Kompressoreinsatz bei verschiedenen Instrumenten - wo ist er sinnvoll?!

von meikii, 28.05.20.

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  1. meikii

    meikii Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.05.20   #1
    Ich brauche eure Hilfe. Ich beschäftige mich zur Zeit viel mit Recording und stelle fest, dass ich unsicher bin, wann ich Kompressor einsetzen soll und wann nicht. Hier die gängigsten Standard Herausforderungen, denen ich gerade gegenüber stehe.

    Situation: ich nehme ein Demo für unsere Bernd auf. Die Songs die ich aufnehme sind get down on it von Kool and the Gang, Uptown Funk von Bruno Mars, Miami von Will Smith und Good Times von Chic. Audio Interface ist das Focusrite Scarlett. Aufnahme Software ist Sound Forge Pro Suite.

    1. Keyboard: ich spiele Fender Rhodes, Flächen und Geiger direkt vom Yamaha modx ins audio interface Focusrite Scarlett. Frage: Sind die Sounds schon im Keyboard mit Kompressor bearbeitet oder empfiehlt es sich die noch mal mit einem VST Kompressor nach zu bearbeiten ?

    2. Drums aus dem Yamaha modx: ich benutze auf jeden Fall immer eine Spur mit Drums aus dem MODX. Dazu habe ich schon sehr druckvolle Drumsets ausgewählt die richtig viel Punch haben. Eigentlich klingt das so bereits fett, aber ich frage mich, ob man da trotzdem noch einen Kompressor drüber laufen lassen soll?

    3. Vorgefertigte Drum Loop Samples von BetaMonkey u.ä.: auch solche Loops setze ich super gerne ein und ging bis vor kurzem davon aus, dass die eigentlich sofort so wie sie sind einsatzbereit seien. Jetzt bin ich aber doch unsicher, ob man da nicht doch auch einen Kompressor überlegen sollte.

    4. Nächste Woche muss ich dann unseren Bassisten aufnehmen. Uns stehen drei Optionen zur Auswahl. Entweder direkt durch das TC electronic Bass SpectraDirve Pedal oder durch das Tech21VT Bass Pedal jeweils direkt ins audio interface oder vom denTC Blacksmith Bass Amp an der dazugehörigen SWR Box abnehmen. Die beiden TCGeräte haben ja bereits einen Kompressor an Bord, den unser Bassist auch dezent nutzt. Wir werden alle drei Optionen ausprobieren und Sound mäßig vergleichen. Meine Frage: das hier irgendeine pi mal Daumen Regel für Kompressor Einsatz? Ist er bei den Pedalen mehr oder weniger angezeigt als bei der Abnahme am Ap/Bassbox? Reicht der Onboard Kompressor der beiden TC Geräte breit aus oder soll man noch mal mit einem VST Plugin compressor drüber gehen?

    5. Gitarre: wir haben sowohl einen Booster als auch einen leichten Kompressor vor dem Gitarren Amp, eine Marshall DSL 20, hängen und nehmen den Sound über die Gitarrenbox ab. Reicht der Kompressor Einsatz vor dem Amp oder soll man da auch noch mal ein VST Plugin compressor drüber laufen lassen?

    Danke für Euer Feedback!
     
  2. exoslime

    exoslime Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 28.05.20   #2
    ich versuche mich kurz zu halten, genau dort wo dein Ausgangsmaterial zu dynamisch ist und du die Dynamik einschränken willst.
    populäre Beispiele:
    Bass
    Stimme
    Gitarre (clean)
    Schlagzeug (Raummikrofone)

    das Zweite Einsatzgebiet eines Kompressors ist aber nicht nur die Dynamikenschränkung, sondern ein Dynamik Eingriff, aber eher für fortgeschrittene :
    dh, man kann mit der Attack und Releasezeit auch das Audiomaterial formen
    Sprich: zb bei der Snare oder Kickdrum mehr Attack rausholen damit sie noch mehr knallen
    oder beim Bass oder der verzerrten E-Gitarre das Pick-attack stärker rauskommen lassen
    oder aber auch das gegenteil, den Attack schlucken, bzw absenken

    Dann gibts auch noch die sogenannte Gruppenkompression, wo ich mehre Instrumente zusammengefasst komprimiere, was für etwas mehr Zusammehalt zwischen den Spuren sorgt

    bei deinen Beispiel 1 würd ich sagen, kein Kompressor per se notwendig, ausser das Material wäre hochdynamisch, aber auf der gesamten Gruppe kann ein dezent eingesetzer Gruppenkompressor ggf ganz gut wirken
    Beispiel 2: ja, kann sein das man da noch einiges rausholen kann (auch mit dem Stichwort Paralelle Kompression), aber warscheinlich sind die Sound schon so mixready fertig das man als Anfänger eher was verschlimmbessert.
    Beispiel 3, eher nicht
    Beispiel 4: eher ja
    Beispiel 5: gegebenfalls, kommt auf den Zerrgrad an und bei Rhythmusgitarren eher nicht, bei Leadgitarren und Solos eher schon

    der Kompessor vor dem amp hat aber einen anderen Sinn, als der Kompressor beim der fertigen Aufnahme
    beim Kompressor vor dem Amp setzt du hier schon diesen ein, damit mehr Konsistenz zwischen den Anschlägen vorhanden ist.
    Das eine ersetzt das andere nicht, da dein Material was in der DAW landet immer noch hochdynamisch ist und daher Kompressoreinsatz erfordert
     
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  3. meikii

    meikii Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.05.20   #3
    Super, alles perfekt verstanden. Das war wirklich toll erklärt,vielen Dank.

    Fühle mich bereit für den nächsten Schritt. Genauso werde ich es machen, nämlich bei den Drumspuren eine Gruppen Kompression und dann bei den hochdynamischen Sachen auch noch mal.
     
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  4. RayBeeger

    RayBeeger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.05.20   #4
    @exoslime, man muß Vorstellung davon haben, was man mit dem Compressor erreichen will, da stimmt absolut.

    Gitarre bei der Aufnahme OHNE Compressor und relativ clean.

    DAW:
    Wenn ich das Beispiel oben sehe, ist zum Beispiel die Gitarre, weil Funk, Pflicht, jedoch erst beim Mixen. Was will man erreichen? Weniger Dynamik (Laut-/Leiseverhältnis), damit die Chops schön konsistent kommen. Da kannst Du schon ein Kompressionsverhältnis von 3:1 oder 4:1 nehmen. Stell' das einfach mal ein.

    Dann stellst Du das Attack ein, hier würde ich mit 10-15 Millisekunden beginnen, Wichtig ist, dass der Anschlag der Saiten noch durchkommt (mehr Definition). Sobald der Anschlag nicht mehr zu hören ist, solltest Du etwas mehr, vielleicht 20 ms, versuchen. Beim Release würde ich mal mit 100 anfangen. Wenn der Compressor ein Auto-Gain hat laß es (als Beginner) einfach mal drin.

    Wenn Du das so eingestellt hast, dann lasse den Track mit der Gitarre laufen. Dann drehst Du den Threshold langsam herunter (meist ist der Rechtsanschlag 0) bis Du hörst, dass es in sich konsistent klingt, also keine groben Ausreißer in der Lautstärke vernehmbar sind (leise Anteile werden lauter und laute werden abgeregelt).

    Die Anzeige im Meter reagiert deutlich auf Deine Threshold-Einstellungen. Wenn Du dort -3 bis -5dB erreichst, sollte es einigermaßen passen.

    Keyboards würde ich nur komprimieren, wenn Du mehrere Layer verwendest, die dann besser zusammen-"kleben". Ansonsten eher EQing.

    Die Drums sind, weil Samples, schon massiv bearbeitet. Oft läd man ein Sample und in die Spur werden dann die dazugehörigen Effekte geladen. Wenn nicht, nimm' lieber einen EQ, um sie anzupassen. Wenn Du eine Drum-Gruppe erstellst (ich mache das immer), dann kannst Du auf dem Gruppen-Bus einen Compressor mit -1/-3dB platzieren.

    Beim Bass würde ich IMMER ein DI-Signal mit aufnehmen. Damit hat man die Möglichkeit Probleme im Klang im Nachhinein, z.B. mit einer SVT-Simulation, zu korrigieren. Den Compressor würde ich bei der Aufnahme nicht unbedingt verwenden, aber wenn es der Basser braucht, ist es ok.
     
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