Fragen zum Üben (Ablauf, Zeiten, Repertoire, Werkzeuge u. weiteres)

Perkeo
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Hallo zusammen,

ich hätte da mal ein paar Fragen zum Optimieren des Übens, es darf gern etwas ausführlicher werden. Hintergrund ist der, dass ich schon zu den „Oldies“ (59) zähle, erst seit 4 Jahren wieder spiele und Aufgrund einer Behinderung („Glasknochen“) in meinen täglichen Übungszeiten sehr limitiert bin, also körperlich maximal 2 Stunden täglich schaffe.

Leider habe ich keinen Unterricht und hab in meinem Umfeld auch kaum Musiker, die ich fragen könnte. Im Netz finde ich zwar viel verbales Blabla aber kaum ein fortgeschrittener oder Profigitarrist zeigt mal, WIE er übt und filmt mal eine seiner Trainingseinheiten.

Also mal meine Fragen:

1.) Aufwärmen: Wärmt ihr euch auf oder übt ihr gleich die Parts, die ihr üben wollt? Falls Aufwärmen, wie lange, womit und warum? Ich bin da unsicher, einerseits finde ich es sinnvoll um die Muskulatur, Sehnen etc. warm zu spielen, andererseits nimmt es Übungszeit in Anspruch für Läufe, Skalen o.ä. die man dann in der Form eher selten verwendet.

2.) Tempo und Wiederholungen: Angenommen ihr wollt einen Part lernen, der ist sehr schwierig und sehr schnell und geht 30 Sekunden. Wie ist euer vorgehen? Reduziert ihr das Tempo so, dass es euch leicht fällt und übt den ganzen Part oder zerlegt ihr ihn in „Häppchen“ und spielt schnell? Falls ihr zerlegt, habt ihr da eine „Faustformel“ wie groß diese Häppchen sein dürfen, um ein sinnvolles Übungsergebnis zu erhalten?

3.) Pausen während der Übungssession: Wie lange spielt ihr am Stück und wie lange macht ihr Pause? Was macht ihr in der Pause? Während des Übens erkenne ich verschiedene Phasen. Erst schleppt es sich, dann wird es gut und schließlich wird es wieder schlechter, wenn ich zu lange am Stück übe. Übe ich dann weiter, übe ich im Grunde wieder die alten Fehler, die ich ja eliminieren möchte, wie handhabt ihr das?

4.) Verhältnis Repetoirpflege, neuer Stuff. Wie ist das bei euch so? Trennt ihr das zeitlich? Also eine Session nur neuer Stuff, andere Session alte Dinge und in welchem Verhältnis ungefäht?

5.) Technisches Drumrum: Was erscheint euch hilfreich? Metronom falls ja, benutzt ihr es praktisch immer oder nur wenn es „hakt“? Backing Tracks? Nehmt ihr eure Übungssessions auf um sie hinterher zu analysieren? Mir bringt die Videoaufzeichnung viel, da ich dann die „Distanz“ finde, mein Spielen aus der Sicht eines Zuhörers zu sehen. Ausserdem sehe ich, wenn ich körperlich verkrampfe oder unentspannt, müde, etc. bin. Wie ist das bei euch?

6.) Übungszeiten, Rituale, etc: Übt ihr immer zur selben (ähnlichen) Tageszeit? Wo übt ihr, habt ihr einen speziellen Raum, Zimmer oder übt ihr auch im Alltag, beim Fernsehen auf der Couch oder in der Küche, solange bis die Pizza im Ofen fertig ist? Übt ihr täglich oder lasst ihr bewusst „übungsfreie“ Tage?

7.) Diziplin: Es gibt Phasen, da bin ich total heiss auf die Gitarre, andere in denen ich "keinen Bock" habe. Diese Befindlichkeiten zulassen oder eisern und diszipliniert "durchziehen"?

Vorab schon mal vielen Dank,
Perkeo
 
Zuletzt bearbeitet:
1.) Ich wärme nicht extra auf, beginne aber immer mit was Ruhigem das mir Freude macht.

2.) Üben immer nur so schnell wie es sauber geht, sauber spielen ist wichtiger damit man sich keine Fehler antrainiert. Tempo kommt von alleine.

3.) Keine Pausen während dem Üben. Ich übe immer nur kürzere Einheiten, 20 bis max. 30 Minuten, aber mehrmals am Tag.

4.) Ein bis zwei Übungseinheiten sind für Neues, die anderen für Wiederholung und Repertoirpflege.

5.) Hilfsmittel je nach Lust und Bedarf ... Metronom, Backing Tracks, mich selbst zur Kontrolle aufnehmen (ich hasse es, aber es bringt was ;))

6.) Keine festen Übungszeiten oder Rituale, geübt wird so wie es in den normalen Familienalltag passt. Ich habe eine "schnelle" Übungsecke (großer Notenständer und ein spezieller Stuhl) direkt in meinem Zimmer, und eine umfangreichere Übungsecke mit Platz für Amps und sonstiger Technik in einem Dachzimmer. Geübt wird täglich.

7.) Eigentlich macht mir das Spielen - auch das Üben - so viel Freude, dass ich schon aus dem Grund so oft wie möglich spiele :)
Wenn ich wirklich mal keinen Bock habe, nehme ich ganz bewusst mal eine kleine Auszeit, mache mal ein, zwei Tage was anderes ... länger halte ich es "ohne" eh nicht aus ... ;)
 
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Hallo @Perkeo ,
Du hörst dich ja ziemlich ambitioniert an. Es kommen später bestimmt noch sehr qualifizierte Ratschläge in Richtung Übungsplan usw. deshalb von mir nur ein paar allgemeine Worte.
Ich finde zwei Stunden täglich für einen Hobbyspieler mehr als ausreichend. Wir in unserem Alter sollten sowieso aufpassen, dass wir nichts überlasten und auf unseren Körper hören. Also sachte und locker anfangen, Parts lieber kürzer, dafür öfter am Tag üben und auf alle Fälle auf seinen Körper hören. Ich mache auch unter Tags verschiedene Dehnübungen für meine Muskeln und Sehnen in den Fingern und Armen.
Hilfreich finde ich regelmäßig mit Metronom zu üben. Ganz wichtig ist für mich auch ein Looper, hier kann ich z. B. neu gelernte Parts gleich mit einem "Sparringspartner" üben. Backingtracks bespiele ich manchmal hier im Forum aber zum Üben bzw. zum Spaß haben spiele ich lieber zu den Originalstücken dazu.
Zur Disziplin: Ich finde, dass man gerade im Hobbybereich darauf achten sollte, dass der Spaß und die Freude an der Musik erhalten bleiben soll. Deshalb versuche ich möglichst abwechslungsreich zu üben und so, dass es mir nie eine lästige Pflicht ist. Wenn ich einmal keinen Bock drauf habe, dann ist das auch kein Weltuntergang. Es soll für mich im Hobby nicht zwanghaft werden. Meistens nehme ich dann doch die Gitarre vom Haken, auch wenn es nur kurz sein sollte.
 
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Das sind wirklich viele Fragen, die ich überwiegend so beantworten würde wie Blues-Opa. Allerdings spiele ich immer ein paar Minuten "Warm-up", mal dies, mal das...
Ich habe ein großes Schlafzimmer unterm Dach, dort steht ein Amp und sechs Gitarren sowie alles was man so braucht. Für's Wohnzimmer (andere Etage) habe ich mir eine sehr preiswerte Squier Tele zugelegt. Auf der dudele ich so oft es geht und ich Lust habe. Länger als 30 Minuten am Stück übe ich nur, wenn ich einen Gig vorbereite.
 
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Ich spiele in zwei Coverbands (Blues, Rock bis einfache Metal Sachen). Was ich übe, leitet sich überwiegend vom Repertoire dieser Bands ab. Hauptfokus liegt auf den neuen Songs bzw. der Setlist für den nächsten Gig, wenn denn mal einer anliegt.

Gezieltes Aufwärmen mache ich eigentlich selten. Wenn dann, ein paar Akkorde oder ein Riff, das mir gerade einfällt.

Zum Üben verwende ich meistens eine Software wie Transcribe oder Anytune. Damit kann ich die original-Songs transponieren, loopen oder langsamer ablaufen lassen. Ich spiele dann über den original Song. Schwierige und neue Sachen immer häppchenweise und mit reduziertem Tempo, bis ich es kann.
Mit einer meiner Bands haben wir mehrspurige Aufnahmen gemacht. Ab und zu overdubbe ich meine Parts in Ableton und höre mir das Ergebnis an, um sowohl die Technik als auch den Sound im Bandmix zu verbessern.
Backing Tracks verwende ich eher selten, wenn dann selbst gestrickte, weil mir das Spaß macht.
Wichtig finde ich eine niedrigschwellige Übungsumgebung. An den Orten, wo ich mich meistens aufhalte (Wohn bzw. Arbeitszimmer) ist immer eine Gitarre in Griffweite. Im Wohnzimmer ein kleiner Übungsverstärker mit Kopfhörer, Looper und Bluetooth Connectivity.

Pausen finde ich wichtig. Ich finde, das nach etwa einer Dreiviertel Stunde, die Konzentration nachlässt. Dann unterbreche ich und komme später zurück. Da ich nicht mehr arbeite, kann ich mir meine Zeit weitgehend frei einteilen. Allerdings habe ich auch noch Ausdauersport als Hobby und da kann es zu Konflikten kommen. Luxusproblem, ich weiß :)
 
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Danke für eure Antworten, da ist schon Interessantes dabei J

Thema Aufwärmen: Wenn ich mir die diversen Online-Kurse oder auch Lehrbücher anschaue, finde ich häufig Themen wie „Spiele diese Übung jeden Tag und du wirst sehen, dass…“ und dann kommt sehr häufig „die Spinne“ oder andere, weirde Fingerübungen.
Ich hab das auch lange praktiziert, hat mir aber für die Praxis wenig gebracht. Zwar kann ich dann diese, eine Übung besser aber es raubt mir Übungszeit und Konzentration, die mir dann an anderer Stelle fehlt. Das Aufwärmen der Finger, Muskulatur, Sehnen, etc. finde ich sinnvoll, ich spiel dann eben altes Zeug, dass ich schon kann. Für Gehirnakrobatik (nimm jetzt den Finger, der am wenigsten damit rechnet…) fehlt mir einfach der Nerv. Allerdings fehlt mir die lange Erfahrung, das wirklich zu beurteilen. Mag sein, dass das vollkommen anders ist, wenn man jung ist und Zeit hat.

Thema Tempo: Ich hab lange drüber nachgedacht und dass für mich der Satz „Tempo kommt von alleine“ nicht zutrifft. Wenn ich einen Part langsam übe und dann das Tempo allmählich steigere, komme ich immer an den Punkt, an dem es einfach nicht weiter geht. Es scheint mir so, dass langsames Spielen eines schnellen Parts eben auch „falsch“ ist. Falsch im Tempo. Und genau diesen Fehler zementiere ich in mein Gehirn, wenn ich immer wieder langsam spiele. Nur wie den Ausweg finden aus diesem Dillema? Spiel ich es schnell, verspiele ich mich, spiele ich langsam, verspiele ich mich zwar nicht, bleibe aber ewig auf dieser Stufe hängen. Ausserdem hab ich festgestellt, dass vieles, was mir langsam flüssig aus den Fingern läuft, dann ab einer gewissen Geschwindigkeit nicht mehr funktioniert und ich einen anderen Fingersatz wählen muss, sliden oder hammern muss, wo vorher ein anderer Finger gut funktioniert hatte.
Hier hat mir „The Zen of Speedpicking“ von Justin Hombach sehr geholfen. (Ich hab den Kurs nicht gebucht, mich nur eingelesen). Er zerlegt also die Parts in winzige Häppchen und spielt sie schnell. Klar zuerst macht man dabei Fehler, aber wenn das Teil klein genug ist, sind die auch schnell eliminiert und man hat von vorne rein das richtige Tempo im Kopf. Bernd Kiltz hat den mal vorgestellt, so bin ich drauf gekommen:
View: https://www.youtube.com/watch?v=TMxKN3GRyUQ&t=379s

Niedrigschwellige Übungsumgebung: Die Erfahrung hab ich auch gemacht. Ein schönes Eckchen im Zimmer eingerichtet, Gitarre, Amp, PC, alles schön verkabelt, eingerichtet und vorbereitet. Tatsächlich sitz ich aber oft auch gerne am Küchentisch (Kaffeemaschine, schöner Blick in den Garten) oder im Wohnzimmer oder sonstwo und dann ist mir im Alltag der Weg in meine „Studioecke“ einfach zu aufwändig und das hochfahren meiner Gerätschaften zu nervig. Also steht der kleine Übungsamp in der Küche, im Wohnzimmer das Laptop mit Amplitube und Gitarren hab ich nun auch vier J, so dass ich eigentlich nur den Arm ausstrecken brauche um eine in die Hand zu nehmen.

LG Perkeo
 
Zu "Tempo komm von alleine" noch ... das war einfach auch bisschen flapsig/griffig formuliert ... ;)
GANZ von alleine natürlich nicht. Das Tempo muss natürlich kontinuierlich bewusst gesteigert werden, grad so dass man noch sauber spielen kann, und es muss vor allem bereits von Anfang an mit den richtigen Fingersätzen und Spieltechniken für das Zieltempo gespielt werden! Es sollen ja grad DIESE Abläufe eingeübt werden, nicht irgend was anderes ...
Bei mir ist das eine recht effektive Methode, und als Ergebnis kann ich normalerweise über kurz oder lang die Originale mitspielen.
 
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Zu "Tempo komm von alleine" noch ... das war einfach auch bisschen flapsig/griffig formuliert ... ;)
Schon klar, ich bin ja dankbar für eure Erfahrungen. Vielleicht mache ich mir's oft auch zu kompliziert...
GANZ von alleine natürlich nicht. Das Tempo muss natürlich kontinuierlich bewusst gesteigert werden, grad so dass man noch sauber spielen kann, und es muss vor allem bereits von Anfang an mit den richtigen Fingersätzen und Spieltechniken für das Zieltempo gespielt werden! Es sollen ja grad DIESE Abläufe eingeübt werden, nicht irgend was anderes ...
Ja, daran scheitert es oft bei mir. Wie gesagt, ich habe keinen Unterricht und niemand, der mir sagt "setzt die Finger so und so..." sondern erarbeite mir das alles selbst. Da passiert es öfter mal, dass irgendwas ab einem bestimmten Tempo (für mich) einfach nicht mehr greifbar ist oder der Anschlag mit dem Plek einfach nicht mehr passt. Mit meiner "Salamitaktik" fällt mir sowas viel eher auf und ich gewöhne mir Unsinniges erst gar nicht an
 
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ich wollte nur bemerken, dass die "Spinne" keine Aufwärmübung ist, gibt außerdem bessere Übungen, damit die Finger an ihrem Platz bleiben.
Das Aufwärmen hat noch eine andere wichtige Funktion - man vernetzt oder kalibriert quasi die Greifhand mit der Pickinghand wieder auf's neue.
Speziell dafür erlernt man am besten ein paar chromatische Läufe, die die Unabhängikeit der Finger fördern - Tempo und Präzision werden auch besser durch spezielle Übungen, die gerne auch musikalisch verwendbar sein können, also nicht langweilig klingen ;-)
 
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Schon klar, ich bin ja dankbar für eure Erfahrungen. Vielleicht mache ich mir's oft auch zu kompliziert...

Ja, daran scheitert es oft bei mir. Wie gesagt, ich habe keinen Unterricht und niemand, der mir sagt "setzt die Finger so und so..." sondern erarbeite mir das alles selbst. Da passiert es öfter mal, dass irgendwas ab einem bestimmten Tempo (für mich) einfach nicht mehr greifbar ist oder der Anschlag mit dem Plek einfach nicht mehr passt. Mit meiner "Salamitaktik" fällt mir sowas viel eher auf und ich gewöhne mir Unsinniges erst gar nicht an

Sehr schnelles Spielen war bisher nie mein Thema aber ich will nicht ausschließen, das ich mich nochmal daran versuche. Mein Eindruck ist der, das die ganzen schnellen Sachen ob Legato, Sweeping oder Speedpicking auf anspruchsvollen Techniken basieren, die man nicht so ohne weiteres selbst erarbeiten kann. Ich würde das immer mit einem Lehrer oder zumindest mit einem online Kurs machen.
 
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Wärmt ihr euch auf oder übt ihr gleich die Parts, die ihr üben wollt?
Wenn es ein Aufwärmen bedarf spiele ich das was ich üben will, in langsamem Tempo.
Wie ist euer vorgehen?
  1. Noten aus dem Internet ziehen (z.B. Songsterr oder Youtubetutorials)
  2. Vergleichen mit dem Originalsong. Und zwar mit guten Kopfhörern. Wenn sich die Noten nicht gleich anhören (und das wird sehr wahrscheinlich der Fall sein, denn 90% der Noten im Netz sind falsch) > Andere Notenquelle suchen. Live-Videos des Originalkünstlers sind oft sehr ergiebig.
  3. Korrigierte Noten auf Tux-Guitar aufschreiben.
  4. Phase 1: Kennenlernphase: Aus den Noten einen Loop basteln > bei 60 BPM die Noten im Loop mehrmals durchlaufen lassen. Irgendwann mal so tun, als ob man selber spielen würde. < Ohne die Saiten anzuschlagen
  5. Ohne Verstärker parallel zu Tux Guitar die Noten/Saiten anschlagen (ca. 7 min)
  6. Wenn das klappt, kann man dasselbe mit eingeschaltetem Verstärkersound tun.
  7. Übephase: Immer und immer wieder parallel zum Loop mitspielen. D.h. mind. 7 min den Loop in Dauerschleife durchlaufen lassen, dazu mitspielen. Spätestens hier wird das Metronom zugeschaltet.
  8. Nach 7 – 15 (oder auch mehr) Minuten des Mitspielens: Das Tempo um 5 – 10 BPM erhöhen. Immer darauf achten, dass es sich gleich anhört. < Dies macht man ca. 3 – 4 mal, sodass sich Blöcke von 45 – 60 min ergeben.
  9. (Man kann das Tux Guitar Playback ausschalten, wenn man sich sicher ist den Rhythmus zu halten.)
  10. Vertiefungsphase: Punkt 9. macht man immer wieder über Wochen oder gar Monate hinweg.
Wie lange spielt ihr am Stück und wie lange macht ihr Pause?
Eigentlich immer, bis mir nach einer Pause ist. Lerntechnisch soll es aber sinnvoller sein, nach 45 - 60 min eine Pause zu machen.
Was macht ihr in der Pause?
Ehrlich gesagt im Netz surfen, oder aufs Klo legen. Am besten wäre sich 5 - 10 min ins Bett zu legen und nichts zu machen.
Meditieren könnte man glatt sagen.
Verhältnis Repetoirpflege, neuer Stuff. Wie ist das bei euch so?
Ist abhängig davon, ob bei mir ein Gig ansteht. Tut er das: 100% Repertoirepflege. Ansonsten ist denke so +- 50:50 ein guter Richtwert.

Was erscheint euch hilfreich?
Metronom und Studiokopfhörer.
Metronom falls ja, benutzt ihr es praktisch immer oder nur wenn es „hakt“?
Je mehr desto besser.
Nehmt ihr eure Übungssessions auf um sie hinterher zu analysieren?
Selten, aber hab ich schonmal gemacht.
Übt ihr immer zur selben (ähnlichen) Tageszeit?
Nein
Wo übt ihr, habt ihr einen speziellen Raum, Zimmer oder übt ihr auch im Alltag, beim Fernsehen auf der Couch oder in der Küche, solange bis die Pizza im Ofen fertig ist?
In meinem Computerraum der auch halb Wohnzimmer ist.
Übt ihr täglich oder lasst ihr bewusst „übungsfreie“ Tage?
Vor Gigs auf jeden Fall täglich. Ansonsten kommen Übungsfreie Tage eher unbewusst und durch Arbeit und sonstige Verpflichtungen induziert.
Diese Befindlichkeiten zulassen oder eisern und diszipliniert "durchziehen"?
Solange man keine High-Class oder Highest-Class Ambitionen hat: Zulassen.
 
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Ich wärme nicht aktiv auf, fange aber meist mit Dingen an die ich schon recht gut beherrsche. Oder die erwähnten 'Spinnenfinger', diese aber eher zum Finger-Workout (Kraft- und Bewegungstraining) mit Nebeneffekt warme Finger.

2.) Tempo und Wiederholungen:
Immer langsam üben, Präzision ist das Ziel. Die Geschwindigkeit kommt von alleine. Lange Parts in Häppchen zerlegen, möglichst in (musikalisch) sinnvolle Phrasen. Diese dann am Ende zusammenfügen und auch den Gesamt-Part üben das es zusammenhängend rauskommt.

3.) Pausen während der Übungssession:
Wenn es anfängt 'schlechter' zu werden, mache ich kurz Pause, meist weiter mit Gitarre in der Hand (nur verschnaufen). Oder ich wechsel zu einer anderen Übung die in diesem Momment leichter ist. Wenn ich merke, dass lerntechnisch nichts sinnvolles mehr passiert lege ich die Gitarre weg (und komme garantiert später wieder um weiterzukommen).

4.) Verhältnis Repetoirpflege, neuer Stuff.
Alles immer so wie es kommt und spass macht / mich weiterbringt. Neben Repetoirfragen kennt man ja seine Baustellen und woran man noch arbeiten könnte / sollte. Schwerpunkt ist immer, was aktuell im Fokus steht (also woran man grad in Bezug auf Technik oder neue Songs arbeitet).

5.) Technisches Drumrum: Was erscheint euch hilfreich? Metronom falls ja, benutzt ihr es praktisch immer oder nur wenn es „hakt“? Backing Tracks? Nehmt ihr eure Übungssessions auf um sie hinterher zu analysieren? Mir bringt die Videoaufzeichnung viel, da ich dann die „Distanz“ finde, mein Spielen aus der Sicht eines Zuhörers zu sehen. Ausserdem sehe ich, wenn ich körperlich verkrampfe oder unentspannt, müde, etc. bin. Wie ist das bei euch?
KISS (keep it simple (and) stupid). So wenig Zusatzkram wie möglich wenn es nicht einem ganz bestimmten Zweck dient. Metronom / Drumcomputer / Backingrack ist sicher sehr hilfreich wenn es um Takt- und Rhytmusfestigkeit geht. Bei anderen Sachen oder auch Grundlagen (einen neuen Akkord (-wechsel) üben zB. bringt ein Metronom erst etwas wenn die Grundlagen schon in den Fingern sind.

6.) Übungszeiten, Rituale, etc:
Immer so wie es passt, aber regelmässig. Wird bei mir normalerweise durch den Alltag bestimmt (wann habe ich endlich Zeit zu üben)

Ich nehme die Gitarre jeden Tag in die Hand. Auch an schlechten Tagen kommt die Motivation meistens spätestens beim Üben / Spielen. Falls nicht, ziehe ich zumindest ein Basisprogramm durch (Finger und Akkordübungen), vielleicht ein leichtes Lied zur Entspannung. Wenn es nichts wird, Gitarre weglegen und später / nächsten Tag weiter.
 
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... dann ab einer gewissen Geschwindigkeit nicht mehr funktioniert und ich einen anderen Fingersatz wählen muss, sliden oder hammern muss, wo vorher ein anderer Finger gut funktioniert hatte.
...

Dann hattest du von Anfang den falschen Fingersatz und der "schnelle" Fingersatz ist der richtige. Diesen nimmst du nun und spielst langsam. Slide und HammerOn/PullOff müssen auch langsam klappen. Und schnell wird man nicht von alleine, sondern nun durch schrittweise Steigerung des Tempos (mit Metronom, DrumComp). Bis du deine Grenze erreichst - und nun kannst du schauen, welcher Teil plötzlich in dem Tempo fehlschlägt, diesen dann isoliert langsam und schneller üben, dann wieder verbinden.
 
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aber kaum ein fortgeschrittener oder Profigitarrist zeigt mal, WIE er übt und filmt mal eine seiner Trainingseinheiten.
Fuer E-Gitarre kenn ich da auch nichts, aber fuer Klassik-Gitarre gibt es einige Videos von Alexandra Whittingham, wo sie genau das macht. Findet man, wenn man "practise with me alexandra whittingham" bei YouTube eingibt.
Da kann man auch einiges auf die E-Gitarre uebertragen.
 
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Wieder viel Spannendes dabei, vielen Dank euch allen. Speziell an @Uhu Stick ein paar Fragen:
  1. Vergleichen mit dem Originalsong. Und zwar mit guten Kopfhörern. Wenn sich die Noten nicht gleich anhören (und das wird sehr wahrscheinlich der Fall sein, denn 90% der Noten im Netz sind falsch) > Andere Notenquelle suchen. Live-Videos des Originalkünstlers sind oft sehr ergiebig.
  2. Korrigierte Noten auf Tux-Guitar aufschreiben.
Exakt meine Erfahrung, gerade bei den schnellen Tutorials/Covers finde ich massig "Geschluder" im Netz. Bsp. der schnelle Part von Steve Vais "For the Love of God". Viele Tutorials, viele Covers und auch einige Transkiptionen. Ich hab noch keine gefunden, die wirklich dem Original nahe kommt. Gut, der Part ist so affig schnell, dass es kaum auffällt... Denoch habe ich versucht in stundenlanger Fitzelarbeit die Notation so raus zu hören, wie sie wirklich ist und dies dann in einem heruntergeladenem Guitar Pro File so korrigiert, dass es passt und ich es wirklich langsam aber trotzdem nahe am Original üben kann. Tux Guitar kannte ich nicht, ich hab eine ältere Version von Guitar Pro.
  1. Phase 1: Kennenlernphase: Aus den Noten einen Loop basteln > bei 60 BPM die Noten im Loop mehrmals durchlaufen lassen. Irgendwann mal so tun, als ob man selber spielen würde. < Ohne die Saiten anzuschlagen
Heisst also, du spielst mehr oder weniger "Luftgitarre" (eben mit der Gitarre in der Hand) um dich an den Song/Part "mental" zu gewöhnen, oder wie ist das zu verstehen? Das hab ich nun noch nirgendwo gehört, macht in meinen Augen aber Sinn.
  1. Ohne Verstärker parallel zu Tux Guitar die Noten/Saiten anschlagen (ca. 7 min)
Wie kommst du auf diese sieben Minuten? Warum keine sechs oder acht? Ich frage aus einem ganz bestimmten Grund, denn es triggert mich und meine Gedanken. Später mehr dazu. Vielleicht...
Ehrlich gesagt im Netz surfen, oder aufs Klo legen. Am besten wäre sich 5 - 10 min ins Bett zu legen und nichts zu machen.
Meditieren könnte man glatt sagen.
Ja. Du scheinst dir da ähnliche Gedanken zu machen, wie ich. Gefällt mir.
Solange man keine High-Class oder Highest-Class Ambitionen hat: Zulassen.
Ein entscheidender Punkt und ich finden den Gedanken total spannend:
Wie würde ich es machen, hätte ich diese "High-Class" Ambitionen. Also vor allem, wo will ich hin und was will ich erreichen? Hier habe ich - muss ich zugeben - einen Ehrgeiz entwickelt, der vielleicht auch völlig unangemessen ist. Es ist also nicht zuletzt eine Art "Selbstexperiment". Nie werd ich auf einer Bühne stehen oder meine Musik unter die Leute tragen. Aber ich bin ein "Lernfreak" und liebe es, meine Grenzen zu testen und zu verschieben.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Dann hattest du von Anfang den falschen Fingersatz und der "schnelle" Fingersatz ist der richtige. Diesen nimmst du nun und spielst langsam. Slide und HammerOn/PullOff müssen auch langsam klappen. Und schnell wird man nicht von alleine, sondern nun durch schrittweise Steigerung des Tempos (mit Metronom, DrumComp). Bis du deine Grenze erreichst - und nun kannst du schauen, welcher Teil plötzlich in dem Tempo fehlschlägt, diesen dann isoliert langsam und schneller üben, dann wieder verbinden.
Genau. Deshalb spiele ich so bald wie möglich "schnell" (auch!) um den richtigen Fingersatz zu finden. Und wenn es nur drei, vier Zweiunddreissigstel sind. Dann wird das Tempo reduziert und auf Fehlerfreiheit hingearbeitet. Dann aber gleich mit den Griffeln an der richtigen Stelle.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Fuer E-Gitarre kenn ich da auch nichts, aber fuer Klassik-Gitarre gibt es einige Videos von Alexandra Whittingham, wo sie genau das macht. Findet man, wenn man "practise with me alexandra whittingham" bei YouTube eingibt.
Da kann man auch einiges auf die E-Gitarre uebertragen.
Cool, danke!
 
Zuletzt bearbeitet:
es wurde ja schon geschrieben - wenn du immer 90 bpm übst, dann wirst du dabei besser, aber dann wirst du nicht 150 bpm spielen können.
wenn du schneller spielen willst, musst du “langsam” draufhaben und das dann allmählich steigern.
und imho ganz wichtig: das wird anfangs unsauber sein, aber der zweck der übung ist ja eben, genau das zu verbessern.
 
Heisst also, du spielst mehr oder weniger "Luftgitarre" (eben mit der Gitarre in der Hand) um dich an den Song/Part "mental" zu gewöhnen,
Genau
Wie kommst du auf diese sieben Minuten? Warum keine sechs oder acht?
Ist einfach ein Richtwert der (imo) weder zu lang noch zu kurz ist. Muss man sich nicht dogmatisch dran halten und insofern spricht nichts gegen 6 oder 8 min.
Wie würde ich es machen, hätte ich diese "High-Class" Ambitionen.
Dann zögest du das durch. Aber auch 7h pro Tag und nicht nur pro Woche.

Wobei diese 7h aber auch nur dann was bringen, wenn man auch die „High-Class" des Lernens beherrscht. Wer 7h am Tag ineffizient und Falsches lernt, übt 7h am Tag ineffizient und falsch.
 
Dann zögest du das durch. Aber auch 7h pro Tag und nicht nur pro Woche.
Eben. Das muss einem auch irgendwie klar sein: die ganzen Gitarrengötter haben Jahre ihres Lebens jeden Tag den ganzen Tag eben Gitarre gespielt.

Wie würde ich es machen, hätte ich diese "High-Class" Ambitionen.
Wenn du jetzt deinen Job schmeisst, können wir uns in 10 Jahren nochmal unterhalten.
 
Eben. Das muss einem auch irgendwie klar sein: die ganzen Gitarrengötter haben Jahre ihres Lebens jeden Tag den ganzen Tag eben Gitarre gespielt.

Wenn du jetzt deinen Job schmeisst, können wir uns in 10 Jahren nochmal unterhalten.
Der ist längst "geschmissen". Weshalb es trotzdem nix wird mit den 7h täglich.... siehe Ausgangsposting.
 
Als Ergänzung zu meinem Thread von neulich, ich bin bei Twitch fündig geworden, dort streamt die Gitarristin Iva Kosić regelmässig ihre Übungssessions. Iva spielt zwar klassische Gitarre aber man kann sich auch mit "Stromgitarre" viel abschauen. Darüber hinaus ist sie sehr nett, beantwortet gerne Fragen.


View: https://www.twitch.tv/ivaguitar
 

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