[Gitarre] Review: Bausatz Harley Benton St Style

chris_kah

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Hallo zusammen,
dieses Review wollte ich schon länger schreiben als kompakte Form meines Bauberichts.
Im Rahmen der MB Aktion habe ich folgenden Bausatz verarbeitet.


Harley Benton Electric Guitar Kit ST-Style

MuBo-Review Bausatz HB St Style.png

Den Bauverlauf will ich hier nicht mehr breit treten. Wer sich die Details ansehen will, kann den Bauthread durchlesen.

Die Eigenschaften knapp:
Der Bausatz enthält alle für die Grundfunktion notwendigen Teile.
inhalt-jpg.619507

Der Korpus ist mit einer leider lieblos aufgetragenen klaren Grundierung verunstaltet, die verhindert, dass man das Holz lasieren kann, und die sich nur schwer wegschleifen lässt.
Ohne Grundierung wäre es besser gewesen.
Bei meinem Exemplar war das Holz wurmstichig. Die Halstasche war ungenau, die Aussparungen für die Einbauteile waren zwar gefräst, aber sehr lieblos. Es musste viel nachgearbeitet werden. Mit dem Korpus hatte ich mehr Arbeit, als mir lieb war.

Der Korpus war aus sehr unterschiedlichen Holzteilen zusammen geleimt. Für eine reine Holzoptik (nur klarlackiert) wäre es nicht gegangen. Was kommt, ist Glückssache.

Der Hals ist sehr gut vom Finish verarbeitet, die Bünde waren ok, nichts scharfkantig. Der Halsstab funktioniert wie er soll. Allerdings war die Sattelposition nicht richtig. Ich musste ihn für Bundreinheit um ca 2-3 mm verschieben (Richtung Griffbrett im Bild nach rechts).
sattel2-jpg.642007


Die Kopfplatte ist ein eckiges Paddel, das auf die gewünschte Form gesägt werden kann.
headstockvorher-jpg.619511

Gutes Werkzeug ist hier von Vorteil.

Die beiliegenden Mechaniken waren ok. Nicht besonders, aber funktional in Ordnung.
saitenfuehrungkopfplatte-jpg.620782


Das Tremolo ist so la la. Die Saiten können auf Höhe und Oktavreinheit eingestellt werden. Der Tremolohebel ist etwas wackelig in seinem Gewinde.
Die Halterung für die Federn muss in der rückseitigen Aussparung eingeschraubt werden - war nicht vorgebohrt wie vorgesehen.
loecherfehlen-jpg.619968


Die Elektrik kommt vorverkabelt auf dem Pickguard. Hier ist alles ok. Die Tonabnehmer sind Single Coils und fangen sich typisch dafür leicht Streumagnetfelder ein. Die Verkabelung war funktional in Ordnung. Die Ausgangsbuchse ist etwas fummelig und wurde ersetzt.
ueberraschung-jpg.619508


Der Zusammenbau nach Anleitung ist möglich, aber für Anfänger nicht einfach. Es liegt eine Sammlung von Schrauben bei, die teilweise ähnlich groß sind. Welche sind für Pickguard, welche für die Buchsenplatte, welche für die Mechaniken (Verdrehschutz)? Mir war grundsätzlich klar, welche Funktionen abzudecken waren. Nur so und durch Sortieren und Abzählen war die korrekte Zuordnung möglich.
Die mitgelieferten Saiten waren sogar brauchbar. Sie sind immer noch drauf .

Das Ergebnis (Die Show-Röhre ist ein Gimmick, das dem Bauwettbewerb geschuldet war ebenso die "glühenden" Pickups):
bild1-jpg.630779



Fazit:
Ich habe es geschafft, eine brauchbare Gitarre daraus zu bauen. Ohne Vorerfahrung und gut ausgestattete Werkstatt wäre es nicht gegangen.
Der Preis ist natürlich mit unter 70 EUR sehr günstig und man darf daher nicht zu viel erwarten.

Wer eine Gitarre selber gestalten will, ohne größere Umbauten, dem würde ich eher empfehlen, eine fertige Gitarre in weiß zu kaufen, z.B.


Vom Grundmaterial dürfte es gleich sein aber:
Die Gitarre kommt schon mal rudimentär eingestellt. Man kann also sofort erkennen, ob irgendetwas nicht stimmt (Saitenlage, Bundreinheit, Elektrik ...) und kann notfalls reklamieren und umtauschen.
In dieser weißen Farbe ist sozusagen die Grundierung mit enthalten. Der Aufpreis von 10 EUR ist geringer als ein Satz Schleifpapier + 1 Dose Grundierung kostet. Dafür ist die Grundsubstanz aber schon brauchbar.

Der Bausatz lohnt sich wirklich nur, wenn man selber größere Umbauten vornehmen will und kräftig zur Sache geht.
Wer eine qualitativ gute Gitarre selber bauen will, sollte im Grundmaterial höher einsteigen.
 
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Gast252951

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ich denke so ein Bausatz eignet sich wirklich nur für jemand, der gewillt ist einige Korrekturen vorzunehmen und das als Lernansatz sieht.
Wenn ein Anfänger die Teile einfach zusammenschraubt, der wird sich wundern, warum keine saubere Intonation möglich ist und am Ende ggf gefrustet sein, weil man ja davon ausgeht, dass der Sattel korrekt eingesetzt ist. Da muss man dann ja auch erst einmal drauf kommen.

Ich glaube ich fände es sinnvoller einen Bausatz anzubieten, der von mir aus 100-150 € mehr kostet, dafür aber bessere Materialien und eine genauere Fertigung bietet. Dann wäre man immer noch recht günstig dabei. Bei Rockinger kostet so ein Kit ( ohne PUs ) 445 €. Etwas zwischen HB und Rockinger wäre ggf interessant
 
Gast11

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Mit anderen Worten: Für die Fabrik ist dieser Bausatz Müllentsorgung, aber für den Händler mit einer deutlich höheren Gewinnspanne, als die fertige Gitarre. Würg...
 
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Gast252951

Guest
@Gast11 - ich glaube für den Preis ist es für keinen in der Verwertungskette tatsächlich irgendeine nennenswerte Gewinnmarge. Ich persönlich sehe den Sinn solcher sehr günstigen Kits auch nicht unbedingt, wenn es für 10-20 € mehr schon das fertige Produkt inkl. Lackierung gibt.

Will aber jemand erste Bastelerfahrung sammeln, ohne viel Geld auszugeben oder wenn man Angst hätte ein teureres Set zu "versauen", dann kann dieses o.ä. Sets durchaus sinnvoll sein.
 
chris_kah

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Nun ja, bei der Bauaktion gab es ja durchaus auch Kits, die brauchbar waren. Da muss doch ein bisschen der Zufall helfen.

Die Quintessenz war ja auch deutlich formuliert: kleinere Modifikationen -> fertige Gitarre in Weiß, gröbere Umbauten -> Kit als Grundlage mit wenig finanziellem Risiko.
 

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