Harley Benton (4€) gegen Seydel Nobel (95€)

von Ro1land, 31.03.12.

  1. Ro1land

    Ro1land Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.03.12   #1
    Hallo Harp-Spieler,

    mir wurde hier im Forum schon häufiger geholfen, da dachte ich mir, ich gebe auch mal etwas von meinen Erfahrungen zurück.

    Ich spiele immer wieder gerne nebenbei auf meinen Blues-Harps. Gerade wegen der unterschiedlichen Tonarten kommt man des öfteren in die Versuchung, ein neues Gerät anzuschaffen. Die Preisspanne ist auch bei Harps enorm. Von Extra-Sondermodellen mal abgesehen reicht diese etwa von 2-3 Euro bis zu 100 Euro.

    Da stellte ich mir natürlich die Frage, ob sich die Anschaffung eines teueren Instrumentes auch lohnt.

    Ich besitze ein paar Harley-Bentons zum Preis von 4€ das Stück, eine Hohner Big River Harp für gut 20 €, eine Marine Band Deluxe für ca. 40 € und jetzt musste ich es einfach mal versuchen, auch noch eine Seydel 1847 Noble für 95€.

    Zunächst vorweg: Je teuerer, desto besser. Das ist auf jeden Fall meine Erfahrung.

    Ich will hier nicht irgendwelche Details wie Spielgefühl oder Vibratomöglichkeiten erläutern, sondern nur grundlegende Dinge, die auch ein Neuinteressierter versteht.

    Zunächst die Harley-Bentons. Zu jeder meiner Harps gab es kleine Boxen, worin man die Harp aufbewahren und geschützt in die Hosentasche stecken kann. Bei der H-B ist diese Box aus schlichtem Plastik. Störend ist aber, dass die Harp darin Spiel hat und somit bei jeder Bewegung deutlich hörbar klappert, wenn man sie z.B. in der Hosentasche hat. Dies kann man aber abstellen, indem man etwas Papier mit in die Box stopft.

    Beim Spielen merkt man, dass ziemlich viel Luft "daneben" geht, d.h. man muss relativ viel saugen/blasen beim Spielen. Bei manchen Stücken, gerade wenn man schnelle Akkorde (mehrere Löcher gleichzeitig) spielt, kann einem dann sprichwörtlich die Luft ausgehen. Eine kleine Atempause unterbricht dann das Spiel - naja, ist kein Weltuntergang, aber merklich anstrengender.

    Die tiefen Löcher lassen sich relativ leicht spielen, man muss nicht mit Gewalt die Luft pressen. Bei den obersten Tönen wird es deutlich schwieriger, da braucht man durchaus einen stärkeren Druck. Dies macht ein feines Spiel sehr schwierig.

    Vom klanglichen her sind diese Harps durchaus "anhörbar". Bei der ein oder anderen Harp gibt es aber bei manchen Tönen ein zusätzliches, wenn auch leises schräges, hohes Pfeiffen, welches das Hörvergnügen manchmal etwas einschränkt.

    Die Big River Harp ist in allen Punkten besser. Sie klappert nicht in der zugehörigen Plastikbox. Der Luftverlust ist deutlich geringer als bei den H-B, bei den tiefen Tönen genügt ein Hauchen und die Harp klingt. Nach oben wirds auch hier schwieriger, aber durchaus noch machbar. Ein Nebenpfeiffen gibt es hier nicht. Dennoch scheine ich eine Montagsharp erwischt zu haben. Zwei Töne funktionieren nicht richtig. Obwohl ich sie bereits gereinigt habe, bleiben sie immer wieder hängen. Der Klang ist schön "rund", da gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Würden also die Töne nicht klemmen, so könnte man damit bereits gut spielen.

    Die Marine Band deluxe kostet nochmal das Doppelte - und ist auch wesentlich besser. Der Luftverlust geht gegen Null. Es hängt kein Ton. Bei den tiefen und den mittleren Löchern genügt ein Lufthauch um die Harp zum klingen zu bringen. Nach oben wirds etwas schwerer, aber immer noch bis zum letzten Loch kontrollierbar. Klanglich stimmen die Tonhöhen hier sehr gut zusammen, auch die Akkorde klingen richtig sauber. Und schließlich die Box: Eine kleine Stofftasche mit Reissverschluss. Kein Klappern und vom Volumen her die kleinste Packung, ideal für die Hosentasche.

    Und dann schließlich die Seydel zum Preis von ca 25 Harley-Bentons. Das Ding ist schon klasse. Luftverlust 0. Bei ALLEN Löchern reicht ein Hauchen, bis zum obersten Ton. Die Harp klingt supersauber und sehr obertonreich. Das ist wirklich vom Besten. Die Box enthält ein Reinigungstuch und entspricht etwa einer Box, in der man auch Ringe aufbewahrt. Relativ groß, für die Hosentasche weniger geeignet.

    Was würde ich nun einem Freund empfehlen?
    Als Partygag oder um es einfach mal auszuprobieren kann man auch eine Billigharp nehmen, rein vom Klang her ist gerade für einen Musikanfänger der Unterschied zwischen den verschiedenen Geräten nicht so groß.

    Wenn man doch hin und wieder spielt, dann würde ich zur Marine Band deluxe (oder vergleichbare Klasse) greifen. Auf Dauer merkt man dann doch die Nebengeräusche der Billig-Harp und wenn das Können besser und die Stücke schwieriger werden, dann tut man sich mit H-B deutlich schwerer.

    Wenn ich häufiger spiele, dann würde ich mir zumindest für meine Lieblings-Tonart das teuere Modell zulegen. Das ist es auf Dauer sicher wert. Wenn man alleine spielt, dann ist die Tonart ohnehin relativ egal, dann hat man für die meiste Zeit ein tolles Gerät.

    Und wenn man mit anderen zusammen oder zu einem Stück dazu spielt und deswegen eine bestimmte Tonart braucht, dann muss man eben abwägen, wie viel einen der Klang so wert ist. Funktionieren tun sie alle, aber (zumindest unter diesen Modellen) teuerer ist nun auch mal besser.

    Ich hoffe, dem ein oder anderen hilft dies und der ein oder andere legt sich zumindest mal ein Billig-Modell zum Ausprobieren zu. Da kann nicht viel kaputt gehen, aber evtl. kann man sehr viel Freude entdecken.

    Gruß,

    Roland
     
  2. mattes2403

    mattes2403 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.04.12   #2
    Tja, Billig-Harp gegen teuer-Harp.
    Schwalbe-roller gegen ducati oder so..........
    Klar kann man auf ner Schwalbe fahren lernen, aber dann setz dich mal danach auf ne Duc.
     
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