[Efffekt] Alexander Sky Fi - Reverb/Delay

von escarbian, 28.07.18.

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  1. escarbian

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    Erstellt: 28.07.18   #1
    Alexander Pedals Sky Fi Reverb/Delay

    Vorgeschichte:
    Da ich gerne Klangteppiche im Ambient-Style erschaffe, sind entsprechende Reverb-Pedale mit langen Hallfahnen und interessanten Modulationen eine Leidenschaft von mir geworden. Daher bin ich mit Reverbs und Delays eigentlich gut versorgt, als Beispiele seien hier aufgeführt: Strymon Big Sky und Timeline, Mr. Black BloodMoon, Earthquaker Devices Afterneath, TC Electronic Alter Ego V2 und OBNE Dark Star und Procession (natürlich nicht alle auf dem gleichen Board!). Aufgrund diverser YouTube Demo-Videos stand aber das Alexander Sky Fi schon lange auf meiner Wunschliste, und kürzlich ergab sich bei ebay ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte.


    Details und Ausstattung:
    Das Alexander Sky Fi ist ein kombiniertes Reverb- und Delay-Pedal in einem leichten Aluminium-Gehäuse. Es weißt folgende Bedienungs-Regler auf:
    • Reverb: regelt den Reverb-Anteil und die Decay-Time; in Verbindung mit dem On/Off-Switch wird der Delay-Anteil am Gesamtsignal vorgewählt
    • Delay: regelt die Delay-Zeit
    • Mix: regelt den "Wet"-Anteil von Reverb und Delay am Signal
    • Repeat: regelt die Anzahl der Repeats
    Dazu gibt es mittig einen Modus-Hebel, der drei verschiedene Presets schaltet, die sich vor allem auch im Hold-Modus unterscheiden:
    • Wash: kombiniert ein maximal 800 ms Delay mit dem Reverb
    • Gleam: kombiniert ein maximal 640 ms Delay mit einem oktaviertem Reverb als Shimmer-Effekt
    • Echo: Delay-orientierte Variante mit Reverb
    Oben mittig zeigt eine blaue LED den Betriebszustand des Pedals an. Der Fußschalter hat als zweite Funktion den sehr interessanten "Hold"-Effekt.
    Auf der Bodenplatte des Pedals befindet sich eine Kurzfassung der Funktionen.
    Die Ein- und Ausgangs-Klinkenbuchsen befinden sich auf den Seiten. Die Stromversorgung erfolgt stirnseitig über ein 9 V DC Netzteil (5.5 x 2.1 mm - center negative), welches nicht im Lieferumfang enthalten ist.
    Seit kurzem ist das Pedal zusätzlich auf der linken Seite mit einer Expression-Pedal-Buchse ausgestattet.
    Das Pedal wird in North Carolina/USA gefertigt.
    Stromverbrauch: 80 mA
    Abmessungen (B x T x H): 75 x 120 x 65 mm
    Gewicht: 278 g


    Alexander-Sky-Fi-6.jpg . . Alexander-Sky-Fi-12.jpg . . Alexander-Sky-Fi-5.jpg



    Bedienung und Klang:
    Zu Beginn gleich eine wichtige Sache, die ich im Manual zunächst überlesen hatte, weil der Reverb-Regler ja so selbsterklärend ist. ;-) Ich wunderte mich nur, daß auf einmal mein Delay verschwunden war und dachte schon, das Pedal hätte einen Defekt. Bei gedrücktem Foot-Switch steuert der Reverb-Regler den Delay-Anteil am Gesamt-Signal! Somit könnte man prinzipiell in der Extrem-Einstellung das Pedal als reines Reverb verwenden, was aber sicher nicht der eigentlichen Intention entspräche. Diese Einstellung bleibt auch nach Power-off erhalten.
    In der Normalfunktion regelt das Reverb-Poti die Decay-Time und damit die "Raumgröße" des Reverbs. Dieses hat ein weites Spektrum von dezentem Reverb bis zu sehr sphärisch großen Räumen. Mit dem Delay-Regler kann man Delay-Zeiten bis maximal 800 ms einstellen. Die Repeats sind in Mittenstellung (12 Uhr) auf minimal. Die Anzahl der Repeats erhöht sich durch Drehung nach links für "dunkler" (gefilterte) und nach rechts für heller klingende Repeats.
    Mit dem Mix-Regler läßt sich stufenlos der Gesamt-Reverb/Delay-Anteil im Verhältnis zum Dry-Signal von dezentem Einsatz bis zu "unendlich" einstellen. Letzterer Effekt ist auch zusätzlich mit dem Fußschalter oder einem Expression-Pedal am entsprechenden Anschluß als Hold-Funktion zu erreichen. Dabei wirkt sich der Hold-Effekt in den drei Modi unterschiedlich aus.
    Der Reverb-Sound soll an Rack-Units der 80er-90er Jahre angelehnt sein. Wenn also jemand hier spezifisch ein Spring- oder Plate-Reverb sucht, dann ist das Sky Fi nicht das richtige Pedal. Gleiches gilt für das Delay, welches sich aber durch den Tone-Filter klanglich in Richtung "Digital" oder "Vintage" anpassen läßt.
    Im Wash-Modus bekommt man ein beeindruckendes Reverb mit langer Hallfahne. Der Ambient-Charakter steigert sich im Mix mit dem Delay. Die Hold-Funktion fixiert den Reverb-Sound ins Unendliche.
    Bei allen meinen Reverbs konnte ich mich bisher mit dem Shimmer-Effekt nicht wirklich anfreunden. Auch nicht beim Strymon Big Sky. Aber der Gleam-Modus vom Sky Fi klingt wirklich richtig gut, eher "natürlich" und nicht so artefiziell wie bei anderen Pedalen. Der Hold-Modus verstärkt den Shimmer-Effekt nochmals und hält ihn nach Belieben.
    Bleibt noch der Echo-Modus, welcher bei zum Wash-Modus vergleichbarem Reverb eher Delay-orientiert ist. Hier akzentuiert der Hold-Effekt das Delay bis zur Selbstoszillation. Vorsicht, das kann laut werden!
    In allen drei Modi baut sich das Reverb zunächst "langsam" auf, vielleicht vergleichbar mit dem Attack einer ADSR-Hüllkurve, jedenfalls anders als wenn man wie bei manchen Reverb-Pedalen ein längeres Pre-Delay einstellen würde.
    Zur Hold-Funktion bleibt noch anzumerken, daß sich zwei verschiedene Wirkungsweisen einstellen lassen: Freeze und Infinite. Der Wechsel erfolgt durch Halten des Fußschalters bei Power-on. Die LED zeigt dabei die eingestellte Variante durch zweimaliges (Freeze) oder 5-maliges Blinken (Infinite) an. Im Freeze-Modus werden neu gespielte Noten lediglich als Dry-Signal beigemischt, im Infinite-Modus addieren sich neu gespielte Noten zum Hold-Effekt.
    Es macht jedenfalls ungeheuer viel Spaß, sich insbesondere im Wash- oder Echo-Modus die vielfältigen Klangvariationen des Sky Fi zu erkunden und in sphärischen Ambient-Soundwelten zu schwelgen. Die Zeit vergeht dabei wie im Flug. Und bevor ich mich jetzt hier in schwammigen verbalen Beschreibungen verliere, gibt es ein paar aussagekräftige Video-Demos von Leuten, die besser spielen und (video)recorden können als ich:


    Soundbeispiele auf YouTube:

    Pro Guitar Shop - Andy Martin





    Pro Guitar Shop - Brett Kingman




    Nathan Shafer - Pedal Nerds




    Dennis Kayzer




    ShnobelTone - Roman Belonozhko




    JustNickMusic - Nick Jaffe
    https://youtu.be/UsCfxDxsME4


    Fazit:
    Das Alexander Sky Fi läßt sich sicher sehr universell einsetzen, dürfte aber aufgrund der sphärischen Reverbs und der langen Delay-Zeiten vor allem für Freunde von Ambient-Sounds besonders interessant sein. Wer typische Sounds wie Spring-Reverb, Plate-Reverb, Tape-Delay oder vergleichbares braucht, ist wohl mit einem anderen Pedal besser bedient. Der besondere Reiz des Sky Fi ergibt sich aus der Kombination von Reverb und Delay. Trotz der sehr variabel einstellbaren Sounds und der Funktionalität ist die Bedienung übersichtlich gehalten. Das Preis-Leistungsverhältnis empfinde ich bei den gebotenen Sounds und der Fertigungsqualität als hervorragend. Ich wollte das Pedal eigentlich nur mal selbst antesten, nun hat es sich einen Stammplatz auf meinem Board erobert.


    Pro:
    - exzellente Verarbeitung
    - sehr gut für Ambient-Sounds geeignet, aber auch für "normalen" Delay- und Reverb Einsatz
    - umfangreiche Regelungs-Optionen
    - einfache Bedienung

    Contra:
    - kein Tap-Tempo (im Ambient-Bereich jetzt nicht so entscheidend)
    - kein Stereo-Out
    (wie z.B. ein EQD Avalanche Run, das kostet aber auch rund 150 Euro mehr)


    Laden-Preis: 229,-- Euro


    Link zur Hersteller-Webseite:
    https://www.alexanderpedals.com/shop/sky-fi


    Conflicts of Interest:
    keine (d.h., man schenkt mir für das Review weder Pedal noch Geld)


    Vielen Dank für's Lesen.
    Fragen und Anmerkungen sind gerne willkommen.
    Gruß, Helmut
    :hat:
     
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  2. Bady

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    Erstellt: 06.08.18   #2
    Hört sich ja nett an aber ...

    :w00t:

    Wenn man das mal im Maßstab sieht … für das Geld gibt es ein Aktuelles Motherboard + aktueller AMD CPU deren Komplexität um Faktor 1000 Größer ist als so eine kleine Reverb Platine.

    Ich frag mich manchmal was die Hersteller sich so rauchen ?

    Das Review ist aber Klasse, großes Dankeschön.
     
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  3. Hotspot

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    Erstellt: 06.08.18   #3
    Schönes Review, dankeschön.

    Der Preis-Vergleich mit einem Motherboard ergibt für mich keinen Sinn. Weder nach funktionalen noch wirtschaftlichen Aspekten.
    Aber wer weiss, vielleicht stecken da tiefgründige Gedanken hinter, die ich nicht nachvollziehen kann :-)
     
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  4. escarbian

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    Erstellt: 06.08.18   #4
    Es ist immer problematisch, wenn man bei einem Pedal, oder auch Amp, die Kosten allein auf die Bauteile eines Produktes, oder auch auf die Kosten eines Massenproduktes herunterbrechen will. Da steckt eben doch etwas mehr drin als Bauteile.
    Ich habe das Sky Fi Second Hand für etwa 2/3 des Neupreises bekommen, aber nach meinen Erfahrungen mit dem Sky Fi und anderen Reverb-Pedalen, die ich wieder verkauft habe, würde ich es auch für den Neupreis kaufen. Sicher ist das viel Geld, aber was nützen mir zwei bis drei Billig-Kisten, mit denen ich nicht zufrieden bin, die ich dann doch wieder verkaufe.
    Die Bauteile in den früheren 19“-Lexicon Effekten waren z. B. bestimmt auch nicht so teuer im Vergleich zum Endpreis des Produktes.
    Wo es für mich eher problematisch wird, ist, wenn für ein rares Prestige-Pedal oder Sammlerstück, z. B. ein Klon Centaur, auf einmal vierstellige Beträge abgerufen werden. Da wäre für mich auch Ende. Aber Sammler-Leidenschaft ist wieder ein ganz anderes Feld. :D
     
  5. micharockz

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    Erstellt: 07.08.18   #5
    Dann entwickle doch mal Algorithmen, die genau so gut klingen (ruhig mit den enthaltenen Chips und CPU, denn die reichen ja völlig aus. Die Kiste klingt wie sie klingt) ;). Am Materialpreis allein sollte man den Wert eines Pedals nicht messen.
    Ich gönne den Kollegen von Alexander Pedals jedenfalls mehr als nur Mindestlohn. Millionäre werden sie bei ihren Auflagen wohl kaum werden, aber wenn der Laden läuft, beglücken sie uns hoffentlich noch lange mit kreativen Pedalen. :saliva:
     
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  6. Bady

    Bady Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.18   #6
    Wäre eigentlich mal ne Idee, sowas selber zu bauen.

    Ich hab nen Elektro Steckbrett , damit könnte man mal ein wenig spielen :)
     
  7. micharockz

    micharockz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.18   #7
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  8. escarbian

    escarbian Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.08.18   #8
    Ja, das ist wohl nochmal ein Riesen-Unterschied, ob man ein Pedal als "analogen" Schaltkreis baut, wie z.B. einen einfachen Fuzz,
    oder für ein gutes Delay einen komplexen DSP programmieren muss.
     
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