Halbwegs professionelle Video Workshops selber produzieren

von Weilando, 03.07.08.

  1. Weilando

    Weilando Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.07.08   #1
    Hallo,

    ich überlege im moment wie man wohl am schlauesten halbwegs professionelle Videoworkshops für die Gitarre produzieren kann.

    ICh dachte da an folgendes: Interface, Mic zur Abnahme am Amp, Mic für die Sprache, Kamera für das Bild.

    Wie das mit dem Musik aufnmehmen geht weiss ich mittlerweile, aber wie bekomme ich das synchronisiert mit dem Bild. Und was für eine Kamera bietet sich da a`? Über Youtube Niveau und der Sound sollte auf jden Fall sehr ordentlich über CUbase kommen.
    Geht das mit Cubase (am besten Essential)?
    Oder brauch ich da gute Videoschnittsoftware? KAnn die exportierte WAVE Dateien aus Cubase optimal in bestmöglicher Qualität mit dem BVideo synchronisieren und dann als Video ausspucken?
    - Was für Codecs eignen sich am besten für bestmögliche Audioqualität?

    Idealerweise müsste das Bild ddirekt beim Aufnehmen schon von der Kamera zusammen mit den Audio aufnahmen zusammen laufen. Unten Videospur, Oben Audiospuren. Aber notfalls würde es auch eghen beides getrennt zu erledigen und hinterher das ganze zusammenzufügen.

    CIh stelle mir das ungefähr so vor: ICh sitze vor der Kamera mit der Klampfe auf dem Schoss, schnacke irgendetwas und spiele dann vor. Der Amp extra abgeknommen, seperat von der Stimme. Bzw die Stimme über extra Mic.
     
  2. michaelkubert

    michaelkubert Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.07.08   #2
    Der Hinweis auf slashcam.de ist schon mal nicht schlecht, zumal es da auch Testbilder und -videos gibt: z.B. hier oder hier.

    Ich würde dazu raten, eine Kamera erstmal auszuleihen und zu testen. Natürlich kann man gleich eine kaufen, aber bei ordentlichen Modellen ist man schnell mehr als 2000 Euro los, und wenn man nicht täglich dreht und die Kamera auch nicht ständig griffbereit haben muss, rechnet sich das nicht wirklich. In der Regel dreht man 1-2 Tage und sitzt dann sowieso erstmal Wochen über den Ergebnissen und bastelt daraus einen Film, während die Kamera nicht mehr benötigt wird.

    Vielleicht reicht es daher ja auch, sie grundsätzlich nur für die Drehzeit auszuleihen. Leihen kann man beispielsweise bei Indycine. Eine Sony PMW-EX1 kostet um die 40 Euro am Tag plus Versand, und besser geht's technisch m.E. momentan nicht. Dazu braucht's dann aber auch noch ein Stativ und ordentliches (=nicht flackerndes und gleichzeitig leises) Licht.

    Falls es doch um Kaufen geht, kann man z.B. recht günstig gebrauchte Sony HDR-FX1 ersteigern. Die haben immerhin eine Auflösung von 1440x1080, sodass man nachträglich auch noch in der Bearbeitung Ausschnitte wählen kann (zoom/pan). Auch die kann man vorher mal probeweise leihen um zu schauen, ob sie für den Zweck passt.

    Bei den aktuellen guten Kameras stellt sich das Problem der Nachbearbeitung bzw. des Schnitts. Die Datenmengen sind so ein Hammer, dass ggf. die Festplatten- und Rechenleistung des PCs ein echtes Problem darstellt. (Externe Festplatten am besten über eSata anbinden, nicht nur USB2.)

    Als Schnittsoftware würde ich entweder Sony Vegas Pro oder Adobe Premiere nehmen, ggf. noch ergänzt um Boris RED für Effekte und falls was schiefgelaufen ist bei der Aufnahme. Für eine performante Bearbeitung kann man sowohl bei Vegas als auch Premiere die Codecs von Cineform (NEO bzw. Aspect/Prospect) verwenden. Dann klappt das Editing auch mit dem Laptop.

    Beim Aufnehmen unbedingt an den richtigen Weißabgleich denken, damit das Ausgangsmaterial ok ist. Wenn man's professionell machen will, gibt es dafür z.B. den Munsell/XRite ColorChecker mit definierten Farben, damit man später ggf. noch mit vertretbarem Aufwand korrigieren kann (weißes T-Shirt ist selten wirklich weiß).

    Wenn wir schon beim Thema Farben sind: Wenn's professionell werden soll, muss man im Blick haben, dass gerade günstige (insbesonder Laptop-) LCD-Displays eine Reihe von Farben falsch bzw. gar nicht darstellen können (und zwar egal, was da draufsteht a la "16Mio Farben"). Das macht die Arbeit mit Farben u.U. kompliziert, weil irgendein Braunton auf dem einen Display braun ist, auf dem anderen aber schwarz. Auch die Codecs reduzieren/ändern manche Farben. Bevor es losgeht sollte man also unbedingt einen Test machen, der von der Aufnahme bis zur Wiedergabe des Endprodukts auf verschiedenen Monitoren/Displays alles umfasst. Professionelle farbkalibrierte Displays (z.B. hier) helfen da auch nur begrenzt, denn darauf sieht man Farben, die jemand auf einem billigen Display gar nicht (so) sehen kann. Auch hier ist im Zweifel der ColorChecker hilfreich, da man wenigstens RGB-Wert-mäßig weiß, was auf dem Bild zu sehen sein soll und sich nicht irritieren lässt.

    Synchronisation Ton/Bild: Nimmt man beides getrennt auf, ist das die schwierigste Lösung und wenig zu empfehlen, weil das Handling deutlich komplizierter wird. Am besten gleich mit XLR in die Kamera, dann gibt's keine Synchronisationsprobleme (aber checken, ob es ggf. rauscht oder übersteuert! Level unbedingt manuell fest an der Kamera einstellen, damit die Automatik keine Probleme macht). Wenn man's unbedingt getrennt aufnehmen will: Die gute alte Filmklappe hat schon ihren Zweck, mittlerweile gibt's die auch digital mit Timecode (z.B. von Denecke, das kann man dann z.B. mit einem Fostex FR-2 koppeln). Man kann für einfache Ansprüche auch ein Metronom nehmen, das klickt und blinkt (Korg KDM2). Im Kern ist es ja so, dass man einfach im Bild ein leicht zu findendes Ereignis braucht, das man mit dem Ton synchronisieren kann (notfalls einmal in die Hände klatschen, das sieht man im Bild und weiß ungefähr, wo der Sound dazu hin muss; eine Triangel o.ä. dürfte es auch tun).

    Während der Aufnahme unbedingt darauf achten, dass man konstante Lichtverhältnisse hat (also nicht vor einem Fenster, in das die Sonne scheint oder auch nicht). Sowas lässt sich später schlecht unauffällig zusammen schneiden (Sonne - keine Sonne - Sonne, kommt schlecht). Außerdem sollte man bevor es richtig losgeht schauen, dass man technisch eine Probeaufnahme macht, um zu sehen, ob Bild und Ton ok sind oder es Unter-/Übersteuerungen gibt. Ggf. kann man die Belichtungswerte (Gain, Blende, Verschlusszeit) und Autofocus fixieren, damit die Kamera nicht meinetwegen durch eine kleine Reflektion auf einer Gitarre plötzlich alles runterregelt und der Moderator dunkel ist. Gain möglichst auf Null, damit das Bild nicht rauscht. Beim Adobe Production Studio ist das Programm OnLocation enthalten, mit dem man das alles auch während der Aufnahme checken kann. Eine ernstzunehmende Alternative ist auch, direkt auf die Festplatte aufzuzeichnen (also nicht über den Zwischenschritt Band bzw. Speicherkarte der Kamera). Das birgt aber technisch ein höheres Risiko, dass da z.B. eine Störung reinkommt von der man während der Aufnahme nichts mitbekommt, und zudem kann der aufnehmende PC Geräusche verursachen, die man dann auf der Tonspur hat.

    Apropos Reflektionen: Glasgegenstände haben im Bild nichts verloren, da sich ggf. darin die Kamera usw. spiegelt.

    Schließlich muss man vermutlich noch ein Skript haben, damit's nicht zu unbeholfen wirkt. Einen einfachen LCD-Teleprompter kann man sich mit Prompt! günstig verschaffen. Das Skript wird auch benötigt, damit man später beim Schneiden nicht völlig durcheinander kommt und z.B. wichtige Szenen versehentlich rausschneidet.

    Eine weitere Idee für so ein Video wäre, gleich mit mehreren Kameras aufzuzeichnen (auch das spricht für Leihen). So kann man verschiedene Perspektiven aufzeichnen und die dann später im Schnitt zusammenschneiden. Zum Beispiel eine Totale mit dem Moderator, eine Detailkamera auf die Gitarre für die Griffe. Die o.g. Software unterstützt das auch recht gut, sofern man alles erstmal synchron hat. Im Ergebnis sollte das wesentlich lebendiger aussehen als wenn man immer nur eine einzige starre Kamera hat.

    Möglich ist auch, einen Interviewer mit einzubinden, der daneben sitzt und jeweils Fragen stellt oder zum nächsten Thema überleitet. Das lockert das Video auf und man sitzt nicht ganz allein vor den Kameras. (Man braucht ggf. etwas auf das man schneiden kann, wenn der Ton zwar ok und wichtig ist, aber das Bild rausgeschnitten werden muss, z.B. weil sich gerade eine Fliege auf die Nase gesetzt hat. Je mehr Kameras mit verschiedenen Perspektiven, umso besser.)

    Für die Aufnahme insgesamt: Unbedingt noch eine weitere Person bitten ein Auge auf die Kameras zu haben. Sonst macht man eine tolle Session und stellt später fest, dass irgendwas technisch nicht geklappt hat oder gerade die Haare zu Berge standen. :-)

    Schließlich müsste man sich noch entscheiden, was für einen Hintergrund man wählen will. Notfalls ist ein dunkler, nicht reflektierender Molton-Vorhang ok (hier gibt's eine Musterkarte). Von Chroma Keying (Greenscreen o.ä.) würde ich deutlich abraten, da das ein Faß ohne Boden werden kann bis es ordentlich ist. Wer's unbedingt machen will, kann sich hier informieren, wie man's richtig macht.

    Nicht vergessen, dass man während der Aufnahme einen ruhigen Ort braucht, der nicht gerade Flugzeuglärm, Polizei/Feuerwehr oder Nachbar's Bohrmaschine auf der Tonspur hat. An sich wäre das ggf. gar nicht so schlimm, aber es kommt blöd, wenn man später Teile zusammen schneidet, auf denen die Hintergrundgeräusche drastisch wechseln.

    Auch wenn man nicht besonders eitel ist, kann man vorher vielleicht den Gang zum Kosmetikladen des Vertrauens antreten und sich eine farblich passende Abdeckcreme besorgen, falls man am Drehtag gerade einen hübschen roten Pickel auf der Nase hat, den man sich dann nicht die nächsten Jahre immer wieder im Video ansehen oder mühsam mit Boris RED rausretuschieren will.

    Gleichzeitig sollte man sich schon mal Gedanken machen, wie man das Video dann vertreiben will (DVD? Internet?), denn da gibt's ja einiges mehr zu bedenken, was Datenmengen, Formate, Payment usw. betrifft (u.a. den tollen Verbraucherschutz mit Widerrufsbelehrungen, Abmahnrisiken, Gefahr von teuren Rücklastschriften usw.).

    Ein erhebliches Risiko ist auch die Verwendung urheberrechtlich ungeklärter Inhalte, insbesondere Musik. Da gibt es entsprechend spezialisierte Anbieter, aber das hilft natürlich nicht für die im Workshop selbst verwendeten Noten. Das sollte man nicht erst klären, wenn das Video aufgenommen und fertig produziert ist.

    Falls man Abbildungen/Standfotos z.B. für eine Produktverpackung oder ein Intro sucht, kann man die ggf. bei Bildagenturen finden.

    Je nach gewünschtem Ergebnis kann man in Video-Workshops beliebig viel investieren. Zusammenfassend würde ich erstmal mit der Software anfangen (denn die ist nicht leihbar und man muss sich länger einarbeiten, ggf. mit Demoversionen) und die Kamera leihen, um das Budget klein zu halten und schnell Ergebnisse zu bekommen.

    Wer auch nicht in die Software investieren mag und Zweifel hat, ob Videoschnitt sein Ding ist, kann ja auch überlegen, das mit der Leihkamera gefilmte Rohmaterial mit dem Skript einem freiberuflichen Cutter in die Hand zu drücken.

    Ich hoffe, das hilft ein wenig - sonst einfach nachfragen.

    PS: In einem Buch über E-Learning habe ich vor Jahren mal gelesen, dass für 1 Stunde Lehrmaterial etwa 600 Arbeitsstunden anfallen. Damals wollte ich das nicht glauben, mittlerweile weiß ich, dass das durchaus realistisch ist, weil man schnell vom Hundertstel ins Tausendstel kommt. Insofern sollte man sich die kritische Frage stellen, ob das Projekt - auch angesichts der Konkurrenz - wirklich Sinn macht (entweder als Referenz oder als Umsatzbringer).
     
  3. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 15.07.08   #3
    Klasse Beitrag - sehr lehrreich für mich und verständlich mit hilfreichen Links geschrieben. :great:


    Topo :cool::)
     
  4. Weilando

    Weilando Threadersteller Registrierter Benutzer

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    ja vielen dank hierfür dicks Lob :great:
     
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