Die (Wieder-)Entdeckung der Sopranblockflöte

von michaeldewerd, 21.11.20 um 19:30 Uhr.

  1. michaeldewerd

    michaeldewerd Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.11.20 um 19:30 Uhr   #1
    Ich habe es schon in meinem Thread über irische Musik geschrieben, aber ich dachte, dass es ein so interessantes Thema ist, dass ich nochmal einen Thread eröffne. Vorgestern heb ich zum ersten Mal in meinem Leben Sopranblockflöte gespielt. Mein Nachbar hat mir seine Flöte geborgt, auf der er sowieso nie spielt, und vielleicht will er mir sie sogar schenken. Obwohl sie für viele Leute das erste Musikinstrument habe ich immer einen Bogen um die Sopranblockflöte gemacht. Einerseits war es die Erinnerung an die falsch flötende Schulklassen und die Vorurteile die es gegen das Instrument gibt - "das habe ich als Kind auch mal gespielt". Ich habe zwar vor einigen Jahren angefangen Barockmusik auf der Altblockflöte zu spielen, aber ich habe immer betont, dass es eine ALTblockflöte ist und nicht die berüchtigte Schulflöte. Daneben gab es auch die Erfahrungen mit meinem Blockflötenensemble, wo ich normalerweise Gambe spiele. Es wurde dort nur selten eine Sopranblockflöte gespielt und irgendwie fand ich nicht, dass sie klanglich nicht so gut zum Rest passte.

    Aber wegen der irischen Musik für Blockflöte und Harfe, die ich momentan spiele, bin ich doch auf die Sopranblockflöte gestoßen. Ich habe zwar mit dem Tin whistle geliebäugelt und sogar einen gekauft, aber er ist irgendwie nicht mein Ding. Die Sopranblockflöte war dagegen eine richtige Offenbarung. Der Klang ist zwar sehr hoch, aber nicht unangenehm. Mit der Umstellung von einer F- auf eine C-Flöte habe mir überhaupt keine Mühe gehabt. Es ging sofort. Vielleicht half mir dabei die Erfahrung mit der Klarinette. Die hohen Töne sprinken zwar nicht immer gleich an, aber das wird schon werden.

    Ich muss allerdings sagen, dass ich die Sopranblockflöte ein besonderes Instrument ist. Entgegen der üblichen Meinung ist es für mich keine "normale Blockflöte" wie eine Alt- oder Tenorblockflöte. Ich denke, dass sie für die keltische Musik passend ist, vor allem wenn man mit anderen Instrumenten spielt. Es gibt ja eine Möglichkeit, dass künftig mit einem Folkband spielen werde. Aber bei anderen Stücken kann ich sie mir schwerer vorstellen. Für mittelalterliche Musik bestimmt auch, aber da kenne ich mich nicht aus. Beatlessongs oder Weihnachtsmusik werde ich bestimmt nicht auf ihr spielen. Und die Barockstücke sind ja üblicherweise für Altblockflöte geschrieben.

    Es würde mich interessieren, wer von Euch auch regelmäßig Sopranblockflöte spielt. Landet sie eher auf einen Abstellgleis, wenn angefangen hat, andere Typen von Blockflöten zu spielen? Und was für Sachen spielt ihr normalerweise darauf?
     
  2. Lisa2

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    Erstellt: 21.11.20 um 22:51 Uhr   #2
    Obwohl ich auch verschiedene sehr schöne Alt- und Tenor-Blockflöten aus Edelhölzern spiele, blieben meine verschiedenen Sopran-Blockflöten wegen des fröhlichen, frischen Klangs immer meine Lieblingsblockflöten.

    Musik? Querbeet, was mir in die Finger kommt und mich gerade anspricht. Das kann sehr unterschiedlich sein. Mal ein Beispiel, das im Netz lagert.
    https://soundcloud.com/lisa-231/plus-dure-2016-07-07-ste-009-sbfl-yamaha-ecodear/s-QppTs

    Gruß
    Lisa
     
  3. michaeldewerd

    michaeldewerd Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.11.20 um 01:15 Uhr   #3
    Hallo Lisa

    Danke für den Soundcloudlink. Guillaume de Machaut kannte nicht, aber es klingt sehr passend. Und schön gespielt!
    Ich habe inzwischen auch schon die Noten gesucht.

    Liebe Grüße

    Michael
     
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  4. DieDa!

    DieDa! Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.11.20 um 15:35 Uhr   #4
    Ich spiele zwar etwas häufiger auf der Altblockflöte, aber ich liebe die Sopranflöte. Sehr gerne spiele ich z.B.

    Partita No. 2 von Telemann (hier z.B. Hans-Martin Linde mit Siciliana und Presto) oder Sonaten von Cecchino, Frescobaldi, Delalande oder Corelli. Und natürlich van Eyck mit seinem Fluyten Lusthof", hier z.B. Michaela Petri mit Engels Nachtegaeltje. Irisch spiele ich auch manchmal gern.

    In Blockflötenensembles gibt es meist auch eine Sopranstimme, aber nur einfach besetzt, während die tiefen Stimmen i.d.R. mehrfach besetzt sind.

    Auf jeden Fall schön, dass du Spaß daran hast!
     
  5. Bernhard_Baptist

    Bernhard_Baptist Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.11.20 um 18:36 Uhr   #5
    Ich gratuliere Dir zur (Wieder-)entdeckung der Sopranblockflöte!
    Für mich gehört sie absolut gleichberechtigt zur Blockflöten-Familie mit all ihren unterschiedlichen Stimmlagen. Es gibt sie wie ihre größeren (und kleineren!) Geschwister auch in unterschiedlichen, epochentypischen Bauarten mit vielfältigen Klangspektren, die sie vielseitig einsetzbar machen.
    Zum Repertoire hat @DieDa! schon einige essentielle Anhaltspunkte gegeben:
    Allein der Fluyten Lusthof kann einen wohl ein Leben lang begleiten. Telemanns Partiten sind technisch nicht besonders anspruchsvoll, klingen aber allerliebst und eignen sich hervorragend für den Einstieg in hochbarocke Musik mit der "Kleinen".
    Ja, für die Altblockflöte gibt es mehr Literatur, war sie doch lange die Standard-Konzertflöte. Aber auch für die Sopranflöte ist eine Fülle von Material überliefert, die sich nicht so schnell erschöpft.
    Meines Erachtens offenbart die Sopranblockflöte insbesondere als Melodieinstrument im Ensemble ihre volle klangliche Pracht, sei es in einem kleinen Konsort, im barocken Concerto oder in der rustikalen Stubenmusik gemeinsam mit Gitarre etc. Gerade in der (Vor-)Weihnachtszeit kann sie mit ihrer wunderbaren Eignung für pastorale Melodien etwas Frieden und Besinnung in so manche gestresste Seele tragen.
    Wer einmal in einer großen, gotischen Kirche mit der diesen Kathedralen eigenen, stupenden Akustik spielen kann, wird vermutlich wie ich beim ersten Mal mit großen Augen und Ohren staunen: Eine Sopranflöte kann diesen musikalischen Raum locker füllen. Wird sie von der Orgel begleitet, dann geht dieses kleine Stück Holz akustisch nicht unter, sondern erweist sich als klangmächtiger Partner. Es ist für mich jedes Mal wieder ein zutiefst ergreifendes Erlebnis, z B. van Eycks Psalmen in einem solchen Dom zu spielen.
     
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