Vielleicht hilft es dem Verständnis, wenn man sich vor Augen führt, daß Mikrofon-Feedback IMMER da ist, wo ein eingeschaltetes (also NICHT durch Mute/Gate/Auschalten deaktiviertes) Mikrofon-Lautsprecher-System vor sich hin existiert.
Es ist nämlich IMMER so, daß das im Raum vorhandene Geräusch vom Mikrofon aufgefangen wird, und vom Lautsprecher wiedergegeben wird, und daher zwangsläufig wieder im Mikrofon landet und sich dieser Kreis wieder und wieder ad infinitum wiederholt. Feedback ist also nichts, was zunächst nicht existiert, und dann erst ab einer Schwelle "plötzlich" passiert. Es ist die ganze Zeit da.
Es im Normalfall einer vernünftig betriebenen PA halt üblicherweise so, daß bei jedem Umlauf das sich wiederholende Signal AN DER MIKROFONKAPEL gemessen, deutlich leiser (also eine oder mehrere Handvoll dB leiser) ist als im Umlauf davor, und daher innerhalb von Millisekunden, nach wenigen Umläufen, bereits so leise wird, daß es fürs menschliche Gehör irrelevant wird, im Grundrauschen der Anlage und im Grundgeräusch des Raumes verschwindet.
Erhöhen wir den "Systemgain" (also die Summe der Gesamtverstärkung, egal an welchem der ganzen einzelnen Gain-Stufen ) bis an den Punkt, wo das Signal nach einem solchen Umlauf LAUTER an der Mikrofonkapsel ankommt, als es beim letzten Umlauf davor noch an der Mikrofonkapsel ankam, dann geht uns die Schleife "nach oben durch", und das allseits beliebte Pfeifen ertönt.
Nähern wir uns bewusst und langsam aufdrehend an diesen Punkt an, erreichen wir auf dem Weg dorthin einen Bereich, wo die ganze Schleife zwar noch immer pro Umlauf leiser wird, aber eben nur ganz, gaaaanz wenig leiser: Eine Zone, in der der Pegelverlust pro Umlauf nur Bruchteile eines dB beträgt.
Das ist das "klingeln", wo es schon irgendwie gefährlich klingt, sich das Pfeifen schon abzeichnet und wahrnehmbar ist, aber noch von selbst wieder abbaut.
Das ist der magische Punkt, an dem das sogenannte GBF (Gain-before-Feedback) erreicht ist.
Egal an welchem der Gain-Stufen in der Kette ab jetzt noch weiter aufgedreht wird, wird es jetzt zu pfeifen beginnen. Dreht man an einer beliebigen Stelle in der Kette jetzt X dB raus, kann man sie an einer anderen Stelle der Kette die gleichen X dB dazugeben und ist wieder am gleichen Punkt.
Zwei Nebenschauplätze, an denen es glaube ich auch noch nebelt:
dB-Rechnereien im Modellversuch
Die dB-Skala ist ein toller mathematischer Kniff, weil man dadurch (ansonsten fiese) Zahlen übersichtlich macht, und als Nebeneffekt Verstärkungen addieren kann, und dadurch auch das Gesetz der Kommutativität der Addition gilt (wir erinnern uns an unsere 5. Klasse. Also, das heisst, WENN wir uns erinnern):
5dB-3dB Gain ist eben das gleiche wie -3dB+5dB Gain
Man muss dabei natürlich wissen, was man addiert, um sinnhafte Ergebnisse zu kriegen.
Übertragen z.B. aufs Auto:
100km/h fahren, um 20km/h abbremsen, um 30km/h beschleunigen = man ist 10km/h schneller als am Anfang.
Dies ist eine sinnvolle Rechnung, und kommutativ, denn auch wenn man Beschleunigung und Abbremsung zeitlich im Ablauf vertauscht, bleibt Ergebnis gleich - 10km/h schneller.
Grenzfälle wie scharfe Kurven oder Polizisten, wo man mit 130 aus der Kurve fliegt oder für ein Bußgeld rausgezogen wird, mal außen vor.
100km/h "Tempolimit" minus 180km/h "eingetragene Höchstgeschwindigkeit im Fahrzeugschein" ist dagegen keine sinnvolle Rechnung und führt zu nichts.
KI-Feedbackschleifen
Im Netz steht viel Mist über viele Themen. Und weil viele Sprachmodelle mit jedem Textmüll trainiert wurden, der für den Anbieter billig daherkommt, kann man das eindrucksvoll jeden Tag erleben wenn die Sprachmodelle bei fachlichen Fragen kontextbezogen "richtig" antworten, aber im Sinne des Ziels schlecht arbeiten.
Etwas überspitzt gesagt - auf eine Frage, die formuliert ist wie auf "gutefrage.de", kriegt man auch eine Antwort wie auf gutefrage.de. Im Beispiel von Darkstar biegt das Modell auf einer Tangente in Richtung mehrerer Ausspielwege und Routingfragen von der Fragestellung ab...
Wenn ich also in einer Diskussion unreflektierten AI-Slop als Antwort serviert bekomme, bin ich immer versucht, auch wenn es unfreundlich erscheint, einfach nach dem verwendeten Prompt zu fragen. Damit lässt oft besser erkennen, wo der andere steht und argumentativ hinwill.
Magisches Gain, welches Hörschwellen- Reichweiten- und Polarpattern-Änderungen bewirkt
..gibt es nicht.
- Gain ändert keine "Hörschwelle"
- Gain ändert nichts daran, "von wie weit" noch Signale eingefangen werden, oder um wieviel sich mit mehr
- Gain die Richtcharakteristik "aufweitet".
Das sind Mythen - man sehe einfach nur mal ein oder mehrere Mikrofon-Datenblätter an.
Dort existieren bestimmte technische Angaben und Werte, und andere existieren eben nicht.
Keine von den existierenden werden durch Gain-Änderungen in der nachfolgenden Schaltung irgendwie verändert. Und von den nicht-existierenden übrigens auch keine
