Sofern ich las gibt es martensitische Chromstähle welche härtbar sind.
Obacht! Hier muss man wieder mal aufpassen und darf Härte nicht mit Festigkeit verwechseln!
Beides kann man mit hohen Zugfestigkeitswerten ausdrücken, bedeutet aber was völlig unterschiedliches:
- Hohe Härte will man, damit die Oberfläche widerstandsfähig gegen Benutzung wird also gegen Abrieb und so. Da ist es dann nicht so wichtig wie die Elastizität und Dauerfestigkeit aussieht.
- Bei Festigkeit ist es einem Wurscht, wie abriebbeständig die Oberfläche ist. Da will man hohe Elastizität verbunden mit hoher Dauer(schwing)festigkeit haben.
.. Das Thema hatten wir schon mal an anderer Stelle mit dem "normalen" Federstehl für die Stimmzungen .. Stichwort C100S gegen C125S.
Und da hat ein materialkundiger User geschreiben dass beim C125S gegenüber dem C100S zwar der Festigkeitswert nominal höher ist als beim C100S aber das sich vor allem in Form von gesteigerter Härte zeigt und nicht in Form von gesteigerter Dauerfestigkeit... Sprich der Stahl brachte keine höheren Dauerfestigkeitswerte ( welche wir ja bei Stimmzunge haben wollen ) aber dafür durch die höhere (Oberflächen)härte schlechter mit dem Stimmstichel bearbeitbar wird.
Drum man kann Härte Und Festigkeit als Zugfestigkeitswert umrechnen um irgendeinen Vergleichbarkeit zu haben wo man sich denn da ungefähr bewegt - ist aber im Endeffekt nicht korrekt, da es letztlich irreführend ist und einem eine Gleichheit vorgaukelt die tatsächlich so nicht vorhanden ist!
Die Härte eines solchen Stahls würd ich -für die Bearbeitung- nicht unterschätzen!
an solchen gehärteten Stählen ( wie z.B. Stahl 1.4112 oder 1.4116) hast du keine Freude beim Bearbeiten... Die nimmt man gerne z.B. als Material für Messer - die sind gut schnitthaltig und halten ihre Schärfe gut, aber brechen halt bei Biegung gerne- Also für Stimmzungen würdest du da keine große Freude haben - besch*** zum stimmen und brechen relativ früh ab.
Was man für Stimmzungen braucht ist ein Stahl der hohe Biegewechselfestigkeit aufweist und gute Elastizität mitbringt. Und wenn man das nicht durch Kaltverfestigung erreichen will dann braucht man einen Stahl den man zwar härten kann, der aber nachfolgend noch vergütet wird und dann brauchbare Elastizitätswerte aufweist.
Zwar hab ich von berufswegen ständig mit Stahl unterschiedlicher Ausprägung zu tun, aber der Wahnsinns-Experte auf dem Sektor bin ich nicht - aber härtbare Nirostähle mit brauchbaren Elatizitätswerten kenn ich nur bis zu Zugfestigkeiten so um die max. 1300 ...1400 N/mm^2 .
Die martensitisch härtenden (Messerstähle ) kann man bis ca. 54 HRC ( Härte Rockwell C) härten,bringen dann aber kaum brauchbare Biegewechselfestigkeit mit und sind hauptsächlich verschleißfest.
Und den obengenannten Nirostahl der gerne für Federdrähte verwendet wird , der 1.4310 der kommt kaltverfestigt also gewalzt oder gezogen in den Abmessungen wie s für Stimmzunge gebraucht wird schon in die Region Richtung 1800 ... 2000 N/mm^2 und wichtig: mit ordentlichen Dauerfestigkeitswerten!
Man kann sich so einen Stahl nicht einfach aussuchen in dem man in ein Tabellenbuch den Stahlschlüssel z.B oder so reinschaut und schaut wer hat den höchsten Wert... das klappt so in den seltensten Fällen, drum gibts für so was auch richtige Experten die sich auf dem Sektor wirklich gut auskennen, die man dan in solchen Fällen konsultieren kann und die dann unter den vielen Werten die ein Werkstoff mitbringt den besten , passendsten auswählen können.
Drum will ich gar nicht so wahnsinnig spekulieren was denn hier nur für ein Stahl genau genommen wird... ist letztlich egal:
Der Stimmzungenhersteller hat mit Sicherheit sich beraten lassen und für seinen Zweck die beste Wahl getroffen. Und für uns Hobbybastler ist das alles Schall und Rauch... wir können eh nur nehmen, an was wir mit unseren Mitteln rankommen... und das isses dann halt eben.