[Effekt] Spaceman Gemini IV Dual Fuzz Generator

von Marcer, 18.01.20.

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  1. Marcer

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    Erstellt: 18.01.20   #1
    Info vorab: Die Einleitung ist aufgrund der Kaufumstände etwas länger als gewohnt geworden – wer sich wirklich nur für das Pedal interessiert sollte gleich zum Abschnitt „Das Beste aus zwei Welten“ springen.

    Spaceman Gemini IV Dual Fuzz Generator

    spaceman_gemini_iv.JPG

    Ich bin mit Fuzz-Pedalen eigentlich schon gut versorgt und hab auch schon einige Reviews geschrieben (EQD Spires, Montreal Assembly Your and You’re, Greenhouse Sludgehammer). Das heißt eigentlich brauchte ich kein weiteres Fuzz.

    Wie kam es also dazu?

    Kurz vor Weihnachten habe ich eine Woche in New York verbracht. Unter anderem hab ich dort auch einen Ausflug in das kleine Örtchen Babylon auf Long Island gemacht und die South Shore Guitar Boutique besucht.
    Grund für den Besuch war, dass ich schon lange an Gitarren der Marke Bilt interessiert bin, die es hierzulande quasi gar nicht gibt. Daher dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit, wenn ich einmal in den USA bin, um ein paar Modelle anzutesten. Der Laden in Babylon war dann von NYC aus die nächstmögliche Gelegenheit. Also habe ich kurzerhand mit dem Besitzer einen Termin gemacht, der sogar angeboten hat mich vom Bahnhof abzuholen.

    Dann war ich da also, mitten in einer amerikanischen Kleinstadt, in einem ziemlich imposanten kleinen Lädchen. Natürlich hab ich zunächst die beiden Bilt-Modelle angetestet, um die es ja schließlich ging. Anschließend wurden mir nach und nach eine ganze Reihe sündhaft teurer Gitarren in die Hand gedrückt ("You got to try this!" – u.a. eine Ronin für 7.500$), bis ich wahrscheinlich fast den ganzen Laden durchgetestet hatte. Zwischendurch fragte mich der Besitzer auch, ob ich einen Kaffee möchte. Ohne zu ahnen was passiert sagte ich ja, woraufhin er in das Café nebenan ging und mir einen gekauft (!) hat – später kam dann auch noch ein Stammkunde in den Laden und der Besitzer verschwand erneut und kam mit einer Kiste Dunkin Donuts für uns zurück.

    Jedenfalls hab ich mich nach dem exzessiven Gitarrentest noch über einige Pedale hergemacht. Wenn ich schon keine Gitarre mitnehme, was von Anfang an nicht eingeplant war, dann vielleicht wenigstens ein Pedal als Souvenir?

    Interessant waren natürlich insbesondere die, die bei uns eher schwierig zu bekommen sind – wie z. B. Spaceman. Nachdem ich insgesamt wahrscheinlich über 4 Stunden in dem Laden verbracht habe, hab ich mich dann letztendlich für das Gemini IV entschieden – ein wirklich vielseitiges Fuzz mit der Möglichkeit Silizium und Germanium Fuzz zu mischen.

    Natürlich wurde ich anschließend noch zum Bahnhof gefahren.

    Hier noch ein paar Impressionen aus dem Laden:

    1.JPG 2.JPG 3.JPG 4.JPG 5.JPG 6.JPG

    Nach diesem kleinen Reisebericht nun zum eigentlich Thema.

    Das Beste aus Zwei Welten

    Grob lassen sich Fuzz Pedale in Silizium und Germanium Fuzz unterteilen – ersterem wird nachgesagt etwas kratzig zu klingen, während Germanium wohl „wärmer“ klingen soll, dafür aber auch häufig temperaturempfindlich ist. Das Gemini IV vereint beide Welten und ermöglicht es Silizium und Germanium stufenlos zu mischen.

    Im Lieferumfang enthalten sind das obligatorische Stoffsäckchen (bei Spaceman sogar in Silber), zwei Sticker, Manual, Warranty-Hinweis sowie vier Gummifüßchen zum drunterkleben.
    Ich hab dafür vor Ort 329$ bezahlt, also etwa 297€. Hierzulande kostet es bei Effekt-Boutique aktuell 339€.

    Bei meinem Gemini IV handelt es sich um die Version in Vintage Copper – limitiert auf 99 Stück.

    Generell waren die Spaceman-Pedale lange Zeit immer limitiert, d.h. viele ältere Modelle gibt es gar nicht mehr zu kaufen. Mittlerweile gibt es jedoch immer zahlreiche limitierte Varianten mit abweichenden Farben und eine Standard-Version – so auch beim Gemini IV. Mehr findet ihr unter: https://spacemaneffects.com/about/#editions.

    Das Pedal selbst ist wirklich bombensicher gebaut: Ein massives Gehäuse aus Aluminiumguss mit einer Platte aus mit Gravuren versehenem Vinyl. Tatsächlich wirkt das Gehäuse nochmal massiver als bei anderen Boutique-Herstellern - vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Ansonsten gibt es noch eine große Kontrollleuchte, die wohl auf jeder Bühne zu sehen sein sollte.

    Das Pedal wird mit einem üblichen 9V-Netzteil (z. B. Boss PSA) betrieben. Alternativ gibt es auch einen 9V-Batterie-Anschluss. Praktisch: Es gibt ein kleines Plastikteil, wo man den Batterieanschluss einrasten kann – heißt es klappert und wackelt nichts, wenn man das Pedal ohne Batterie betreibt.

    DSC01882.jpg

    Regler

    Es folgen ein paar kurze Ausführungen zu den einzelnen Reglern des Pedals:
    • Filter & Gain
      Wie oben schon beschrieben besteht das Gemini IV eigentlich aus zwei Fuzz-Effekten. Beide verfügen über einen Gain-Regler und einen Filter. Letzteres funktioniert etwas anders als herkömmliche Filter: Gegen den Uhrzeigersinn reduziert die Mitten (scooped mids), während in den Uhrzeigersinn die Höhen reduziert. Auf Mittelstellung kommt das komplette Signal durch.

    • Blend
      Der Regler in der Mitte ermöglicht es, die beiden Fuzz-Effekte stufenlos zu mischen – heißt in der Mitte 50:50, nach links mehr Silizium, nach rechts mehr Germanium.

    • Level
      Der Regler ist wohl selbsterklärend – Anpassung der Ausgangslautstärke.

    • Phase
      Eine weitere Besonderheit ist der Phase-Switch. Während in der unteren Stellung alles mehr oder weniger gewohnt klingt, geht in der oberen Stellen ein wenig Bass verloren – dafür wird das Signal harmonisch deutlich komplexer. In den höheren Bünden kann man sogar leichte Anzeichen von einem Octave-Up Effekt hören. Für Bass ist die Einstellung wahrscheinlich weniger geeignet, für Lead-Parts oder Soli ist sie aber sicher interessant.
    Sound

    Mit der Beschreibung von Sounds hab ich immer ein wenig Probleme, daher hab ich einfach mal etwas aufgenommen.

    Ich hab alles doppelt eingespielt, einmal mit der kompletten Germanium-Seite und einmal mit der Silizium Seite. Das Ganze ist dann jeweils hart links (Ge) bzw. rechts (Si) gepannt. So sollte man mit Hilfe des Balance-Reglers (in den Windows-Soundeinstellungen zu finden) beide Seiten einzeln hören können. Gain und Filter sind bei beiden auf der Mittelstellung.

    Bass (ebenfalls mit dem Gemini IV, Si-Seite, wenig Gain) und Schlagzeug sind mittig gepannt
    .
    Beim Solo ist der Phase Switch oben, um auch noch diesen Sound zu demonstrieren.





    Ich bin immer Fan davon Pedale in einem Bandkontext zu hören, daher die Aufnahme mit Schlagzeug und Bass. Wer das Pedal einzeln hören will findet ansonsten auf Youtube einige Videos.

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich zwischen den beiden Seiten keinen riesigen Unterschied höre – klar, irgendwas klingt schon anders, aber es ist schwer zu beschreiben. Wirklich interessant wird es für mich vor allem wenn man mit den beiden Gain und Filter-Einstellungen oder dem Phase-Switch rumspielt – so lassen sich wirklich viele verschiedene Sounds erzeugen.

    Wie auch schon bei meinen letzten Reviews gibt's wieder Kekse für denjenigen, der den Song erkennt.

    Fazit

    Für mich war das Pedal in erster Linie ein Urlaubssouvenir, ob ich in Deutschland auf die Idee gekommen wäre es zu kaufen kann ich nicht sagen – wahrscheinlich eher nicht. Ich bereue den Kauf aber keineswegs – es war zwar nicht günstig, aber dafür hab ich nun ein wirklich vielseitiges Fuzz, was noch dazu qualitativ äußerst hochwertig wirkt.

    Auf einen Pro- und Contra-Abschnitt verzichte ich hier mal, da es abgesehen vom Preis eigentlich nichts Negatives zu sagen gibt.

    Ansonsten, wer mal in New York ist sollte unbedingt einen kleinen Abstecher nach Long Island einplanen. :)
     

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  2. Honeyspiders

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    Erstellt: 18.01.20   #2
    Hey Marcus, klasse Review, mit schöner Background Story. :great:

    Deine Aufnahme (ich nehme an Red Fang - Prehistoric Dog?) ist echt klasse gespielt und das Pedal gefällt mir wirklich gut. ;)

    Wie fandest du denn nun eigentlich nach dem Antesten die Bilt Gitarren und warum kam es nicht zu einem Kauf?
     
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  3. gutmann

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    Erstellt: 18.01.20   #3
    Klasse Review, bei der nächsten Gelegenheit gibt es wieder Kekse!
    Und die livesound-Demo ist ja wohl mega (auch wenn ich den Song nicht erkenne).

    Ich hab das damals nach meinem Neuseelandtrip auch gemacht und mir ein Souvenir in Form eines Neuseeländischen Effektpedals mitgebracht, den Crowther Double-Hotcake.
     
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  4. Marcer

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    Erstellt: 18.01.20   #4
    Kekse sind raus. ;)

    Das mit der Bilt hatte verschiedene Gründe. Zum einen war es finanziell einfach gerade nicht eingeplant (der Urlaub selbst hat ja auch schon ein bisschen was gekostet), dann bin ich davon ausgegangen, dass die Gitarren beim Händler günstiger sind als wenn ich sie direkt bei Bilt bestelle - was aber wohl nicht der Fall ist. Der einzige Vorteil ist wohl, dass sie dort direkt verfügbar sind. D.h. wenn ich mir schon eine Gitarre für den Preis zulege und sie auf Anfrage beim Hersteller dasselbe kostet, kann ich sie auch gleich nach meinen Spezifikationen bauen lassen und ein paar Monate warten.

    Mir ging es vor allem drum, einfach mal eine in der Hand gehabt zu haben, bevor man ansonsten blind so viel Kohle raushaut.

    Preislich wäre eben der Versand weggefallen, was natürlich ein großer Pluspunkt wäre. Verzollen hätte man die Gitarre aber natürlich trotzdem müssen.

    Ansonsten hat mich auch die blaue Waterslide Offset mit den Goldfoils (siehe Bilder) wirklich sehr begeistert :love: - d.h. selbst wenn ich es eingeplant hätte, hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht entscheiden können. :D

    Die beiden Bilts haben sich aber wirklich traumhaft gespielt und früher oder später wird es wahrscheinlich eine geben (oder eine Waterslide :rolleyes:).
     
  5. escarbian

    escarbian Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.01.20   #5
    Schöne Vorgeschichte und tolles Review mit klasse Sound-File! :great::great:
    Ist wirklich ein interessantes Fuzz-Pedal. Am PC höre ich da zwischen linken und rechtem Kanal nicht wirklich einen Unterschied. Kommt da wahrscheinlich nicht so klar rüber.
    Wenn ich an mein BAT Sarcophagus zurückdenke, da hörte man schon einen Unterschied zwischen Germanium- und Silicium-Dioden.
     
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  6. Honeyspiders

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    Erstellt: 18.01.20   #6
    Vielen Dank! ;)
    Danke, das wollte ich hören. :great: Hätte ja auch sein können dass dir die Bilts doch nicht so zugesagt haben und es deswegen zu keinem Kauf gekommen ist.
    Aber ne schöne Geschichte wär's schon gewesen. Wenn dich später jemand fragt "Klasse Gitarre, wo hast du die denn her?" Und du antwortest "Aus Babylon!"... :evil:
     
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