Kurzreview: Ibanez LP Black Beauty 70er Jahre

von Hans_3, 04.04.08.

  1. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

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    Erstellt: 04.04.08   #1
    Da ich tendenziell Singlecoil-Spieler bin, war es für mich nie ein wichtiges Thema, mein Geld in eine gute Les Paul zu stecken, obwohl ich immer mal wieder leihweise eine spielte. Per Zufall kam ich nun günstig an eine Ibanez Kopie aus den 70er Jahren, auch als "Black Beauty" bekannt. Wobei "günstig" relativ ist, wenn man ein gewisses Risiko und die eigene Arbeitszeit nicht mitrechnet.

    Tja, so sah die "Beauty" erstmal aus:

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    Nach einigen Stunden gründlicher Arbeit konnte sich das 3,6 kg wiegende Baby wieder sehen und hören lassen. Diverse Kratzer und Lackmacken sind natürlich vorhanden, sieht man auf den Fotos aber nicht so:


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    Hardware:

    Bis auf die PUs sind alle Teile noch original, außer dass der Schweiß der Zeit von der ursprüngliche Goldauflage an den Metallteilen kaum etwas gelassen hat. Potis habe ich geeinigt, laufen astrein. Die Mechaniken sind noch 95% stimmstabil, erstaunlich bei einer über 30 Jahre alten Gitarre. Die Kerben der Saitenrreiter sehen einigermaßen gefährlich aus, da warte ich aber mal ab, ob nacharbeiten wirklich nötig wird. Trotzdem alles heavy duty, keine Billigkram, wie er heute oft verbaut wird. Und Gurtpins und Buchse sitzen (vermutlich seit Verlassen der Fabrik) bombenfest. Das kennt man von heutiger Neuware irgendwie oft anders ;)

    PUs:

    Ein PU ging nicht. Messgerät ergab: Liegt am Schalter. Gründlich gereinigt und Kontakte nachgebogen: alles paletti. Die nichtoriginalen enthaltenen (splitbaren) PUs stammen vom großen deutschen Hersteller Shadow. Alter unbekannt. Der Vorbesitzer hatte sie zudem völlig falsch verlötet (alle 3 Leiter Kabel zusammen :screwy:), was zu merkwürdigen Out-of-Phase-KLängen führte. (Ist mir schleierhaft, wie man damit Jahre spielen kann, ohne zu merken, dass die HBs nicht mit voller Kraft arbeiten.)

    NAch Umlötung klangen die Shadows erstaunlich frisch und fett. Schließlich ist Shadow ja auch keine No-Name-Billigmarke. Trotzdem habe ich den Hals-PU gegen einen Duncan SH-1 getauscht. Er kam mir im Vergleich anschließend etwas seidiger in den Höhen vor. Den Bridge-PU lasse ich erstmal drinnen, denn auch er wird sich nach meiner Einschätzung von einem SH-4 nicht groß unterscheiden.

    Die ursprünglichen Ibanez S70-PUs sollen angeblich wohl auch passabel klingen, habe ich aber noch nie gehört.

    Hals:

    Der kerzengerade Hals (33 Jahre alt) ist geschraubt. Angeblich Mahagoni, könnte aber auch Ahorn sein. Grifbrett ist Rosewood (Palisander). Dünner als bei einer originalen LP. So richitg gut willer mir nicht in der Hand liegen - es gibt schon Hälse, die mir mehr deutlich mehr liegen. Zumal ich ohnenhin lieber mit langer Mensur spiele.

    Body /Decke

    Mahagoni, aus gleichstarken Lagen "gestackt". Die 3 mm starke Decke ist zwar gewölbt, nicht aber der Korpus. Sie liegt also nur an einigen Stellen unterfüttert auf, so dass man sozusagen von einer "1/10-Semi" sprechen könnte. Hier liegt also ein eindeutiger Unterschied zum Original.

    Klang

    Klingt im Trockenzustand sehr hell, transparent und klar mit schnellem Attack. Das lässt schon mal drauf hoffen, dass auch bei Verzerrung in den tiefen Lagen kein Matsch auftritt. Und so ist denn auch am Amp: Plötzlich sind neben den klaren Höhen noch satte Tiefmitten dabei und die Gitarre sägt und brät, was die PUs hergeben und bleibt trotzdem immer durchsichtig. Sehr schön. Und kleine Spielfehler und Unsauberkeiten werden sofort bestraft - das ist halt der Preis, wenn eine Gitarre sofort und sensibel auf jede Feinheit im Spiel reagiert.

    Wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, klingen Gibsons noch eine Tick "runder", dafür mit etwas weniger Biss im Attack. Wobei die Ibanez durch Runterreglen von Volume oder Tonregler trotzdem schön weich zu bekommen ist, ohne an Durchsatz zu verlieren.

    To Do

    Die unterschiedlich abgespielten Bünde müssen noch abgerichtet werden, da bei richtiger Oktaveinstellung einige andere Positionen hörbar unsauber sind. Ich hoffe zumindest, dass dies die Hauptursache ist. Das habe ich nicht so gern, auch wenn ich sowas bei Spielen gut kaschieren kann. Hier sind also nochmal 100 EUR zu investieren. Am 12. und 13. Bund hat die G-Saite zudem einen leichten Deadspot, wobei sich das nach einigen Tagen des Bespielens schon etwas gebessert hat.

    Preise

    In den 70ern kostete eine solche Gitarre in Schwarz 500 DM beim Händler, später dann 700,- (ja, damals wurde alles teurer, heute ist Tendenz bei Gitarren ja eher umgekehrt ;)). Das war ungefähr der Preis für eine gebrauchte Strat oder einen gebrauchten Vox AC30). Heute kosten gut erhaltene Stücke bei Händlern zurzeit ca. 550 EUR. (USA 550 Dollar).

    Kurzum

    Die Gitarre kann sich überraschender Weise klanglich mit meinen besten messen. Vorausgesetzt, dass obige ToDo-Aufgabe die Reinheit noch etwas fördert, wird sie künftig bei mir Nichtpaulaner bleiben.

    Erste Hörprobe

    Leider konnte ich aus Lautstärkegründen nicht mit meinem Röhrenamp und dem Vox Cooltron aufnehmen. So blieb denn nur der Cube 30 (clean) und der kleine Vox AC30-AmPlug (mittlere Zerre), was nun nicht so richtig Reality-Sound der "Black Beauty" ist. Sei's drum, für einen etwas eingeschränkten Eindruck soll's reichen:

    MP3 1,2 MB

    Ibanez-Vintage-Link:

    http://www.ibanez-vintage-page.com/
     
  2. McCyber

    McCyber Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.04.08   #2
    Hi,

    sehr gut gemachtes review und sehr schöne gitarre. Ich denke mal da sind die 550 € besser aufgehoben als bei einer neuen Epi.
     
  3. Wretch

    Wretch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.04.08   #3
    Hi!
    Sehr schönes Review und sehr interessant , da ich selber eine alte Ibanez Les Paul Custom in Sunburst besitze. Ich habe leider keinerlei Möglichkeit sie mit einer Gibson zu vergleichen, aber für mich klingt sie sehr gut. Ich hab sie von meinem Vater geerbt, der sie irgendwann In den 80ern gebraucht gekauft hat. Ich habe keine Ahnung was für Hölzer verwendet wurden aber die Verarbeitung ist sehr gut und die Saitenlage seeeehr niedrig ohne zu scheppern. Bin wirklich sehr zufrieden mit ihr aber die Bünde gehören bei meiner auch unbedingt abgerichtet.
    mfg =)
     
  4. NOMORE

    NOMORE Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.04.08   #4
    Tolle Gite und gutes Review, so eine alte Ibanez ist schon was feines !

    lg,NOMORE
     
  5. Melmoth

    Melmoth Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.04.08   #5
    Ich habe die gleiche Gitarre bei der Arbeit in meiner Musikschule als Unterrichtsgitarre und finde sie erstklassig. Werde mir über kurz oder lang auch eine (über ebay oder so) zulegen...
     
  6. paul1006

    paul1006 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.11.09   #6
    hey Leute!
    hab mir jetzt auch ne Iabnez 76 Lp custom zugelegt, es fehlt jedoch das trussrod cover. Weiss jeemand wo ich das herkriegen kann, die von anderen Firmen passen nicht!!
    Vielen Dank
     
  7. RobbinCrosby

    RobbinCrosby Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 25.11.09   #7
    Schieke LP :great:

    Denke, mit dem Bolt-On Neck klingt sie wesentlich bissiger, als eine Gibson mit geleimten Hals? Geiles Gerät! ;)
     
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