung stehen. Daraufhin habe ich "verbasize" angeklickt und im Fenster darunter wird dann das Ergebnis sichtbar. Meinem Eindruck nach funktioniert der verbasizer wie eine Art Text-Schredder, der nach Zufallsprinzip Textschnipsel aus den Originaltexte ausschneidet (zum Teil werden auch einzelne Wörter zerschnitten), und hintereinander in einer Art Fließtext ausgibt. Wie David Bowie es in seinem Video erklärt, habe ich es auch gemacht: Ich habe mir die Schnipsel notiert, die mich angezogen haben und habe sie rausgeschrieben bzw. in ein neues Dokument gepackt.
Es ist jede Menge Schrott dabei - ich habe über 20 Mal den verbasizer angeschmissen, um auf 29 etwa drei bis fünf Worte umfassende Schnipsel zu kommen. Dabei habe ich nach etwa achtmal verbasizen zunächst alle Füllwörter aus den Originaltexten entfernt, später alle Satzzeichen und zum Teil besitzanzeigende Fürwörter. Die output-Qualität hat sich leicht, aber nicht nennenswert gesteigert. Vielleicht gibt es noch andere Methoden, das tool so zu füttern, dass die Ausbeute steigt - aber in diesem ersten Versuch habe ich es dabei belassen.
Das ist der "Rohtext" oder das Textmaterial, das dabei entstanden ist bzw. das ich ausgesucht habe (jemand anderer hätte vermutlich andere Schnipsel ausgewählt):
Schatten umschlungen
kennen meinen Weg
Laubkaskaden haben mich bewegt
Lust Augen Wege
Wie Wahrheit ganz haben
hole ich Stürme
Mut in uns
Mut meint uns
War Neues fremd
Augen zeigen nicht
auf wohin
Mut legt Land
durch alte Wahrheit fremd
Wo schwebt leicht weit deine Flut
leicht umschlungen leg dich
Anbeginn aller Wahrheit
schwebt Mut
Wo lange Schatten steigen
Flut und Farben sind doch in dir
eintauchen dich kennen
wohin mein Schatten zeigt
Wahrheit irgendeine
Dir steht Lust
Zeit gut ruiniert
Augen auf wozu
Das liegt wie Wahrheit auf dem Weg
fremde Haut
Wo immer nah die Nacht
was Mut endet
Zwischenfazit:
Es sind einige poetische Wendungen darunter, einige bizarre und überraschende und etliche, auf die ich im Normalzustand wohl kaum gekommen wäre. Durchaus inspirierend. Die Struktur mit mit je vier Zeilen ist von mir - es erschien mir übersichtlicher und handlicher.
Man kann nun auf unterschiedliche Arten mit diesem Rohmaterial umgehen. Bowie hat einige der Schipsel zu einem "topic" gemacht und seine Texte drum herum gebastelt und dabei immer wieder Wendungen aus dem Rohmaterial eingestreut. Im Video sieht man zudem, wie er - von Musikern unterstützt - mit diesen Schnipseln improvisiert und daraus entstehen dann weitere Zeilen und Textideen.
Ich bin so vorgegangen, dass ich im Wesentlichen das Rohmaterial als Steinbruch benutzt habe, Zeilen neu arrangierte und sie grammatikalisch leicht angepasst habe. Dabei habe ich mich von drei topics leiten lassen: Mut, Wahrheit, Nacht/Schatten. Diese topics tauchen in meinem - nun bewußt gestalteten - cut up-Text mehrfach auf. Man kann freilich auch andere Bezüge interessant finden und als Schwerpunkte empfinden. Und man kann aus dem Rohmaterial etwas ganz anderes arrangieren. (Nur Ihr dürft es nicht - es sei denn, Ihr macht bei der Songtext-Challenge mit. Oder Ihr füttert den verbasizer mit Euren eigenen Textfragmenten oder mit Zitaten aus Material, das urheberrechtlich bzw. verwertungsrechtlich nicht geschützt ist.)
Hier ist nun das Ergebnis - mein cut up-Text, basierend auf drei Textfragmenten, die ich durch den verbasizer gejagt und dann bearbeitet habe:
Wo immer nah die Nacht
Wo immer nah die Nacht
leg leicht umschlungen Dich
wie die Wahrheit in den Weg
Wohin mein Schatten zeigt
legt Mut Land
Flut und Farben sind in Dir
Eintauchen, Dich kennen
Augen auf, wozu
Mut meint uns
Wo leicht und weit Deine Flut schwebte
war Neues fremd, war fremde Haut
Wo lange Schatten steigen
liegt die Wahrheit auf dem Weg
und Mut schwebt
Lust und Augen holen Stürme
eintauchen, Dich kennen
Mut in uns
Wo leicht und weit Deine Flut schwebt
ist Neues nah, endet fremde Haut
Wie die Wahrheit
will ich Dich und mich
ganz haben
Ist dies nun ein Songtext oder ein Gedicht?
Auf jeden Fall würde meiner Ansicht nach der Text als Gedicht taugen. Einen Songtext kann ich erahnen - entweder als gesprocher/gesungener Text über einer Soundlandschaft, ähnlich wie es beispielsweise Patti Smith (allerdings mit oft weit längeren Texten) macht oder Alin Coen oder auch andere, eher poetisch ausgerichtete Menschen. Oder indem man wieder Füllwörter einbaut und damit die unterschiedlichen Zeilenlängen ausgleicht, strukturell mehr in Richtung Strophen und Refrain geht oder ähnliches. Das habe ich hier nicht gemacht - ganz einfach, weil ich es bei meinen anderen eigenen Texten auch nicht tun würde. Ich lasse den Text eher eine Weile auf mich wirken, bis mir musikalisch etwas einfällt bzw. ich beim jammen etwas finde, von dem ich denke, dass es passen könnte (das passiert nicht selten unbeabsichtigt) und dann erst werde ich den Text noch mal anfassen. Beruht im Wesentlichen auf Erfahrungen, die ich gemacht habe und die sich bewährt haben oder ist einfach eine meiner Vorlieben - je nachdem.
Ich mag den Text und er kommt bei mir in jene Kladde, in die ich immer mal wieder schaue.
Wer den verbasizer selbst einmal ausprobieren möchte: Nur zu - der Mut und die Neugier sollen Euch leiten. Oder schaut mal in die Songtext-Challenge cut up-Methode einmal rein und lasst Euch dort inspirieren oder noch besser: Macht mit!
Herzliche Grüße
x-Riff
Dieser thread bezieht sich auf die cut up-Methode und auf folgenden thread Songtext-Challenge cut up-Methode
Diesen thread habe ich daraus ausgekoppelt, denn er stellt, wie zwei weitere ausgekoppelte Texte einen ersten für Interessierte (und mich) nachvollziehbaren Selbstversuch - mit der cut up-Methode und diesmal mit dem Verbasizer dar.
Der verbasizer ist ein frei zugängliches und kostenloses online-Tool und eine "recreation" des tools, das David Bowie mit ins Leben gerufen und genutzt hat. Der link führt Euch auf eine kleine Erklärungsseite mit einem Video von David Bowie, in dem er erklärt, wie er den verbasizer nutzt. Deswegen halte ich mich hier nicht weiter mit Erklärungen auf - der wesentliche Fokus soll darauf liegen, welche Erfahrungen ich mit diesem tool gemacht habe und einem ersten Text, der mittels dieses tools daraus entstanden ist.
Wohlan - wie bin ich vorgegangen?
Nachdem ich mich etwas auf der verlinkten WEB-Seite umgeschaut habe, habe ich den verbalizer ausprobiert. Dazu habe ich drei deutschsprachige Textfragmente genutzt: zwei von mir (Textfragmente 5 und 7 im post #10 der verlinkten Songtext-Challenge) sowie einem Text von @Der_Blindschleicher (Der letzte Rest vom Ich) post #7, dortselbst). Achtung: Ihr selbst dürft diese Texte nur nutzen, wenn Ihr bei der Songtext-Challenge mitmacht - ansonsten behandelt sie wie andere Texte, deren Urheberschaft nicht in Euren Händen liegt.
Diese Texte habe ich in den verbasizer eingefügt, ganz üblich mit copy&paste. Ich habe dafür alle 6 Flächen genutzt, die zur Verfügung stehen. Daraufhin habe ich "verbasize" angeklickt und im Fenster darunter wird dann das Ergebnis sichtbar. Meinem Eindruck nach funktioniert der verbasizer wie eine Art Text-Schredder, der nach Zufallsprinzip Textschnipsel aus den Originaltexte ausschneidet (zum Teil werden auch einzelne Wörter zerschnitten), und hintereinander in einer Art Fließtext ausgibt. Wie David Bowie es in seinem Video erklärt, habe ich es auch gemacht: Ich habe mir die Schnipsel notiert, die mich angezogen haben und habe sie rausgeschrieben bzw. in ein neues Dokument gepackt.
Es ist jede Menge Schrott dabei - ich habe über 20 Mal den verbasizer angeschmissen, um auf 29 etwa drei bis fünf Worte umfassende Schnipsel zu kommen. Dabei habe ich nach etwa achtmal verbasizen zunächst alle Füllwörter aus den Originaltexten entfernt, später alle Satzzeichen und zum Teil besitzanzeigende Fürwörter. Die output-Qualität hat sich leicht, aber nicht nennenswert gesteigert. Vielleicht gibt es noch andere Methoden, das tool so zu füttern, dass die Ausbeute steigt - aber in diesem ersten Versuch habe ich es dabei belassen.
Das ist der "Rohtext" oder das Textmaterial, das dabei entstanden ist bzw. das ich ausgesucht habe (jemand anderer hätte vermutlich andere Schnipsel ausgewählt):
Schatten umschlungen
kennen meinen Weg
Laubkaskaden haben mich bewegt
Lust Augen Wege
Wie Wahrheit ganz haben
hole ich Stürme
Mut in uns
Mut meint uns
War Neues fremd
Augen zeigen nicht
auf wohin
Mut legt Land
durch alte Wahrheit fremd
Wo schwebt leicht weit deine Flut
leicht umschlungen leg dich
Anbeginn aller Wahrheit
schwebt Mut
Wo lange Schatten steigen
Flut und Farben sind doch in dir
eintauchen dich kennen
wohin mein Schatten zeigt
Wahrheit irgendeine
Dir steht Lust
Zeit gut ruiniert
Augen auf wozu
Das liegt wie Wahrheit auf dem Weg
fremde Haut
Wo immer nah die Nacht
was Mut endet
Zwischenfazit:
Es sind einige poetische Wendungen darunter, einige bizarre und überraschende und etliche, auf die ich im Normalzustand wohl kaum gekommen wäre. Durchaus inspirierend. Die Struktur mit mit je vier Zeilen ist von mir - es erschien mir übersichtlicher und handlicher.
Man kann nun auf unterschiedliche Arten mit diesem Rohmaterial umgehen. Bowie hat einige der Schipsel zu einem "topic" gemacht und seine Texte drum herum gebastelt und dabei immer wieder Wendungen aus dem Rohmaterial eingestreut. Im Video sieht man zudem, wie er - von Musikern unterstützt - mit diesen Schnipseln improvisiert und daraus entstehen dann weitere Zeilen und Textideen.
Ich bin so vorgegangen, dass ich im Wesentlichen das Rohmaterial als Steinbruch benutzt habe, Zeilen neu arrangierte und sie grammatikalisch leicht angepasst habe. Dabei habe ich mich von drei topics leiten lassen: Mut, Wahrheit, Nacht/Schatten. Diese topics tauchen in meinem - nun bewußt gestalteten - cut up-Text mehrfach auf. Man kann freilich auch andere Bezüge interessant finden und als Schwerpunkte empfinden. Und man kann aus dem Rohmaterial etwas ganz anderes arrangieren. (Nur Ihr dürft es nicht - es sei denn, Ihr macht bei der Songtext-Challenge mit. Oder Ihr füttert den verbasizer mit Euren eigenen Textfragmenten oder mit Zitaten aus Material, das urheberrechtlich bzw. verwertungsrechtlich nicht geschützt ist.)
Hier ist nun das Ergebnis - mein cut up-Text, basierend auf drei Textfragmenten, die ich durch den verbasizer gejagt und dann bearbeitet habe:
Wo immer nah die Nacht
Wo immer nah die Nacht
leg leicht umschlungen Dich
wie die Wahrheit in den Weg
Wohin mein Schatten zeigt
legt Mut Land
Flut und Farben sind in Dir
Eintauchen, Dich kennen
Augen auf, wozu
Mut meint uns
Wo leicht und weit Deine Flut schwebte
war Neues fremd, war fremde Haut
Wo lange Schatten steigen
liegt die Wahrheit auf dem Weg
und Mut schwebt
Lust und Augen holen Stürme
eintauchen, Dich kennen
Mut in uns
Wo leicht und weit Deine Flut schwebt
ist Neues nah, endet fremde Haut
Wie die Wahrheit
will ich Dich und mich
ganz haben
Ist dies nun ein Songtext oder ein Gedicht?
Auf jeden Fall würde meiner Ansicht nach der Text als Gedicht taugen. Einen Songtext kann ich erahnen - entweder als gesprocher/gesungener Text über einer Soundlandschaft, ähnlich wie es beispielsweise Patti Smith (allerdings mit oft weit längeren Texten) macht oder Alin Coen oder auch andere, eher poetisch ausgerichtete Menschen. Oder indem man wieder Füllwörter einbaut und damit die unterschiedlichen Zeilenlängen ausgleicht, strukturell mehr in Richtung Strophen und Refrain geht oder ähnliches. Das habe ich hier nicht gemacht - ganz einfach, weil ich es bei meinen anderen eigenen Texten auch nicht tun würde. Ich lasse den Text eher eine Weile auf mich wirken, bis mir musikalisch etwas einfällt bzw. ich beim jammen etwas finde, von dem ich denke, dass es passen könnte (das passiert nicht selten unbeabsichtigt) und dann erst werde ich den Text noch mal anfassen. Beruht im Wesentlichen auf Erfahrungen, die ich gemacht habe und die sich bewährt haben oder ist einfach eine meiner Vorlieben - je nachdem.
Ich mag den Text und er kommt bei mir in jene Kladde, in die ich immer mal wieder schaue.
Wer den verbasizer selbst einmal ausprobieren möchte: Nur zu - der Mut und die Neugier sollen Euch leiten. Oder schaut mal in die Songtext-Challenge cut up-Methode einmal rein und lasst Euch dort inspirieren oder noch besser: Macht mit!
Herzliche Grüße
x-Riff
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