Der Neuron VS - ein Erfahrungsbericht (to be continued...)

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Hallo,
diesen Thread benutze ich um euch von meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Neuron VS zu berichten. Da sich wahrscheinlich einige fragen, was das denn ist, eine kurze Einführung dazu.
Der Hartmann Neuron VS ist ein VST-Plugin und (bis auf den Hardware-Controller) die Software-Version des Hartmann Neuron, der im Erscheinungsjahr 2002 rund 5000 € gekostet hat. Wahrscheinlich ist die Firma auch deshalb pleite gegangen und stellt meines Wissens momentan Fernsteuerungen für Garagentore her...
Die Klangerzeugung des Neuron bzw. Neuron VS basiert auf der Technologie neuronaler Netzwerke. Allen Sounds werden bestimmte Parameter zugeordnet (warm/kalt, großer/kleiner Resonanzkörper usw.) die man durch die Bedienelemente verändern kann. Die Klangveränderung geschieht also nicht durch nachträgliche Veränderung (wie z.B. bei einem Filter) sondern der Sound selbst wird direkt verändert. Wem das zu unklar ist, hier die Erklärung des Herstellers. Und noch ein paar Bilder:

Der Hartmann Neuron:
neuron.jpg


Und der Neuron VS, das Ding das ich jetzt besitze:
hartmanneuronvs.jpg


Gestern um 12:00, als ich, braver Langschläfer der ich bin, noch friedlich schlummere, stürmt plötzlich mein Bruder ins Zimmer, wirft mir ein großes Paket aufs Bett, ruft "Hey, dein Zeug ist da!" und rennt wieder raus. Schnell wird das Paket geöffnet und ein wunderschöner Nuke (so heißt der kleine Controller) samt Handbuch und Installations-CD ausgepackt. Letztere wird in den PC geschoben und die Installation dauert nicht lange. Da der Neuron VS ein reines Plugin ohne Stand-alone-Modus ist, brauche ich noch einen Host, ziehe mir also schnell die Freeware(!) VST-Host aus dem Netz und starte das ganze. Erstes Problem, anstatt der Benutzeroberfläche nur ein graues Fenster. Aber keine Panik, das ist normal. Denn der Nuke wirkt nicht nur als Controller, sondern auch als Hardkey, also als Beweis dass man die Software rechtmäßig erworben und nicht einfach runtergeladen hat. Beim Versuch, die Treiber des Nuke zu installieren, treten die ersten wirklichen Probleme auf. Denn es gibt keine funktionieren Treiber für die 64bit-Version von Windows XP (die ich benutze) und da der Hersteller wie gesagt nicht mehr existiert, wird sich daran wohl auch nichts mehr ändern. Auch in dem englischsprachigen Forum, das ich gefunden habe (http://www.surroundsfx.com/forum/) und das ich jedem empfehlen würde, der einen Neuron oder Neuron VS besitzt, sagt man mir, es sei unmöglich, auf 64bit-Versionen damit zu arbeiten.
Aber ok, ich hab ja noch meinen alten Laptop, auf dem eine 32bit-Version läuft. Nur da dessen Laufwerk kaputt ist, muss ich mir die Installationsdateien aus dem oben verlinkten Forum runterladen (keine Angst, ist legal) und das dauert. Nachdem das ganze fertig ist, kann ich endlich versuchen die ersten Töne aus dem Synthesizer zu locken.
Da ich mit Unterbrechungen gearbeitet habe war es mittlerweile ca. 22:00, also habe ich bis jetzt nur ein wenig herumspielen können. Mein erster Eindruck ist dass der Neuron VS sowohl positive als auch negative Seiten hat. Eine der negativen ist zusammen mit dem damals exorbitanten Preis wohl der Grund, warum so wenige Leute das Ding gekauft haben; nämlich eine fehlende "Alltagstauglichkeit". Brot-und-Butter-Sounds sucht man vergebens (oder ich hab noch keine gefunden) und die Einbindung in eine Band bzw. einen Mix wird wahrscheinlich auch schwer werden.
Aber es gibt auch gute Seiten; wer auf Experimentelles, Bizarres, Außergewöhnliches steht, für den ist der Neuron ein Paradies. Ich habe zwar gerade erst an der Oberfläche gekratzt, aber ich habe das Gefühl, dieser Synthesizer hat großes Potential.

Ich werde nach ausführlicherer Nutzung weiterschreiben, solange könnt ihr ja Fragen stellen oder mir Verbesserungsvorschläge für diesen Bericht zukommen lassen.
 
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Hi,

Ich fand den Hartmann Neuron damals bei der Ankündigung sehr interessant; das Interesse verflog aber ziemlich schnell nach dem Besuch der Musikmesse im 2002: die Leute am Hartmann-Stand konnten die Technologie einfach nicht an die Frau/den Mann bringen. Ich hörte einen Besucher fragen, ob es sich bei diesen neuronalen Netzen um eine neuartige Textilie handle :) als Antwort erhielt er, dass komplizierte mathematische Berechnungen vorgenommen würden und das Ganze eigentlich viel zu komplex wäre, um es in diesem Rahmen zu erklären …
Die Presets im Ausstellungsmodell klangen nicht wirklich spektakulär, die Joysticks traute ich mich gar nicht erst anzufassen aus Angst, sie würden gleich abbrechen :rolleyes: … man hatte einfach den Eindruck, eine Menge Geld in teure (?) Hardware und eine höchstens halbfertige Software zu investieren. Ausserdem haben die Entwickler so viele neue, nichtssagende Ausdrücke erfunden, dass der Neuron doch eher als Akademiker-Spinnerei denn als Musikinstrument daher kam.
Es gab dann noch einen Live-Auftritt des Neuron in der Sommer-"Wetten, dass …"-Sendung aus dem Disneyland Paris im gleichen Jahr ("gespielt" von Hans Zimmer, wie meistens im Fernsehen natürlich ohne jedes Kabel …); danach habe ich von der Tasten-Version nie wieder etwas gehört oder gesehen.

Immerhin wurde die Software mit der Zeit noch etwas weiter entwickelt und der Neuron VS war wirklich gar keine schlechte Idee, die Klangerzeugung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Glücklicherweise wurde nicht der Fehler gemacht, die Berechnung in eine DSP-Box auszulagern; so war immerhin eine etwas längere Lebensdauer garantiert.

In diesem Zusammenhang würde es mich interessieren, wie viele Stimmen der Neuron VS in einem modernen Rechner hinbekommt (Polyphonie)? Beim Hardware-Neuron war nämlich je nach Klang-Modell bei 6-8 Stimmen bereits Schluss. Die Modelle waren offenbar - obwohl klanglich auch nicht soo viel ergiebiger als ein additiver oder Wavetable Oszillator, oder ein Geflecht aus FM-Operatoren; wenn auch zugegebenermassen mit viel weniger Parametern - unglaublich rechenintensiv, so dass die versprochenen 32 Stimmen (später auf 24 heruntergeschraubt) zumindest auf dem Hardware-Neuron niemals erreicht wurden.

Ich freue mich schon auf deinen Bericht!

Grüsse
synthos

[edit]Ach ja, noch zwei Fragen: Wie lange dauert das Laden eines neuen Modells? Wie viel Speicher belegen die Modelle auf der Festplatte? Der Neuron hatte eine 20GB-Platte - völlig überdimensioniert oder gerade ausreichend?[/edit]
 
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Ein Kollege von mir hat auch einen Neuron (Tastenversion) und als er ihn zu Servie Zwecken mal aufgemacht hat kam nichts anderes als PC Innereien dabei raus....

Eigentlich ist der Neuron nur ein PC in einem Keyboard Gehäuse... eigentlich ein wenig erbärmlich wenn man den hohen Preis mal ansieht...

Zudem wissen wir von PC Komponenten dass diese nicht lange halten.... zumindest nicht so lange wie es ein DX7 tut ;)

Klanglich soll der Neuron ganz interessant sein.. Habe selber nie gross damit gespielt (zu komplex um mal eben was hinzubasteln) habe aber sehr interessante Ergebnisse davon gehört (Pads und Chöre etc..)
 

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