[Gitarre] PRS Swamp Ash Special

von EAROSonic, 08.03.16.

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  1. EAROSonic

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    Erstellt: 08.03.16   #1
    PRS Swamp Ash Special

    Nachdem der Trennung von meiner PRS Custom 24, sollte Ersatz in Form eines anderen PRS-Modells her. Um ehrlich zu sein, hatte die CU24 gegenüber meiner CU22 keine Chance, wobei es nicht an den beiden aktiven EMG-Pickups 57 & 66 lag. Nee, es wollte sich aus irgendwelchen Gründen nicht der rechte Spielspaß einstellen und in dem Fall geht man besser getrennte Wege.

    [​IMG]

    Nach den ganzen PRSi mit Leimhals fokussierte ich meine Suche auf ein CE-Modell. Wäre doch eine nette Ergänzung zur Custom und McCarty. Ferner sollte sie sich durch einen Ahornhals mit entsprechendem Griffbrett von den beiden absetzen. Nun, genau mit dieser Ausführung sind CE´s dünn gesät. Ab & an lässt sich eine finden, aber das Gros kommt mit Palisandergriffbrett daher. Ein Tremolo stand eben so wenig auf meiner Agenda und so wird die Auswahl noch überschaubaren bis hin zu „Mission impossilbe“!

    Als ich so im Internet blätterte, tauchte auf einmal das Modell auf, um das ich beobachtungstechnisch lange Zeit einen Bogen machte. Dies zeigt doch, dass wir durchaus bereit sind, unsere Gedanken zu reflektieren und uns mehr als einmal mit der Materie Gitarre auseinander zu setzen, um letztendlich zu einem anderen Ergebnis zu gelangen. Es war die PRS Swamp Ash Special (SAS), die bautechnisch nahe mit der CE verwandt zu sein schien, wird sie doch in der Gitarre & Bass von 4/1996 als CE22 Swamp Ash Special vorgestellt. Zudem wird sie ausschließlich mit Ahornhals produziert, was die Aussichten auf Erfolg angenehm steigerte.

    Fündig wurde ich wieder einmal bei den eBay-Kleinanzeigen und bei eBay selbst. Dort beobachte ich längere Zeit ein 2000er-Modell, um mich auch ein wenig mit ihr zu beschäftigen, eben den Zeitraum, den es dauerte, bis die CU24 verkauft war. Nach getätigtem Deal gab es kein Halten mehr. Mein Glück bestand auch darin, dass der Verkäufer gerade einmal eine Stunde von mir entfernt wohnte und ich die SAS somit in Augenschein nehmen konnte. Als zusätzlicher Bonus verfügte die SAS auch noch über ein Stoptailpiece (diese Modelle wurden nur bis 2001 in dieser Ausführung hergestellt).

    Specs der PRS Swamp Ash Special
    · Ahornhals mit aufgeleimtem Ahorngriffbrett
    · zweiteiliger Korpus aus Sumpfesche ohne zusätzliche Decke
    · Stoptailpiece
    · zwei PRS McCarty-Humbucker
    · Seymour Duncan Vintage Rails in der Mittelposition

    Schaltung der einzelnen Pickups
    - Push/Pull down:
    o Position 1: Treble Humbucker
    o Position 2: beide Humbucker
    o Position 3: Bass Humbucker

    - Push/Pull up:
    o Position 1: Treble Humbucker & mittlerer Pickup
    o Position 2: Basssinglecoil + mittlerer Pickup + Treble Humbucker
    o Position 3: Basssinglecoil + mittlerer Pickup

    Dieses Konzept wurde zweimal, 2003 & 2006 zu Gunsten anderer Schaltungskombinationen geändert. 2006 wurde der 3-Wegetoggleswich auch gegen einen 5-fach Schalter ersetzt, der noch weitere Konfigurationen erlaubt. Mir reicht es jedoch völlig aus, was mir die SAS an Sounds anbietet. Zudem sagt mir ein gesplitteter Neckpickup mehr zu, als einer an der Bridge. Dort gerät der Tone oftmals zu dünn.

    Erster optischer Eindruck
    Highglosslacke sind recht empfindlich gegen Stöße und derartiges, tragen sie doch schnell manches Ding oder Dong zur Schau, auch so im Falle der SAS. Speziell an den Korpusrändern scheint sie das ein oder andere Mal angeschlagen zu sein. Der Hals und das ist das Entscheidende, ist frei von Beschädigungen. Der Lack auf dem Griffbrett ist an keiner Stelle durchgespielt. OK, ich denke, in den nächsten Jahren wird wohl eine Bundabrichtung fällig. Aber bei einer 16 Jahre alten Gitarre erwartet man eh keinen jungfräulichen Zustand. Zeigt sie doch, dass sie viel und wohl auch gerne gespielt wurde. Ebenso besitzt sie ein gerüttelt Maß an ehrlichem Mojo, lief doch die vernickelte Hardware mit den Jahren schön und gleichmäßig an.

    Ärgernis Tuner & Gegenmaßnahmen
    Leider gehört meine SAS noch zu den Modellen, die mit Phase I-Tuner ausgestattet wurde. Erst 2002 wurden Phase II installiert. Den Phase I kann ich nichts abgewinnen. Zu frickelig ist die Neubesaitung. Und dann sehen sie noch nicht einmal elegant aus, sondern mehr wie ein riesiger unförmiger Klotz. Wir sind und werden auch keine Freunde mehr. Da es jedoch schwierig und teuer werden kann, sie mit den Nachfolgetuner zu bestücken (was völlig unproblematisch von statten geht), entschied ich mich für den Einsatz von Schaller M6 Mini Topmount in Nickel. Immerhin stammten die Phase II auch aus Deutschland, ihre Lockingspecs jedoch von PRS selbst.

    Im ersten Stepp erschien mir deren Montage nicht ganz so einfach, wusste ich doch nicht wie ich die Klemmmechanik zu entfernen hatte. Einfaches Abschrauben funktionierte leider nicht. Ein paar Minuten später nahm ich mir ein Herz und mit einem Ruck war die schwarze Hülse entfernt. Erst später stellte ich fest, dass darauf auf der Schaller-Homepage hingewiesen wird. Die weitere Montage verlief ereignislos. Alle Bohrungen passten zu 100 %.

    Wieder einmal konnte ich feststellen, dass, entweder die Konterhülsen der Kopfplatte vom Werk aus nicht richtig angezogen wurden oder sie sich mit der Zeit gelockert hatten. Auf jeden Fall wurden die Neuen entsprechend feste verschraubt. Ich finde den Tone nun definierter und auch ein wenig angriffslustiger als zuvor. Durchaus möglich, dass zum einen die leicht geringere Masse der Schaller, als auch ihre optimalere Schwingungsübertragung auf Grund der Befestigung zu diesem Plus an Tone führen.

    Da die vernickelten Tunerbuttons etwas kleiner ausgelegt sind und damit das Stimmen ein wenig erschweren, tauschte ich sie gegen die Ebenholzbuttons der Phase I-Tuner. Sie kontrastieren schön mit dem Punisher-Trussrodcover und den vernickelten Mechaniken.

    Beim ersten Hörtest musste ich jedoch feststellen, dass mit dem Holz anscheinend auch etwas vom vorherigen Growl der SAS verloren ging. Schwer zu sagen, ob das nun Einbildung war oder nicht. Jedenfalls brachte ein Wechsel zurück zum Metall wieder den geschätzteren Tone. Sollte diese kleine Menge Metall einen so großen Einfluss haben? Irgendwie schwer vorstellbar. Aber gab es nicht einmal die „Fat Finger“, die für mehr Gewicht an der Kopfplatte und damit mehr Tone sorgen sollten? Nun, dann bleiben die Tuner nun eben im Auslieferzustand.

    Optische Anpassung
    Von einem nicht realisierten Projekt hatte ich noch zwei PRS Amber Lampshade-Potiknöpfe übrig. Durch den Umstand, dass die originalen Knöpfe nur aufgesteckt waren, lies sich dieser „Umbau“ schnell realisieren.

    [​IMG]

    Ich erwähne dies deswegen, weil ich bei meiner 1998er McCarty Soapbar bei gleichen Arbeiten Schiffbruch erlitt. Die Potiknöpfe waren bei dem Modell festgeklebt, was zur Folge hatte, dass ein Teil des Potischafts im Knopf stecken blieb und somit ein Austausch des Potis irgendwann notwendig sein wird.

    Backplate
    Zum Schluss der Modifizierung gönnte ich der SAS noch eine Backplate aus Ahorn, passend zum Hals, so dass auch dieser seine Fortführung an der Gitarre findet.

    Tone
    Tonal hatte ich mich auf einiges gefasst gemacht. Ahornhals & -griffbrett sowie ein Eschenkorpus suggerieren mir sofort eine Fender Stratocaster, die mir ob ihrem höhenlastigen Tone nicht wirklich zusagen will. Darauf stelle ich mich auch bei der SAS ein. Ich würde wohl auch hier einen eher höhenreichen, wenig(er) bassigen Tone erleben, Humbucker hin oder her…

    Doch was ich hörte, war ganz anders gelagert, sie klang nicht so, wie die Konstruktion hätte vermuten lassen. Im Bassbereich etwas dezenter, aber in den Höhen nicht überfordernd. Schneller, spritziger in der Ansprache, der Tone steht sofort.

    Die McCarty-Humbucker verrichten in ihr einen guten Job. Der Bridge-PU bissig, mit angriffslustigen, aber nicht nervigen Höhen, stellt einen schönen Punch zur Verfügung. Auch die Mitten kommen bei diesem Tonabnehmer nicht zu kurz und lassen den Ton voll und lebhaft erscheinen. Der Neck-PU glänzt mit Wärme und dickerem Tone. Die Kombination zwischen beide stellt die Vorzüge der beiden Pickups gut zur Schau. Die Höhen gehen etwa zurück, die Tone wird wohliger. Der Vintage Rails (übrigens ebenfalls ein Humbucker) macht den Tone in Verbindung mit dem Bridge-Mc mächtiger und mehrdimensionaler. Könnte mir vorstellen, dass hier die geänderte Konfiguration mittels Singlecoil der späteren SAS mehr Sinn ergibt. Dieser würde den Ton luftiger machen und somit einen erweiterten Einsatzbereich darstellen. Somit ergäben sich die klassischen Stratmittelstellungssounds.

    Vergleichend mit meiner McCarty und ihrer Leimkonstruktion erscheint die SAS tonal flinker, weniger bassbetont, mehr durch die Mitten kommend, bissiger und nicht ganz so warm klingend. Das Mächtige der Mahagoni- & Palisanderkonstruktion weicht bei der Esche- und Ahornkombination einem Fauchen. Bei der McCarty befindet sich mehr Lava im Tone, bei der SAS dagegen schweres Metall.

    Fazit
    Mit dem zweiten Blick sieht man besser & genauer. War die Swamp Ash Special zu Beginn meiner „PRS-Karriere“ eher ein uninteressantes Modell, so geriet es nach gewecktem Interesse an der CE doch in meinem Fokus. Der Holzmix zwischen beiden Modellen ist zwar ein anderer, aber genau das macht die SAS interessanter gegenüber einer CE, gerade im Hinblick auf meine McCarty. Zwei Gitarren in gleichem Look, aber unterschiedlichen Zutaten, die sich hervorragend ergänzen.

    Sumpfechse sieht nicht so umwerfend gezeichnet aus wie ein Ahorn und erscheint eher Understatement, allerdings spielen sich die wirklich tragfähigen Argumente auf Ebene des Tons ab.

    Konzeptionell stellt die SAS auf Grund ihrer drei Humbucker und des seltenen Tonholzes ein aufregendes Instrument dar, das wohl im PRS-Kosmos immer eine kleine Sonderstellung innehaben wird. Etwas abseits von Core, 10 Top und PS stellt die SAS mehr das Arbeitspferd unter den PRS-Gitarren dar.

    Bzgl. der Flexibilität würde ich wohl die SAS der CE vorziehen. Leider konnte ich beide noch nicht miteinander vergleichen, interessant wäre es auf jeden Fall.
     
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  2. Mr.513

    Mr.513 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.03.16   #2
    Dave Weiner schwört bei seinen Signature Gitarren (streng genommen PS mit Dave Weiner TRC) auf Sumpfesche als Material. Meine erste PRS sollte die markentypische Materialkonfiguration haben: Mahagoni-Korpus, Ahorndecke (für mich mit 10T), Mahagonihals.
    Mr. Weiner hielt damals im Video seine 513 aus Sumpfesche ins Bild. In einem anderen Video präsentiert er seine grüne 513 PS, auch Swamp Ash, 24 Bünde, schräggestellte PUs am Steg. Er hob dieses "Stratige" hervor, schnelles Attack.
     
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