Faire Management - Verträge...

von Navar, 15.01.07.

  1. Navar

    Navar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.01.07   #1
    Aus gegebenen Anlass diskutieren wir gerade in der Band das Problem der Management - Verträge.

    Ich möchte hier nicht beleuchten ob und in wie fern ein Management - Vertrag sinn macht. Das ist unsere Sorge, es ist nicht klar, ob wir einen Management-Vertrag unterschreiben werden oder die Dinge weiter selber in die Hand nehmen, deswegen lohnt es sich nicht, mich davon überzeugen zu wollen, dass so etwas Schwachsinn ist, das "für und wieder" ist weitestgehend bekannt.

    Die Frage ist... wie formuliert man so einen Vertrag, dass er für beide Seiten "fair" ist. Folgendes sollte berücksichtigt werden:
    - Der Manager besitzt in wichtigen Angelegenheit nicht das alleinige Entscheidungsrecht. Soll also heißen... wenn zum Beispiel von zwei Labels Angebote vorliegen, das eine Angebot bringt mehr Kohle, dafür keine Freiheiten. Das andere Angebot weniger Kohle, dafür mehr Entscheidungsfreiheit. Die Band würde sich für die zweite Variante entscheiden, der Manager aus finanziellen Gründen für die erste Variante... wie kann verhindert werden, dass der Manager der Band die Entscheidung aufzwingt.
    - Der Manager sollte nicht bei jedem kleinen "Mist" wochenlang mit der Band diskutieren müssen sonder sollte das vertraglich zugesicherte Recht besitzen gewisse Entscheidungen alleine zu fällen

    Hoffentlich kommt einigermaßen raus was ich meine...

    Gibt es Verträge die für beide Seiten fair sind? Ich finde eigentlich fast nur absolute Knüppelverträge...
     
  2. Willi the Shaker

    Willi the Shaker Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.01.07   #2
    Wir haben einen "fairen" Managementvertrag, den wir uns aber von einem Anwalt ausarbeiten lassen haben.

    Wichtig ist die Frage - wer was und in welchem Zeitraum entscheidet.
    Und wie was kompensiert wird (Geld). Manchmal helfen der Band auch kleine Teams, die entscheiden.

    Unsere Band wäre fast daran zerbrochen - bedingt durch ewigen internen demokratischen Diskussionen.
    Unser Manager ist u.a. für das Marketing und für neue Gigs zuständig. Dafür ist er Fachmann. Dafür hat er ein Budget. Er diskutiert das nicht mehr großartig mit uns. Zwei von uns wollten das nicht einsehen. Da gab es großen Stress. Die beiden sind jetzt draussen. Damals dachten wir, das ist der Anfang vom Ende.
    Heut wissen wir, daß das eine der besten Entscheidungen war, die getroffen worden ist.
    Unsere Gage pro Gig hat sich ca. verdreifacht - wir haben ein ganz geiles Klima in der Band.
    Wir haben nun inzwischen eine sau geile und schnelle Kommunikation innerhalb der Band - und vor allen Dingen eine einheitliche und professionelle Kommunikation ausserhalb der Band.
    Die Zuständigkeiten und finanziellen Entschädigungen sind klar geregelt!

    Er hat uns musikalisch und organisatorisch richtig nach vorne gebracht!
    Er ist unser größter Fan und Kritiker!

    (Nur weil ein Trompeter einen PC zusammenbauen kann und eine Datenbank füttern kann, muss er nicht zwangsläufig wissen, wie man eine homepage gestaltet...........)
     
  3. Navar

    Navar Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.01.07   #3
    Hallo Willi...
    Das ist im Moment 1:1 die gleiche Situation vor der wir stehen (sogar die gleiche Anzahl an Bandmitgliedern *g* und die demokratischen Diskussionen kenne ich nur zu gut).
    Problem ist, dass wir einen ersten Vertragsentwurf bekommen haben, der für uns so nicht mal in Ansätzen zu akzeptieren ist. Laut dem Vertrag dürften wir nicht nur noch unsere Musik selber schreiben... das wars aber auch... sämtliche sonstige Entscheidungsgewalt läge beim Manager. D.h. zum Beispiel, wir stehen momentan in Gesprächen mit einem Label, würden wir den Managervertrag abschließen hätten wir keine Möglichkeit mehr einem etwaigen Vertrag zuzustimmen oder ihn abzulehnen.
    In vielen persönlichen Gesprächen hatten wir mit dem Manager zusammen die Linie der Band besprochen und festgelegt, davon ist im Vertragsentwurf allerdings nichts zu spüren. Wir wollen versuchen einen Vertrag auszuarbeiten der beide Interessen wahrt. Wenn dies nicht gelingt kommt halt kein Vertrag zu Stande, das ist natürlich klar, aber versuchen wollen wir es, weil wir den Glauben haben, dass dieser Mensch unser weiterbringen kann.

    Wir werden uns jetzt mit einem Anwalt zusammensetzen und einen neuen Vertrag ausarbeiten, vielleicht wirds ja noch was.
    Wenn jemand vielleicht noch Punkte hat, die sehr wichtig wären zu erwähnen und die auf keinen Fall weggelassen werden dürfen, wäre es schön wenn ihr das noch schreiben könntet.
     
  4. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

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    Erstellt: 16.01.07   #4
    Normalerweise sind "Knüppelverträge" nicht frei zugänglich, weil das Vertragsgeheimnis gilt.
    Es kann sein, dass Dir manche Passagen in so genannten "Standardverträgen" als knüppelhart erscheinen.

    Damit muss man sich aber nicht abfinden. Standardverträge dienen eigentlich eher als Grundlage der üblichen gesetzlichen Formalia - sind also quasi die AGBs.

    Alles, was den beiden Vertragspartnern dann wichtig ist, SOLLTE INDIVIDUELL in einen Vertrag reingeschrieben werden. Ist eine Seite mit den Vorstellungen des anderen nicht einverstanden, dann sagt man das knallhart, denn jede Partei hat eine Schmerzgrenze, bis zu der es geht - aber nicht darüber hinaus.

    Einigt man sich nicht, dann muss man auch keinen Knüppelvertrag unterzeichnen sondern sucht sich einen anderen Vertragspartner. Daran muss keine Band zerbrechen. Es gibt so viele Agenturen und Managements, da werden sich auch andere finden, die mit den Bandvorstellungen kompatibel sind.

    Ein möglicher "Knüppelvertrag" kommt nur dann zustande, wenn eine der beiden Parteien sich a) nicht auskennt oder b) nicht das Rückgrat hat, um die eigenen Forderungen zu artikulieren und durchzusetzen oder c) - nein, das sag ich jetzt nicht.

    ÜBRIGENS ist es im Geschäftsleben ohnehin Usus und auch jeder Band empfohlen, jedweden Vertrag (Bandübernahme, KEV oder Management) von einem Anwalt prüfen zu lassen, der im Musikbusiness über den entsprechenden Ein- und Durchblick verfügt ( wir z.B. arbeiten mit Dr. Christian Kuntze ( Umleitung ) sehr erfolgreich und kompetent zusammen. Aber es gibt auch andere gute Musikrechtsanwälte - je nachdem, aus welcher Region Deutschlands man kommt.

    Aber: nicht zum nächsten x-beliebigen Anwalt laufen.

    lg.
     
  5. Der D?nsch

    Der D?nsch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.01.07   #5
    Das ist genau der richtige Schritt! Denn das was du da erlebst, ist relativ normal. Erstmal wird versucht, zu verarschen. Vieleicht ist die Band ja blöd genug, alles zu unterschreiben, was ihr vorgesetzt wird... Passiert leider viel zu häufig.
    Mein Rat ist da nur:
    1. Anwalt
    2. Anwalt
    3. Anwalt

    Da ist das (evtl. viele) Geld auf jeden Fall sinnvoll ausgegeben. Denn auch wenn kein Vertrag zustande kommt, seid ihr wenigstens sicher, dass er scheisse gewesen ist und müsst ihm nicht hinterhertrauern.

    Ohne Rechtsbeistand gibt es da soviele kleine Formulierungen, die es zu übersehen gilt...
     
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