Frage zum Vibrato-Effekt bei einer "Orgel-Voice" auf dem Keyboard

  • Ersteller Gast 2847
  • Erstellt am
G
Gast 2847
Gesperrter Benutzer
Zuletzt hier
11.06.16
Registriert
24.11.11
Beiträge
37
Kekse
0
Liebe Keyboarder,

bei dem Stück "Go Down Moses" in meiner Keyboardschule steht unter "Extras", dass man die "Geschwindigkeit des Vibratos der "Orgel-Voice" während des spielens verändern solle. Da ich in der Bedienungsanleitung von meinem PSR-S650 nicht fündig geworden bin wie das funktioniert, kann mir da vielleicht ein versierter Nutzer eine Info zu geben?

Gruß
tiktak:gruebel:
 
Eigenschaft
 
Also ich versuche jetzt einmal eine Antwort. Ich bin aber kein versierter Orgel-Profi, vielleicht kommt später noch eine bessere Antwort.

Ich habe ein Roland FP-7, darauf sind verschiedene Orgeln "Orgel-Voices" gespeichert. Ein Tonvibrato bei einer Orgel kommt durch einen schwankenden Luftstrom bei der Zufuhr der Luft zustande. Genaueres darüber kann man etwa bei Wikipedia unter "Windwerk" nachlesen.

Der Luftstrom wird heute durch rotierende Schaufelgebläse erzeugt. Bei mir am FP-7 ist es bei manchen Orgelsounds (nicht bei allen) möglich, die Rotationsgeschwindigkeit zwischen schnell und langsam zu wechseln. Dadurch entsteht dann ein langsames oder schnelles Vibrato.

Irgendwie sollte es das auch für dein Keyboard geben. Zumindest kann man sich da Voices dazuladen, die so etwas scheinbar können. Auf jeden Fall ist unter diesem Link http://keyboardprofis.de/shop/catalog/browse?shop_param=ecid%3D6%26 von langsamen und schnellen Rotorgeschwindigkeit die Rede.

Suche also mal unter den Effekten nach Rotary Speed oder ähnlichem, damit könnte es vielleicht funktionieren.

Gruß,
Roland
 
Hallo Roland,

ja also ich bin gestern beim lesen eines Testberichtes der Zeitschrift "Tastenwelt" noch auf folgende Aussage zum PSR-S650 gestoßen: "Die Effektqualität ist überzeugend, was man sich noch wünschte, wäre eine Möglichkeit, zwischen langsamem und schnellem Rotoreffekt bei Orgelsounds umschalten zu können." Damit ist das Thema für mich erst einmal abgehakt. Trotzdem vielen Dank für Deine Mühe!


Gruß
tiktak:)
 
Ich habe ein Roland FP-7, darauf sind verschiedene Orgeln "Orgel-Voices" gespeichert. Ein Tonvibrato bei einer Orgel kommt durch einen schwankenden Luftstrom bei der Zufuhr der Luft zustande. Genaueres darüber kann man etwa bei Wikipedia unter "Windwerk" nachlesen.
Wenn das zu einem Vibrato führt, dann ist das Windwerk zu schwach auf der Brust ;) Jedenfalls bezieht sich deine Erklärung auf Pfeifenorgeln, und dort wird in der Regel kein Vibratoeffekt verwendet - wäre auch schwierig, das kontrolliert und womöglich noch schnell/langsam schaltbar zu gestalten.
Aber pfiffig geschlussfolgert ;)

Der Luftstrom wird heute durch rotierende Schaufelgebläse erzeugt.
Das ist zwar richtig, aber das führt nicht zu einer Änderung des (bei Pfeifenorgeln unerwünschten) Vibratos - wenn man das Gebläse "kleiner" stellt, fehlt es einfach an Luft und irgendwann ist der Blasbalg unten und die Orgel still ;)

Bei mir am FP-7 ist es bei manchen Orgelsounds (nicht bei allen) möglich, die Rotationsgeschwindigkeit zwischen schnell und langsam zu wechseln. Dadurch entsteht dann ein langsames oder schnelles Vibrato.
Da kommen wir der Sache näher: Dieser Effekt heißt bei den Organisten nicht "Vibrato" (das gibt's zwar auch noch, ist hier aber nicht gemeint) sondern "Leslie": http://de.wikipedia.org/wiki/Leslie-Lautsprecher
Das sind rotierende Lautsprecher, die bei elektromechanischen Orgeln ("Hammond-Orgeln") gerne verwendet werden - und die kann man meist in zwei Stufen (schnell und langsam) umschalten: per Fuß- oder Handschalter, und das ist dann ein durchaus gebräuchliches Stilmittel des (Hammond-)Organisten. Die Tatsache, dass "Go down Moses" ein Gospel-Klassiker ist, passt dazu: In den (kleinen) Kirchen der schwarzen Bevölkerung in den "Hochzeiten" des Gospels gab es meist keine Pfeifenorgeln, sondern höchstens ein Klavier oder eben später dann die Hammondorgeln.

Der Leslie-Effekt ist jedenfalls ziemlich allgegenwärtig in der Gospelmusik der 40er und 50er Jahre - und der ist es auch, der in Synthesizern meist mit "Rotary Effect" gemeint ist.

Das Problem bei vielen Keyboards ist allerdings, dass der Leslie-Effekt - wenn überhaupt - schon als Bestandteil des Grundsounds vorhanden ist und damit nicht so einfach umgeschaltet werden kann. Das geht meist nur bei "Spezialisten", also Syntesizern, die sich auf Orgelsounds spezialisieren, oder großen Workstations - oder eben mit einem externen Effektgerät.
 
auch wenn der thread schon ein paar tage alt ist: den "Vibrato"-Effekt gibt es bei Pfeifenorgeln tatsächlich. Nennt sich Tremulant und ist technisch eigentlich relativ einfach zu machen, funktioniert über schwingende Klappen bzw. Bälge im Windkanal. Das ist zudem nicht nur eine Kuriosität, sondern sogar sehr verbreitet und bei vielen (mittelgroßen bis großen) Orgeln zu finden. Mehr dazu unter http://de.wikipedia.org/wiki/Tremulant

Was du suchst, ist aber mit Sicherheit der Leslie-Effekt.
 
Der Grund, warum da "Vibrato" steht, ist eigentlich ganz einfach.

Wann waren Orgelschulhefte besonders populär? In den 70ern, zu Zeiten des Heimorgelbooms.

Jetzt muß man sich mal vergegenwärtigen, was für Besteck der Orgelschüler, der gerade bei Go Down Moses ist, zu Hause oder im Orgelunterricht stehen hatte. Keine Pfeifenorgel. Auch keine Hammond B-3 mit Leslie 122. Sondern eine in Italien gebaute elektronische Heimorgel der Unter- oder unteren Mittelklasse.

Echte Rotorkabinette im Korpus hatten nur wenige Hersteller, Farfisa etwa hatte sogar welche von Leslie, während Elka sie selbst baute. Und auch die gab's nur in Orgeln ab so 5000 Mark aufwärts. Digitaltechnik gab's damals höchstens im ROM des Klopfgeists, also nix mit digitaler Rotorsimulation. Analoge Rotorsimulation gab's erst ab Anfang der 80er.

Statt dessen mußte ein ganz profanes Vibrato dafür herhalten. Einer von zwei "Effekten" in den Analogorgeln in anfängertauglichen Preisregionen; der andere war "Sustain", die Verlängerung der Releasephase der Verstärkerhüllkurve in Ermangelung eines Hallgeräts.


Martman
 
Das mag für eine Orgelschule aus den 70ern richtig sein - und die Erklärung ist schlüssig ;) Wenn da aber von einer "Keyboardschule" die Rede ist (also wohl neueren Datums), und zudem vom "Umschalten zwischen schnell und langsam" - dann kann eigentlich nur ein Leslie(-Effekt) gemeint sein. Zumal "Go down Moses" ja nun auch nicht aus der Böhmorgelzeit stammt, sondern bereits aus dem 19.Jh. - und somit wahrscheinlich weltweit um einiges häufiger auf echten Hammonds in einer Kapelle in Tennessee oder Arkansas gespielt worden sein als auf Wersi- oder Böhm-Heimorgeln in good ol' Europe... ;)
 
Das hielt meines Erachtens so bis weit in die 80er an. Überzeugende Rotary-Effekte kamen, wenn ich mich recht entsinne, erst um 1990 herum in Arrangern auf, und dann auch nur in der Profiklasse jenseits der 3000 Mark. Will sagen: 1987 lag die Orgel schon fast im Sterben, Keyboards breiteten sich weiter aus und konnten vielfach auch nicht weniger als Orgeln der unteren Mittelklasse, aber typische Anfängerkeyboards (und ebensolche Orgeln) konnten mitnichten schon standardmäßig Rotary.


Martman
 

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben