Humbucker: Power-Tap-Schaltung mit C-Switch

Blazer81

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Ich habe letztens an meiner Bastelgitarre etwas neues ausprobiert, was ich euch nicht vorenthalten möchte.

Kurz zur Gitarre: es handelt sich um eine alte Epiphone-Schraubhals-LP von ca 1985-88, eigentlich ist es eher eine Superstrat mit Lindekorpus und Fendermensur, außerdem hatte sie mal HSS-Bestückung und ein Steinberger KB Vibratosystem.

Ursprünglich sah sie mal genau so aus (nicht meine Gitarre):

View: https://www.youtube.com/watch?v=gjVlw_LhDJA
Und hier steht etwas mehr dazu:

Allerdings war sie von Anfang an ein das Gegenteil eines Sammlerstücks, ich hatte sie Anfang der Neunziger schon mit leichten Brand- und Rauchschäden für 150,- DM aus einer Havarie gekauft, kurz darauf ging das Vibrato kaputt; die Fräsung wurde unfachmännisch verschlossen und eine ABR1-Bridge installiert. Da dann wertmäßig ohnehin alles egal war, wurde sie zu meiner Experimentalgitarre, bei der außer Korpus, Hals und Mechaniken eigentlich nichts mehr original ist. So ist auch die etwas fatalistische Pinsellackierung zu erklären. Momentan sieht sie so aus:

DSC_4990.webp

DSC_4991.webp

DSC_4992_Beschriftung.webp

Sie hat einen NoName-Humbucker (wohl einem SD Invader nachempfunden mit 15,2 kOhm) sowie einen Wilkinson P90 in der Mittel- und einen Wilkinson-Firebird-Style-Mini-HB in der Halsposition.
https://www.ebay.de/itm/132056489086
https://www.ebay.de/itm/112186247489

Schon länger hat sie einen C-Switch, also einen Umschalter mit 12 Kondensatoren, der als Erweiterung zur Tonregelung dient. Mit einem Balanceregler kann ich aus dessen Mittelanschlag linksrum klassisch die Höhen rausdrehen (High-Cut, angewählter Kondensator parallel zur Masse geschaltet), und rechtsrum die Bässe (Low-Cut, angewählter Kondensator seriell in den Signalweg geschaltet).

Ich sollte dazu schreiben, dass Übersichtlichkeit und Praktikabilität beim Entwerfen der Schaltungsvariationen unterste Priorität haben. Es geht nur um das Ausprobieren verschiedener Ideen.

Seit ich den folgenden Thread des Users @Sharkai mit der Untersuchung und vor allem der Simulationsdarstellung von @the flix gelesen habe:
spukte bei mir die Idee herum, die dort erläuterte Power-Tap-Schaltung ebenfalls mit dem C-Switch zu kombinieren.

Die Power-Tap-Schaltung stammt ursprünglich von Ibanez* und ist bei Bässen wohl noch etwas verbreiteter als bei Gitarren. Es stellt eine Variante des Humbucker-Splits dar. Bei einem normalen Split wird die Verbindung der beiden HB-Spulen auf Masse gelegt und damit eine der beiden Spulen kurzgeschlossen. Beim Power-Tap wird dazwischen noch ein Kondensator geschaltet. Dies soll im Ergebnis dazu führen, dass der Bassbereich der Reihenschaltung und der Höhenbereich der Splitschaltung kombiniert werden, es sollte also ein kräftigerer Ton herauskommen als beim einfachen Split, aber ein schlankerer als bei der Reihenschaltung. Die Größe des Kondensators spielt dabei natürlich ebenfalls eine Rolle.

Ich habe also nach einigem Grübeln die Schaltung so modifiziert, dass ich nun im Splitbetrieb des Humbuckers den C-Switch dazwischen schalten kann. Und um das mit euch zu teilen, habe ich davon Soundbeispiele erstellt. Die verwendeten Kondensatorwerte sind 1,0 / 1,5 / 2,2 / 2,7 / 3,3 / 4,7 / 6,8 / 10 / 15 / 22 / 33 / 47 nF. Prinzipiell sind die auch alle regelbar, da ich den Balancepoti im Signalweg belassen habe, aber das ist in der Praxis nicht so relevant. Ich stelle hier nur den Sound bei völlig zugedrehtem Poti vor. Ich habe VoLum von @Lum genutzt, Ampmodell Brunetti XL2, Kanal 1 mit V30.

Hier also alle 15 möglichen Humbuckerschaltungen:

HB seriell


HB parallel


HB split (stegseitige Spule)


Power Tap, 47 nF


Power Tap, 33 nF


Power Tap, 22 nF


Power Tap, 15 nF


Power Tap, 10 nF


Power Tap, 6,8 nF


Power Tap, 4,7 nF


Power Tap, 3,3 nF


Power Tap, 2,7 nF


Power Tap, 2,2 nF


Power Tap, 1,5 nF


Power Tap, 1,0 nF


Ich muss sagen, ich bin sehr angetan vom Power-Tap, wenn auch natürlich 12 Varianten davon totaler Quatsch sind. Je größer der C-Wert, desto deutlicher der Effekt, desto mehr Mitten bei jeweils unterschiedlichen Frequenzen werden also aus dem Signal entfernt. Die Wirkweise ist ein wenig wie ein Equalizer, der an verschiedenen Stellen mehr oder weniger große Löcher aus dem Frequenzverlauf rauschneidet. Zur Verschlankung der normalen Serienschaltung ohne großen Lautstärkeverlust sehr zu empfehlen!
 
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