Du meine Güte, was schlagen die Wellen hier wieder hoch!
Ein Sprichwort sagt: "Über Geschmack lässt sich nicht streiten". Gemeint ist aber, dass es darüber selten einen konstruktiven Streit gibt der wie auch immer in einen Konsens münden kann, denn Geschmack ist nun mal eine rein subjektive Sache. Und tatsächlich wird gerade darüber am heftigsten gestritten, meist destruktiv, wie auch dieser Thread wieder einmal zeigt.
Das zu Geschmack gesagte gilt auch für die "Seele der Musik" und über beides habe ich hier bewusst nichts ausgesagt.
Ansonsten kann man über Musik, über Können, Spielvermögen usw. selbstverständlich jede Menge objektive Aussagen treffen. Ob jemand gut oder schlecht spielen kann, eine gute oder schlechte Technik hat, die Töne generell trifft oder nicht trifft, objektiv falsche Töne spielt usw., usw.
Man kann auch sehr einfach und ganz objektiv feststellen, ob ein Klavier verstimmt ist oder nicht.
Was man aber nicht sagen kann ist, dass niemandem ein verstimmtes Klavier zu gefallen habe. Natürlich hat jeder das Recht, den schrägen Klang eines verstimmten Klaviers subjektiv "schön" zu finden. Wenn ich Pianist wäre, einen Beethoven-Abend zu spielen hätte und der Veranstalter stellt mir einen verstimmten Flügel hin weil er es "schön" findet, würde ich mich weigern das Konzert zu spielen.
Hätte ich aber eine Cage-Abend zu spielen würde ich protestieren, wenn der Flügel nicht entsprechend präpariert werden dürfte einschließlich notwendiger Verstimmungen.
Ich selber habe öfter mit halb gezogenen Registern an Pfeifenorgeln experimentiert (geht nur mit mechanischen Registerzügen). Das klingt so herrlich schräg! Und kann, richtig eingesetzt, sehr viel Ausdruck und "Seele" haben. Meiner Erfahrung nach funktionieren solche Effekte aber nur und verfehlen dann ihre Wirkung nicht, wenn man sie behutsam, sorgfältig, gezielt und nicht im Übermaß einsetzt. Richtig platziert kann so etwas im Gegenteil eine außerordentlich starke Wirkung haben.
Noch etwas zu "Toleranz": Intolerant ist nicht derjenige, der inhaltliche und geschmackliche Aussagen über Musik macht, welche und welcher Art auch immer. Intolerant ist derjenige, der das andere, das von ihm nicht gemochte nicht dulden will, der es womöglich verbieten will (es fiel das Stichwort "entartete Musik").
Mir liegt es fern, von mir nicht gemochte oder als schlecht befundene Musik verbieten zu wollen oder auch nur, irgendwem vorschreiben zu wollen, was ihm zu gefallen hat und was nicht. Wir leben in einer freien Welt (deren Freiheit es zu bewahren gilt!) und hier hat jeder das Recht, Musik so zu machen wie er will und Musik zu hören welche und wie er will!
Aber auch mir steht die Freiheit zu, Musik zu beurteilen (nicht: zu verurteilen!), wie ich das für richtig halte (und als Profimusiker traue ich mir schon einiges an Beurteilungsvermögen zu). Wer damit nicht umgehen kann oder sich persönlich angegriffen fühlt, sollte sich besser nicht an solchen Diskussionen beteiligen.