gehörbildung = absolutes gehör?

von Raving_Rabbit, 01.08.08.

  1. Raving_Rabbit

    Raving_Rabbit Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.08   #1
    hallo zusammen,

    eigentlich finde ich den gedanken ziemlich cool, musikstücke ohne noten nachspielen oder noten "frei" aufschreiben zu können. jedoch habe ich auch gehört, dass ein absolutes gehör ziemlich nervend sein kann. ich würde es also schon gerne lernen, habe jedoch angst, dass ich danach zu gut hören und meine geliebten tool-hymnen als schrecklich empfinden könnte. jetzt wollte ich mal nachfragen, was man während dem studium "tonsatz, gehörbildung" lernt und ob es in meinem fall sinnvoll wäre.

    lg rabbit
     
  2. Thundersnook

    Thundersnook Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.08   #2
    Ich glaube du brauchst dir keine Gedanken darüber zu machen, dass du irgendwann zu gut hörst. Meines Erachtens ist es nur schwer bis gar nicht möglich ein absolutes Gehör zu erlernen. Entweder ist ist schon von vorn herein vorhanden oder eben nicht. Bist du im Moment in der Lage einen Ton ohne einen Vergleichtson zu erkennen? Wenn ja dann hast du eine natürliche Gabe/Talent, dass dir sehr viel nützen kann. Wenn nicht geht es dir genauso wie 99% der User hier im Board ;)

    Also: Wenn du dein Gehör schulst und weiterentwickelst wird es zwar empfindlicher, aber noch lange kein absolutes Gehör ;) Da besteht nämlich immer noch ein himmelweiter Unterschied.
     
  3. Raving_Rabbit

    Raving_Rabbit Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.08   #3
    also gehöre ich nach dem studium immer noch zu den 99%? :D
     
  4. MikS

    MikS Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.08   #4
    Ein absolutes Gehör kann ja auch von ziemlichem Nachteil sein. Musik bleibt ja mathematik und es geht um die bloßen Verhältnisse zueinander.
    Menschen mit absolutem Gehör sind auf viele Dinge angewiesen (12-Ton-Musik, feste Stimmhöhe usw). Für manche können dann auch nur leicht verstimmte oder gar bloß anders gestimmte Instrumente unerträglich werden, ein summender Bildschirm in "falscher Frequenz" kann den Raum unbetretbar werden lassen usw. Auch ein Stück, dass man nur beispielsweise in C kennt, wird in D zu einer Qual.

    Das habe ich übrigens nur mal in Geo oder sowas gelesen, wo man sich diese japanischen Wunderkinder, die mit 2 Jahren schon jeden Tag Violine üben müssen, mal näher angeschaut hat. Sind wahrscheinlich nur Extremfälle.



    Aber für uns normal Sterblichen:
    Wenn du ein Stück hörst und es in C oder D nachspielen kannst, ist das doch egal, oder nicht? Den Charakter, den man bestimmten Tonarten zuschreibt, gibt es mMn nicht mehr.
    Und ein Instrument kann man auch ohne Referenzton relativ präzise stimmen.
     
  5. Zack ab!

    Zack ab! Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.08   #5
    Also ich habe über die Zeit ein Art ''absolutes Gehör'' für den Ton C (und seine Oktaven) entwickelt.

    Ich kann meinen 6-Saitigen Bass anhand von Flagolettes perfekt stimmen, selbst wenn er von jemandem komplett verstimmt worden ist.

    Aber das ist bei mir erst zu Tage getreten, als ich schon ein recht gutes relatives Gehör entwickelt hatte.
    Beim Musikhören und -machen stört mich das in keiner Weise, solange die Relationen stimmen.

    Letztlich muss auch das absolute Gehör auch antrainiert werden, da niemand mit dem Wissen, dass ein a 440 hz hat, auf die Welt kommt.
    Somit ist auch absolutes Gehör durchaus erlernbar, nur muss man halt sehr früh darauf geeicht werden.
     
  6. Szaladin

    Szaladin Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.08   #6
    In der neusten NEON und in irgend ner anderen Zeitschrift stand in letzter Zeit zufällig (glecihzeitig - strange) in rel. kleinen Artikeln, dass viele Forscher nun Glauben, dass das "Gedächtnis" für Frequenzen angeboren ist, nur meist sehr, sehr früh trainiert werden muss.

    Natürlich gibt es ja noch sehr gut trainierte relative Gehöre. Wenn man sich halt an die Obertöne von bestimmten Saiten in bestimmten Lagen erinnert und so "seine Instrumente" praktisch wie mit einem absoluten Gehör stimmen kann.

    Was natülrich nicht bedeutet, dass ich es hier manchen aberkennen möchte.
     
  7. Effjott

    Effjott Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 02.08.08   #7
    Die Frage stellt sich mir, ob es von Vorteil für den Musiker ist, über ein absolutes Gehör zu verfügen.
    In den anderen Posts wurde bereits geschrieben, dass man das absolute Gehör - wenn überhaupt - nur in einem frühen Kindesalter trainieren und erreichen kann, für den Erwachsenen ist es wohl nicht mehr möglich.
    Wenn es darum geht, Stücke ohne Noten nachzuspielen, Noten frei aufzuschreiben, z.B. in einem Notendiktat mit einem angegebenen Grundton, so ist das möglich, wenn man ein gut ausgebildetes relatives Gehör besitzt. Das ist m.E. für den Musiker deutlich wichtiger als ein absolutes Gehör.

    Beste Grüße
    Effjott
     
  8. BLA_BLA_BLA

    BLA_BLA_BLA Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.08   #8
    Ich stell mir ein absoultes Gehör in einer Hinsicht schon sehr praktisch vor:

    Zu einem absoulten Gehör gehört ja auch, dass man jeden Ton singen kann aus dem Stegreif, sich die Töne also auch vorstellen kann. Dadurch kann man dann bestimmt gut Melodien im Kopf komponieren. Hab schonmal irgendwo gelesen, dass das ein paar Musiker so machen mit Stift und Zettel.

    Als Sänger zum Beispiel ist es auch bestimmt praktisch einfach so vom Blatt singen zu können.

    Zum Erlernen:
    Mein Gitarrenlehrer, der ziemlich viel rumgekommen ist in der Welt, meinte dass das eine Sache des Kulturkreises ist. Also in manchen Ländern ist Gehörbildung auf ein absolutes Gehör abgezielt.
     
  9. MikS

    MikS Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.08   #9
    In Ostasien hat sind die Sprachen ja viel melodischer, die haben daher schon einen gewaltigen Vorteil. Wir mit unseren brutalen romanischen Sprachen können ja bestenfalls die Konsonanten weniger hart abgehackt aussprechen, bei anderen Sprachen kommt es viel mehr auf die Tonhöhe usw an.


    Was das Singen angeht: Sich den Ton exakt vorzustellen können, heißt ja nicht, dass man ihn auch formen kann, oder? Gehört ja schon auch etwas Technik dazu.
     
  10. Fidel

    Fidel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.08   #10
    Einen Bass anhand von Flageolettes perfekt stimmen kann jeder, solange er einen Bezugston hat - umso praktischer, wenn man ihn in seinem Kopf "mit sich rumträgt"^^.

    Ich hab auch mal gelesen, dass Kinder, denen eine bestimmte Melodie immer wieder in der gleichen Tonart vorgespielt wird, öfter ein absolutes Gehör entwickeln als andere Kinder.

    Man hat dann den Bezugston und kann sein Gehör so durch gezielte Gehörbildung / ein gutes relatives Gehör zu einem, ich nenn's mal semi-absolutem Gehör schulen.

    MikS:
    Das führt dazu, dass 90% der Musikstudenten in China Absoluthörer sind. Das macht sie aber nicht automatisch zu besseren Musikern, auch wenn man mit einem absoluten Gehört sicherlich Vorteile beim Lernen von z.B. unbundierten Instrumenten hat.
     
  11. Fastel

    Fastel Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 04.08.08   #11
    naja genau für diese sachen braucht man nicht zwangsläufig ein absolutes gehör. wenn man das musikstück gehört, und einen der töne noch genau im kopf hat, kann man auch ohne absolutes gehör sowas nachspielen.

    ich hab man ein buch über musikspychologie gelesen. ich erinnere mich, dass im abschnitt zum absoluten gehör geschrieben wurde, dass über 90% der absolu-hörer schon mit unter 4 (oder 3?) jahren begannen, ein instrument zu lernen. demnach muss diese fähigkeit im frühen kindesalter antrainiert werden (die armen kinder) und ist später nur noch schwer zu erlangen.
    in anderen fällen ist es angeboren.

    ich habe in den letzten 3 jahren versucht mein gehör zu trainieren. es reicht für intervalle übermäßige/verm./dur/moll akkord-charakterisierung.
    das ist allerdings etwas, da man trainieren muss. ich habe es lange nicht konzentriert gemacht so dass ich inzwischen arge probleme hab die stellung zu bestimmen.

    manchmal allerdings bilde ich mir ein absolut zu hören. da sitze ich gelangweilt und drücke (ohne hinzusehen) wahllos eine taste am keyboard - plötzlich macht es klick und ich denke mir dass dieser ton da eben doch der gleiche ist wie der erste in schuberts 8. das passiert eher aus heiterem himmel und ist selten aber meistens liege ich dann auch richtig. seltsam...
     
  12. Thundersnook

    Thundersnook Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.08.08   #12
    naja, bei ner Chance von 12:1 kann das schonmal passieren ;) :p :D:D

    naa Spass ;)
     
  13. Fastel

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    Erstellt: 05.08.08   #13
    aber nicht, dass man sich auf einmal so sicher ist genau den ton zu hören ;)

    raten kann man ja immer
     
  14. Kay Tokner

    Kay Tokner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.04.09   #14
    Hallo liebe Musiker Board Community,

    zum spannenden Thema "Absolutes Gehör" habe ich den ersten Teil meines Erfahrungsberichtes mit dem "Absoluten Gehöres" verfasst.

    Erstaunt war ich zum einen über die große Resonanz die dieser Bericht hervorruft und zum anderen wie viele Menschen (Musiker) sich mit diesem Thema beschäftigen.

    Für alle interessierten hier der Link:

    http://www.scribd.com/doc/13318642/A...s-Gehor-Teil-1

    Solltet Ihr ganz spezielle Fragen haben könnt Ihr mich gerne anschreiben.

    Herzliche Grüße
    Kay Tokner
    www.kaytokner.com
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