[E-Gitarre] Steve Morse Music Man, Blueburst

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Erstmal hallo an alle Zusammen. Als Neuling im Forum möchte ich hier mal meine Gedanken zur EB MM Steve Morse (erste Serie) deponieren. Man verzeihe mir bitte jegliche Anfängerfehler.


Der weite Weg


Seit Steve bei Deep Purple mitmischt, ist er wohl den meisten Gitarristen ein Begriff.

Ich hörte jedoch schon damals die Dregs resp. die Steve Morse Scheiben und bin daher schon ein "langer" Fan seiner Gitarrenkünste.

Sein Signaturmodell (welches mit vier Pickups und seiner eigenwilligen Schaltung sehr speziell ausgefallen ist) ist sicher nicht jedermanns Sache. Eine so komplexe Schaltung kann sich wohl nur ein Pilot ausdenken..

Wahrlich, da ist was dran. Soviel sei aber gesagt: Die Schaltung ist nicht so kompliziert wie es den Anschein macht. Mich hat das Instrument nun schon zwei Jahr fest im Griff (oder war es umgekehrt, in kann mich nicht erinnern).

Da die Music Man Gitarren in der Schweiz nur über Bestellung in den USA zu haben sind (Wartefrist von einem Monat, resp. sechs Monaten bei einer Neuproduktion), bin ich direkt ins Nachbarland, genauer gesagt nach München zu ProMusicTools geschlendert.


Das heisst es war nur ein virtueller Spaziergang, den von Bern nach München ist ja auch nicht gerade um die Ecke. Habe also die spärlich gesäten Infos im Netzt gesammelt, habe zig E-Mails mit ProMusicTools ausgetauscht und schlussendlich die MM SM bestellt. Risiko? Ja, war es. Aber heute kann ich froh auf die Entscheidung zurückblicken.



Specs


Hersteller: Ernie Ball Music Man, USA Kalifornien

Body: Pappel
Lackierung: High Gloss Polyester, Morse Blue
Pickguard: Schwarz-Weiss-Schwarz
Hals: Selektiertes Ahorn
Finish: Gunstock Oil / handgewachst
Griffbrett: Rosewood
Mensur: 648mm
Bünde: 22 Medium Jumbo
Mechaniken: Schaller Locking Tuners M6
Elektronik: Passiv, ein 3-Wege Schalter und 2 Umschalter
Pickups: DiMarzio (neck to bridge), DP-205, DP-108 (2x), DP-200
Zubehör: Inkl. Koffer


Blaues Mojo


Bei meinem Exemplar handelt es sich um die "normal Ausführung". Das heisst ohne Floyd Rose Tremolo. Stattdessen findet man den für Steve entwickelten "Solid Brass Tail Block" (auf was die Amis nicht alles kommen). Die Gitarre ist mit einem wunderschönen Blueburst überzogen. Die Lackierung auf Polyester Basis lässt das Holz schön durchschimmern. Auf dem dreischichtigen Schlagbrett (schwarz-weiss-schwarz) finden die DiMarzio Pickups platz. Zur Schaltung später mehr.


Der Hals mit Palisandergriffbrett ist bei meinem Instrument sehr schick ausgefallen. Vogelahorn wohin das Auge reicht. So muss das sein! Ich würde den Hals als modernes C Profil beschreiben. Wirklich sehr angenehm zu bespielen, obwohl er sich doch recht von Fender oder Les Paul Hälsen unterscheidet. Hier ist erstmal ein wenig Neuland angesagt, aber nach nicht mal einer Woche hat man sich daran gewöhnt. Der neutrale Headstock trägt sechs Schaller M6 Locking Tuner. Die typische 4 zu 2 Anordnungen kommt natürlich auch bei Signaturmodellen zum Zuge. Der kleine Kopf ist Geschmacksache und benötig schon seine Eingewöhnungszeit (das Auge spielt ja schliesslich mit).


Auf den ersten Blick wirkt die Gitarre, trotz der üppigen Tonabnehmerbestückung, eher scheu und zurückhaltend (ev. ein Mojo von Steve). Was klar ins Auge fällt ist die Tonabnehmer Flotte und die diversen Schaltungen. Die Lackierung mag nicht jedermanns Sache sein, aber Zeitlos ist sie auf jeden Fall. Auf Wunsch wird die Gitarre auch in Ebony und anderen Custom Farben angeboten. Das Instrument wirkt eher klein und handlich. Für nicht allzu grosse Menschen wie mich ideal.



Grosse Schwester der Silhouette


Die Music Man Silhouette (Special), welche als Vorbild für das SM Modell diente, lässt hier ganz klar grüssen: Eingestöpselt wird das gute Stück wie bei einer Les Paul. Also Fender untypisch. Diesen Umstand sollte man jedoch begrüssen, da die Gitarre sonst zu überfüllt wirken würde.


Anders als bei den Silhouette Modellen ist die SM ohne Fräsungen für Arme und Körper aufgebaut. Angenehmer Nebeneffekt: Die Gitarre klingt und klingt als ob es kein Morgen geben würde. Ewiges Sustain ist garantiert. Ein weiterer Pluspunkt ist die Balance. Die Gitarre liegt ob im Sitzen oder im Stehen immer perfekt am Körper. Hier muss jeder für sich entscheiden ob er die Ausfräsungen (à la Petrucci) vorzieht oder doch den etwas direkteren und volleren Sound im Ohr haben möchte. Vor- und Nachteile gibt es sicher bei beiden Varianten. Jede Ausfräsung wirkt sich halt auf den Sound aus. Beim Morse Modell wurden zudem alle Kanten abgerundet, was einen angenehmen Kontakt zwischen Oberarm und Gitarre verspricht.


Der Hals-Korpus-Übergang wurde wie bei der Silhouette ebenfalls abgerundet. Dies ermöglicht eine phantastische Bespielung der sauber abgerichteten 22 Jumbo Bünden. Aus soundtechnischen Gründen hat man auf 24 Bünde verzichtet. Steve benutzt den Neck Pickup für schnelle Sololäufe und wollte deshalb einen singenden Ton. Dieser wäre jedoch nicht der selbst, wenn man 24 Bünde auf der Gitarre platziert hätte.


Fünf Schrauben dienen der Stabilität zwischen Hals und Korpus. Die Punkteinlagen, welche kleiner daherkommen als bei einer Strat, dienen der nötigen Übersicht. Die ganze Gitarre ist sehr sehr (wirklich sehr) gut verarbeiten. Man sucht und sucht und findet keine Makel. Klar bei einem Preis von EURO 1990.- darf man das auch erwarten. Hier muss man Music Man recht geben wenn sie sagen: "We don't need a Custom Shop, we are one".

In diesem Sinne: Hut ab!

Natürlich hat die Gitarre seit ihrem Kauf nun schon ein paar Schrämchen abbekommen. Was auch immer (wieder) Freude bereitet sind die exakt arbeitenden Locking Tuners. Die Gitarre verstimmt sich quasi nie! Einstöpseln und loslegen, wer mag das nicht? Man kann die Morse Gitarre also fast als grosse Schwester der Silhouette betrachten. Aber eben nur fast. Der Pappelkorpus und die verschiednen Pickups gehen hier meines Erachtens weiter als die Silhouette. Parallelen sind aber unmissverständlich festzustellen.



Cockpit - Ready for take off


Man man gibt es an dieser Gitarre viele Switches und Toggles. Das sieht ja kompliziert aus. Alles halb so wild!


Die Gitarre bietet ein Volume und ein Tone Poti. Steve wollte diese (anders als z.B. bei einer LP) in Griffnähe um die Potis als zusätzliche Effekte zu nutzen. Hierzu gibt es sehr schöne Video-Lektionen auf Youtube (Steve spielt unter anderem mit Hilfe des Tone und Volume Poti Stücke von Bach). Es lassen sich somit sehr schöne, klassische Elemente erzeugen. Larry DiMarzio lässt grüssen.


Der Drei-Weg Lever Switch funktioniert
fast wie eine "normale Schaltung":

Ganz nach unten wird der Bridge Humbucker aktiviert (soweit alles normal).


In der Mitte wird nicht der mittige, gerade Single Coil sondern der Neck Humbucker aktiviert.

Steve wollte diese beiden Komponenten nahe beieinander, da er sehr viel zwischen den beiden Humbuckern umschaltet.

Ganz nach oben wird also der mittige, gerade Singlecoil zugeschaltet. Manchen mag dieser Tausch umständlich und ungewohnt vorkommen. Die Lösung ist aber sehr praxisorientiert und geht schnell von der Hand.


Der Zwei-Weg Toggle Switch ganz oben (nahe den Pickups) dient lediglich der Zuschaltung des Bridge Humbuckers. Somit kann man zusätzlich zum Drei-Weg Lever Switch immer den Bridge Humbucker zumischen und so zwei Tonabehmer miteinander verbinden. Was mich hier allerdings etwas stört ist die Position des Toggle Switch. Er liegt wirklich sehr nahe bei den Pickups und da kann es durchaus mal vorkommen, dass man beim anschlagen der Saiten den Switch ungewollt aktiviert. Dies ist vor allem beim Cleansound ein Problem, da das (ungewollte) Zuschalten des Bridge Humbuckers schon einen extremen Soundunterschied herbeiruft. Es benötigt hier also etwas Übung, damit man nicht zu sehr "schreddert". Wenn man aber im Hinterkopf hat, dass da noch ein Switch ist, ist das Problem in den Griff zu kriegen.


Der Drei-Weg Toggle Switch (ganz unten) dient der Zuschaltung des schräg montieren Pickups.

Er ähnelt dem Sound eines middle Pickups der Strats. Steve benutzt diesen nur sehr selten.
Auch ich muss gestehen, dass ich diesen Pickup nur sporadisch verwende. Es ist aber optimal auf den Clean Bereich ausgerichtet. Den Schalter ganz nach oben gerichtet aktiviert nur den schrägen Single Coil. Alles andere wird ausgeblendet. In der Mitte schaltet es den schrägen Pickup zu allen anderen ausgewählten Tonabnehmern. Nach unten geschaltet wird der schräge Pickup desaktiviert.

Zu den Tonabnehmern gibt es noch zu sagen, dass sie sehr tief montiert sind. Viele Leute kaufen eine Morse Gitarre und denken sich gleich, dass die Pickups zu tief montiert sind. Die Pickups sind aber tatsächlich so gedacht, da sie einen sehr hohen Output mit sich bringen.Raufschrauben muss also nicht sein.



Schöner Sound - nicht nur für Deep Purple / Steve Morse Fans


Meine Musikrichtung geht ganz klar in die Richtung von Deep Purple (resp. allgemeiner 70er - 80er Rock). Von daher ist das Instrument wie geschaffen für mich. Zu Hause benutze ich den Fender Princeton Chorus (USA). Mit ihm kommt man wirklich sehr nah an den Sound von den Purple Scheiben. Natürlich ist es kein Steve Morse Engl, aber für in der eigenen Bude reicht es. Man will ja keinen Ärger mit den Nachbarn.. (noch nicht)


Im Cleanbereicht lässt die Gitarre ihre Vielseitigkeit spielen und setzt auf harmonische und singende Sounds. In jeder Position klingt die Gitarre klar und transparent. Der schräge Pickup lädt hier Stratocaster und Telecaster zum mitsingen ein. Sehr gelungen! Funky Riffs, summende Akkorde und schnittige Solis, das Instrument hält was es verspricht.


Sobald man etwas Gain hinzufügt lasse Status Quo und Co. grüssen. O mein Gott meine Gitarre kann sprechen. Was mir hier sehr positiv auffällt, ist dass die Gitarre in jeder Position eine gute Figur macht. Die elf verschiedenen Pickupeinstellungen machen wirklich in jeder Kombination was her.

Vielfältigkeit ist gross geschrieben.

Das eigentliche Herzstück liegt für mich ganz klar im (High) Gain Bereich. Hier dreht der Kondor schon mal eine Zusatzrunde. Der Bridge Humbucker isch schon in der härteren Liga und setzt definitiv nicht auf Vintage Style. Harp Harmoniken, Tapping und zuckende Bendings machen Freude und laden definitiv zu mehr ein! Die Single Coils dienen als optimaler Gain Reducer ohne das man am Amp rumschrauben müsste. Der Neck Humbucker dient als Solo- und Melodymaker.


Den Sound, den die Gitarre ausspuckt, ist definitiv nicht nur für Deep Purple Fans gedacht. Ob ihr mehr im Metal Bereicht zu Hause seid oder doch eher im Jazzzelt, es passt. Die Gitarre deckt sehr viele Musikrichtungen ab. Sicherlich dank seiner DiMarzio Armada aber auch die Konstruktion des Instrumentes verbindet den Strat/Tele und den LP Sound optimal. Wobei man sagen muss, dass das gute Stück natürlich nicht an die Power einer Les Paul rankommt. Da fehlt dann doch die Mahagoni Pferdestärke.



Drum herum


Zur Gitarre wird ein passender Music Man Koffer geliefert. Ein Schlüssel und ein Ernie Ball Tüchlein liegen bei. Den Koffer finde ich recht hässlich. Anders kann ich es nicht ausdrücken. Sicherlich erfüllt er auf der Strasse seinen Sinn und Zweck. Eine Augenweide sieht aber anders aus. Erinnert mich immer ein bisschen an einen Gewehrkasten. Na ja, wer's mag. Für den Preis wäre es schön gewesen einen Koffer vorzufinden, der an den Künstler erinnert. Sei es mit einem Schriftzug oder einem Logo (analog zu Slash's Gibson Koffer etc.). Aber man kann wohl nicht alles haben…


Weiteres Zubehör sind bei mir ein DiMarzio Gurt sowie Ernie Ball 09 - 42 resp. 46 Saiten. Auch hier wäre es schön gewesen, etwas in der Art schon im Koffer bei der Lieferung vorzufinden (einen Ernie Ball Gurt zum Beispiel). Hier finde ich die Zubehörsets bei einer American Standard Stratocaster doch sehr viel ausgiebiger.



Fazit


Wer nach einem Allrounder Instrument in Stratform sucht kann hier getrost zugreifen. Die Gitarre bietet spitzenmässige Verarbeitung zum, na ja doch nicht ganz billigen Preis. Im Vergleich zu anderen Marken scheint er aber in Ordnung. Wer auf eher kleinere, schnittige Hälse steht kommt hier auf seine Kosten. Bespielbarkeit und Komfort sind ausgezeichnet. Natürlich ist es ein Signatur Modell der speziellen Art und wird nicht bei allen punkten können. Wer aber schon mal eine Music Man in den Händen gehabt hat, wird diese sicher nicht so leicht vergessen. In diesem Sinne - auf schöne Spielstunden.


Positives:


Super Bespielbarkeit

Hoher Verarbeitungsstandart
Vielseitigkeit
Finish und Style
Steve Mojo ist deutlich spürbar
Hardware
Preis geht in Ordnung

Negatives:


Zwei Weg Toggle sehr nahe bei den Pickups

"Nur" ein normaler MM Koffer, kein Zubehör
 
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Sehr schöner Sound :great: gute Arbeit!
 

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