Der letzte Tropfen

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Nutellasalami
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Nen' schönen Abend wünsch ich,

Ich habe mal ein bisschen rumexperimentiert und einen, für meine Begriffe, kritischen Text geschrieben.
Nun hab ich aber das Problem, dass mir der Sinn des Textes zu offensichtlich ist.
Ich möchte also leichte Umschreibungen einbauen, sodass jemand kritisiert wird, es aber nicht beim einmaligen Durchlesen versteht.( Die kreative Ader ist gefragt)
Der Ansatz ist geschaffen und mein Anliegen ist klar: Ich will auf das Aufmerksam machen, was mich schon lange Zeit beschäftigt: Die Ausbeutung großer Firmen gegenüber all jenen, die nichts haben und ums Überleben kämpfen müssen.

Ich hoffe, dass ich Hilfe bekomme und bedanke mich schonmal im Vorraus=)

Tim:D

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
[FONT=Calibri, sans-serif]Der letzte Tropfen[/FONT]


[FONT=Calibri, sans-serif]Strophe 1:[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]wie viel Blut, wollt ihr noch vergießen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Und wie viel Armut, Soll noch sprießen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Wie viel Kinder sollen noch sterben[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]wie viel Menschen stürzt ihr ins Verderben[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Sagt mir wie viel Hilfe, wollt ihr noch verwehren[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Und um wie viele Menschen, wollt ihr euch nicht scheren[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]es kümmert euch nicht, wie andere leben[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]aber wie viel Qualen, könnt ihr euch vergeben.[/FONT]


[FONT=Calibri, sans-serif]Refrain:[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Sinnlose Kriege, Sinnlose Schlachten[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Nur um etwas mehr Profit zu machen [/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Ich sehe das Elend und sehe das Leid[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Doch ihr fühlt dabei nur Gleichgültigkeit[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Es ist euch egal, wie sich and're quälen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Ihr seht diese Menschen, als ob sie nichts wert wären[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Schaut in ihre Augen, wie sie alle Hoffen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Wenn ihr euch nicht besinnt, fließt bald der letzte Tropfen[/FONT]


[FONT=Calibri, sans-serif]Strophe 2:[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]wie viele Menschen, wollt ihr noch entbehren [/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Weil Medizin für sie Verschwendung wäre[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Jeden Tag sterben die Massen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Doch was bei euch klingelt sind nur die Kassen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Seht endlich ein, was ihr ihnen antut[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Selbst der Härteste verliert langsam seinen Mut[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Es kümmert euch nicht, wie andere leben,[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]aber wie viel Qualen könnt ihr euch vergeben.[/FONT]


[FONT=Calibri, sans-serif]Strophe 3:[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Auch die Ausbeutung und der Verrat[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Sind mit eurer Ignoranz gepaart[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Denn den Leute nur die Zuversicht zu nehmen[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Ist euch noch nicht genug im Leben[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Ja ihr lasst sie schuften Tag für Tag[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]und verhökert ihnen dann ihren eigenen Ertrag[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]Es kümmert euch nicht, wie andere leben[/FONT]
[FONT=Calibri, sans-serif]doch wie viele Qualen könnt ihr euch vergeben.[/FONT]
 
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Annette2904
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Hallo Tim,

Ich denke die Botschaft ist offensichtlich weil du sie in fast jeder Zeile klar und unmissverständlich, fast empört ausrufst. Wenn du das subtiler haben willst, wird es meiner Ansicht nach mit kleinen Änderungen nicht gehen. Erzähl es doch einfach aus der Sicht von 3 Angestellten einer solchen Firma. Falls du für eine solche Firma gearbeitet hast, schreib eine Zeile aus deiner Sicht. Wie du jeden Tag angetreten bist, gedacht hast du würdest was bewegen und langsam erkannt hast, dass man nur will dass du funktionierst. Und dann eine Strophe aus der Sicht eines Praktikanten, der ausgenutzt wird und vielleicht noch eine aus der Sicht eines Direktors, der sich zum langen Arm des Besitzers gemacht hat und warum und was vielleicht von ihm übrig bleibt. Den Refrain könntest du dann so lassen.

Wieviel Blut wollt ihr noch vergiessen
Und wieviel Armut soll noch spriessen

Wie kann man das in eine Andeutung verwandeln? Vielleicht sowas wie:

Jeden Tag treten sie an, bleich und bleicher.
Aber wer wird hier reicher?

Ok das ist weit weg von genial aber es verdeutlicht hoffentlich was ich meine.

LG, Annette
 
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Nutellasalami
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Hi Annette,

Danke für deine Hilfe. Ich habe mich mit den "kleinen Änderungen" vielleicht ein bisschen falsch ausgedrückt. Der Text, der dort steht ist nur die Grundlage für das, was ich in den veränderten Text drin haben möchte. Ich wollte nur wissen, wie man diesen Text subtil umschreiben kann. Ich werde auf jeden Fall mal das mit den Multi-Perspektiven versuchen und sehen, was dabei herrauskommt.

Tim:D
 
Jongleur
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Is ja echt eine tolle Frage von Nutellasalami: wie offensichtlich darf mein Anliegen sein?
Obwohl ich noch toller fände: welche Farbe hat die Welt?...:)

Weniger toll finde ich den Text... sein Thema ... oder sind es sogar viele Themen?.... mal schauen... ich fang mal bei den
Substantiven
an
Blut, Armut, sterbende Kinder, sinnlose Kriege, sinnlose Schlachten, Ausbeutung, Verrat, Ignoranz...
Und was ist mit den Verben?
sprießen, vergießen, sterben, leben, vergeben, verwehren, scheren, entbehren, quälen, schuften, klingeln ... und immer wieder:SEIN, IST!

Zwischenbilanz:
1. Hier tritt mMn ein Autor an, und seine eher abstrakten Substantive und Verben lassen erahnen, dass er keine Geschichte aus dem Leben, sondern lieber abstrakt über das Leben schreiben will. - Man sagt ja in diesem Zusammenhang gern: Er schreibt über Gott und die (der) Welt...
2. Eigentlich schreibt der Autor nicht mal über das Leben, sonder sogar über dem Leben. Er bewertet es. Ohne irgendeinen Zweifel. Keine Konjunktive. Nur Feststellungen. Keine Beweisführung. Weil der Autor Beweise für allgemein bekannt hält? Aber WARUM schreibt er dann noch einen Text darüber?
3. Wer erzählt die Geschichte? ... Ein Betroffener? Ein Betroffener, der förmlich (Substantive, Verben) in einer abstrakten Angst erstickt? Oder ein omnipräsenter, omnipotenter ... ähm...Gott?

--------------------------------------------------

Wenn man Annettes nette Antwort mit meiner vergleicht, wirke ich wahrscheinlich eher blutleer dozierend. Wie einer, der herablassend über einen,nein über einem anderen Autoren schreibt. Oder? Bestimmt. - Bis jetzt behaupte ich ja auch nur. Wie ein selbstsicherer Deutschlehrer. Soviel Wissen törnt wahrscheinlich nur mich an.:D

Meine "Klugheit" wäre aber nix weiter als ein peinliches Missverständnis. Denn in Wahrheit überfordert mich schon die Entscheidung, ob ich Straßen- oder Laufschuhe anziehen soll. Butter oder Margarine? Mallorca oder Ostsee? Spontan aufregen oder klug schweigen? Hier klugscheißen oder am nächsten Auftrag arbeiten? Mit allen Mitteln reich werden oder würdevoll darunter bleiben - Heiliger Bimbam! Ich bin ständig von Leuten umgeben, die alles viel cooler in den Griff bekommen. Obwohl meine Freundin ab und zu das Gleiche von mir behauptet...

Als permanent Verunsicherter sehne ich mich nach Selbstbestätigung. Ich brauche keine Lehrer und Richter um mich herum, sondern Leute, die aus ihrem verpeilten leben erzählen. Mit einer amüsanten Mischung aus Licht und Schatten. Nie ganz oben, nie ganz am Verkacken. Immer in Sichtweite. Irgendwie irgendwo in der Mitte.

Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die immer im Mittelpunkt der Welt stehen. Obwohl sie genau wissen, dass sie meisten eher zu den Randerscheinungen zählen. Egal, ich bin der Held meiner Geschichte! Wenn auch meistens nur in einer komisch-tragischen Rolle.

Und deshalb sehne ich mich nach komisch-tragischen Geschichten, weil sie mich an MICH erinnern. Weil mir DAS positive Gefühle bereitet. In meiner Unfähigkeit, gut und böse, schwarz und weiß, schuldig und unschuldig zu trennen...

Nutellasalami... mir gefällt dein Nickname... er liegt so schön zwischen den Möglichkeiten... ergänze doch mal deinen bisherigen Text um komisch-tragische Nuancen, die Du garantiert hörst, siehst, riechst, schmeckst, fühlst, wenn Du ... ja wenn Du Deine Unsicherheit (zu jeglichem Thema) als Eigenkapital - und nicht als Schuld - begreifst.

Lg
 
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N'Abend Jongleur,

Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, was du mir mitteilen willst.:D

Ich habe beim Lesen deines Textes einfach so viele Interpretationen gefunden, dass ich dich bitten würde, es nochmal (für Dumme) zu erklären

Obwohl ich sagen muss, dass mir dein Text sehr viele verschiedene Sichtweisen auf den Text gebracht hat. Vielleicht solltest du es auch nicht nochmal erklären:D

Grüße, Tim
 
Jongleur
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Lieber Nutellasalami,

Ich habe beim Lesen deines Textes einfach so viele Interpretationen gefunden, dass ich dich bitten würde, es nochmal (für Dumme) zu erklären

Versteh ich. Kein Problem. Gern geschehn. Aber...

Obwohl ich sagen muss, dass mir dein Text sehr viele verschiedene Sichtweisen auf den Text gebracht hat. Vielleicht solltest du es auch nicht nochmal erklären
biggrin.gif

verstehe ich irgendwie auch....


Genehmigen wir uns doch an dieser Stelle einfach etwas Zeit und frische Luft.:)

Lg
 
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Hallo NutellaSalami,

also ehrlich gesagt gefällt mir das nicht so. Als erstes stellt sich mir die Frage wer "Ihr" ist ? Die Reichen,die Spekulanten, die Regierung,wir alle...? Achso, ja ...die grossen Firmen, steht ja in deiner Einleitung... Also ich les da irgendwie eine mehr oder weniger zusammenhanglose Anklage an wen auch immer. Ich finde gesellschaftskritische Text ausgesprochen wichtig, aber eher nicht so.
Es gibt auch Möglichkeiten dazwischen. Du könntest versuchen ein Geschichte zu erzählen, mit etwas Witz vlt. und nicht so direkt, umschrieben, nicht so anklagend. Halt irgenwie kreativ, was erzählen ... So an deiner ersten Zeile fällt mir relativ spontan ein z. B.
"...Und je ein Tropfen Blut ergiesst sich in den Sand für jeden Tropfen Öl und jeden Diamant. Afrika´s Reichtum zerhackt ihr in Scheine und lasst nur übrig die wertlosen Steine... " also da wär jetzt zumindest ein Ansatz von Geschichte zu erkennen,ein Thema, man weiss in welche Richtung die Reise geht...

Deine doch sehr direkte Art der Kritik, mit wenig Geschichte und Zuammenhang und vielen Unterstellungen ohne Begründung, langweilt mich und die meisten anderen Menschen eher. Da machst du es dir ein wenig zu einfach. Und ehrlich gesagt hab ich bei der dritten Zeile aufgehört zu lesen und hätte es auch dabei belassen, wenn nicht Jongleurs interessant zu lesende Antwort darunter gestanden hätte. Also ich find dein Anliegen ist schon klar, aber als Ansatz würd ich deinen Text jetz eher weniger bezeichnen. Gruss Sebastian
 
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Hallo Nutellasalami,

dann komme ich jetzt mal mit einer anderen Frage um die Ecke: Warum möchtest Du eigentlich, dass Dein Text subtiler wird und die Botschaft nicht so einfach zu sehen ist?

Ist doch ein politisch-gesellschaftskritischer Text, der aussagt, dass die Konzerne die Menschen aus Profitgründen ausbeuten und dabei über Leichen gehen.
Warum soll man das denn subtil umschreiben?
Sollen denn die Leute, die den song und den text hören, nicht verstehen?
Du willst auf etwas aufmerksam machen - aber es soll nicht offensichtlich sein? Verstehe ich nicht.
Warum sollten die Zuhörer den Sinn dechiffrieren müssen - was wäre der Vorteil davon?
Muss Kunst unverständlich sein?

x-Riff
 
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Hi,

Erstmal danke an Spektiker. Ich werde es auf jeden Fall anders machen. Ist mir nach euren Antworten klar geworden.

Und zur Frage von X-Riff:

Kunst muss verständlich sein. Das stimmt. Ich will aber einen Text schaffen, der unmissverständlich klar macht, was ich fühle. Und diesen Text sollen andere Menschen nur verstehen können, indem sie sich damit befassen. Unklare Statement lassen mehr Spielraum, um etwas hineinzuinterprätieren. Und genau das ist mein Ziel. Jeder soll seine eigene Geschichte darin sehen und nicht eine von mir vorgegebene.

Tim
 
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Hallo Tim,

ich danke Dir nochmals für dieses Thema! Du schneidest mMn eines der wichtigsten Themen beim Texten an: Was bewirkt ein Text beim Hörer und wie kann man diese Wirkung verstärken oder versauen.

Kunst muss verständlich sein

Da widerspreche ich mal entschieden! In deinem Sinne. Müssen muss keiner außer sterben. Und wenn schon jemand etwas mit den Worten anfangen soll, dann mMn nicht der Verstand - dieser Zensor - sondern die Gefühle. Musik "versteht" ja auch keiner, aber die Gefühle reagieren oft schön und heftig darauf. Oder Farben! Wie verständlich sind Farben???
Das Verständliche eines Textes sollte mMn im Besten Falle nur sein roter Faden sein. Auf dem man dann das eigentlich Wertvolle, die Bilder, wie schöne Perlen aufreiht.

Wer versteht schon seine Gefühle? da ist zum Beispiel ne Menge Biochemie im Hintergrund, deren Rolle und Gründe wir als Betroffene NIE verstehen werden. Ich jedenfalls benutze Kunst eher wie eine Droge oder das höchst subjektive Statement eines Freundes. Aber nie wie ein Lehrbuch... die ja meistens noch dazu unverständlich sind :D

Kunst muss verständlich sein? - das sagen am liebsten die Lehrer, damit sie rote Kringel hinter den Aufsatz oder die Gedicht-Interpretation setzen können. Die meisten Kunstlehrer und -kritiker haben schon eine merkwürdige Auffassung:D

Unklare Statement lassen mehr Spielraum

Sorry, DA widerspreche ich noch einmal. "Verständlich" und "klar" sind zwei verschiedene Dinge. Verstehen heißt mMn Zusammenhänge begreifen. Wenn ich in einen Wirbelsturm gerate, werde ich vermutlich keine Zusammenhänge erkennen. ABER: die Bilder vor meinen Augen werden dennoch klar sein. Und wenn nur Dreck vor meinen Augen tanzt.

Um meine Meinung noch verwirrender (aber für mich letztlich klarer) zu machen:
-Unklare Bilder können einen Text verständlicher machen (wenn man die Details zwanghaft so verbiegt, dass sie scheinbar einen Sinn bekommen.
- Klare Bilder können Unverständnis hervorrufen ( wenn der Hörer mit Vorurteilen an den Text geht).

Ich ahne natürlich, worauf Du hinaus willst: auf mehrdeutige Bilder, auf (scheinbar) zusammenhanglose Bilder, auf Andeutungen....


Jeder soll seine eigene Geschichte darin sehen und nicht eine von mir vorgegebene.

Eine letzter leiser Widerspruch: Auch in Deinem Text sehe ich MEINE Geschichte. Und immer wieder und immer nur meine Geschichte.

Ich habe ein graukarriertes Hemd an. - Was siehst du. MEIN Hemd?
Meine vollbusige Freundin hat mich mit einem Kellner betrogen. - Was siehst Du? Siehst Du MEINE Freundin? Den tatsächlichen Ort der Untreue? Diesen verdammten Kellner? MICH als Gehörnten?..wohl kaum.;)

Wenn Du mit Bildern operierst, dann wird auch ein interessierter Zuhörer, den Du mit Deinem roten Faden (z.b. einer attraktiven Hookline) angelockt hast. mit Bildern überflutet, Aber seinen Erfahrungen. Du bist nur ein gehirnchirurg, der bei offenen Gehirn verschiedene Hirnregionen mit Wort-Elektroden berührt :D
Wenn Du allerdings mit unreflektierten Meinungen operierst, dann sehe und höre ich ebenfalls nur Unreflektiertes: Politiker, Lehrer, Stammtischgelaber, einfallslose Lieder...


FAZIT: In dem Maße, wie ich mich in meine Geschichte vertiefe, kommen automatisch Bilder.
Konzentriere Dich mal auf die Bilder, die Dein Text in DIR wachrufen. Und dann hast Du vielleicht Lust, sie zu benutzen. - Mach Dir mal versuchsweise keinen Schädel darüber, wie viel Andere verstehen. Bemühe Dich lieber um die Klarheit deiner Bilder und vertraue auf ein paar Mitwisser ;-)


Lg
 
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Wüstenstaub
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Hallo, ich kann meinen vorpostern nur zustimmen, ich will trotzdem noch ein wenigig beitragen

dein gedanke ist das du im prinziep alle leser kritisieren möchtes,
das gelingt dir meines erachtens nur recht oberflächlig,
ich glaube du willst sagen (korregiere mich wenn nicht) das die firmen schuld sind, wir aber als konsumenten die frimen stützen und damit mit teil der "schuldigen" sind
du sprichst viel verderben an, ja jetzt fühlen wir uns alle schlechter, aber was kommt dan?

mir fehlt: was kann ich als leser dagegen tun? was könnten die firmen dagegen tun?

das problem ist hier, das sich viele nicht alzu bewusst sind was sie z.b mit ihrem kaufverhalten alles fördern (kauf ich sachen aus china = ich unterstütze china = find ich china gut? -> nicht alles)
gleichzeitig sind wir aber auch abhängig. nicht jeder kann es sich z.b leisten "fair-trade" artikel zu kaufen.
mach ich mir bewusst wo der kaffee herkommt und wie es denjednigen geht wenn ich morgens kaffee trinke? Nein, dann würde ich nämlich wahrscheinlich schuldgefühle bekommen. Ich muss mich von zuviel schuldgefühlen schützen, also ignoriere ich die dinge

dein ziel könnte also sein, dieses bewusstsein zu stärken, und zu veränderung treiben... nicht ganz einfach, das ganze abstrakt zu versuchen, auch nicht ganz einfach :)




grüße
 
Jongleur
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Ups.. Doppelposting.

---------- Post hinzugefügt um 10:41:27 ---------- Letzter Beitrag war um 10:29:22 ----------


Gut, nutze ich das unerwartete Ereignis gleich für ein neues Posting

Hallo Wüstenstaub

dein ziel könnte also sein, dieses bewusstsein zu stärken, und zu veränderung treiben...

Siehst Du einen klaren Unterschied zwischen sagen wie mal: Politikern, Interessenverbänden, Journalisten, Lehrern, Pfarrern, Psychologen einerseits... und Künstlern andererseits?
 
Wüstenstaub
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Siehst Du einen klaren Unterschied zwischen sagen wie mal: Politikern, Interessenverbänden, Journalisten, Lehrern, Pfarrern, Psychologen einerseits... und Künstlern andererseits?

Du suggestiert doch schon einen unterschied mit der gegenüberstellung.
Sie haben ähnlich ziele, nur die art wie sie es erreichen wollen unterscheidet sie.

grüße,
 
Jongleur
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Lieber Wüstenstaub,

Ich bin wirklich an Deiner Meinung interessiert. Ich hab nicht so vorsichtig begonnen, um eine Falle zu stellen, sondern weil ich Dich nicht manipulieren wollte mit einer längeren Einleitung wie der nun folgenden.

Viele Jahre war ich der Meinung, ein Künstler hätte "irgendwie" eine Verpflichtung seinem Publikum gegenüber. Was weiß ich, nennen wir es Aufklärung oder gar moralische Erziehung. - Das jedenfalls hatten mMn Schreiblehrer von Aristoteles bis Lessing oder meine Literaturlehrer unter dem Stichwort Kartasis im Auge. -

Seltsam nur, dass ich mich immer tierisch verkrampfte beim Schreiben, wenn ich an diese edle Aufgabe dachte. Denn irgendwie spielte ich mit so einer positiven Absicht fremden politischen Parteien oder Glaubensgemeinschaften in die Karten. - Je stärker ich mich in eine dieser Richtung gezogen fühlte, um so stärker unterdrückte ich leider andere, gegenläufige Bilder und Gedanken beim Schreiben....und schließlich kam ich mir dann regelmäßig ab einer bestimmten Schreibphase vor wie ein Parteimitglied ohne Ausweis, ein Christ ohne Taufe, ein Anhänger einer Glaubensrichtung ohne eingetragene Mitgliedschaft. Das verkrampfte mich schrecklich. Schließlich wird nirgendwo so krass von Freiheit gelabert wie im Zusammenhang mit Kunstausübung.

Irgendwann entschloss ich mich deshalb, nur noch auf meine teils chaotischen, teils zwanghaften Gefühle zu achten, Argumente und Gegenargumente aneinander zu reihen, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer. Schließlich sind das MEINE Gefühle, nicht die einer Partei, einer Konfession oder sonstigen Glaubensrichtung. Und auch nicht die irgendeines Publikums.
Wenn irgendwer in meinen Texten sich bestätigt fühlt, dann freue ihch mich. dann bin ich nicht mehr so allein...

...und ein wenig Geld bringt es dann ja vielleicht auch noch ;) Denn Authentizität zahlt sich irgendwann aus.
Und deshalb sehe ich einen klaren Unterschied: die von mir Erwähnten vertreten fast immer Gruppierungen oder Institutionen. Der Künstler aber sollte sich mMn nur SEINE Seele verpflichtet sehen. - Ohne Erziehungsanspruch.

Er wird im besten Falle dennoch erzieherisch wirken, weil er manchmal andere mit seiner ungezwungenen Schreiben überzeugt. Aber er sollte nicht den Anspruch haben, zu schreiben, um zu erziehen oder zu überzeugen. Denn dann verkrampft er und landet recht logisch bei einseitigen Darstellungen, wie zum Beispiel der hier diskutierte Text.

Mir reicht es zu schreiben, um meine Gedanken, Erlebnisse darzustellen, um meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Je häufiger sich dabei - in EINEM Text - meine Angst, Freude, Traurigkeit, Resignation und Mut auf Augenhöhe begegnen, umso befreiender empfinde ich den Lauf der Gefühle.

Oder was meinst Du?

Lg
 
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Nutellasalami
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Hallo,

Hier scheint sich ja was Schönes zu entwickeln. Ich versuche im Moment eure Ratschläge umzusetzten, doch es kommt ständig wieder etwas Neues dazu.
Ich werde hier mein überarbeiteten Text posten, sobald er fertig ist.

Bis dahin, Schönen Tag noch:D
 
Wüstenstaub
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Ich bin wirklich an Deiner Meinung interessiert...
(...)
Oder was meinst Du?
Lg

ok meine meinung über deine frage "Siehst Du einen klaren Unterschied zwischen sagen wie mal: Politikern, Interessenverbänden, Journalisten, Lehrern, Pfarrern, Psychologen einerseits... und Künstlern andererseits?"

In meinem studium lern ich tag ein tag aus das es bei den unterschiedlichsten dingen kein "entweder oder, sonder viel mehr ein "sowohl als auch" gibt. das beeinflusst mich jetzt natürlich auch bei dieser frage. Und natürlich hast du mich jetzt mit deiner antwort manipuliert, schade das ich nicht länger geantwortet habe.

Ich sehe auch keine verpflichtung in den aufgaben von künstlern, sehr wohl aber von politikern, intressenverbänden ect. Wenn ein künstler das macht was er für richtig hält dann resultiert daraus ganz einfach authentizität - wer das nicht hat kann auch erfolg haben, mich persöhnlich spricht das aber weniger an. Und auch hier können politiker, intressenverbänder, journalisten, lehrer , pfarrer und psycholgen eher authentisch sein oder eher ziel und zwecks orentierter arbeiten.

Die größten unterschiede sehe ich nun wirklich in der art und weiße wie etwas vermittelt werden kann und dar haben künstler meiner meinung eine größere anzahl von möglichkeiten das zu realisieren.

Dein veränderung deiner Schreibart in songtexten fand ich schön zu lesen, und die konsequenz die du daraus gezogen hast auch die einzig richtige.

Eigentlich ist das was ich jetzt geschrieben habe auch nur ein "ja, ich stimme dir zu" - fällt mir jedenfalls gerade auf, also frag mich am besten nochmal zu etwas anderes ;)

grüße
 
Jongleur
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@Wüstenstaub
Eigentlich ist das was ich jetzt geschrieben habe auch nur ein "ja, ich stimme dir zu" - fällt mir jedenfalls gerade auf, also frag mich am besten nochmal zu etwas anderes

Naja, wir müssen es ja nicht übertreiben :D
ich schreibe hier ja nur so ausführlich, weil ich Tims Frage - wie entkomme ich dem all zu Plakativen - echt interessant finde, und weil mich Dein "das Bewusstsein stärken" und "zu Veränderung treiben" animierte.;)

Wenn man vom bösen Zeigefinger spricht - sind sich ganz schnell alle Autoren einig. Um Gottes Willen !!! Aber der Teufel sitzt - wie immer - im Detail.... Politik ohne Zeigefinger? Wo gibt es denn so was?!

Ich mag die Art, wie Randy Newmann schreibt: Oft schreibt er bildreich aus der Sicht der anerkannten und geächteten Bösewichter - und nicht selten ertappe ich mich dabei, dass DIE durchaus so ähnlich ticken wie... ähm... ich ;-)

Oder Bob Dylan: Der schreibt teils erschütternde, teils skurile, teils plakative Geschichten. Aber immer bildreich.
Klar wurde er zunächst bekannt mit brechtähnlichen Balladen. - Aber wenn man sein Gesamt-Werk studiert:
- Da gibt es surrealistische Texte, die erschließen sich nur, wenn man Lust hat sich darin zu vertiefen. Nicht dass ich plötzlich Dylan verstehe- keine Chance! Aber wenn ihch nicht nach dem Sinn frage, sondern nur die Bilder wirken lasse, entsteht ein Film, den ich zwar nicht so recht verstehe, der sich aber gerade deshalb gut anfühlt.
- Andere politisch angehauchte Texte sind in völlig klaren Bildern geschrieben. Aber so schmerzlich realistisch, dass man weghören möchte.(zB. John Brown).
- wieder andere personifizieren einfach das Grund-Thema. Zum Beispiel: "dignity". Der Sänger macht sich auf die Suche nach der verlorenen Würde. Jeden den er fragt, hat sie irgendwo mal gesehen. Aber sie scheint erfolgreich auf der Flucht zu sein....
- Und dann gibt es natürlich unter anderem auch plakative Lieder wie das hier diskutierte. Zum Beispiel "blowning in the wind" oder viele seiner christlichen Lieder. Aber wenn man genau hinsieht, sieht man den Unterschied: Es wimmelt auch in diesen Texten, die scheinbar fast agitprop sind, von Bildern. Und Bilder haben halt ein reges Eigenleben, wenn man sie in den Kopf oder das Herz läßt.

Für mich ist Bob Dylans größtes Verdienst in der Rocklyrik, dass er alles mal ausprobiert hat... und damit noch nicht fertig zu sein scheint. Gerade er ermutigt zum Experimentieren. Hauptsache, man bleibt in Bewegung, hat eine Abneigung, sich ewig zu wiederholen und den Mut, es zur Abwechslung mal mit dem Gegenteil des ursprünglich Gewollten zu versuchen :D:D

Damit habe ich mir scheinbar selber widersprochen. Aber nur scheinbar. Eigentlich waren meine Beiträge letztlich ein Plädoyer für das Benutzen vieler Bilder und Gefühle - anstatt einer politischen Meinung.
 
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Und zur Frage von X-Riff:

Kunst muss verständlich sein. Das stimmt. Ich will aber einen Text schaffen, der unmissverständlich klar macht, was ich fühle. Und diesen Text sollen andere Menschen nur verstehen können, indem sie sich damit befassen. Unklare Statement lassen mehr Spielraum, um etwas hineinzuinterprätieren. Und genau das ist mein Ziel. Jeder soll seine eigene Geschichte darin sehen und nicht eine von mir vorgegebene.

Tim

Hi Tim und die anderen geschätzten Texter,
bin ich der einzige, der einen fundamentalen Widerspruch in dem Anspruch von Tim/Nutellasalami für seinen Text sieht, der darin besteht, seine Gefühle unmissverständlich klar zu machen und gleichzeitig dem Leser zu ermöglichen, seine eigene Geschichte darin zu sehen? Wie soll das gehen?

Und nun nehme ich mal probeweise eine Rolle ein, die hier offenbar grundsätzlich vermieden wird und verteidige eindeutige Texte politischer Art.
Angesichts einer Welt, die grundsätzlich einherkommt als so toll vielfältig, reizdurchtränkt und undurchschaubar: alles so schön bunt hier (ich schalt die Glotze ein - happiness flutsch flutsch von vorn), wo angesichts dieser Vielfalt niemand eine klare Meinung haben sollte, in der es nie heißt, dass Deine Rede ein Ja ja und ein Nein nein sein sollte und in der dieser verdammte individualitätsterror darauf hinausläuft, dass es nichts schändlicheres zu geben scheint als eine Meinung, die ein anderer auch hat oder hatte oder haben könnte - als sei ein Gedanken, den ein anderer gedacht hat, benutzt, so eine Art second hand, entwertet weil schon mal gedacht.

Kriege sind nicht schlecht - sondern? Armut ist nicht eindeutig zu verurteilen, weil? Ungerechtigkeit ist nicht einfach so und zwar komplett abzulehnen und zu verurteilen - aus welchem Grunde bitte?

Und man soll das nicht sagen können - in genau dieser Klarheit: aus welchem Grund?
Ist zu einfach? Kann man ja nur mit dem Kopf zu nicken. Müßte man erst mal abwägen, differenzieren, Für und Widers stapeln ...

Oder geht es darum, dass man das natürlich sagen kann - aber halt in einem songtext nicht?
Und warum nicht? Weil ein songtext per se keine klaren Aussagen haben darf? Sagt wer?

Wenn ich es recht verstehe, richtet sich das Hauptanliegen darum, dass das einfach nicht interessant ist. Also geht es gar nicht um die klare Aussage an sich, sondern darum, wie man sie interessant rüberbringt?
Ansonsten wäre doch der Dylan-song Masters of War kein guter song und kein guter songtext. Denn seine Aussage ist klar: Kriegstreiber sind Verbrecher und es gibt erst Ruhe, wenn sie beerdigt sind:
http://www.youtube.com/watch?v=-0XoZ3GrltM&feature=related
Die Aussage ist zu klar? Es kann ja keine seine eigene Geschichte daraus machen?
Wozu auch: schließlich singt Bob Dylan über das, worüber singen will und sagt aus, was er aussagen will.

Zweites Beispiel:
War - what is it good for - absolutely nothing
http://www.youtube.com/watch?v=Cv5BYEOQYLo

Drittes Beispiel:
War - Bob Marley:
http://www.youtube.com/watch?v=ZCFHYyErkA0&feature=related

Geht es also darum, klare Aussagen zu vermeiden, klaren Haltungen aus dem Weg zu gehen?
Oder geht es darum, diese so auszudrücken, dass sie textlich und musikalisch funktionieren, Gehör finden und Gedanken, Auseinandersetzungen, Haltungen provozieren - eben weil sie klar sind?

Dass es natürlich in der ganzen wunderbaren Bandbreite von Texten alle möglichen Texte gibt, die alle ihre Bedeutung und ihren Sinn haben, versteht sich für mich von selbst. Ich mag nur dem von mir als solchem empfundenen Konsens hier nicht beipflichten, der sich darin zu äußern scheint, dass ein songtext per se eine Vielfalt von Interpretationen aufbereiten muss und den Zuhörer per se unbedingt seine eigene Geschichte sehen lassen will.

x-Riff
 
Jongleur
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Lieber x-riff,

danke für Deine klare Gegenposition. Ich bin mir in Sachen Schreiben nie ganz sicher, ob mir die Verteidigung meiner momentane Position, oder die wohlwollende Erörterung ihres Gegenteils mehr Gewinn bringt;)

Wir könnten es kurz machen. Ich gebe Dir in allem recht, weil Du schlüssig argumentierst. Herz, was willst Du mehr.
Oder wir wählen einen längeren Dialog. Dessen Sinn nicht Rechthaberei, sondern die Suche nach Inspiration ist.:)

---------------------------------------------------------------------------------------------------

x-Riff schrieb:
Und nun nehme ich mal probeweise eine Rolle ein...
Sehr gut. Spiele ich doch mal probeweise durch, dieser Beitrag ginge an meine Adresse.

x-Riff schrieb:
...die hier offenbar grundsätzlich vermieden wird und verteidige eindeutige Texte politischer Art.

Da hast Du vielleicht mein Statement FÜR Dylans vielfältige Standortwechsel übersehen.

Jongleur schrieb:
....- Und dann gibt es natürlich unter anderem auch plakative Lieder wie das hier diskutierte. Zum Beispiel "blowning in the wind" oder viele seiner christlichen Lieder. Aber wenn man genau hinsieht, sieht man den Unterschied: Es wimmelt auch in diesen Texten, die scheinbar fast agitprop sind, von Bildern. Und Bilder haben halt ein reges Eigenleben, wenn man sie in den Kopf oder das Herz läßt.

Für mich ist Bob Dylans größtes Verdienst in der Rocklyrik, dass er alles mal ausprobiert hat... und damit noch nicht fertig zu sein scheint. Gerade er ermutigt zum Experimentieren. Hauptsache, man bleibt in Bewegung, hat eine Abneigung, sich ewig zu wiederholen und den Mut, es zur Abwechslung mal mit dem Gegenteil des ursprünglich Gewollten zu versuchen

Meine Gefühle sind meinem schreibenden Verstand mal mehr, mal weniger klar.

Als ich 17 war, schrieb ich flammende Antikriegslieder, weil ich dachte, meine Angst wäre größer, als die meiner scheinbar gleichgültigen täglichen Zeitgenossen.
Heute hab ich natürlich noch immer Angst vor Kriegen. Aber HEUTE ich weiß auch, das geht 99,99% meiner Zeitgenossen nicht anders.
Heute bin ich ratloser als früher, wie sich die sich zuspitzende Lage ändern lässt. Mit dieser Ratlosigkeit haben mich wohl die politischen Mandatsträger und ihre schreibenden Begleiter angesteckt. - Diese Ratlosigkeit ist allgegenwärtig und blockiert natürlich auch mich. Deshalb würde ICH heute eher über diese Blockade schreiben... ODER eben nicht: Nämlich dann, wenn mein Text die Ratlosigkeit vermehren könnte.

Das wird dich sicher nicht überzeugen. Nehmen wir also den von uns beiden geschätzten Bob Dylan. Du wirst sicher nicht bestreiten, dass Dylan nie wieder zum eindeutigen Protestsong seiner Jugend zurück fand. Nun könnten wir über Dylan spekulieren (und kämen vermutlich zu ähnlichen Ergebnissen. Aber vielleicht ist alles viel einfacher. Auch Dylan - Sternbild Zwilling :D - fürchtete zunehmend, mit EINDEUTIGEN statt KLAREN Bildern von den verschiedensten Seiten vereinnahmt zu werden. Und schließlich: warum sollte er in der Gegenwart eindeutigere Positionen finden als...ähm...ich... oder Du...oderTim?

Riff schrieb:
verteidige eindeutige Texte politischer Art.

Eindeutig heißt für mich: ohne wenn und aber! ups...:gruebel:... uff, damit hab ich mich schon als Kind schwer getan. Bin auch Zwilling;)

x-Riff schrieb:
Kriege sind nicht schlecht - sondern? Armut ist nicht eindeutig zu verurteilen, weil? Ungerechtigkeit ist nicht einfach so und zwar komplett abzulehnen und zu verurteilen - aus welchem Grunde bitte?

Und man soll das nicht sagen können - in genau dieser Klarheit: aus welchem Grund?
Ist zu einfach? Kann man ja nur mit dem Kopf zu nicken. Müßte man erst mal abwägen, differenzieren, Für und Widers stapeln ...

Oder geht es darum, dass man das natürlich sagen kann - aber halt in einem songtext nicht?
Und warum nicht? Weil ein songtext per se keine klaren Aussagen haben darf? Sagt wer?

Du fragst, ob man Kriege, Armut, Ungerechtugkeit verteidigen kann? Verstehe ich Dich da richtig?

Doch. Auch das kann man texten. Die Gedanken sind frei. Von denen bis zum fertigen Text steht nur Fleiß und eventuell Selbstzensur. Ich bin wie Du für klare Aussagen.

Allerdings mag ich auch in diesem Falle eher Bilder statt Meinungen. Man kann mMn keinen guten Film aus Meinungen bauen. Das Bild steht mMn dafür, ob Verstand und Gefühl überzeugend übereinstimmen. Deshalb liebe ich an der Kunst vor allem das Kopfkino.

x-Riff schrieb:
Wenn ich es recht verstehe, richtet sich das Hauptanliegen darum, dass das einfach nicht interessant ist. Also geht es gar nicht um die klare Aussage an sich, sondern darum, wie man sie interessant rüberbringt?

Was mich betrifft - so verstehst Du mich falsch!

Ich habe in allen meinen Statements die KLARE Aussagen favorisiert! Aber eben nicht zur Lösung der Weltlage, sondern zu den eigenen Gefühlen. Und ich vermute, meine Gefühle sehnen sich nach Abwechslung und Unterhaltung. Und natürlich nach Frieden ind Geborgenheit. Deine nicht?

Beispiel: Wenn ich angesichts der Tötung von Bin laden Erleichterung verspüre, warum sollte ich dann eindeutig da gegen protestieren? -

Gut, da gibt es in meinem Falle tatsächlich AUCH das Gefühl der Angst... so ein Willkürakt könnte das nächste Mal mich selber treffen. Flüstert mein Verstand - flüstern ein Gefühl

Aber die USA bedrohen Deutschland - und damit auch mich - nicht mit Terror. Ruft mein Verstand, schreien meine Gefühle. -

x-Riff, fiele mir dazu eine tolle Geschichte ein, die diesen Zwiespalt klar und überzeugend darstellt, ich hätte kein Problem, sie zu schreiben. Hast DU eine Idee?

Ansonsten wäre doch der Dylan-song Masters of War kein guter song und kein guter songtext. ... Drittes Beispiel: War - Bob Marley: http://www.youtube.com/watch?v=ZCFHY...eature=related

Sorry, dazu habe ich mich schon ausführlich geäußert. Eindeutige Antikriegslieder sind natürlich eine Möglichkeit, das Gefühl der Ohnmacht zu lindern, mit solchen Songs wenigstens oder sogar in die öffentliche Schlacht zu ziehen....
Aber DAS ist nicht mein Problem. Sie sind einfach BESSER geschrieben, als Tims Text. -

"Masters of War" zum Beispiel richtet sich mit klaren Bildern gegen eine sehr konkrete Menschengruppe und wünscht der am Ende des Textes den Tod an den Hals! - Sorry. ich käme nicht auf die Idee, dem Tim ein ähnliches Herangehen vor zu schlagen ... jedenfalls nicht nach der Lektüre seines Textes.

"War" von edwin starr hat eine andere Adresse: den Krieg. Der Text spricht über den Krieg und stellt nur eine Frage: Was soll DARAN gut sein? Ja- x-Riff HIER gebe ich Dir ausdrücklich recht. Dieser Text erreicht meine Gefühle absolut. Aber kann ich DAS von der Hammermusik trennen?

"War" von Bob Marley besingt im Kern Rassismus ... Auch kein schlechtes Beispiel für eine Eindeutigkeit, die mich anspricht.

Nebenbei gesagt, lieber x-Riff, ich glaube von mir, dass ich ein klares Wort nicht scheue. Weder in Texten, noch Foren. Ich erinnere mich zum Beispiel, dass ich vor wenigen Tagen klar und deutlich und... einsam gegen einen Diskussionsbeitrag polemisierte, der vorschlug, in einen ähnlichen Antikriegssong mehr soldatischen Stolz und Vaterlandsliebe aufzunehmen. Du erinnerst Dich?

x-Riff schrieb:
Ich mag nur dem von mir als solchem empfundenen Konsens hier nicht beipflichten, der sich darin zu äußern scheint, dass ein songtext per se eine Vielfalt von Interpretationen aufbereiten muss....
.

Wer behauptet denn das? Ich bin ein großer Verfechter der Idee, dass eine Text nach Möglichkeit nur EINEN Grundgedanken haben soll (schrieb ich sicher auch in diesem thread)... den aber nach Möglichkeit vielfältig gespiegelt. Vielfältig ist nicht identisch mit Pro und Kontra. Vielfältig kann EINE klare haltung sein, nur aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Und ich glaube nicht, dass ausgerechnet Du als nächstes alle Gesichtspunkte eine guten Dramaturgie in Frage stellen möchtest. ;)

....und den Zuhörer per se unbedingt seine eigene Geschichte sehen lassen will

Das willentlich ansteuern zu wollen, gliche per se dem berittenen Angriff auf Windmühlen. Künstler können dem geliebten Publikum das Herz, aber nicht seine Geschichten stehlen ;-)

So lieber x-Riff. Und am Ende frag ich mal nach, was eigentlich so schlimm am Anspruch eines Autoren ist. sein Publikum unterhalten zu wollen? Von mir aus NUR zu unterhalten....von ihren Ängsten abzulenken zu wollen... von den drängenden, aber scheinbar unlösbaren Problemen?

Auch die Haltung: "Lass mich damit in Ruhe" ist menschlich. "Ein bisschen Frieden" geht sicherlich einer klaren Haltung aus dem Weg. Genauso wie viele Songs der UFA nach 1939. - Unsterbliche Songs. Weil sie das Gefühl der Geborgenheit
beschwören. - Ist das nicht auch legitim?

Ich habe dazu natürlich - meinem Naturell entsprechend - eine schwankende Meinung ;)
Lg
 
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Lieber Jongleur,

danke zutiefst für Deinen Beitrag, dessen Vorschlag "nicht Rechthaberei, sondern die Suche nach Inspiration" zu beschreiten, ich hiermit annehme.

Ob ich damit alle von Dir angeschlagenen Pfade bewandern kann, weiß ich noch nicht, aber ein bis drei Hauptschneisen im Lyrikwald sollen beschritten werden.
Um direkt mal mit dem beliebten rethorischen Mittel der Gegenfrage anzufangen, dessen Pfad für mich in die Irre und direktemang raus ausm Gehölz in die Wüste führt:
So lieber x-Riff. Und am Ende frag ich mal nach, was eigentlich so schlimm am Anspruch eines Autoren ist. sein Publikum unterhalten zu wollen? Von mir aus NUR zu unterhalten....von ihren Ängsten abzulenken zu wollen... von den drängenden, aber scheinbar unlösbaren Problemen?
Daran ist grad gar nix falsch, aber das ist halt auch nicht die Frage. Die Frage ist, was an einem politischen Text mit einer eindeutigen Aussage mir klarer Haltung falsch ist, der eben dem Publikum nicht überläßt, sich seine eigene Geschichte daraus zu machen, sondern ihn eben genau mit der Eindeutigkeit zu nehmen, wie er gemeint ist. [Ich weiß nicht, ob ich zusammenbekomme, was für Dich genau der Unterschied zwischen EINDEUTIG und KLAR ist ... außer bei Bildern, bei denen ich Dir beipflichte, dass beispielsweise Bilder, die man im Traum sieht, klar und mehrdeutig sein können ... ich meine aber eher Aussagen, die sowohl klar als auch eindeutig sind: war - what is it good for - absolutely nothing ... - diesen vielleicht wichtigen Seitenpfad verlasse ich hier aber mal wieder ...]
Und an DER Frage möchte ich festhalten.
Denn für mich ist der Kernpunkt dieses threads nicht:
Sorry, dazu habe ich mich schon ausführlich geäußert. Eindeutige Antikriegslieder sind natürlich eine Möglichkeit, das Gefühl der Ohnmacht zu lindern, mit solchen Songs wenigstens oder sogar in die öffentliche Schlacht zu ziehen....
Aber DAS ist nicht mein Problem. Sie sind einfach BESSER geschrieben, als Tims Text. -
Das fette ist wichtig. Denn so weit ich das verstanden habe, findest das nicht nur ich und Du, sondern auch Tim. Das was er anfangs gepostet hat, ist auch gar kein Text. Es ist quasi die Vorstudie zu einem Text. Und die Frage, die er stellt, ist - soweit ich das verstanden habe [und hier würde ich mir ausdrücklich wünschen, dass sich Tim einschaltet, denn es geht mir nicht darum, seinen thread zu entern, sondern zu einem/seinem Kernanliegen zu kommen] - wie er aus dieser Vorstudie (dessen Aussage ist, dass Konzerne über Leichen gehen to make a long story short) einen GUTEN Text machen kann.
Und genau dafür Hinweise bekommen will. Und auch schon bekommen hat.

Die eben alle darauf hinauslaufen, dass er von eindeutigen Aussagen wegkommen soll und dass er dem Publikum keine Aussage oder Geschichte vorsetzen, sondern sie ihre eigene Geschichte entdecken lassen soll, was ja zwangsläufig auf eine Mehrdeutigkeit hinausläuft.
Und um es hier noch mal zu sagen:
1. Ich habe überhaupt nichts gegen mehrdeutige songtexte. Die Frage, die mich beschäftigt ist, ob es nicht auch interessante eindeutige Texte gibt.
2. Ich habe überhaupt nichts gegen die Verwendung von Bildern, weder klaren noch eindeutigen noch mehrdeutigen. Für mich liegt das aber auf der Ebene der Umsetzung. Dylan benutzt Bilder in "masters of war" und hat dennoch eine eindeutige Aussage.
DARUM geht es mir.

Das ist die GEGENPOSITION die ich hier einnehmen will und wozu ich die Beispiele gebracht habe: Es gibt interessante Texte und songs mit eindeutigen politischen Aussagen.
Und dies mal aufgegriffen, dankenswerterweise und hoch die Tassen:
"War" von edwin starr hat eine andere Adresse: den Krieg. Der Text spricht über den Krieg und stellt nur eine Frage: Was soll DARAN gut sein? Ja- x-Riff HIER gebe ich Dir ausdrücklich recht. Dieser Text erreicht meine Gefühle absolut. Aber kann ich DAS von der Hammermusik trennen?
Nein! Trenne es nicht! Denn genau darum geht es: die Einheit von Musik und Text steigert im besten Falle BEIDE Elemente!

Zurück zu dem thread, wie ich ihn verstehe. Tim hat eine Auffassung, eine politische Aussage, die er in einer Vorstudie zu einem songtext beschreibt und dann die Frage aufwirft, wie man daraus einen guten songtext machen kann.
Die Hinweise gehen in die Richtung: Bilder, Mehrdeutigkeit, lass die Leute ihre eigene Geschichte finden.
DAGEGEN sage ich gar nichts. Kann man so machen.
Ich mache lediglich [ja ja - so bescheiden wird man :) ] eine Gegenposition auf, die sagt: Das kann man aber auch anders machen: Nämlich bleib bei Deiner eindeutigen Aussage und Deiner Haltung und konfrontiere das Publikum damit. Und wenn Du DAS gut machst, dann kann es sein, dass Dein song und Dein songtext in die Nähe der drei Beispiele kommt, die ich gepostet habe.

Was mich eben einerseits bestärkt und andererseits stutzig macht, ist die Antwort von Tim auf meine Fragen, die ich eingangs zitiert habe, und in denen ich einen Widerspruch (um mal die Ambivalenz im Köcher zu lassen) entdecke, der sich wie folgt beschreiben läßt:
Hi Tim und die anderen geschätzten Texter,
bin ich der einzige, der einen fundamentalen Widerspruch in dem Anspruch von Tim/Nutellasalami für seinen Text sieht, der darin besteht, seine Gefühle unmissverständlich klar zu machen und gleichzeitig dem Leser zu ermöglichen, seine eigene Geschichte darin zu sehen? Wie soll das gehen?

DAS ist mein Hauptanliegen. Zu sagen: Hey - es gibt mehrere Wege oder Varianten eines guten (politisch/kritischen) songtextes - und eine ist die, eindeutig zu sein, aber das gut zu machen.
Und natürlich kann sich Tim wie jeder Lyriker unter der Sonne für die andere Variante entscheiden - völlig klar und silbermondhell vor dem firmament des universums, unter dem wir alle weilen - aber ich möchte, dass das nicht aus Mangel an Alternativen bzw. aus den richtigen Gründen heraus geschieht. Wie ich selbst ja auch für mich suche - und wie es, um den Bogen mal superfett zu spannen: eigentlich jeder Künstler macht: nämlich alle Ausdrucksmittel versuchen kennen zu lernen, auszuprobieren, anzuwenden: denn je mehr Köcher ich im Ärmel habe, desto reichhaltiger meine Jagd, oder um es mit meinem geschätzten Watzlawick zu sagen: Wer nur einen Hammer hat, wird in jedem Problem einen Nagel sehen ...

Und nundaselbst und justament schlägt mich doch genau dieser Pfad zu der anderen Schneise, die da das gänzlich andere Universum anleuchtet: Dylan, der Bob der songtextgalaxie, die um sich selbst kreist und der sich gleichermaßen zu einem schwarzen Loch macht, damit man seine Texte eben nicht wie Fixsterne an die Wand seiner hauseigenen Überzeugungstapete nageln kann.
Zitat von Jongleur
....- Und dann gibt es natürlich unter anderem auch plakative Lieder wie das hier diskutierte. Zum Beispiel "blowning in the wind" oder viele seiner christlichen Lieder. Aber wenn man genau hinsieht, sieht man den Unterschied: Es wimmelt auch in diesen Texten, die scheinbar fast agitprop sind, von Bildern. Und Bilder haben halt ein reges Eigenleben, wenn man sie in den Kopf oder das Herz läßt.

Für mich ist Bob Dylans größtes Verdienst in der Rocklyrik, dass er alles mal ausprobiert hat... und damit noch nicht fertig zu sein scheint. Gerade er ermutigt zum Experimentieren. Hauptsache, man bleibt in Bewegung, hat eine Abneigung, sich ewig zu wiederholen und den Mut, es zur Abwechslung mal mit dem Gegenteil des ursprünglich Gewollten zu versuchen
Zustimmung, wobei ich:
Nehmen wir also den von uns beiden geschätzten Bob Dylan. Du wirst sicher nicht bestreiten, dass Dylan nie wieder zum eindeutigen Protestsong seiner Jugend zurück fand. Nun könnten wir über Dylan spekulieren (und kämen vermutlich zu ähnlichen Ergebnissen.
hierauf nicht wetten würde - dass wir nämlich zu ähnlichen Ergebnissen kämen. Was nicht an uns sondern eher an Dylan liegt, vermute ich.
Aber vielleicht ist alles viel einfacher. Auch Dylan - Sternbild Zwilling - fürchtete zunehmend, mit EINDEUTIGEN statt KLAREN Bildern von den verschiedensten Seiten vereinnahmt zu werden.
Sehr wohl: dem stimme ich zu.
Aber ich mache gleich mal das Fass darüber auf, nachdem man dem vorigen entronnen ist: Auch mit MEHRDEUTIGEN und POETISCHEN Texten kann man vereinnahmt werden. DAS ist eben KEIN Argument.
Und neben dem einen, dass ich denke, dass Dylan seinen eigenen Weg durch Formen, Stile und Haltungen gegangen ist und noch weiter geht, sehe ich das andere, dass er dabei - sei es aus Gründen, die in ihm liegen oder sei es aus Gründen, die er als Reaktion auf das Publikum gedacht hat oder beides - sich gerade dann entzogen hat, als alle dachten, sie hätte nun endlich den "wahren" Dylan entdeckt oder doch den, der so bleibt wie er ist.

Ich glaube tatsächlich, dass Dylan diese Dialektik so beherrscht wie kaum ein anderer (um kein anderer zu sagen, reicht mein Überblick nicht aus) - aber ich halte es eben auch für möglich, dass er irgendwann sein Publikum auch darin enttäuscht, dass ihn nun als den ewig Wandelnden und sich Verändernden ansieht und er irgendwann wie einstmals Einstein der ganzen Welt die Zunge rausstreckt und sagt: ich verblöde jetzt und werde es genießen und ihr könnt sehen wo ihr bleibt und mit irgendeiner unbedeutenden modern-traditionalistischen vaudeville-show über die dörfer tingelt.

Egal: genug spekuliert.
Kern des Ganzen ist: Ich wehre mich entschieden gegen eine Sicht, die den einen Dylan gegen den anderen auszuspielen sucht und wahlweise den "politischen" Dylan gegen den christlichen in den Ring schmeißt oder sein Alterswerk gegen die Jugend oder wie auch immer. Es ist halt immer Dylan. Punkt. Der Rest ist einfach nur, dass sich der Betrachter mit fadenscheinigen Argumenten seinen eigenen Dylan basteln möchte und den einen gegen den anderen ausspielt.
Mir schwant - und diese Aussicht beglückt mich - dass Du, Jongleur, genau dies NICHT machst.

Und dies - nochmal einen Salto geschlagen und auf den Boden gelangt - heißt für den threadersteller und die Möglichkeiten, seine Vorstudie zu einem Text zu machen, was?
Genau: dass er eben auch ALLES aus dieser Vorstudie machen kann: jegliche Form, jeglichen Stil, jeglichen Ansatz.
Es gilt nur eins: MACH ES GUT!
Was eben auch immer heißt: MACH ES SO GUT WIE ES JETZT GERADE GEHT. NICHT WENIGER UND NICHT MEHR.

Und auf genau das läuft meines Erachtens auch folgendes hinaus:
Als ich 17 war, schrieb ich flammende Antikriegslieder, weil ich dachte, meine Angst wäre größer, als die meiner scheinbar gleichgültigen täglichen Zeitgenossen.
Heute hab ich natürlich noch immer Angst vor Kriegen. Aber HEUTE ich weiß auch, das geht 99,99% meiner Zeitgenossen nicht anders.
Heute bin ich ratloser als früher, wie sich die sich zuspitzende Lage ändern lässt. Mit dieser Ratlosigkeit haben mich wohl die politischen Mandatsträger und ihre schreibenden Begleiter angesteckt. - Diese Ratlosigkeit ist allgegenwärtig und blockiert natürlich auch mich. Deshalb würde ICH heute eher über diese Blockade schreiben... ODER eben nicht: Nämlich dann, wenn mein Text die Ratlosigkeit vermehren könnte.
Würdest DU. Würde ICH vielleicht auch. Vielleicht auch nicht. Egal - weil es treibt mich gerade sowas nicht - und das ist für mich das Kriterium (weil ich es mir sozusagen leisten kann, nicht zu schreiben).
Das Entscheidende ist aber doch, was Tim als threadersteller gerade fühlt und will.
Vielleicht einen flammenden Anti-Kapitalismuskonzern-Text schreiben. Oder vielleicht auch nicht. Aber vielleicht eben keinen Text, in dem seine Ratlosigkeit thematisiert wird, weil er vielleicht gar nicht ratlos ist ...

Ich habe nun zumindest die zwei oder drei Pfade begangen, die mir die wichtigsten waren und die vor allem mein Anliegen in dieser Angelegenheit hoffentlich zumindest annähernd beschreiben.
Und ansonsten halte ich sintemalen an meiner Position fest - zum einen, weil es sonst keiner macht, und zum anderen, weil es der Wahrheitsfindung dient ...

x-Riff
 
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