Deutscher Akzent oder falsche Aussprache?

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Hallo,

Ich hatte letztens eine Diskussion mit jemandem über das Wort "Iron Man" (Ozzy Osbourne) "Iron, Lion, Zion" (Ziggy Marley) und der Band "Iron Maiden"
Etwa 98% der deutschen Fernseh-Moderatoren und studierten Synchronsprecher sprechen das Wort "Iron" falsch aus. Es gibt zu dem Thema auch mehrere youtube-videos.

Sie antwortete, sie würde einen Amerikaner kennen, der sich über den deutschen Akzent im Englischen lustig macht. Da wäre sie dagegen. Sie hätte nichts gegen einen deutschen Akzent.

Ist das deutscher Akzent, wenn man statt "University" = Uniworse-city sagt?

Oder "Star Wars mit Darth Vader" wird "Star Varse mit Dark Weighder" ausgesprochen?

Und der berühmte Gitarrist Steve Vai heißt neuerdings Steve Way? Ich kenne nur Pete Way.

Statt "Standing Ovations" heißt es auf deutsch: "Oh-Way-tions".

Das ist doch kein deutscher Akzent?

Deutscher Akzent wäre z. B. statt "the" = "se" zu sagen.

Aber statt "Ian Gillan" = "Iron Gillan" zu sagen, ist doch kein deutscher Akzent?


Gruß
 
Amerikaner sprechen Worte oft ganz anders aus, als zB ein Engländer.
 
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Natürlich weicht hier das UK English vom US English ab
UK: /aɪən/ - stummes "R", leichtes "J"
US: /aɪrn/ - das "R" ist präsent, aber dafür das "o" quasi stumm
Das gemeinte denglische ei-rron gibt es in der Tat nicht.
Hm ja, und nun? :ugly:
 
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Engländer sprechen das "a" auch wirklich als a aus (sehr schön zu hören, wenn Cockney gesprochen wird), während der Amerikaner es als "ä" oder "e" spricht.
Weiss auch nicht, schau ma mal.
 
Ein einzelnes nicht normgerecht ausgesprochenes Wort ergibt noch lange keinen Akzent. Wörter werden fast immer in Kontexten verwendet, in Sätzen oder Satzfragmenten. In solch längeren Äußerungen manifestieren sich Akzente dann durch die Kombination von nicht-muttersprachlicher Satzmelodie und nicht regelkonformer Aussprache einzelner Wörter sowie möglicherweise durch Wortwahlfehler.

Die im Eingangspost genannten Beispiele sind typisch für einige Schwierigkeiten vieler deutscher Muttersprachler mit der englischen Sprache. Die /th/-Schwäche vieler Deutscher wird zwar oft postuliert, ist aber nur ein kleiner Teil eines etwaigen deutschen Akzents. Mir fällt aber als allererstes eine typisch deutsche Satzmelodie auf, und die ist aussagefähiger als ein "Zis is vhere ve vill meet tomorrow."
 
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Amerikaner sprechen Worte oft ganz anders aus, als zB ein Engländer.
schon richtig, aber
1. warum sollte ein Deutscher Amerikanisch sprechen? Das wäre so, als wenn ein Amerikaner versucht, in Deutschland musikalischen Erfolg zu haben, in dem er Bayrisch singt. Oder Sächsisch.
2. Die Amerikanische Sprache betont die Konsonanten extrem. D. h. du singst vorwiegend auf den Konsonanten. Im Lehrbuch steht aber, man sollte auf den Vokalen singen. Englisch klingt demnach musikalischer als amerikanisch. Ich höre Musik generell nicht analytisch, sondern nach Gefühl. Mein Gefühl hasst amerikanisch. Aus dem Grund höre ich die aktuellen angesagten song nur ungern. Ich mag lieber die alten songs, die aus UK kamen, z. B. Oasis.


Ein einzelnes nicht normgerecht ausgesprochenes Wort ergibt noch lange keinen Akzent. Wörter werden fast immer in Kontexten verwendet, in Sätzen oder Satzfragmenten. In solch längeren Äußerungen manifestieren sich Akzente dann durch die Kombination von nicht-muttersprachlicher Satzmelodie und nicht regelkonformer Aussprache einzelner Wörter sowie möglicherweise durch Wortwahlfehler.

Ein begabter Musiker hat nicht nur für Töne ein Gehör, sondern auch für die Sprache. D. h. du kannst als begabter Musiker ein fremdsprachiges Lied nachahmen, ohne die Sprache zu kennen. Man spricht es aus, wie es einem vorgemacht wird. Deswegen gibt es viele deutsche Sänger, die "amerikanisch" perfekt nachahmen können.

Doch manchmal wird es übertrieben. Das deutsche 7jährige Kind lernt Anglizismen im Fernsehen. Dort wird, wie gesagt, zu 98% falsch englisch gesprochen.

Das unmusikalische Englisch wird einfach so - unmusikalisch - weitergegeben. Wobei das die hochbegabten sind. Die Sänger:innen von "The Voice" z. B. lesen einfach nur falsch ab.
 
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Deutscher Akzent wäre z. B. statt "the" = "se" zu sagen.

Oder Auslautverhärtung aka 'final obstruent devoicing'. Machen andere aber auch, aber Deutsche machen das sehr gerne.

BTW, proper English:



Regards
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Beitrag automatisch zusammengefügt:

alle Deutschen, die in der Schule englisch lernen, lernen eigentlich die amerikanische Ausprache, obwohl es Oxford sein soll.

Bei mir damals 'received pronunciation' angesagt, bis ich in der Oberstufe einen Lehrer hatte mit East-Coast-Einschlag und seinem expliziten Rat, bloß nicht seinen Akzent zu kopieren, weil es eben keine 'received pronunciation' war.

YMMV
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alle Deutschen, die in der Schule englisch lernen, lernen eigentlich die amerikanische Ausprache, obwohl es Oxford sein soll.
Die Schule: Demnach existiert die englische Sprache nicht mehr. Englisch ist nichts anderes als eine falsche Aneinanderreihung von deutschen Anglizismen. Es gibt kaum ein englisches Wort, was nicht bereits eingedeutscht wurde.

Dabei streitet die Duden-Redaktion noch darüber wie die neuen Wörter geschrieben werden müssen.

Begriffe wie "Online-Banking" werden 1:1 übernommen, andere werden eingedeutscht. Wie entschieden wird, hängt vom Pegel der Duden-Redaktion ab.
 
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Etwa 98% der deutschen Fernseh-Moderatoren und studierten Synchronsprecher sprechen das Wort "Iron" falsch aus. Es gibt zu dem Thema auch mehrere youtube-videos.

Wie spricht man denn IRON falsch aus :unsure: ? Eine Diskussion über die Aussprache dieses Wortes hatten wir vor dreißig Jahren mal im Kreise von Freunden in England geführt, weil zwei von den nativ Speakers das Wort komplett unterschiedlich aussprachen - die eine Person betonte das "r" sehr deutlich, die andere Person ließ dieses komplett aus. Beide Personen mit höherer britischer Schulbildung. Nach einer langen und intensiven Diskussion blieb letztendlich offen, welche der beiden Aussprachen die "richtige" ist.
 
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Jedenfalls sind wir die Mehrheit, Menschen, die Englisch als Fremdsprache haben, ich würde mir da nicht so'n Kopf machen.

Und ja, bei uns hat Public viewing eine andere Bedeutung, dann kann man es im Duden mit unserer Bedeutung lexikalisieren.

Ich hatte mich gewundert, Thorsten Schröder sagte beim Leseabend Ian Man, ich dachte das r müsse gesprochen werden bei Iron man und er könne das nicht.

Manche sagen Neikie für Nike, das finde ich affig, selbst wenn es richtig wäre. Ich sage Neik.

Oder Lieweis für Levi's, ich sage Lewwiss.
 
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Bei mir damals 'received pronunciation' angesagt, bis ich in der Oberstufe einen Lehrer hatte mit East-Coast-Einschlag und seinem expliziten Rat, bloß nicht seinen Akzent zu kopieren, weil es eben keine 'received pronunciation' war.
wir haben im Englisch-Leistungskurs hauptsächlich amerikanische Literatur, bzw Texte analysiert, bin nicht so sicher, was received pronunciation ist, die Aussprache war deutlich amerikanisch im Unterricht.
 
Ist das deutscher Akzent, wenn man statt "University" = Uniworse-city sagt?
Ja, eindeutig!

Es ist nämlich so:
Jede Sprache besteht aus vielen verschiedenen Geräusche. Manche Geräusche sind in vielen Sprachen zu finden, manche nur in einer oder ein paar Sprachen. Das ist nicht schlimm, und kleine Kinder von Island bis Mallorca haben kein Problem mit den Geräuschen ihrer jeweiligen Muttersprachen. Dummerweise kommt irgendwann die Bildung dazu, und die kleinen müssen lernen, welche Geräusche zu welchen Buchstaben gehören. Das wäre an sich nicht schlimm - aber auf der weiterführenden Schule kommt eine Fremdsprache dazu. Und dummerweise verwenden die allermeisten europäische Sprachen das gleiche lateinische Alphabet. Und dieses Alphabet kann gewisse Geräusche (die es in Latein nicht gab) nicht darstellen. Deshalb gibt es in manchen Sprachen Doppelbuchstaben wie "ch" in deutsch "Nacht" oder "th" in englisch "thing" oder "ll" in isländisch "fjall". Ein weiteres Manko im lateinischen Alphabet ist die unfähigkeit, zwischen dem weichen Geräusch wie im englischen "well" oder im französischen "oui" und das harte Geräusch wie im englischen "very" oder im franz. "vrais" zu unterscheiden. Deshalb haben einige euorpaische Sprachen (inkl. Deutsch) dafür zwei Buchstaben: "w" und "v". Englisch reizt dieses Buchstabernpaar voll aus: "vine" und "wine", z.B. fangen ganz unterschiedlich an, schon von der Lippenstellung her.
Im Deutschen ist dem nicht so. Das "v" steht für ein ähnliches Geräusch wie das "f" - und das "w" (wie in "Wille" z.B.) liegt - schon von der Lippenstellung her - irgendwo zwischen dem englischen "v" und "w". Daran erkennen wir Anglophone sofort einen Deutschen, wenn er von der sagt: "I vas ät ze uniwersity", weil - nach unserem Gehör - sein "v" in richtung "w" und sein "w" in Richtung "v" verschoben ist. Deutsche sagen nicht wirklich "uniwersity" - es klingt nur so, weil die Zuordnung der Geräusche zu den Buchstaben eine andere ist! (Übrigens: "ze" statt "the" könnte auch von einem Franzosen kommen.)
Alles klar? :gruebel:
Cheers,
Jed
 
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bin nicht so sicher, was received pronunciation ist,

Defintiv British English. Wir haben auch die britischen Vokablen gelernt (lorry statt truck usw.) und später, nach zwei Jahren oder so, zum Vergleich mal amerikanische gelernt. (Englisch war meine zweite Fremdsprache.)


To whom it may concern:



Regards
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Als Musiker sollte man sich relativ leicht tun, den Klang eines Akzents zu hören. Falsche Aussprache und Akzent sind unterschiedliche Dinge.

Wobei falsche Aussprache auch relativ ist. Was ist falsch, was ist richtig? Jedenfalls jemanden, der Englisch spricht, aber Deutsch als Muttersprache hat, erkenne ich am Klang und wahrscheinlich nicht nur ich.



und das:

 
Für Unterrichtszwecke, Wörterbucheinträge (auch Wikipädien) u.ä. gibt es Lautschrift. Das erspart einem das blinde Herumgestochere in impressionistischen Beschreibungen wie hart/weich, breit, usw.

Das Problem mit der Nachahmung ist, daß man oft nicht hören kann auf was man nicht trainiert ist, geschweige das auszusprechen.
 
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die eine Person betonte das "r" sehr deutlich, die andere Person ließ dieses komplett aus. Beide Personen mit höherer britischer Schulbildung.

Yup.

Ich höre freitags und sonntags abends gerne Fraser Gartshore beim Orgelspiel zu. Ein nicht-gälischer Schotte, aber der für einen Deutschen (Latein als Ⅰ. Fremdsprache) verständlichste native Englischsprecher, der mir bisher untergekommen ist; im YT-Chat sagte einer, das läge daran, daß er die Vokale sehr betone / nicht auslasse.

Englische Dialekte „vom Land“ verstehe ich nicht, Amerikaner auch nur selten und ihr slurring (d statt t und so) tut mir in den Ohren weh. Niederländer, die Englisch sprechen, gehen noch… Deutsche (mich eingeschlossen) eher nicht.
 
Grund: nee, auch woanders
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Skandinavier, die Englisch sprechen, finde ich auch lustig. Dann habe ich noch einen griechischen Kollegen, der sehr gut Englisch spricht, aber mit soo einem geilen Akzent, dass ich mit ihm sofort einen Ouzo trinken möchte - aber den für gute Freunde!

:LOL: :giggle:
 
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