Höhe des Obersattels bei der Violine

von JohnMcCartney, 10.02.16.

  1. JohnMcCartney

    JohnMcCartney Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.02.16   #1
    Hallo,

    ich spiele seit 16 Jahren Gitarre, arbeite hauptberuflich als Gitarrenlehrer und spiele jetzt seit einem Jahr autodidaktisch Violine.

    Die Höhe des Sattels und damit die Saitenlage in den ersten Fingerlagen erscheint mir auf dem meisten Violinen völlig unnötig hoch zu sein - so dass man unnötigerweise jeden Ton 1-2mm weiter runterdrücken muss, als es eigentlich physikalisch zum Produzieren des Tones notwendig wäre.
    Das kenne ich von billigen, schlecht eingestellten Gitarren... ^^

    Die hohe Saitenlage erschwert neben dem allgemeinen Greifen das Nicht-Berühren der Nachbarsaiten bei Doppelgriffen.
    Auf Cellos ist es noch krasser als auf Violinen...
    Klar, wenn der Steg zu tief ist, scheppern die Saiten beim Spielen gegen das Griffbrett. Aber der Sattel? Der beeinflusst doch (fast) nur den Klang der leer gespielten Saiten, da die Saite nur bis zum gedrückten Finger schwingt und dahinter (fast) nichts passiert (abgesehen von Resonanzphänomenen).

    Stimmt mir jemand zu, bzw. was soll der Grund für diese exorbitante Saitenlage seitens des Sattels sein? Eine physikalisch nachvollziehbare Argumentation würde ich dabei sehr begrüßen :) Also nicht "Isso, das wird seit Stradivarius so gemacht"

    Oder anders gefragt, welchen Saitenabstand (in mm) zwischen Unterkante Saite und Griffbrett wäre im Bereich des Sattels eurer Ansicht nach ideal?
     
  2. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 10.02.16   #2
    Hi John,

    den perfekten Abstand findet man nur auf hochpreisigen Instrumenten, die von Geigenbauern
    durchgeführt wurden, die auch ein persönliches Verhältnis zum Instrument haben und ihr Handwerk,
    wie auch auch das Instrument, beherrschen.

    Für einen perfekt-niedrigen Saitenabstand zum Obersattel, ist ein perfekt gehobeltes Griffbrett die Voraussetzung!
    Da darf nicht der kleinste Buckel drin sein, sonst funktioniert das nämlich nicht.

    Ich rede von folgendem Saitenabstand:
    Ein Streifen, normales Schreibmaschinenpapier (80g / m^2), gleitet ohne Widerstand am Sattel unter der Saite durch.
    Ein einmal gefalteter Streifen Papier (das gleiche, wie oben) bleibt bereits leicht klemmen.

    Diesen Saitenabstand habe ich auf meinen eigenen Geigen eingerichtet.


    cheers, fiddle
     
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  3. JohnMcCartney

    JohnMcCartney Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.02.16   #3
    Ich war heute bei der Geigenbauerin, die mir versicherte, dass die Saitenhöhe von ca. 2mm unter der Saite genau so sein muss, dass sie daran nichts verändern würde und nur der Steg 1mm tiefer gelegt werden könnte... Alle guten Violinen hätten diesen Abstand, auch in Orchestern. Eine logische Begründung blieb sie leider schuldig. Dann meinte sie noch: Das ist Physik, kann man nichts dran ändern. Ich meinte, dass meine Physik das leider anders sieht.
     
  4. Silvieann

    Silvieann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.16   #4
    Ich denke, dass es da auch auf die Saiten ankommt, mit denen man spielt. Zumindest hatte ich bei mir schon Saiten, mit denen es geklappert hat und andere, mit denen alles ok war. Bei billigen Instrumenten wird wohl in der Regel der Abstand etwas höher gelassen, damit nichts schnarren kann. Dann ist bestimmt die Anzahl an Reklamationen geringer.
     
  5. Kylwalda

    Kylwalda Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.16   #5
    Ich habe das auch bisher immer so gelesen und gehört, wie fiddle es beschreibt, aber auch mal einen Hinweis darauf gelesen, daß dieser "Übergang" in Abhängigkeit zur Hohlkehle des Griffbrett stehend, je nach (häufigem) Einsatzbedarf (Orchester, viel oder wenig Pizzicato z.B.) individuell leicht variieren könne.
     
  6. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 11.02.16   #6
    2mm am Obersattel?
    Wenn das ernst gemeint war, dann werden aber nicht viele Berufsmusiker bei ihr durch den Laden kommen..

    Da wäre mein Tip für sie: einfach mal in ein Orchester zu gehen und die Saitenabstände am Obersattel nachmessen.
    Da findet sich nämlich kein einziges Instrument mit 2 mm Abstand!
    Auch nicht bei den Kontrabässen!

    cheers, fiddle
     
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  7. Jonny W

    Jonny W Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.16   #7
    Ich hab gerade 2 Geigen zur Auswahl Zuhause, da ich nach einem Jahr Leihinstrument jetzt ein eigenes möchte. Bei der einen ist es genau so, wie fiddle es beschreibt, bei der anderen muß ich das Papier 2x falten. Heißt das, daß die eine besser eingerichtet ist? Sie spielt sich auf jeden Fall angenehmer.

    Gruß Jonny
     
  8. Kylwalda

    Kylwalda Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.16   #8
    Klingt doch schwer danach.:)
     
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  9. aXäl

    aXäl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.02.16   #9
    Hallo,
    also meine Hauptreferenz beim Geigenbau ist das Buch 'The Art of Violin Making' von Johnson und Courtnall, in diesem Buch ist die Höhe des Steges über dem Griffbrett mit 1.0mm an der G Saite und 0.75mm an der E Saite angegeben. Durch die Kerben in denen die Saite letztendlich liegt kommt die Saite dann noch etwas tiefer.
    aXäl
     
  10. fiddle

    fiddle Thomann-Streicher-Service HCA

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    Erstellt: 16.02.16   #10
    Hi aXäl,

    bitte keine falschen Termini hier einwerfen!!

    Diese Abstände, von denen Du redest, können nur am Obersattel vorkommen!
    Der Steg ist jener Gerät, welches, in etwa, der Mitte des Korpus anzutreffen ist.

    Der am Griffbrettende übliche Saitenabstand über dem Griffbrett liegt, laut Mittenwalder Tabelle,
    bei 3,5mm (E) bis 4,5mm (G) heute / modern G bei 5mm Abstand.

    cheers, fiddle
     
  11. aXäl

    aXäl Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.02.16   #11
    Ja, sorry. Gemeint war natürlich der Obersattel, darum geht es ja auch im Thread...

    aXäl
     
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