Flötenöl - Ein Rezept

  • Ersteller Bernhard_Baptist
  • Erstellt am
@shibboleth
Oh Danke: jetzt weiß ich endlich, warum ich anfangs mit meiner ersteigerten Palisander-Altflöte Probleme hatte: sie war vom Vorbesitzer in Leinöl getränkt worden!
 
Ja, das macht dann wenig Freude...

Man kann solchen "Fehlölungen" gut mit Aceton beikommen. Das tut dem Holz übrigens garnix, es löst einfach nur Fette und Öle. Oft kommt ein wenig Farbe vom Holz mit, v.a. bei Grenadill passiert das. Einfach danach wieder mit dem richtigen Öl einölen, etwas satter als sonst und vielleicht zweimal hintereinander. Dann sollte das Malheur Geschichte sein.

Zum Entölen einfach außen mit einem acetongetränkten Küchenkrepp abwischen, innen hilft ein Metall- oder Holzwischerstab und ein Papiertaschentuch. Für die Tonlöcher kann man Q-Tips nehmen.

Achtung: keine Werkzeuge aus Kunststoff nehmen, manche Kunststoffe werden von Aceton angegriffen. Bei Q-Tips hatte ich bisher keine Probleme. Außerdem ist Aceton sehr leicht entzündlich!!! Und es trocknet die Haut extrem schnell aus. Es fühlt sich auf der Haut sehr kalt an. Es macht nix, wenn Aceton in Maßen (!) auf die Haut kommt, allerdings sollte man sich danach etwas Feuchtigkeitscreme gönnen und nicht gerade darin baden gehen. Aceton gibts im Baumarkt.

PS: man sollte günstige Blockflöten und generell solche aus sehr weichen Hölzern (Ahorn, Birne, ...) nicht mit Aceton behandeln, denn die sind oft unter Vakuum mit Paraffin getränkt um sie luftdicht zu bekommen. Und Paraffin ist? Genau, ein Öl. Und Aceton löst das. Also besser nicht machen. ;)
 
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Da bin ich wirklich überrascht: Aceton- das hätte ich nie gewagt!
 
Völlig ungeeignet ist übrigens Olivenöl...damit hat ein Kunde seine Flöte aus Olivenholz totgeölt, indem er täglich (!) geölt hat, bis das Holz so vollgesaugt war dass es geplatzt ist.


Wenn man täglich ölt ist das ja auch kein wunder :rolleyes: aber nach wie vor habe ich mit Olivenoel keine Probleme seit vielen Jahren. Ich öle auch nur recht wenig, da ich finde, dass das Holz dies nicht so oft benötigt wie viele denken. Ich habe auch nie Probleme mit einer Flöte gehabt, sonst würde ich sicher ein anderes Öl nehmen.
 
generell solche aus sehr weichen Hölzern (Ahorn, Birne, ...)

Da bin ich gerade nochmal darüber gestolpert und muss ich dich doch mal fragen, warum du Birne zu den Weichhölzern zählst?
Mit einer Darrdichte von um die 700Kg/m³ würde ich es eigentlich zu den Harthölzern einsortieren.
 
Da bin ich gerade nochmal darüber gestolpert und muss ich dich doch mal fragen, warum du Birne zu den Weichhölzern zählst?
Mit einer Darrdichte von um die 700Kg/m³ würde ich es eigentlich zu den Harthölzern einsortieren.
Gemeint ist wohl, die im Blockflötenbau verwendeten weichsten Hölzer wie Ahorn, Birne, die i.d.R. vorparaffiniert sind. Die absolut gesehenen weichsten Hölzer wie Fichte, Tanne, Lärche kommen im Blockflöten-Instrumentenbau ja nicht zum Einsatz - wobei ich mich selbst auch zahlenmässig auch verschätzt habe.

Ein Verhältnis von 1 zu 2 wäre mir aber deutlich zu intensiv.
Ich habe jetzt meine Holzflöten nach dem o.g. Rezept geölt und ich finde nicht, dass der Orangenanteil zu hoch ist; insgesamt ist die Mischung dann auch recht flüssig, und Orangenöl wirkt ja auch gegen Verklebung.
Während der Ölung gab es zwar das sehr kräftige (anregende) Aroma, aber jetzt nach 1 Tag ist das meiste verflogen, so dass noch eine dezente (und stimmungsaufhellende) Frischenote da ist, die aber gerade meiner neuen gebrauchten Schneider Alt sehr gut tut, da sie vom Liegen im Etui doch etwas muffig war.

Sinnvollerweise bittet man um ein Fläschchen mit Tropfaufsatz. Das erleichtert die Dosierung.
Ich habe mich für einen Pipetten-Aufsatz entschieden - kein Ärger mit nicht-"laufenden" Tropfen.
 
Gemeint ist wohl, die im Blockflötenbau verwendeten weichsten Hölzer

Was gemeint ist kann ich mir schon denken, deswegen zählt für mich aber Birnbaum trotzdem zu den Harthölzern. Da gibt es eine klare Definition und da @shibboleth ja wohl ein Fachmann ist, ging ich halt davon aus, dass er diese kennt. 550Kg/m³ ist die gesetzte Grenze und da liegt halt Birne im Schnitt deutlich drüber. Schwankungen gibt es starke bei jeder Art, je nach Standort etc.

http://www.didgeridoo-physik.de/CADSD/holzdaten/holzdaten-frameset.htm

http://www.kaminholz-wissen.de/hartholz-weichholz.php

Selbst in den Tabellen die man im Netz findet schwanken die Werte ja auch zum Teil stark und jeder Baum wird sein "spezielles" haben, aber irgendwie braucht man ja eine Richtlinie. Aber vielleicht wird er es uns ja auch noch selbst sagen, wie er es meint ;)
 
Gemeint ist wohl, die im Blockflötenbau verwendeten weichsten Hölzer wie Ahorn, Birne, die i.d.R. vorparaffiniert sind.
nicht mit Aceton behandeln, denn die sind oft unter Vakuum mit Paraffin getränkt um sie luftdicht zu bekommen. Und Paraffin ist? Genau, ein Öl. Und Aceton löst das. Also besser nicht machen.
Diese Warnung ist doch ganz klar die Kernaussage.
Wie hart nun die genannten Hölzer sind, ist dabei doch Nebensache.

Gruß
Lisa
 
Alter Schwede. Okay, ich sitze am Flughafen und hab etwas Zeit. Warum also nicht. :rolleyes:

Ich schrieb von weichen Hölzern. Nicht von Weichhölzern. Ich habe es nicht explizit geschrieben, aber damit war eine relative und total subjektive Einteilung von Hölzern in weich und hart gemeint, nicht die absoluten Klassen "WEICHHOLZ" und "HARTHOLZ". Wir gehen doch sicher konform in der Aussage, dass Grenadill härter als Birne ist, was Birne zu einem weicheren Holz [als Grenadill] macht. Oder siehst du das anders? Wenn nein, macht das Birne in meiner Welt als professioneller Flötenbauer (in der mich Weichhölzer i.S.d. technischen Einteilung in Weich- und Harthölzer überhaupt nicht interessieren) relativ gesehen zu einem weichen Holz.

Zufrieden? Bin dann mal in Irland, Hartholzflöten aus weichen Hölzern verkaufen...
 
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Nee, bin ein alter Pfälzer... :tongue:

Du schriebst...

aus sehr weichen Hölzern

und dass "sehr weich" für Birne hat mich halt verwundert.

Wir gehen doch sicher konform in der Aussage, dass Grenadill härter als Birne ist, was Birne zu einem weicheren Holz [als Grenadill] macht. Oder siehst du das anders?

Klar gehen wir da konform, aber ich habe halt auch schon viel mit "sehr weichen" Hölzern gearbeitet, da sortiert man dann vielleicht auch anders im Kopf.


Ich war nicht unzufrieden, aber fragen darf man doch, oder? Es hat mich wirklich interessiert wie du darauf kommst.
Ich bin dann mal im Musikzimmer, auf Hartholzflöten aus weichen Hölzern spielen... :m_flute:

Eine schöne Zeit im schönen Irland wünsch ich dir.
 
Übrigens: Die weicheren Hölzer wie Ahorn oder Birne, meist bei Einsteigermodellen verbaut, werden von vielen Herstellern fast immer durch Tränken in Paraffin versiegelt. Daher kann bei diesen Flöten das Ölen überhaupt entfallen.

Hmmm... nach allem, was ich bisher dazu gelesen habe (bin KEIN Fachmann!) soll sich aber auch bei einfachen Birnbaumholz-Flöten die Paraffin-Imprägnierung mit der Zeit an der Bohrungs-Oberfläche auswaschen, so dass man sie dort auch ölen muss. Es soll halt nur länger dauern, bis die erste Ölung erforderlich wird.
 
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Laut Blockflötenbauer Kunath kann bei paraffinierten Flöten auch eine sofortige Ölung 1-2mal pro Jahr nicht schaden. Nur dünn ölen und überschüssiges Öl, das nicht aufgenommen wird, dann auswischen.
 
Ach, und noch ein Tipp: man sollte für jegliche Palisanderarten (auch Grenadill und "Rosenholz" ist eine Palisanderart) kein Leinöl nehmen, da die Hölzer der Gattung Dalbergia (das ist der wissenschaftliche Familienname von Palisanderbäumen) Stoffe enthalten, die Leinöl vom Erhärten abhalten. Man hat dann einfach dauerhaft eine völlig schmierige Flöte. Macht nicht so Spaß.

Wie kommt es denn dann, dass namhafte Hersteller wie z.B. Moeck ihren Palisander- und Grenadillflöten ein Pflegeset mit einem Fläschchen Flötenöl auf Leinölbasis beifügen?
(Bitte nicht falsch verstehen, ich frage wirklich aus Interesse, weil ich mir evtl. eine Moeck Rottenburgh oder Mollenhauer Denner in Palisander zulegen möchte.)
 
Öl ist schon OK, man muss nur den Anteil nach einigen Stunden wieder abwischen, der nicht in's Holz einzieht, sonst härtet der an der Oberfläche aus!



Das ist etwa wie mit dem Sonnenschutzmittel,
nur soviel nehmen, dass es nach dem "Einreiben" komplett eingezogen ist... sonst sieht's total blöd aus :D
 
Öl ist schon OK, man muss nur den Anteil nach einigen Stunden wieder abwischen, der nicht in's Holz einzieht, sonst härtet der an der Oberfläche aus!



Das ist etwa wie mit dem Sonnenschutzmittel,
nur soviel nehmen, dass es nach dem "Einreiben" komplett eingezogen ist... sonst sieht's total blöd aus :D

Ja, aber so soll man ja eigentlich mit jeder Flöte verfahren. Ich meinte jetzt speziell die Kombination Palisander und Leinöl. Sollte man etwa im Falle der Moeck Rottenburgh - die ja einschließlich Pflegeset verkauft wird - das beiliegende Öl überhaupt nicht verwenden dürfen, weil es auf Leinölbasis produziert wurde? Die verkaufen das seit Menschengedenken im Set!
:confused:
 

Genau es ist ein "Pflegeset", nicht mehr und nicht weniger...

Ich seh das locker inzwischen, was ich mir da schon alles angehört und gelesen hab... :rolleyes:
Ich nehm seit gut 30 Jahren Olivenöl, oh weh oh jeh und seit ich auch einige Edelhölzer habe nehme ich es "nur" zur Pflege der Oberfläche. Das heißt, dünn auftragen und gleich mit einem trockenen Tuch verreiben. Da bleibt nix über wie ein feiner Glanz und genau dafür mache iche es ab und an. Ansonsten bräuchten diese Hölzer wenn sie keiner Feuchtigkeit und keiner übermässigen Trockenheit ausgesetzt sind schlichtweg... nix :m_flute:

Kleiner Nachtrag, das gilt für offenporiges und lasiertes Holz, lackiertes Holz braucht eh nix.
 
Wie kommt es denn dann, dass namhafte Hersteller wie z.B. Moeck ihren Palisander- und Grenadillflöten ein Pflegeset mit einem Fläschchen Flötenöl auf Leinölbasis beifügen?
(Bitte nicht falsch verstehen, ich frage wirklich aus Interesse, weil ich mir evtl. eine Moeck Rottenburgh oder Mollenhauer Denner in Palisander zulegen möchte.)

Mein Tipp: weil es für Moeck teurer wäre, je nach Holz verschiedene Öle beizulegen, als eins für alle, weiterhin ist Leinöl billiger als (ebenfalls funktionierendes) Mandelöl und sie ignorieren halt die Tatsache, dass es schlecht/langsam trocknet. Oder die blasen ihr Öl so mit Sikkativen zu, dass es sogar auf Dalbergien trocknet? Wenn's Leinöl*basis* ist weiß man halt auch nicht direkt was da noch so drin ist.

Naja, keine Ahnung. ;)
 
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