Gravitationsmodell der Harmonik

fugato
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Liebe Freunde,

ich habe in der letzten Zeit wieder einmal viele, viele Beiträge zum Thema Harmonieverstehen, Harmonieorganisation, Harmonieanalyse, Harmonieverwendung... etc gelesen.
Wie einer der besten Autoren unter euch, PVaults :great:, bereits so elegant sagte, gibt es zu Fragen der HArmonik bei drei "Harmonieexperten" mind. 4 verschiedene Sichtweisen.
Immer wieder lese ich Themen bei denen mitunter interessante Fragen zu harmonischen Wechselwirkungen und Beziehungen gestellt werden, die von einem aufopferungsbereiten Harmonielehrehelfersyndromträgerundallesversteher ausführlich erklärt werden. Gleich danach finden sich Beiträge, die das gleiche sagen wollen, nur mit anderen Worten.
Bsp:
Nr.1 erklärt mit Funktionsharmonik,
Nr. 2 kontert und sagt, dass alles richtig ist, aber er hätte für sich die Stufentheorie grade neu entdeckt und dann sprudelt er los, obwohl schon alles klar war.
Sowas nervt total und bringt die Fragenden und Verständnissuchenden oft durcheinander.

Leider wird sich das nicht so ohne weiteres beheben lassen und wir werden alle damit leben müssen, dass in Zeiten von "mash up" die Themen vollgestopft sind mit unterschiedlichen Denkweisen zu ein und der selben Materie... den HArmonischen Beziehungen von Akkorden und Tönen innerhalb eines tonalen Rahmens.

IDEE:
Die Gravitation (lat. gravitas „Schwere“) ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie bezeichnet die gegenseitige Anziehung von Massen. Sie bewirkt damit beispielsweise, dass Gegenstände zu Boden fallen (sie werden von beispielsweise der Erde angezogen und ziehen diese im Gegenzug an). Die Gravitation bestimmt bspw. auch die Bahn der Erde und der anderen Planeten um die Sonne.
Aufgrund der unbegrenzten Reichweite der Gravitation und des Umstandes, dass sie sich mit keinem bekannten Verfahren abschirmen lässt, ist sie dennoch die Kraft, welche die großräumigen Strukturen des Kosmos prägt.
Während Masse eine Grundeigenschaft eines Körpers, also unabhängig von irgendwelchen Umgebungsbedingungen, ist, verändert sich dessen Gewicht mit der Schwerkraft. Verlagert man also einen Körper von der Erde auf den Mond, so ändert sich seine Masse nicht, sein lokales Gewicht hingegen sehr wohl. Hierbei können aber auch andere Einflüsse eine Rolle spielen: So ist ein Astronaut in einer Umlaufbahn um die Erde nicht wirklich schwerelos, sondern gewichtslos, weil sich seine Schwere durch die Zentrifugalkraft, die durch seinen Umlauf um die Erde entsteht, aufhebt.
Gemäß der newtonschen Gravitationstheorie besitzt jeder Körper, der über eine schwere Masse verfügt, ein Gravitationsfeld. In der allgemeinen Relativitätstheorie ist hingegen jede Form von Energie Quelle eines solchen Feldes - darunter fallen auch Licht und Gravitation. Das Gravitationsfeld um einen unregelmäßig geformten Körper ist keineswegs an allen Raumpunkten in Richtung seines Schwerpunkts ausgerichtet. Das liegt daran, dass „nahe Massen“ für die Gravitationskraft in Betrag und Richtung einflussreicher sind als „ferne Massen“. Somit ist auch bei einem System von zwei oder mehr Himmelskörpern das Gravitationsfeld im Nahbereich jedes Himmelskörpers, die sogenannte Gravisphäre, auf diesen hin ausgerichtet und nicht etwa auf den gemeinsamen Schwerpunkt, das Baryzentrum.

Kommt jemandem von euch das Prinzip der wechselwirkenden Anziehung nicht auch in harmonischen Fragestellungen bekannt und sonderbar ähnlich vor?

Können wir damit in einem ausführlichen Thema eine GravitationsHarmonik neu entwerfen, die das Verständnis für harmonische Beziehungen von tönenden Objekten zueinander näher bestimmt?
 
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CUDO II
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Kommt jemandem von euch das Prinzip der wechselwirkenden Anziehung nicht auch in harmonischen Fragestellungen bekannt und sonderbar ähnlich vor?

Können wir damit in einem ausführlichen Thema eine GravitationsHarmonik neu entwerfen, die das Verständnis für harmonische Beziehungen von tönenden Objekten zueinander näher bestimmt?

Hi,

hast Du mal Johannes Kepler gelesen? Der hatte einen ähnlichen Ansatz vor ca. 400 Jahren.
Schau mal hier.
 
HaraldS
HaraldS
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Kommt jemandem von euch das Prinzip der wechselwirkenden Anziehung nicht auch in harmonischen Fragestellungen bekannt und sonderbar ähnlich vor?

Ja, weil Ernst Kurth 1931 in der "Musikpsychologie" Töne und Harmonien als Träger von Energien beschreibt, die quasi physikalisch aufeinander wirken.

Können wir damit in einem ausführlichen Thema eine GravitationsHarmonik neu entwerfen,

Naja, das geht schon - nur neu wäre es nicht.

Harald
 
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PVaults
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George Russell hat in seinem "lydian chromatic conept of tonal organisation" bereits so ein Konzept entworfen. Er geht davon aus, daß die Subdominante (=IV. Stufe... = lydischer Akkord huamuahua...da haben wir´s schon wieder, du hast ja auch wieder völlig recht, fugato...) der Tiefpunkt bzw. das tonale Schwerpunktzentrum aller Harmonik ist...
Er stellt die lydische Skala als ursprünglichste Skala dar und beginnt mit folgendem Experiment:

Man vergleiche einmal "Dur-Vollskalenakkorde" (so nenne ich ihn jetzt mal), also Akkorde, die alle Töne einer Tonleiter beinhalten.
Von denen gibt es bekanntlich drei, wobei der Dominantseptakkord (V. Stufe, mixolydischer Akkord) natürlich wegen seiner zwingenden Leitwirkung wegfällt.

Also vergleicht er einen ionischen (I. Stufe) mit einem lydischen Vollskalenakkord.
ionisch: C-E-G-H-D-F-A
lydisch: C-E-G-H-D-F#-A

Nun werden wohl 99% der Menschen (die irgendwie "hören" können) den zweiten Akkord als "harmonischer" bezeichnen, weswegen er ihn und damit auch die dahinter stehende bzw. aus den Akkordtönen ableitbare lydische Tonleiter ins Zentrum seiner Überlegungen stellt.

Allerdings finde ich seine Denkweise nicht auf alle Musikstile übertragbar, und mit den Details seiner Lehre mag sich jeder selbst herumschlagen... ;)

Pöhlert hingegen spricht vom Dauerquintfall als harmonischem Impetus. Nicht im Quintfall verlaufende Harmonik bringt er durch Umdeutungen in ein Quintfallverhältnis, was meinem harmonischen Hörempfinden weitaus näher kommt. Damit läßt sich z.B. auch eine Tritonussubstitution der Dominante sehr einfach und auch hörbar nachvollziehen.

Die Gedankengänge einer tonalen/harmonischen Schwerkraft finde ich aber überaus nachvollziehbar...
 

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