[Gitarre] Epiphone Les Paul SL Vintage Sunburst

von EAROSonic, 03.12.18.

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  1. EAROSonic

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    Erstellt: 03.12.18   #1
    Epiphone Les Paul SL Vintage Sunburst
    MuBo_Reviews_EAROSonic_Epi-SL.jpg

    Das Musiker Board steuerte die Hälfte der hier vorzustellenden Gitarre bei. Ich durfte mich als einer der Gewinner des monatlichen Review-Gewinnspiels über einen Geschenkscheincode in Höhe von 50 € freuen. Hier noch einmal besten Dank dafür, dass Ihr die Reviewschreiber auf diese Art bedenkt. Da ist es auch nur rechtens, ein paar Zeilen über meine Neuanschaffung einer Epiphone Les Paul SL zu schreiben. Ich denke, der ein oder andere hier wird sich auch für sie als Mod-Objekt interessieren. Des Weiteren findet sich bereits ein weiterer Review zur SL hier im Board:
    https://www.musiker-board.de/thread...l-sl-die-99-paula-mit-soundbeispielen.671053/

    Zuerst wollte ich mir nur ein Satz Tuner und ein paar Kleinigkeiten ordern, aber das war mir irgendwie nicht nachhaltig genug. Es sollte etwas werden, das mich an meinen (so ziemlich ersten) Gewinn meines Lebens erinnert. Jedoch wusste ich nicht so recht, was das sein sollte, bis ich im Internet auf die Epiphone Les Paul SL stieß. Als Fan der Les Paul im Allgemeinen und Eigner einer Gibson Melody Maker von 2008 im Besonderen ein gefundenes Fressen. Und die kostet tatsächlich 99 €? Das bedeutete für mich einen monetären Einsatz von 49 €. Überschau- und verkraftbar, sollte die Epi meine Erwartungen nicht erfüllen können (Rücklieferung gibt es ja auch noch). Die Farbwahl war schnell getroffen, da ich keine deckend lackierte SL haben wollte. Heritage Cherry Sunburst sah einfach nur schrecklich und nach den Legoburst der 1970er aus, blieb noch Vintage Sunburst, bin ich eh Fan von.

    Wie immer war Thomann schnell mit der Lieferung (immerhin bewegen sie sich generell in einem sensiblen Bereich, der Musiker ordert und will natürlich schnellstens wissen, was er sich da neues angelacht hat). Umgehend ausgepackt, schälte sich aus den Kartons und der Folie eine kleine, leichte, schnucklige Gitarre, die mich sofort an meine verflossene Gibson Melody Maker Dual (die keine Chance gegen o.g. MM mit nur einem Singlecoil hatte und daher alsbald wieder verkauft war) erinnerte. Gegenüber der Dual hat Epiphone den Toggleswitch vom Cutaway in den Bereich der Potis verlagert, meiner Meinung nach eine sinnvolle Änderung.

    Lieferzustand der SL / Verarbeitungsqualität: Holz
    Wie beschrieben ist sie besonders leicht. Wen wunders, der Korpus besteht aus Pappel und das zählt zu den leichtesten mitteleuropäischen Laubholzarten. Da dieses Holz in der Regel wohl keine schön gezeichnete Maserung besitzt, könnte ich mir vorstellen, dass Epiphone zumindest auf dem Top ein Furnier mit ansprechender Zeichnung aufgeleimt hat. Ich sah jedoch auch schon SL´s, deren Top unspektakulärer erschienen. Das Griffbrett bestehend aus Palisander (bei Epiphone stellt die Verwendung dieses Holzes wohl kein Problem dar), das definitiv geschwärzt wurde. Stellt man schnell nach den ersten Spielminuten fest. Ansonsten wäre die nahezu einheitlich schwarz Oberfläche auch nicht zu erklären. Macht nichts, nach kurzer Zeit hat sich das erledigt und so ergibt das Ganze ein klasse Look mit dem dunkel gehaltenen Body. Die Halsbasis selbst besteht aus dem für Gibson klassischen Holz Mahagoni. Die gesamte Gitarre (bis auf das Griffbrett natürlich) wurde nur dünn lackiert und die Oberflächen erscheinen in mattem „worn“. Lackfehler konnte ich keine festzustellen.

    Dafür wurden die Bundenden der Jumbobünde nicht sonderlich gut verrundet. Sie stören dann schon eher beim Spiel. Vor ein paar Wochen erhielt ich eine Squier Telecaster Bullet (die nur 66 € teurer war), aber sie zeigt, dass es auch anders geht. Aber OK, bei solch günstigen Gitarren schlägt sich jeder Arbeitsschritt deutlich im Preis nieder und bei einer 99 €-Gitarre fällt somit das ein oder andere unter den Tisch. Jedoch sollte man meiner Meinung nach vonseiten des Herstellers speziell im Bereich des Spielkomforts alles tun, um es einem Anfänger (viele werden wohl zu Beginn auf solche Gitarren zurückgreifen, nichtwissende, ob sie überhaupt bei der Stange bleiben) so angenehm wie möglich zu gestalten, das Gitarrenspiel zu erlernen. Reicht doch wohl, wenn ihm die Fingerkuppen von den Stahlsaiten her wehtun!

    Hardware
    Bei den Tuner wurden die üblichen Noname-Günstig-Teile, die sich mehr schlecht als recht drehen lassen, verbaut. Bei Stimmvorgang stellt man fest, dass die Tuner leichte springen und sich somit das Ganze etwas hakelig bewerkstelligen lässt. Exakt diese Tuner fand ich auch bei meiner Bullet Squier Stratocaster vor. Und auch andere Hersteller niedrigpreisiger Gitarren greifen auf dieses Fabrikat zurück. Aber selbst das günstigste Kluson-Tunerset kommt bereits auf 44 € und somit fast auf die Hälfte des Verkaufspreises der SL.

    Die Pickups, zwei Singlecoils werden von Epiphone 650SCR (Neck) und 700SCT (Bridge) benannt und besitzen Keramik-Magnete, weil günstig. Epiphone schreibt, dass es sich quasi um die Singlecoil-Variante der Humbucker aus gleichem Haus handelt. Der Toggleswitch und die Potis (Miniausführung) stammen wohl auch aus dem Lowprice-Segment. Das Wraparound scheint zudem von minderer Qualität zu sein, so beschrieb @Soulagent79 in seinem Review zur SL, dass sich bereits nach kurzer Zeit die Saiten in den Bridge eingegraben hätten.

    Modifikation
    Aufgrund eigener und erlesener Erfahrung nahm ich bei meiner SL gleich zu Beginn zwei Änderungen vor. Zum Ersten ersetzte ich die Tuner durch das Kluson-like-Set meiner Epiphone Les Paul Custom 1955, die eh nur rumlagen. Sie sind zwar golden, aber dafür kosteten sie nichts. Natürlich musste ich hierfür entsprechende Bohrungen (die man jedoch so gut wie gar nicht sieht) anbringen. Mir war an der Stelle allerdings ein komfortabler Stimmvorgang wichtiger.

    Des Weiteren kam ein ebenfalls nicht im Einsatz befindlichen Stoptailpiece einer Gibson als neue Bridge zum Einsatz. Glücklicher Weise sind die Bolzenabstände der Epiphone und Gibson identisch, so dass der Austausch 1:1 erfolgen kann. Zudem sorgt das Mehr an Gewicht auch für ein Mehr an Tonetiefe.

    Da ich weniger an den Potis schraube, sehe ich hier vorerst von einem Austausch ab. Ebenso beim Toggleswitch. Sollte er einmal seinen Dienst versagen, wird eben ein hochwertiger eingebaut.

    Tone
    Dünne Gitarre mit dünnen Singlecoil gleich dünner Tone?! Ja schon, aber muss man auch das Gesamtkonstrukt im Auge behalten. Wer denkt, er können mit der SL einer echten Les Paul Paroli bieten, ist auf dem Holzweg. Die echte Verwandte aus dem Gibson-Lager heißt eindeutig Melody Maker und da auch eher die der Jahrgänge 2007 bis 2011. Auch die reine Optik entspricht diesem Modell. Warum man bei Epiphone „Les Paul“ auf die Kopfplatte schrieb, hat wohl eher etwas mit marketingtechnischen Gründen zu tun. „Les Paul“ verkauft sich eben besser, als sie nur Special oder einfach SL zu nennen. Zumindest steht dieses Kürzel auf dem Trussrodcover. Aber was heißt eigentlich SL? Super leicht vielleicht...

    Aber jetzt wirklich zum Tone
    Der Bridgepickup kam beim ersten Testspiel mit den Stocksaiten sehr dünn und wenig ausdrucksstark daher. Bass war wenig vorhanden, dafür schneidende Höhen. Es fiel auch gleich auf, dass er deutlich weniger Lautstärke, als sein Kollege am Neck besitzt. Zum Glück kann man den Pickup noch um ein paar Umdrehungen höher stellen, umso mehr Bass und auch Volume aus ihm heraus zu kitzeln. Letztendlich schraubte ich ihn so hoch, wie es eben ging. In dieser Einstellung hat man nun nicht mehr diesen penetrant höhenlastigen Tone, sondern er wird schön bissig und durchaus brauchbar. Auch der Bass wirkt nicht mehr so unterbelichtet. Natürlich kommt sie an den tiefgreifenden Tone anderer meiner anderen Gitarren nicht ran. Sie klingt eben anders, aber auch interessant und nicht plärrig.

    Der Neckpickup klingt wie gesagt lauter, hat mehr Bassfundament und auch die Wärme, die man an der Stelle erwartet. Da beide Pickups an nur einem Mastevolume- und -tonepoti hängt, beeinflussen sich beide Pickups untereinander. D.h., suche und finde ich beim Necksinglecoil einen guten Tone, zerstöre ich mir u.U. den des Bridge-SC. Man muss eine gute Balance finden oder sich darauf festlegen, welche Pickup der bevorzugte ist.

    Die Mittelstellung der beiden Singlecoil sagt mir nicht zu. Hier wird es für mich zu nagelig, dünn und nichtssagend. Aber genau das höre ich auch bei der ein oder anderen meiner Telecaster.

    Sustain hat die SL auch eher wenig. Der Tone klingt schnell ab. Und Freunde von schwingenden Gitarren kommen bei der SL auch nicht auf ihre Kosten.

    Natürlich schaute ich gleich, ob man nicht auch einen Fender Singlecoil in die SL schrauben könnte. Der eigentliche Pickup passt auch in die Pickguardfräsung, allerdings liegen die Höhenverstellschrauben weiter auseinander, so dass man neue Bohrungen im Pickguard anbringen müsste. Kann man machen, aber derzeit sehe ich für mich hierfür keinen Bedarf.

    Fazit
    Eine Epiphone „Les Paul“ in außergewöhnlicher Form für 99 €? Ein Rohrkrepierer, weil Brennholz? Meine Antwort lautet definitiv nein. Man darf von ihr nicht das erwarten, was ihr Name suggerieren möchte, man muss sich zurücknehmen und sich auf sie einlassen. Dann klappt es auch mit dieser günstigen Epiphone.

    Was für sie neben dem Preis spricht, ist die Ausführung mit zwei Singlecoils und dem Wraparound. Dieses findet man selten bei Gibson- oder Epiphone-Gitarren. Die Verarbeitung liegt über dem Verkaufspreis von 99 € (mal von den Bundenden abgesehen). Und wer möchte, baut wie ich gleich andere Tuner an und neue Pickups und Elektrik ist auch kein großes Ding. Wie gesagt, man muss sich auf sie einlassen und auch Lust auf sie haben. Dann bereitet sie durchaus Freude.

    Ein paar Sorgen mache ich mir allerdings wie die Potis und den Toggleswitch? Wie lange halten diese Bauteile durch und vor allen Dingen, wie sehen die Bünde nach einem Jahr des Bespielens aus? Werde sie sehr in Mitleidenschaft gezogen, haben wir bei der Epi schon fast einen Totalschaden zu beklagen. Oder aber, man schraubt einen anderen Hals ran.

    Wie auch immer, ich find sie cool und spiele sie schon jetzt sehr gerne. Also schaut über den Headstockrand hinaus, wenn Ihr für kleines Geld eine interessante Gitarre haben wollt. Mit einer Epiphone traut man sich auch mehr das Experimentieren und Lernen an der Guitartechfront zu. Vor allen Dingen gibt es die SL in Farben, die man ansonsten bei Epiphone nur schwer findet. Und immer dran denken, es handelt sich um eine Melody Maker und nicht um eine Les Paul. Trotzdem irgendwie schön, den Namen auf ihr zu lesen...

    P.S. Fotos der SL gibt es an der Stelle leider noch nicht, werden jedoch nachgereicht. Mein Standard-Außenatelier war am Wochenende überflutet.
     
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